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Rhetorik-Tipps

Etymologie: In der Rede rhetorische Argumente setzen

Bei einer Rede kommt es darauf an, Argumente klar und präzise zu formulieren, Rechnenschaft zu leisten und sie mit den nötigen Informationen und Beispielen zu untermauern. Um jedoch nicht nur trockene Erklärungen zu liefern, ist die Etymologie – die Herkunftsgeschichte eines Wortes – eine gelungene Abwechslung. Denn: Sie informiert nicht nur, sondern unterhält auch das Publikum. Erfahren Sie im folgenden Artikel, wie Etymologie in der Sprachwissenschaft definiert wird und wie sich die Wortherkunft aus der Antike entwickelt hat.

Lesen Sie außerdem, wie Sie etymologische Bedeutungen am besten in Ihre Rede integrieren und warum es sinnvoll ist, die Geschichte einer Bezeichnung zu erzählen.

Was ist Etymologie?

Etymologie

Einen Nachweis für die Etymologie findet man häufig im Duden © HE Photography – Shutterstock

Das Wort Etymologie leitet sich von dem altgriechischen Wort ἐτυμολογία etymología ab. Es setzt sich aus den Worten ἔτυμος étymos, welches „wahr“, „echt“ oder „wirklich“ bedeutet und λόγος lógos, übersetzt „Wort“, zusammen. Ursprünglich bezeichnete Etymologie die Untersuchung des wahren Sinnes eines Wortes. Heute wird der Begriff mit „Wortherkunft“ oder nur „Herkunft“ gleichgesetzt.

Es gibt zwei generelle Bedeutungen des Begriffs. Zum einen befasst sich Etymologie mit der Geschichte und Herkunft von Wörtern und ihren Bedeutungen. Zum anderen bezeichnet sie die Wissenschaft, die sich mit der Herkunft und Geschichte eines Wortes und seiner Bedeutung beschäftigt. Bei Letzterem handelt es sich um einen Teilbereich der Linguistik, wie die Sprachwissenschaft ebenfalls genannt wird.

Antikes Verständnis: Die ungenaue Pseudo-Etymologie

In der Antike war die Etymologie ein Teil der Grammatik. Sie wurde nicht nur von Grammatikern erforscht, sondern auch von Philosophen – wie Platon und Kratylos, um nur einige Namen zu nennen – näher betrachtet. Dabei fokussierte die Etymologie vor allem die Bedeutungserklärung eines Wortes. Allerdings beruhten die Argumentationen und Herleitungen ausschließlich auf Vermutungen sowie Spekulationen. Mit dem heutigen wissenschaftlichen Verständnis der Etymologie und ihren kritischen sprachwissenschaftlichen Prüfungen nach altgriechischen und lateinischen Stämmen sind die damaligen Erkenntnisse nicht zu vergleichen.

Die antike Methodik beruht auf Analogien zwischen dem Klang oder dem Schriftbild verschiedener Wörter. Diese konnten jedoch sehr vage ausfallen, weshalb die antike Form der Etymologie heute auch Pseudetymologie oder Pseudo-Etymologie genannt wird. Die antiken Gelehrten nutzten diese Form der Etymologie, um ein Wort aus seiner Wurzel abzuleiten und die eigentliche, „wahre“ Bedeutung nachzuweisen, so die aktuelle forschende Literatur.

Für die Ableitung nutzten sie die Ähnlichkeit eines Ausdrucks zu der Gestalt anderer Wörter. So trafen sie eine Aussage über die Beziehung der Begriffe und versuchten, die Gemeinsamkeiten zu ergründen. Ziel der Philosophen und Grammatiker war es, die im Wort angelegte Wahrheit zu erklären und verschiedene Wörter oder Morpheme miteinander zu verbinden. Hierbei entstanden jedoch zahlreiche fälschliche Herleitungen, die sich auch heute noch auf die Sprachforschung auswirken.

Die Gegenwart: Etymologie als Teilgebiet der Sprachwissenschaft

Mittlerweile zählt die Etymologie zu der historisch vergleichenden Sprachwissenschaft. Die historische Linguistik beleuchtet die Entstehung und die geschichtlichen Veränderungen von Wörtern und hält diese in etymologischen Wörterbüchern fest. Der Sprachforschung geht es dabei um die Herkunft eines Wortes, die Erklärungen für dessen Entstehung liefert. Anders als der Duden, bei dem die Rechtschreibung eines Begriffs im Fokus steht, geht es bei einem etymologischen Wörterbuch um die Wurzel bzw. die Herleitung eines Wortes.

Das wissenschaftliche Teilgebiet der Linguistik befasst sich mit wiederkehrenden Erscheinungen innerhalb des Sprachwandels und leitet aus diesen Mustern entsprechende Lautgesetze ab. Diese ermöglichen der Forschung, Veränderungen eines Wortes im Laufe der Zeit festzuhalten. So kann man die geschichtlichen Entwicklungen von Sprachen beleuchten. Somit erhält die Sprachforschung ein tieferes Verständnis für die Entwicklung einer Einzelsprache und des Sprachwandels im Allgemeinen.

Nach dem zeitgenössischen Verständnis der Etymologie geht es nicht mehr wie in der Antike um den wahren Gehalt eines Wortes. Auch wird dem Wort keine tiefere Bedeutung mehr beigemessen. Vielmehr soll eine wissenschaftliche Erkenntnis darüber erlangt werden, woher ein Ausdruck stammt. Durch Herleitung und Lautgesetze lässt sich die Wortgeschichte entschlüsseln.

Die Geschichte eines Wortes kann aber auch eine unterhaltsame und überraschende Funktion aufweisen. Das lässt sich beim Konzipieren einer Rede zunutze machen. Etymologischen Erklärungen stellen – je nach Einbindung – einen gelungenen Einstieg, eine kurze Auflockerung oder ein Leitmotiv einer gelungenen Rede dar.

Die Etymologie in der Rede

Wortgeschichten und Ableitungen von Wörtern weisen oftmals einen unterhaltenden Charakter auf und können gut in eine Rede eingebaut werden. Somit bekommt der Vortrag eine interessante Note. Zudem lassen Hintergrundinformationen Argumente nachvollziehbarer wirken. Der Redner präsentiert sich zudem gut vorbereitet und liefert dem Publikum ein Aha-Erlebnis, welches die Aufmerksamkeit bannt. Doch wie genau lassen sich etymologische Erklärungen in eine Rede integrieren, ohne deplatziert oder trocken zu wirken?

Etymologie als rhetorisches Argument

Schon seit der Antike verwenden Rhetoriker die Etymologie als rhetorisches Argument, auch argumentum a nomine genannt. Hierbei weist der Redner auf die Herkunft sowie die ursprüngliche Bedeutung eines Wortes hin oder beruft sich auf den traditionellen Zweck des Ausdrucks.

Mit dieser Methode lässt sich ein Argument oder eine gesamte Deutung stützen, da man sich auf den objektiven sprachlichen Sachverhalt bezieht. So gelingt es, den eigenen Worten eine besondere Überzeugungskraft zu verleihen.

Die Etymologie eines Wortes verhilft dem Redner, eine überzeugende Argumentation aufzubauen und historische Aspekte miteinzubeziehen. Das erleichtert dem Publikum, der Rede zu folgen, sowie den Redner zu verstehen. Zudem erzeugen Hintergrundinformationen Neugierde und machen einen Vortrag spannender.

Darüber hinaus sind die Entstehungsgeschichten eines Wortes und sein historischer Wandel in vielerlei Hinsicht unterhaltend. Nicht nur, dass der Redner seine Argumente einfacher untermauern kann. Die Erzählungen rund um die Herkunft eines Wortes beinhalten oftmals komische und überraschende Wendungen. Somit kann der Redner seine Zuhörer mit neuen Erkenntnissen beeindrucken.

Vorteile der Verwendung der Etymologie in der Rede

Die Einbindung der Etymologie in eine Rede, insbesondere der Wortgeschichte von der „Rede“ an sich, verhilft dem Redner, seine Sicht auf den Vortrag und sein Vorhaben zu betonen. Er führt dem Publikum vor Augen, was er an einer gelungenen Rede schätzt und welche Aspekte ihm wichtig erscheinen.

Die Etymologie eines Wortes lässt sich gut in eine Rede integrieren. An der richtigen Stelle kann es jeden Vortrag aufwerten und spannender gestalten.

Die Vorteile auf einen Blick:

Vorteile der Etymologie

Die Vorteile der Etymologie sind zahlreich und reichen von Überzeugungskraft bis Aha-Effekt © nmedia – Shutterstock

  • stärkere Überzeugungskraft
  • Sachverhalte werden betont
  • Unterhaltsame Geschichten lockern die Stimmung
  • informative Anmerkungen
  • schlüssige Argumentation
  • Kontraste erzeugen Spannung
  • Aha-Effekt beim Publikum

Beispiele für Etymologien in der Rede

Um jedoch die gewünschten Effekte zu erzielen, sollte der Redner nur eine einzige etymologische Erklärung verwenden, diese aber ausreichend erklären. Zudem ist es besonders bei komplizierteren Sachverhalten wichtig, auf eine verständliche Sprache und eine lockere Vortragsart zu achten. Sonst könnte es passieren, dass lange Wortgeschichten vom Publikum nicht verstanden oder als langweilig empfunden werden. Generell sollten etymologische Bedeutungen nicht zu viel Redezeit beanspruchen und eher als zusätzliche Information gesehen werden.

Die nachfolgenden Beispiele zeigen, wie die Etymologie eines Wortes in einer Rede eingesetzt werden kann. Die verschiedenen Wörter und ihre Herkunftsgeschichte lassen sich für unterschiedliche Redearten verwenden.

Die Etymologie von Hochzeit

Die Hochzeitsrede ist ein guter Anlass, um auf die Etymologie des Wortes „Hochzeit“ einzugehen. Heute versteht man darunter die Feier einer Eheschließung oder die Verehelichung. Das mittelhochdeutsche Wort hōchzīt, hōchgezīt bedeutet hohes, großes (kirchliches) Fest, Feiertag oder Vermählungsfeier.

Beispiel: „Schon seit dem neunten Jahrhundert feiern die Menschen diesen Tag der Liebe groß und schätzen die Bedeutung dieses Ereignisses. So lasst uns auch heute ein einzigartiges Fest zelebrieren!“

Durch die Wurzel des Wortes lässt sich bei einer Rede einfach auf den feierlichen Aspekt der Hochzeit eingehen. Denn: Dieser ist schon seit dem Mittelalter ein zentraler Bestandteil der Begriffserklärung. Auch kann der Redner den religiösen Aspekt der kirchlichen Feier betonen und somit auf die alte Tradition verweisen.

Die Etymologie von Glück

Das überraschende und zufällige Aufeinandertreffen von Schicksal oder Umständen – so bezeichnet man heute das Wort „Glück“. Doch lohnt es sich bei einer Rede auch die etymologische Bedeutung des Begriffs zu beleuchten.

Das Wort stammt vom mittelniederdeutschen Begriff „(ge)lucke“ oder mittelhochdeutschen „geluekke“. Es bezeichnet das Schicksal oder den guten wie auch schlechten Ausgang eines Geschehens. Später verändert sich die Bedeutung, sodass „Glück“ nur den günstigen Ausgang eines Ereignisses bezeichnet. Auch beschreibt es den Zustand starker innerer Freude und Befriedung. Oftmals steht es in Verbindung mit einem Verb.

Beispiel: „Wie Sie sehen, war Glück nicht immer nur eine Wendung zum Guten, sondern auch zum Bösen. Und auch ich möchte klarstellen, dass das Positive für den einen nicht immer auch das Gute für den anderen bedeutet. Denn so ist es nicht.“

Mit der Etymologie lassen sich Veränderungen und kontrastierende Bedeutungen hervorheben und auf die eigene Meinung beziehen.

Oftmals sind simple, aber dennoch bedeutungsstarke Wörter wie „Glück“, „Freude“, „Hass“, „Krieg“ oder „Liebe“ gute Beispiele, mit denen sich einfach Hervorhebungen setzen lassen. Jeder kennt diese Wörter und wird überrascht sein, welche Veränderungen der Begriff während des Sprachwandels erfuhr.

Die Etymologie von Dank

In vielen Ansprachen richtet der Redner eine Dankesrede an ein Publikum oder an eine bestimmte Person. Dabei ist es eine gute Option, die Etymologie des Begriffs aufzuzeigen und somit Eindruck beim Publikum und bei der Person zu erwecken. Denn: Ein hergeleiteter Dank unterscheidet sich von einem simplen „Danke“. Es zeugt von Kreativität und Einsatzbereitschaft, mehr über den Begriff zu wissen und somit den eigenen Worten mehr Bedeutung zu verleihen.

Der Dank ist heute ein Gefühl der Erkenntlichkeit und stammt von dem althochdeutschen „thanc“ aus dem achten Jahrhundert. Im Mittelhochdeutschen wurde der Begriff aufgrund der Lautverschiebung zu „danc“. Beide Begriffe bedeuten Gedanke, Wille und Absicht und zielen auf die dankbare Gesinnung des Sprechers ab. Das Wort ist aufgrund seiner indogermanischen Wurzeln mit dem „Gedanken“ verwandt. Es weist somit auch den Bedeutungszusammenhang von „etwas in Gedanken halten“ oder „sich an eine Sache erinnern“ auf.

Beispiel: „Heute sagt man so schnell ‚Danke‘, ohne es vielleicht wirklich so zu meinen. Doch hat der Dank schon immer etwas mit erinnern zu tun. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man das in Erinnerung hält, für das man sich bedankt.“

So kann der Redner auch geschickt auf das Ende seines Vortrages hinweisen, ohne ein langweiliges „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“ zu sagen. Etymologien bringen Abwechslung und lockern eine Rede auf, ohne albern zu wirken. Vielmehr geben sie interessante, zusätzliche Informationen.

Einleitung, Hauptteil, Schluss: Mögliche Integration der Etymologie in die Rede

Die Etymologie eines Wortes lässt sich an beliebigen Stellen innerhalb der Rede einbauen. Wichtig ist jedoch, dass der Rahmen für die Erzählung passt. Die Herkunftsgeschichte eines Wortes muss an der jeweiligen Stelle der Rede nachvollziehbar erscheinen.

So gibt es die Möglichkeit, direkt zu Beginn des Vortrags die Herkunft eines Wortes zu erläutern. So lässt sich eine Grundlage für die folgende Argumentation bilden. Zudem lockert eine Geschichte das Publikum auf. Die Etymologie macht Lust auf mehr. Die Zuhörer werden wissen wollen, wie die Rede weiter verläuft und warum ausgerechnet die Herkunft dieses Ausdrucks erklärt wurde.

Aber auch zu der Mitte der Rede hinlässt sich die Etymologie eines Wortes gut integrieren. Beispielsweise dann, wenn sie eine Argumentation oder Behauptung untermauern oder Kontraste aufzeigen soll. Die Wortherkunft ermöglicht es dem Redner, Spannung aufzubauen und neue Erkenntnisse zu liefern. Der Redner kann Themenschwerpunkte hervorheben und eigene Überlegungen pointieren, während er die objektive Herkunftsgeschichte eines Wortes erzählt. Diese gibt seinem Argument die nötige Tiefe.

Darüber hinaus bietet sich die Etymologie am Ende des Vortrags an, über die eigenen Ziele zu sprechen oder einen Ausblick zu geben. Die Zuhörer werden mit teils überraschenden Informationen aus dem Vortrag entlassen. Und können somit etwas mitnehmen, mit dem sie vielleicht nicht gerechnet haben.

Die Wirkung der Etymologie für die Rede

Der Redner hat mit dem Gebrauch der Etymologie die Möglichkeit, seiner Rede mehr Gewicht und einzelnen Abschnitten eine besondere Bedeutung zu verleihen. Es ist durchaus ein interessanter Aspekt für das Publikum, wenn der Redner auf die etymologische Bedeutung eines Wortes eingeht. Wie bei allen rhetorischen Stilmitteln bzw. jedem Sprachschmuck gilt es hierbei jedoch, nicht zu übertreiben.

In der Regel lässt sich in jedem Vortrag ein Wort finden, welches eine interessante oder unterhaltende Geschichte vorweist oder einen außergewöhnlichen Sprachwandel vollzog. Sinnvoll ist es, nicht willkürlich einen Begriff auszuwählen. Entscheiden Sie sich für die Integration der Wortherkunft in die Rede, sollten Sie vor allem Schlüsselworte genauer betrachten:

  • Hochzeitsrede: Liebe, Hochzeit, Zweisamkeit
  • Dankesrede: Dank, Wertschätzung
  • Ehrung: Ehre, Laudatio
  • Geburtstagsrede: Freundschaft, Ehrentag, Geburtstag

Ist ein Begriff gefunden, der mit einem besonderen Sprachwandel oder einer interessanten historischen Linguistik aufwarten kann, lässt sich der Vortrag um diesen Begriff herum aufbauen. Das zeigen auch die nachfolgenden Beispiele.

Beispiel: Die etymologische Bedeutung des Wortes „Rede“

Besonders interessant und eindrucksvoll ist es, wenn der Redner während seines Vortrags auf die Etymologie des Wortes „Rede“ eingeht. Somit kann in seine Ansprache miteinfließen, welche Aspekte seiner Meinung nach eine Rede ausmachen.

Im Verlauf der rhetorischen Ausführungen steht dem Vortragenden somit die Möglichkeit offen, auf die Herkunft des Wortes „Rede“ einzugehen und eigene Vorstellungen damit zu verbinden. So kann der Redner dem Publikum einfach und einprägsam vermitteln, was seinen Vortrag besonders macht und welche Aspekte ihm wichtig sind.

Der Ursprung des Wortes: Die Wurzel erklären

Um eine gute Argumentationsbasis zu schaffen, ist es wichtig, auf die Wurzel bzw. die Ableitung des Wortes einzugehen. Bei dem Wort „Rede“ wäre dies lateinisch „ratio“, das unterschiedliche Übersetzungen aufweist.

So bedeutet es je nach Kontext unter anderem:

  • bewusste Überlegung
  • Aufschluss
  • Denken
  • Vernunft
  • Argumentation

Beispiel: „Man erkennt, dass der ursprünglichen Bedeutung der ‚Rede‘ ein verinnerlichter und reflektierter Aspekt zuteil wird. Auch ich bin der Auffassung, dass es wichtig ist, bewusste Überlegungen zu treffen. Ich möchte meine Argumentation aufschlussreich und verständlich für Sie aufbauen.“

Somit hat der Redner die Möglichkeit, einzelne Übersetzungen zu betonen und seine eigene Argumentation entsprechend zu gestalten.

Die sprachliche Entwicklung: Lautverschiebungen, Lautgesetze und mehr

Durch den Sprachwandel änderte sich die Bedeutung des Wortes „Rede“. Im 8. und 9. Jahrhundert entwickelt sich im Althochdeutschen (kurz: Ahd) die Form „reda“. Dies wurde im Mittelhochdeutschen zur „rede“.

Auch die mittelhochdeutsche Bedeutung des Ausdrucks änderte sich zu unter anderem Vernunft, Rechenschaft, Sprache oder Erzählung. Das Wort verlor damit seinen argumentativ-beweisenden Charakter. Auch hier kann der Redner auf eine Übersetzung eingehen und seine Gedanken zu der Entwicklung äußern.

Beispiel: „Ich weiß, dass ein guter Redner vernünftig sein sollte. Ich habe meine Überlegungen zu diesem Thema zusammengefasst und Ihnen gerade eben erläutert.“

Der Redner hat nun die Möglichkeit, seine eigenen Beweggründe für die Konzeption der Rede zu nennen. Er kann erläutern, ob er selbst ausschließlich aus Vernunft und Einsicht seinen Vortrag gestaltet hat. Oder ob ihm noch andere Aspekte beim Verfassen der Rede wichtig sind.

Beispiel: „Trotz der gewollten Rationalität sprechen die Gefühle aus mir. Gerne möchte ich Ihnen erzählen, was ich in diesem Moment fühlte und wie die Situation mein Leben veränderte.“

Der Redner kann somit Kontraste zwischen den unterschiedlichen Wortbedeutungen ausnutzen und sie auf seine Argumentation übertragen. Mit einer Gegen-Ebene erzeugt er Spannung. Auch lassen sich die vielfältigen Bedeutungsebenen eines Wortes beleuchten, die in jedem Fall das Publikum überraschen.

Der aktuelle Bezug: Die heutige Linguistik

Worte mehr Bedeutung geben durch Etymologie

Durch Etymologie eines Wortes die heutige Bedeutung kraftvoll unterstreichen © Pictrider – Shutterstock

Die Etymologie eines Wortes kann durch die heutige Bedeutung des Ausdrucks ergänzt und abgerundet werden. Man spricht hier von der neuhochdeutschen Bezeichnung bzw. Bedeutung (kurz: nhd). So kann man die unterschiedlichen Bedeutungen miteinander vergleichen. Unter einer Rede versteht man heutzutage die mündliche Beschreibung der Gedanken vor einem Publikum. Schlichtweg eine Äußerung, eine Ansprache oder einen Vortrag zu einem bestimmten Thema. Verstand und Vernunft sind mittlerweile kein Teil mehr des heutigen Verständnisses des Wortes. Sie sind nur über die etymologische Bedeutung zugänglich, sodass dieser Aspekt auch in der Rede beleuchtet werden kann.

Beispiel: „Sie sehen, heute verstehen wir unter der Rede nur noch einen mündlichen Vortrag. Die wichtigen Aspekte, wie Aufschluss und Vernunft werden nicht mehr in der Wortbedeutung erwähnt. Dennoch kommt es mir darauf an, eine schlüssige und nachvollziehbarere Rede zu konzipieren, die mein Publikum unterhält und informiert!“

Der Redner betont hiermit seine Ziele und unterstreicht, worauf es ihm bei der Gestaltung seines Vortrags ankommt. Hierbei ist es vor allem wichtig, auf das Thema der Rede einzugehen und die wichtigsten Punkte hervorzuheben. Durch einen aktuellen Bezug bleibt die Etymologie nicht nur eine unterhaltende Geschichte, sondern erhält eine Verbindung zum Jetzt. Das rundet die Nachvollziehbarkeit der Herkunft und die Geschichte zur Entstehung eines Wortes ab.

Fazit: Die Geschichte der Sprache in der Rede

Die Etymologie bildet einen wichtigen Beitrag zur gelungenen Rede, da sie einerseits Betonungen setzt. Andererseits trägt sie dazu bei, dass Argumente einen tieferen Sinn erhalten, der für das Publikum nachvollziehbarer erscheinet. Die Erwähnung der Herkunft eines Wortes oder das Aufzeigen des jeweiligen Sprachwandels und der Lautgesetze liefert interessante zusätzliche Informationen. Oftmals ist dies neuer Input für die Zuhörer, der für Aha-Momente sorgt.

Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Etymologie als Teilbereich der Linguistik spannender ist, als oft vermutet wird. Nicht selten enthalten Etymologien witzige oder groteske Geschichten. Diese lockern eine Rede an der richtigen Stelle auf und schaffen eine spannende Abwechslung.

Konträre Wortbedeutungen bzw. Herkünfte haben darüber hinaus das Potenzial, dass gegensätzliche Argumente gegeneinandergestellt und Ambiguitäten aufgezeigt werden können. Dies kann für eine Argumentation eine gute Hilfestellung sein.

Redaktion redenwelt.de

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