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Rhetorik-Tipps

Aggressive Gesten – wie man sie vermeidet oder bewusst einsetzt

Wer eine Rede hält, sollte sich darauf gut vorbereiten – und zwar nicht nur im Hinblick auf inhaltliche Argumente oder rhetorische Tricks, sondern auch hinsichtlich der eigenen Körpersprache. Nonverbale Kommunikation wie etwa Gestik, Mimik und Sprechtechnik kann bei den Zuhörern einen wesentlich nachhaltigeren Eindruck hinterlassen als das Gesagte. Es geht weniger darum, was gesagt wird, sondern wie. Gerade wenn es gilt, das Publikum von etwas zu überzeugen, sollte der Redner allzu aggressive Gesten und Körpersprache unbedingt vermeiden.

Bewusste und unbewusste aggressive Gesten

Körpersprache

An diesen Signalen der Körpersprache erkennen Sie das Gemeinte Ihres Gegenübers © sharpshutter – Shutterstock

Es gibt zahlreiche Varianten aggressiver Gesten, die – bewusst oder unbewusst – bei Reden zum Einsatz kommen. Häufig fallen sie dem Redner selbst gar nicht auf, gerade ungeübte oder wenig routinierte Redner achten oftmals weniger auf ihre Körpersprache als solche, die mit entsprechenden Coaches auf die Redesituation trainiert und vorbereitet werden.

Das Publikum hingegen registriert solche Gesten sofort. Vor allem dann, wenn sie nicht vereinzelt auftreten, sondern sich durch die gesamte Rede ziehen, können sie von Worten und Inhalten ablenken. Stattdessen erzeugen sie nicht selten negative Emotionen wie Antipathie oder Furcht dem Redner gegenüber – und diese Assoziationen wiederum übertragen sich dann auf den Inhalt des Vortrags.

Kleine Gesten, große Wirkung

Häufig sind aggressive Gesten ein Zeichen von Unsicherheit des Redners: Durch nach außen getragene, nonverbale Aggression soll die Verunsicherung überspielt oder auf das Gegenüber übertragen werden. Es sind vor allem hektische oder unkoordiniert wirkende Bewegungen, die den Redner aggressiv wirken lassen. Aber auch Kleinigkeiten wie eine entsprechende Haltung des Körpers senden Signale aggressiver Kommunikation.

Wer die Arme verschränkt, signalisiert eine Abwehrhaltung. Wer die Hände in die Hüften stemmt, macht sich optisch breiter und strahlt ebenfalls eine latent aggressive Haltung aus. Wer den Kopf etwas zurücklegt oder schiefhält, um den Gesprächspartner von oben herab zu betrachten, wirkt wahlweise arrogant, aggressiv, überheblich oder zumindest dominant. Auch ein allzu kräftiger Händedruck, laute Sprache oder herbe Wortwahl können als aggressiv wahrgenommen werden.

Wenn Blicke töten könnten …

Blickkontakt gilt bei Reden oder im persönlichen Gespräch grundsätzlich als positiv und wünschenswert. Wirkt der Blick jedoch allzu fixierend, fühlt sich der Gesprächspartner also angestarrt, kann der Effekt ins Gegenteil umschlagen und einschüchternd wirken oder Abwehr erzeugen. Ein stechender Blick ruft bei Beobachtern nicht umsonst gern den Kommentar hervor „wenn Blicke töten könnten …“.

Manche Personen werden jedoch auch permanent missverstanden. Ihre Gesichtszüge sehen im entspannten Zustand missmutig oder unzufrieden aus, obwohl dies gar nicht ihrer tatsächlichen Gemütslage entspricht. Sie müssen also aktiv darauf achten, immer wieder zu lächeln, um nicht als schlecht gelaunt oder eben aggressiv wahrgenommen zu werden.

Bewusster Einsatz aggressiver Gesten

Es gibt Situationen, in denen aggressive Gesten bewusst eingesetzt oder als notwendig empfunden werden. Gibt beispielsweise der Profiboxer vor seinem Kampf ein Interview, ist er darauf bedacht, möglichst aggressiv und dominant aufzutreten, Selbstbewusstsein auszustrahlen und den Eindruck des siegessicheren Kämpfers zu erzeugen.

Es gibt die aggressiven Gesten jedoch auch in deutlich kleinerem Rahmen, etwa im Alltag. Ein klassisches Beispiel sind Menschen, die in öffentlichen Verkehrsmitteln für sich besonders viel Raum beanspruchen, etwa durch breitgestellte Beine, die Mitreisenden das Signal senden sollen: „Hier ist kein Platz für dich, setz dich bitte woanders hin“.

Von „Kampfzwergen“ und „stillen Riesen“

Dies gilt generell für die Haltung des Körpers und ist auch im alltäglichen Verhalten zu beobachten: Wer sich „klein macht“, strahlt Unsicherheit aus, wer hingegen viel Raum einnimmt, macht einen eher selbstbewussten Eindruck.

So ist es kein Zufall, dass aggressive Gesten wie schnelles oder lautes Reden, eine aufplusternde Körperhaltung oder auffälliges Gestikulieren besonders häufig bei Personen kleinerer Körperstatur anzutreffen sind. Es ist ihre Strategie, um nicht übersehen zu werden und auf sich aufmerksam zu machen. Häufig sind sie es, die besonders laut lachen, Gespräche aktiv an sich reißen oder bewusst dominant auftreten – ein Verhalten, das sie sich oftmals unbewusst und schon in jungen Jahren angewöhnt haben.

Umgekehrt sind besonders großgewachsene Menschen charakterlich häufig als Ruhepol zu bezeichnen: Ihre Körpergröße sichert ihnen eine Dominanz, die sie im Alltag nicht zusätzlich unterstreichen müssen. Sie sind es ohnehin gewohnt, im persönlichen Gespräch den Blick „von oben herab“ zu haben, das genügt ihnen häufig. Die Bilder vom „stillen Riesen“ und vom „Kampfzwerg“ kommen nicht von ungefähr.

Einsatz aggressiver Gesten stets situationsabhängig

Die Bedeutung aggressiver Gesten ist dementsprechend stark abhängig von der jeweiligen Situation und der individuellen Person sowie ihrem Gegenüber. Handelt es sich um eine Rede vor großem Publikum, ein Gespräch mit vertrauten Personen oder einen Dialog mit Fremden? Befindet man sich im öffentlichen, beruflichen oder privaten Kontext? Kommen die aggressiven Gesten bewusst zum Einsatz oder laufen sie unbewusst sozusagen „nebenbei“ ab? Tragen sie zum gewünschten Effekt bei oder haben sie ungewollte Nebenwirkungen?

All dies gilt es zu beachten bei der Bewertung aggressiver Gesten, die man an sich selbst oder im Verhalten anderer Personen beobachtet. Vom schnippenden Finger im Schulunterricht über das Trommeln mit dem Kugelschreiber auf der Schreibtischplatte bis hin zum unkommentierten Augenrollen gibt es aggressive Gesten im Alltag in vielfachen Varianten. Die Gefühle und Reaktionen, die sie bei Menschen in der unmittelbaren Umgebung auslösen, sind in der Regel negativ und reichen von Einschüchterung oder Furcht bis hin zur Gegenaggression.

Bewusst oder unbewusst aggressive Wirkung?

aggressive Mimik

Gerade im Wahlkampf werden aggressive Mimiken zur Steigerung eingesetzt © Vibrant Pictures – Shutterstock

Will sich jemand jedoch bewusst dominant und selbstbewusst präsentieren, kann der gezielte Einsatz aggressiver Gesten dabei unterstützend wirken. Denkbar ist eine solche Konstellation zum Beispiel im Kontext von Auftritten zum Wahlkampf, Verhandlungsterminen von Unternehmensmanagern, anwaltlichen Ausführungen vor Gericht oder dem bereits erwähnten Profisportler.

Wer sich dabei erwischt, ungewollt aggressiv aufzutreten oder wahrgenommen zu werden, sollte hingegen gezielt an der eigenen Mimik, Gestik und Körpersprache arbeiten, um zwar selbstbewusst, aber nicht unsympathisch, entschlossen, aber nicht bedrohlich zu wirken. Ein motivierender Chef sorgt für ein positives Betriebsklima, ein drohender für ein negatives – gleiches gilt für das Auftreten im privaten Umfeld. Wer Positives ausstrahlt, bekommt in der Regel auch positives Feedback, und umgekehrt.

Sprechtechniken, Entspannungstechniken, bewusstes Lächeln oder das Beobachten der eigenen Körperhaltung vor dem Spiegel kann dabei helfen, ungewollte aggressive Gesten abzutrainieren und im alltäglichen Verhalten insgesamt positiver zu wirken.

Was zählt zu aggressiven Gesten?

Die Liste denkbarer aggressiver Gesten ist lang und lässt sich beliebig fortsetzen. Zu den eingangs erwähnten Beispielen zählen …

  • Zu harter Händedruck
  • Stechender Blick, Anstarren
  • Abwehrende Körpersprache (verschränkte Arme, in die Hüfte gestemmte Hände, …)
  • Viel Raum für sich beanspruchen
  • Andere von oben herab ansehen
  • (zu) lautes Sprechen
  • Hektische oder ausufernde Bewegungen

Wie lassen sich aggressive Gesten bewusst einsetzen?

Einige Situationen erfordern ein dominantes Auftreten. Hier können aggressive Gesten bewusst eingesetzt werden:

  • Selbstbewusste Körperhaltung zum Überspielen von Unsicherheiten
  • Dominantes Auftreten, wenn es die Situation erfordert

Wie kann man ungewollte aggressive Gesten vermeiden?

Wer auf sein Umfeld ungewollt aggressiv wirkt, sollte sich der ausgesendeten Signale durch Mimik, Gestik und Körpersprache bewusst werden und diese gezielt, gegebenenfalls zuhause vor dem Spiegel, trainieren:

  • Sich die Wirkung bewusst machen
  • Aktiv lächeln
  • Körperhaltung und Körpersprache optimieren

Zudem empfiehlt es sich grundsätzlich, das eigene Verhalten zu reflektieren und dabei auch die Reaktionen anderer zu berücksichtigen, insbesondere dann, wenn diese ungewollt negativ ausfallen. In der konkreten Kommunikationssituation sollten unbewusst aggressiv auftretende Menschen stärker auf ihre Körpersprache und die Wahl ihrer Worte achten, sich die eigene Sprechlautstärke bewusst machen und Blickkontakt wohldosiert einsetzen.

Redaktion redenwelt.de

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