Wie Sie vorgehen, wenn sie überraschend reden müssen
Ein junger Reporter „interviewt“
den regierenden Oberbürgermeister von Berlin,
Klaus Wowereit
Wenn Sie Klaus Wowereit vor sich hätten, was würden Sie ihn fragen?
„Ähm ... tja ... also ... nun ...“
Die meisten von uns waren noch nicht in dieser Situation, und daher ist es ganz natürlich, wenn wir erst einmal ein wenig Zeit brauchen, um zu überlegen.
Was tun, wenn sich die Aufmerksamkeit plötzlich auf uns richtet?
Fehlt uns diese Zeit, weil wir spontan gefordert sind, etwas zu sagen, dann verschaffen wir sie uns. Und deshalb beginnen viele mit „Ähm ...“
Kein besonders packender Einstieg, aber oft zu hören. Ebenso beliebt: „Also ...“, „Tja ...“, „Nun ...“
Ganz klar: Wer unvermittelt eine schlaue Antwort geben soll, gerät in Zugzwang. Wir müssen uns erst einmal von dem Schock „Oh je, warum jetzt gerade ich?“ erholen und uns sortieren. Auch unsere Gedanken, denn unsere Antwort soll ja Hand und Fuß haben.
Und genau das ist der Pferdefuß an der Sache! Die unerwünschte Begleiterscheinung: Je stärker wir uns unter Druck gesetzt fühlen, desto so länger verharren wir beim „Ähm ...“
Ganz einfach ...
Ein simpler Trick, um rhetorisch gewandt die nötige Zeit zum Nachdenken zu gewinnen: Wiederholen Sie die Frage und betonen Sie dabei die Kernpunkte der Fragestellung.
Zum Beispiel: „ Sie wollen von mir wissen, was ich Herrn Wowereit fragen würde, wenn ich ihn vor mit hätte?“
Ihr Gehirn fängt dabei ganz von selbst an, nach der Antwort zu suchen.
Und geben Sie ruhig zu, dass Sie einen Moment Zeit brauchen. „Lassen Sie mich einen Augenblick überlegen ...“ Damit steigern Sie ganz nebenbei den Wert Ihrer Antwort, da Sie nicht einfach irgendetwas sagen, sondern Ihre Aussage von vorneherein mit dem Prädikat „bedacht“ auszeichnen.
| zum Download: Die perfekte Stegreifrede: Wie Sie vorgehen wenn Sie überraschend reden müssen |
Pleiten, Pech und Pannen ...
Der junge Reporter im Video kann allerdings nicht für sich in Anspruch nehmen, dass er ins kalte Wasser geworfen wurde und keine Zeit hatte, sich seine Frage zu überlegen. Sein Einstieg:
„Ähm, warum ... oder wie ... ähm ... Ne, also ...“
„Na“, erwidert Klaus Wowereit aufmunternd und wartet geduldig, ob der junge Mann sich denn nun zu einer Frage durchringen kann.
Aber als rund eine Minute später noch immer keine andere Frage im Raum steht als die, ob der Nachwuchsreporter denn nun endlich zu Potte kommt, da ist es dann auch Herrn Wowereit zu viel.
Verständlich, oder? Und so endet das Interview, bevor es überhaupt begonnen hat.
Etikett oder Etikette?
Der junge Reporter im Video scheint Vorbereitung aber nicht nur in Bezug auf seine Frage für überflüssig zu halten, denn: Aus seinem Pullover lugt das Etikett, sein Rasierapparat scheint schon seit Tagen in den Ruhestand getreten zu sein ...
Würde Sie jemals so bei einem Termin erscheinen?
Vielleicht hätte dem jungen Mann mal jemand sagen sollen, dass angemessene Kleidung und ein gepflegtes Äußeres ganz entscheidend für den ersten Eindruck als Reporter wie als Redner sind. Schließlich drücken wir unserem Gegenüber bzw. unserem Publikum ja unsere Wertschätzung damit aus. Oder eben nicht ...
Wenn Sie ausreichend Zeit haben:
Mit der Vorbereitung steht und fällt der Erfolg Ihrer Rede/Präsentation.
Auch wenn Sie gerne frei sprechen:
- Formulieren Sie in einem Manuskript Ihre Kernfragen und Kernaussagen aus. So können Sie bei Bedarf einen Blick darauf werfen.
- Bilden Sie kurze, einfache Sätze, um Zusammenhänge zu erklären. Damit erleichtern Sie es Ihren Zuhörern, Ihre Ausführungen auf Anhieb zu verstehen.
- Markieren Sie die wichtigsten Stichpunkte deutlich sichtbar, damit Sie den roten Faden immer im Auge haben.
- Üben Sie die wichtigsten Passagen ein paar Mal. So gehen Sie mit absoluter Sicherheit an den Start und werden mit Ihrem Auftritt bis zum Schluss überzeugen.
Glauben Sie mir: So vorbereitet, würde Ihnen auch Herr Wowereit gerne zuhören.
Alexandra Sievers
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