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Rhetorik-Tipps

Eine gelungene Rede halten: so gelingt es

Eine gelungene Rede ist kein Zufall, auch wenn sie sich bei einem geübten Redner leicht und locker anhört. Ansprachen, die im Gedächtnis bleiben, sind jedoch immer das Ergebnis einer guten Planung. Der Aufbau der Rede ist ganz bewusst auf ihren Zweck ausgelegt, die Rhetorik und Körpersprache des Redners unterstützen das Gesagte.

Doch auch das Publikum reagiert auf eine angemessene Art. Es ruft nicht dazwischen, sondern gibt höchstens einmal kurze Bekundungen der Zustimmung oder Ablehnung preis. Es sollte auch aufmerksam zuhören, ohne durcheinander zu plappern und am Ende den Redner mit einem Applaus entlassen. Der Vortragende und die Zuhörer bilden also eine Einheit, und lassen die Rede gemeinsam gelingen.

Übrigens: Eine besonders kurze Rede, mit der eine Versammlung begrüßt oder eine Veranstaltung eröffnet wird, bezeichnet man als Ansprache. Eine gelungene Ansprache bringt die Zuhörer in die richtige Stimmung für das Ereignis.

Wie kann ich eine Rede richtig vorbereiten: ausformulieren oder Stichworte?

Um sich auf die Ansprache oder Rede angemessen vorbereiten zu können, muss klar sein, an wen sich Ihre Rede wendet, in welchem Rahmen sie stattfindet und welche Zielsetzung sie damit verfolgen. Wenn Sie in lockerer Atmosphäre sprechen, dann brauchen Sie vielleicht nur ein paar Stichworte. Eine offizielle oder berufliche Gelegenheit erfordert es, dass Sie die Rede detailliert vorbereiten. Planen Sie den Aufbau der Rede genau und üben Sie sich in Rhetorik.

Bedenken Sie: Je authentischer Ihre Ansprache wirkt, umso eher werden Sie das Publikum erreichen.

Flipchart, Hilfsmittel

Mit Hilfsmitteln wie einem Flipchart lassen sich alle Ideen vereinen und bieten ein Gesamtüberblick © baranq – Shutterstock

Wenn Sie lediglich mit Stichworten arbeiten, machen Sie deutlich, dass Sie die Inhalte Ihrer Rede im Kopf haben. Das schafft Vertrauen, erfordert jedoch wesentlich mehr Vorbereitung als das Vorformulieren der gesamten Ansprache. Stichworthilfen die Sie als Medieneinsatz nutzen können sind:

  1. Stichwortzettel
  2. Mind Map
  3. Folie
  4. Flip Chart
  5. Power Point

Die Stichworte können gleich dafür verwendet werden, dem Publikum das Zuhören zu erleichtern. Sie können auch als Handout ausgegeben werden.

Was sind die Vorteile einer freien Rede mit Stichworthilfen?

  • Sie sind mit dem Inhalt vertraut und sprechen locker und frei. So erreichen Sie das Publikum leichter.
  • Es fällt Ihnen leicht, authentisch zu sprechen.
  • Sie können besser Blickkontakt mit dem Publikum halten, wenn Sie nicht die ganze Zeit ablesen müssen.

Was sind die Nachteile einer freien Rede mit Stichworthilfen?

  • Sie müssen eine längere Zeit für die Vorbereitung einplanen.
  • Wenn Sie aus dem Konzept geraten, etwa weil sich das Publikum nicht wie erwartet verhält, finden Sie eventuell nur schwer wieder zurück.

Was ist das Wichtigste, das man über Reden wissen muss?

1. Reden haben eine ganz bestimmte Sprache

Das sprachliche Niveau einer Rede ist in der Regel hoch, denn sie werden häufig erst geschrieben und dann abgelesen. Auch bei einer freien Rede versucht ein Redner, sich sprachlich am geschriebenen Wort zu orientieren. Das darf jedoch nicht auf Kosten der Verständlichkeit gehen, sodass Redner hier einen kleinen Spagat absolvieren müssen. Die gewählte Sprache hängt immer auch vom Publikum ab.

Reden werden in Prosa gehalten. Gedichtete Reden (Büttenreden) sind die Ausnahme.

2. Eine Rede dreht sich immer um ein bestimmtes Thema

Thematisch sind Reden geschlossen. Als Redner bleiben Sie konsequent bei einem Thema, auch wenn Ihnen bei der Recherche viele andere, wichtige Zusammenhänge begegnen werden. Zu weit abzuschweifen ist jedoch kein guter Stil und stellt die Zuhörer vor vermeidbare Herausforderungen. Eine gute Rede ist kurz und bringt Ihr Anliegen auf den Punkt. So bleiben die Zuhörer leichter aufmerksam.

3. Wenden Sie sich immer dem Publikum zu

Es ist mittlerweile überholt, sich hinter einem Redepult zu verstecken, doch wenn eines vorhanden ist, dann bestimmt es schon einmal Ihre Blickrichtung. Sie wenden sich nämlich immer Ihrem Publikum zu, nicht nur mit der „kalten Schulter“, sondern am besten frontal. Das gilt auch für Ihre Blicke, die nicht über die Köpfe des Publikums hinweg schweifen oder sich an den Seitenrändern verirren. Schauen Sie Ihre Zuhörer an und gehen Sie auch mit den Augen in Kontakt. Setzen Sie Ihre Körpersprache ein. Stehen Sie stets auf, auch wenn Sie eigentlich mit den anderen an einem Konferenztisch sitzen. Die aufrechte Position unterstreicht Ihren Anspruch auf Aufmerksamkeit, den Sie mit dem Halten der Ansprache oder Rede einfordern.

Zur Seite zu sprechen, sich zu verbergen, die Arme vor dem Körper zu bewegen ist unprofessionell und wirkt wenig einladend.

4. Höflichkeit von allen Seiten ist Trumpf

Sowohl der Redner als auch das Publikum halten sich an gewisse Regeln der Etikette. Als Referent bitten Sie um Aufmerksamkeit und überstrapazieren diese nicht, der Zuhörer schenkt sie Ihnen.

5. Reden haben immer einen Zweck

Sie dienen nicht der Unterhaltung (Ausnahmen wie Büttenreden bestätigen die Regel). Verfolgen Sie also stets den Zweck Ihrer Rede und verlieren Sie den roten Faden nicht aus den Augen.

6. Es gibt ganz verschiedene Arten von Reden

  • die Gelegenheitsrede, auch Anlassrede genannt
  • die Informationsrede
  • die Meinungsrede
  • die Argumentationsrede
  • die Überzeugungsrede
  • die kurze Begrüßung
  • politische Reden
  • Reden auf Demonstrationen
  • Wahlreden
  • Werbevorträge
  • Reden bei Gericht
  • Lehrreden
  • Gedenkreden
  • Trauerreden
  • Festtagsreden (Hochzeit, Empfang etc.)
  • Neujahrsreden
  • Jubiläumsreden
  • Einweihungsreden von Bauwerken
  • Damenreden (finden hauptsächlich unter Männern statt und stellen die Vorzüge einer oder mehrere Damen in den Mittelpunkt)
  • akademische Vorträge
  • Vorlesungen
  • Referate

Wie sollte man eine Rede am besten planen?

Mind Mapping

Mit Mindmapping sortieren Sie Ihre Gedanken © Andrej_Popov – Shutterstock

Gerade dann, wenn es um das Schreiben einer informativen Rede geht, ist das Einbeziehen aller relevanten Fakten besonders wichtig, Immerhin sind Sie als Redner in Ihrem Thema besonders kompetent und wollen sich von Publikum keine Wissenslücken vorwerfen lassen, die Ihre Argumentation in der Rede untergraben könnten.

Sie können die Planung etwa mit der Mindmapping-Methode beginnen.

“Mind Mapping erzeugt Gedankenlandkarten, welche die beste Route zu einem Ziel deutlich sichtbar machen.“

Mindmapping ist ein nützliches Werkzeug, mit dem sich Gedanken sortieren und Themen umfassend aufbereiten lassen. So gehen Sie vor:

  • Schreiben Sie das Thema Ihrer Rede in die Mitte eines ausreichend großen Blattes. Zeichnen Sie einen Kreis oder eine Wolke um diesen Begriff.
  • Ziehen Sie Linien von Ihrem Kreis aus und schreiben Sie an die Enden alle Begriffe, die Ihnen zum Thema einfallen. Besonders relevante Dinge werden ganz in der Nähe des Ausgangsbegriffes notiert, weniger relevante weiter entfernt.
  • Zum Schluss bringen Sie alle Begriffe in eine sinnvolle Reihenfolge und streichen Überflüssiges.

Eine Rede gliedern: Welche Reihenfolge ist sinnvoll?

Der Aufbau einer Rede folgt einer logischen Struktur. Sie beginnen mit einer Einleitung, stellen im Hauptteil das Thema umfassend vor und enden mit dem Schluss.

  1. Stellen Sie Ihr Thema vor.
  2. Sprechen Sie über Ihr Thema.
  3. Fassen Sie das Gesagte zusammen.

Steigern Sie sich von einem schwachen zum stärkeren Argument.

Begeistern Sie von Anfang an!

Vom Einstieg hängt es ab, ob Sie Ihre Zuhörer von Anfang an begeistern können. Überlegen Sie sich einen knackigen Anfang, starten Sie mit einem Scherz, einer Geschichte, einer emotionalen Anekdote. Vergessen Sie nicht, Ihre Körpersprache und Ihre Stimme einzusetzen.

Tipp: Die Wirkung einer Rede beruht nur zu 40 Prozent auf ihrem Inhalt. Weitere 40 Prozent hängen von der Körpersprache ab, 10 Prozent von der Stimme.

Wie kann man seine Stimme für den Erfolg einer Rede einsetzen?

Machen Sie es wie die Profis und überlassen Sie stimmlich nichts dem Zufall. Wenn Sie professionellen Sprechern in den Medien einmal bewusst zuhören, werden Sie bemerken, dass diese sogenannte Bogensätze verwenden. Das bedeutet, dass die Stimme sich im Verlauf des Satzes hebt (einen „Bogen“ macht), es folgt eine kurze Pause und sie senkt sich zum Ende des Satzes. Senken Sie Ihre Stimme immer am Ende eines Satzes. Das unterstützt die Wirkung des Gesagten. Ungeübte, nervöse Sprecher heben häufig die Stimme am Ende eines Satzes. Das verhindert die „Auflösung“ und erzeugt bei den Zuhörern eine unangenehme Anspannung.

Passen Sie Lautstärke und Betonung immer Ihren Worten an. Wer monoton immer im selben Tonfall referiert, langweilt sein Publikum. Wenn Sie etwas Spannendes zu erzählen haben, klingen Sie selbst gespannt! Überraschende Fakten bleiben viel besser im Gedächtnis, wenn Sie sich selbst überrascht anhören.

Seien Sie immer authentisch! Der Erfolg Ihrer Rede hängt stark davon ab, dass Sie immer Sie selbst bleiben. Flechten Sie persönliche Erlebnisse ein, seien Sie emotional, zeigen Sie sich! Ihre Zuhörer werden es Ihnen danken und Ihre Rede positiv aufnehmen.

Was sind die wichtigsten Tipps für eine gute Rede?

  • In der Kürze liegt die Würze

Bleiben Sie stets beim Thema und schweifen Sie nicht ab. Bringen Sie die Fakten prägnant auf den Punkt und vergessen Sie die Emotionen nicht. Verwenden Sie nicht mehr als drei Argumente pro Rede! Mehr können sich Ihre Zuhörer ohnehin nicht merken.

  • Vermeiden Sie Schlangensätze

Während man beim Lesen eines langen Satzes immer mal zurückspringen kann, um den Sinn besser erfassen zu können, ist das bei einer Rede natürlich nicht möglich. Nehmen Sie Rücksicht auf die Aufmerksamkeitsspanne Ihres Publikums und machen Sie deutlich mehr Punkte als Kommata.

  • Wählen Sie als Zeitform bevorzugt die Gegenwart

Adjektive geben ein Versprechen, Verben lösen es ein! Sprechen Sie weniger davon, WIE Dinge sind und mehr davon, etwas zu TUN. Verwenden Sie dabei die Gegenwartsform der Verben. Also: „Wir planen….“ und nicht: „Unsere ambitionierte Planung….“

  • Setzen Sie Ihre Körpersprache ein

Erinnern Sie sich? 50 Prozent Ihrer Redewirkung hängen an Ihrer Körpersprache. Darum können geschickte Redner einen ganzen Saal mit ihrer Sprache bannen, ohne tatsächlich viel zu sagen. Viele Tipps rund um die Körpersprache finden Sie in unseren Artikeln.

  • Treten Sie mit dem Publikum in Kontakt

Sprechen Sie Ihre Zuhörer direkt an, indem Sie rhetorische Fragen stellen („Kennen Sie das auch?…“) Nehmen Sie Blickkontakt auf, nehmen Sie die Zuhörer als Gegenüber wahr. Es gibt immer jemanden, der aufmerksam zuhört. Blicken Sie diese Person bevorzugt an, wenn Sie ansonsten zu aufgeregt sind. Auch ein echtes Lächeln ist ein wichtiges Instrument einer gelungenen Rede. Lächelnde Redner wirken laut einer Studie nicht nur intelligenter, ein Lächeln ist auch sehr sympathisch.

Rede üben

Üben, üben und nochmals üben – so testen Sie die Wirkung Ihrer Rede und verlieren die Angst © Elnur – Shutterstock

  • Sprechen Sie die Rede oft, bevor Sie sie halten

Gerade ungeübte Sprecher sollten eine Rede öfter einmal referieren, bevor sie tatsächlich vor Publikum treten. Sie können sie auch auf Ihrem Smartphone aufnehmen und dann abspielen, bevor es „ernst“ wird. So können Sie die Wirkung Ihrer Rede von außen beurteilen und sie anpassen, bis alles optimal klingt.

  • Haben Sie keine Angst vor einer Panne

Selbst wenn etwas schief gehen sollte, machen Sie sich keine Sorgen. Das ist menschlich und wird vom Publikum nicht übel genommen.

  • Verwenden Sie nach Möglichkeit Ihre eigenen Worte

So lassen sich Ihre Zuhörer am leichtesten bewegen! Machen Sie Ihre Rede zu einem Erlebnis, indem Sie Persönliches einstreuen, mit einem Scherz die Stimmung auflockern und Ihr Publikum einbeziehen.

  • Machen Sie sich immer klar, für wen Sie Ihre Rede halten

Passen Sie sich den Wissensstand des Publikums an. Auch der richtige Ton hängt ganz davon ab, wen Sie vor sich haben.

Mit unseren Tipps sind erfolgreiche Reden kein Hexenwerk mehr!

Redaktion redenwelt.de

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