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Rhetorik-Tipps

Roter Faden in der Rede: souverän vortragen und überzeugen

Stottern, Stammeln und jede Menge „Ähm“: Das kann die Folge sein, wenn eine Rede keinen roten Faden hat. Der Redner verliert den Bezug zu seinen eigenen Worten, er weiß nicht mehr was er sagen möchte und das Publikum wird mit einem großen Fragezeichen aus dem Vortrag hinausgehen. Das muss nicht sein!

Der rote Faden ist das Gerüst einer Rede. Er gibt Struktur und sorgt dafür, dass Sie Ihre Rede souverän vortragen können. Mit einem roten Faden können Sie Ihr Redeziel verfolgen und Ihre Botschaft auch tatsächlich übermitteln. Er gibt Rednern Sicherheit, schmälert das Lampenfieber und erhöht die Qualität der Präsentation.

Was ist der rote Faden in einer Rede?

Der rote Faden in der Rede ist nichts anderes als eine sinnvolle Gliederung der Rede. Er ist ein logischer und nachvollziehbarer Aufbau, denn nur dann können Sie Ihre Zuhörer wirklich überzeugen. Mit einem roten Faden verkörpern Sie Kompetenz im Vortrag. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Publikum aufmerksam zuhört und etwas aus der Rede mitnimmt.

Der rote Faden kann ein Thema sein, dass in Ihrer Rede immer wieder aufgegriffen wird. Er kann auch eine rhetorische Figur sein, die sich durch die Rede zieht und immer wieder vorkommt. Er liegt im Aufbau der Rede begründet, der stringent und schlüssig sein sollte. Nur dann lässt sich mit Sprache und Rhetorik auch wirklich spielen und aus einer trockenen Abhandlung von Informationen wird eine ansprechende Rede.

Mit diesen W-Fragen den roten Faden finden

Um einen roten Faden in die Rede zu bringen, sollten Sie sich im Vorfeld einige Fragen stellen. Wenn Sie diese beantwortet haben, ist Ihre Redestruktur in der Regel ausgearbeitet:

  1. Was ist Ihr Ziel der Rede? Was wollen Sie mit Ihrer Rede vermitteln?
  2. Was wollen Sie genau sagen? Welches Thema soll Ihre Rede / Ihr Vortrag haben?
  3. Weshalb halten Sie Ihre Rede? Was ist der genaue Anlass?
  4. Wer ist Ihr Publikum, vor wem sprechen Sie?
  5. Wie wollen Sie reden? Wollen Sie ernst, fröhlich, motivierend oder ermahnend sprechen?
  6. Wie wollen Sie Ihr Publikum für sich gewinnen? Mit Appellen, Beispielen oder Empathie?

Weiterhin ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt einer Veranstaltung Sie das Wort ergreifen wollen, denn dieser kann über Erfolg oder Misserfolg der Rede entscheiden. Es kann auch sein, dass Sie spontan das Wort ergreifen wollen oder müssen. In solch einem Fall haben Sie keine Wahl, sich einen besseren Zeitpunkt auszusuchen. Nutzen Sie diesen Moment und platzieren Sie Ihre Botschaft.

Nutzen Sie den klassischen Redeaufbau mit Einleitung und Schluss

Wenn Sie diese Aspekte berücksichtigen und alle Fragen beantworten können, haben Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Rede gelegt. Nutzen Sie für Ihre Rede den klassischen Aufbau mit Einleitung, Hauptteil und Schluss und richten Sie daran Ihre Ausgangsfragen aus. Leiten Sie Ihre Zuhörer in das Thema ein, erläutern Sie im Hauptteil so kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig das Kernthema und beenden Sie Ihre Rede mit einem Fazit oder sogar einem offenen Ausgang, der die Zuhörer zum Nachdenken anregt.

Ein wichtiger Punkt: Machen Sie sich bewusst, dass Ihre gesamte Rede dafür gedacht ist, auf Ihre Schlussaussage hinzusteuern. Sie ist das Kernthema Ihrer Rede, Ihr Redeziel. Alles, was Sie im Vorfeld erläutern, sollte ordentlich strukturiert darauf hinführen. Formulieren Sie diese Schlussaussage deutlich und überlegen Sie sich anschließend Argumente, die Sie dabei unterstützen. Alles was zur Untermauerung Ihrer Aussage dient, kommt in die Rede, alles andere bleibt außen vor.

Schmücken Sie Ihre Inhalte aus

Überlegen Sie sich, ob Sie Ihre Rede anhand von Beispielen und Geschichten vortragen wollen, oder ob Sie es bei Fakten belassen. Dies hängt vom Redeinhalt ab. Berücksichtigen Sie weitere Besonderheiten, um Ihre Rede nicht nur logisch zu strukturieren, sondern auch zu einem rhetorischen Meisterwerk werden zu lassen.

  • Arbeiten Sie mit rhetorischen Figuren, um Ihre Rede ansprechend zu gestalten. Rhetorische Fragen, Synekdochen, Metaphern, Metonymien, Alliterationen, Paradoxa – alles ist erlaubt, solange es Sinn ergibt.
  • Geschichten, Beispiele und Anekdoten können einen guten roten Faden für Ihre Rede bieten. Wenn Sie innerhalb Ihrer Bilder bleiben, fällt es Ihnen leichter, stringent in Ihrem Vortrag zu sein. Bloße Fakten vorzutragen sorgt eher dafür, dass auch mal etwas vergessen wird. Zudem erinnert sich das Publikum an Geschichten wahrscheinlicher als an Zahlen, es sei denn, Sie setzen die Zahlensymbolik gezielt ein.
  • Brechen Sie die Erwartungen des Publikums, wenn es passt. Formulieren Sie provokante Thesen, werden Sie mit der Stimme lauter oder seien Sie nach einem entscheidenden Satz für einige Sekunden still. So sorgen Sie für Aufmerksamkeit bei den Zuhörern.

Grundsätzlich gilt: Je sicherer Sie in Ihrem Thema sind, desto sicherer können Sie Ihre Rede vortragen. Bevor Sie sich an das Ausschmücken Ihrer Inhalte machen, sollten diese gut recherchiert und strukturiert sein. Erst nachdem diese Pflicht erledigt wurde, geht es an die Kür und Sie können Ihrer Rede den letzten Schliff verpassen.

Roter Faden: So verlieren Sie ihn während Ihrer Rede nicht

Um den roten Faden Ihrer Rede nicht zu verlieren, sollten Sie diese vorher gründlich einstudieren. Je besser Sie Ihre Inhalte kennen, desto eher gelingt es Ihnen, diese auf Basis Ihrer Redenstruktur auch zu vermitteln. Schreiben Sie sich einige Schlagworte oder kurze Sätze auf Moderationskärtchen, um Ihren roten Faden dort immer wiederzufinden, falls Sie ihn kurzzeitig verlieren sollten.

Falls Sie Ihre Rede spontan aus dem Stegreif halten müssen, können Sie sich auf die anfänglichen W-Fragen besinnen und sich Ihr Redeziel, Ihr Redethema, Ihr Publikum und den Redeanlass bewusst machen. Entscheidend ist, dass Sie Ihre Kernaussage im Kopf haben und dann mit Ihren spontan gewählten Worten darauf hinsteuern.

Roten Faden verloren: Und jetzt?

Wenn das Lampenfieber Sie überkommt und Sie den roten Faden Ihrer Rede während Ihres Vortrags verlieren sollten, machen Sie sich keine Gedanken. Sie sind schließlich der Einzige, der diesen roten Faden kennt, sodass es dem Publikum im besten Fall gar nicht auffällt. Machen Sie einfach souverän weiter und greifen Sie den übersprungenen oder ausgelassenen Teil an späterer Stelle wieder auf oder lassen Sie ihn weg — je nachdem wie es passt.

Lassen Sie sich nicht anmerken, dass Sie gerade ins Straucheln kommen, sondern sprechen Sie normal weiter. Das Publikum würde es merken, wenn Sie aus Verlegenheit nun „Ähm“ oder „Ehh“ in Ihre Rede einbauen. Blenden Sie die negativen Gedanken aus und besinnen Sie sich weiterhin auf Ihre Kernaussage. So kommen Sie auch trotz verlorenem roten Faden in fast jedem Fall an Ihr Redeziel.

Mittels Training oder Coaching können Sie die Vorbereitung auf eine Rede üben und wertvolle Tipps für Ihre nächste Präsentation bekommen. Schließlich ist Rhetorik nicht jedem in die Wiege gelegt und nur wer sich die Zeit nimmt, sich mit dem Thema ausführlich auseinanderzusetzen, wird mit Erfolgen belohnt.

Redaktion redenwelt.de

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