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Rhetorik-Tipps

Wie Sie Schlagfertigkeit explizit nutzen können, um Ihr Publikum zu begeistern

Sicherlich erinnern Sie sich an besondere Situationen, in denen Sie über die Schlagfertigkeit anderer gestaunt haben. Vielleicht in einem beruflichen Meeting, indem einer ihrer Kollegen eloquent auf die Aussage ihres Vorgesetzten geantwortet hat. Oder in einer Talkshow, in der es dem Gast scheinbar mühelos gelungen ist, mit einer passenden, humorvollen und wortgewandten Antwort das Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Für wen ist Schlagfertigkeit besonders wichtig?

Schlagfertigkeit ist sowohl für Redner, die Präsentationen und Vorträge halten, wie in der täglichen Alltags-Kommunikation eine wünschenswerte Eigenschaft. Der Duden definiert Schlagfertigkeit als „Fähigkeit, schnell und mit passenden, treffenden, witzigen Worten auf etwas zu reagieren.“ In den meisten Fällen ist eine schlagfertige Antwort eine nicht vorhersehbare Erwiderung auf eine Aussage oder auf nonverbales Verhalten. Diese kann vom Gegenüber pointiert, mit einem frechen Unterton oder sogar beleidigend vorgetragen werden. Nonverbal könnte ein Kopfschütteln in einem Vortrag oder Gestikulieren anzeigen, dass ein Zuhörer mit dem Inhalt der Ausführungen nicht übereinstimmt. Die Antwort und wie diese vorgetragen wird, zeigt an, in welchem Maße der Vortragende über Souveränität, Witz und Rhetorik verfügt.

Unsachliche Kritik, Ironie oder provokante Fragen stürmen in der Regel ohne Vorwarnung auf uns ein. Bildlich gesprochen landet man ohne Vorbereitung in einer Arena und spielt die Hauptrolle in einer Auseinandersetzung. Gleichzeitig fühlt man sich durch die Wortwahl oder die Gestik eines anderen gekränkt und möchte verbal zurückschlagen. Die meisten Menschen fallen in einer solchen Situation automatisch in einen Angriffsmodus. Beobachter sowie mittelbar Beteiligte, wie zum Beispiel Kollegen erschweren die Situation zusätzlich. Die richtige Reaktion ist in solch einem Fall alles andere als leicht. Das wichtigste rhetorisches Stilmittel, um eine solche Situation mit Würde an Anstand zu bestehen, ist positiv eingesetzte Schlagfertigkeit.

Schlagfertigkeit muss man erlernen

Dabei liegt es auf der Hand, dass Schlagfertigkeit keine angeborene Eigenschaft ist, die jedem Menschen in die Wiege gelegt wurde. Selbst wenn manche Personen aufgrund ihres Naturells oder ausgeprägter Charaktereigenschaften schlagfertiger wirken als andere, ist niemand perfekt darin, Schlagfertigkeit und Eloquenz situativ einzusetzen. Aus diesem Grund ist es wichtig zu wissen, dass man Schlagfertigkeit persönlich trainieren und fortlaufend verbessern kann. Erkennt man bei einer persönlichen Selbstprüfung, dass man in Alltagssituationen schlagfertiger reagieren möchte, helfen die folgenden Fragen und deren Antworten, sich persönlich zu professionalisieren:

  • Welche Technik oder Methodik verbirgt sich hinter Schlagfertigkeit?
  • Wie kann man kritische Situationen mit Schlagfertigkeit aufwerten?
  • Wie schafft man es generell, schlagfertiger zu werden?
  • Gibt es ein Schlagfertigkeitstraining?

Welche Technik oder Methodik verbirgt sich hinter Schlagfertigkeit?

Schlagfertigkeit hat viel mit taktischem Verhalten zu tun und ist vor allen Dingen darauf ausgelegt, im richtigen Moment zu überraschen. Schlagfertigkeit kann sehr gut mit einer Fußballmannschaft verglichen werden, die taktisch von ihrem Trainer auf Konterfußball eingestellt wurde. Die Strategie des Konterns im Fußball beinhaltet überfallartige Offensivaktionen und ist keine Angriffsstrategie, sondern vielmehr ein professionell vorgetragener Überraschungsangriff.

Ähnlich verhält es sich mit der Schlagfertigkeit. Statt in einer Situation, nach einer Bemerkung oder einem versteckten Vorwurf umgehend in den Angriffsmodus umzuschalten und den Gegenüber durch eine freche oder unpassende Bemerkung zu diskreditieren, zeigt sich schlagfertiges Verhalten subtiler. Schlagfertige Menschen gewinnen dadurch, dass sie durch kunstvolle oder humorvolle Worte den Überraschungsmoment ausnutzen. Im Fußballjargon schießen solche Personen unter dem Einsatz von entwaffnender Rhetorik oder Gestik, Sprichwörtern oder Zitaten nach einem Angriff ihres Gegenübers das nächste Tor! Eine witzige Gegenbemerkung, eine einfache beschreibende Geste oder Mimik wirken in diesem Fall besser als Kontersprüche oder eine eigene Attacke.

Haben Sie am Ende im Auditorium durch Schlagfertigkeit das Publikum auf Ihrer Seite oder verstummt der Angreifer durch Ihren humoristischen Konter, gewinnen Sie die Situation für sich. In letzter Konsequenz geht es sowohl bei Alltagssituationen wie in Präsentationen oder bei Vorträgen darum, verbale oder nonverbale Angriffe kompetent zu parieren und das Gespräch oder die allgemeine Stimmung wieder auf eine normale Ebene zurückzubringen.

Beispiel: Werden Sie von unverschämten Zwischenrufen gestört, kann folgende Argumentation die Bemerkungen neutralisieren und die Diskussion glätten:

Sagen Sie mit ruhiger, fester Stimme: „Die Höflichkeit verbietet mir, auf Ihre Bemerkung einzugehen. Wissen Sie, worin mein Erfolgsgeheimnis besteht? Solche Zwischenrufe noch nie befolgt zu haben.“ Ich halte es hierbei mit dem amerikanischen Schriftsteller Journalist und Redner Mark Twain (1835-1910), der einmal sagte: „Man sollte die Tatsachen kennen, bevor man sie verdreht.“ Das ist ebenfalls mein Wunsch an Sie!

Harmoniesucht und Psychologie

Ein bekanntes Sprichwort sagt: „Angriff ist die beste Verteidigung.“ Ob dies in jedem Fall richtig ist, bleibt dahingestellt. Bei vielen Sachverhalten und Situationen ist ein taktischer Konter bei einer verbalen herausfordernden Bemerkung oder Attacke jedoch wirklich die beste Verteidigung. Im Gegensatz dazu steht, dass manche Menschen aufgrund ihrer charakterlichen Prägung durch eine ausgeprägte Harmoniesucht auffallen. Situationen oder Sprüche von Personen, die sie als Angriff auf sich werten, negieren sie bewusst. Dies geschieht in den meisten Fällen aus Angst vor einem Streit oder aufgrund der Tatsache, dass sie sich dem anderen oder der Gruppe unterlegen fühlen.

Übertriebene Harmoniesucht und eine voreilige Zustimmung passen jedoch nicht gut zu Schlagfertigkeit, da diese durch ein zu großes Maß an Harmonie im Keim erstickt wird. Neben gezielter Übung und einem zielgerichteten Schlagfertigkeitstraining hilft solchen Personen vor allem die Gewissheit, dass Schlagfertigkeit eine positive Eigenschaft ist, die die eigenen Argumente aufwertet und persönliche Beleidigungen oder Unterstellungen geschickt kontert.

Harmoniesüchtige haben es nicht leicht sich durchzusetzen

Aus psychologischer Sicht bauen diejenigen, die durch eloquente Argumente Verbalattacken stoppen, eigenen Verletzungen vor. Statt wie gelähmt eine Unterstellung, egal in welcher Form diese vorgetragen wird, über sich ergehen zu lassen, stärkt eine schlagfertige Antwort das Selbstwertgefühl. Dies führt dazu, dass negativer Stress nicht entstehen kann. Im Umkehrschluss kann eine Schockstarre nach einer unbedachten Äußerung bei vielen Menschen dazu auswachsen, Aussagen persönlich zu nehmen, darüber nachzugrübeln und letzten Endes tief enttäuscht zu sein. Eine intrinsische oder antrainierte Schlagfertigkeit wirken diesen Phänomenen bewusst entgegen.

Beispiel: Im Büro treffen Sie eine Kollegin, die Sie mit den Worten begrüßt: Du siehst aber heute schlecht aus! Drei weitere Mitarbeiterinnen sind ebenfalls mit im Raum. Sie wissen, dass die Kollegin in vielen Fällen pointiert kommuniziert und als streitbare Persönlichkeit bekannt ist. Statt sich mit schlechtem Schlaf zu rechtfertigen oder die Teamkollegin zu beleidigen, hilft situative Schlagfertigkeit wie: „Da haben wir ja beide heute etwas gemeinsam!“

Im Beispiel wird deutlich, dass nicht jeder Angriff oder jeder Vorwurf bis ins Detail kommentiert werden muss. Selbst wenn im eigentlichen Moment die richtigen Argumente oder die Übung fehlt, kann eine schlagfertige Antwort dazu führen, dass die Situation nicht eskaliert.

Körpersprache mit Argumentation harmonisieren

Um mit Schlagfertigkeit die richtige Wirkung zu erzielen, müssen die Worte oder Aussagen mit ihrer Körpersprache harmonisieren. Eine bestimmte, offene und klare Gestik und Mimik zeigt an, dass Sie jederzeit Herr der Lage sind. Es unterstreicht, dass sie eine verbale Auseinandersetzung nicht fürchten.

Vor allem in Vorträgen und bei Präsentationen, bei denen Vortragende vor einer größeren Menge sprechen, kann dies eine große Herausforderung sein. Schüchtert das Auditorium den Redner ein und ist er unsicher, ob eine schlagfertige Bemerkung gut ankommt, hilft ein offenes Lächeln, die Situation zu entschärfen. Statt durch die Körpersprache zu signalisieren, dass man von den Aussagen schwer getroffen wurde, sollten gewandte Rhetoriker jederzeit souverän wirken. In diesem Fall ist es ihnen möglich, durch Schlagfertigkeit die Situation zu nutzen und die Zuhörer auf ihre Seite zu bringen.

Beispiel anhand eines Vortrags

Ein Vortrag vor einer größeren Zuhörerschaft wird permanent durch lautes Stören und Zwischenrufe unterbrochen. Statt barsch zu reagieren und den Zwischenrufer durch beleidigende Sprüche oder eine unflätige Bemerkung in die Schranken zu weisen, können Sie dem Angreifer kurzfristig eine Bühne bieten. Mit einer freundlichen Äußerung wie: „Ich merke, dass es im Publikum Diskussionsbedarf gibt“ und gleichzeitiger positiver und entschiedener Körpersprache können geübte Redner, die durch thematische und rhetorische Professionalität überzeugen, einen entscheidenden Konter setzen. Das Publikum wird in diesem Fall in der Mehrheit zu Ihnen stehen und ihre Offenheit honorieren.

Strategien für eine deutliche und kompetente Kommunikation gibt es viele. Versuchen Sie vor allem mit Wörtern und Redewendungen zu spielen, ihnen bewusst eine andere Bedeutung geben und schwammige Aussagen schnell zu hinterfragen. Durch eine solche Vorgehensweise parieren Sie jeden Angriff und Einwand und strahlen Stärke aus. Ihre Einstellung können Sie zusätzlich durch Ihre Körperhaltung stützen – für schlagkräftige Konter, mit denen Sie sich aus unangenehmen Situationen befreien.

Die Vorteile einer positiven, offenen und professionellen Körpersprache sind zusammengefasst:

  • Eine trainierte Körperspannung steigert die Reaktionsfähigkeit.
  • Durch eine aufrechte Haltung signalisieren Sie Durchsetzungsvermögen.
  • Eine feste deutliche Stimme zeigt Zielstrebigkeit und Souveränität.

Grenzen setzen und auf Beleidigungen adäquat reagieren

Ziel jeder Abwehr unter dem Einsatz von schlagfertigen Bemerkungen sollte es sein, mit dem Gegenüber auf die Sach- oder Lösungsebene zurückzukommen. Mit einer schlagfertigen Feststellung signalisieren Sie zusätzlich, dass Beleidigungen jeglicher Art in keinem Fall eine Option in der Kommunikation sind. Statt auf unflätige oder unpassende Angriffe mit bissigen oder zornigen Kommentaren zu reagieren, ist es passender, die Person zu einem persönlichen Gespräch aufzufordern. Verbalisieren Sie offen: „Hierüber möchte ich gern persönlich unter vier Augen mit Ihnen sprechen!“

Mit einer solchen Vorgehensweise begeben Sie sich auf die Lösungsebene und signalisieren gleichzeitig, dass sie sich nicht auf das gleiche Niveau begeben möchten. Unbeteiligten oder Zuhörern zeigen Sie durch ihre offene Kommunikation, dass sie sich verletzt fühlen. Es wirkt auf andere positiv und souverän, dass sie dies persönlich und nicht öffentlich klären möchten. In einem klaren, zielstrebigen und faktenorientierenden Gespräch haben Sie die Möglichkeit, Missverständnisse auszuräumen und zu betonen, dass sie die Wortwahl oder die Art und Weise der Situation verletzt hat. Vorgesetzte haben in diesem Fall eine besondere Verantwortung, die aus ihrer Position erwächst. Selbst wenn Sie eine gewisse Autoritätsstellung innehaben, haben sie nicht das Recht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch spitze oder verletzende Worte zu diskreditieren. Angestellte, die dies klar und im vertraulichen Gespräch äußern, zeigen eine ausgeprägte Selbstachtung und vermitteln, dass die Würde jedes Menschen geachtet werden muss.

Wann Schlagfertigkeit in Arroganz ausartet

Positive Schlagfertigkeit bezieht sich in den meisten Fällen auf das Ausnutzen von Situationen und einen gezielten Konter. Sobald Schlagfertigkeit zum Dauerbrenner wird und in ein Spiel ausartet, in dem jede Aussage eines anderen kommentiert und schlagfertig retournieren wird, verliert diese gute Eigenschaft an Bedeutung. Ein solches Verhalten wird umgehend von anderen als Arroganz ausgelegt und führt dazu, dass man in entscheidenden Situation von anderen nicht mehr ernst genommen wird. Vor allem im Verhältnis zu Führungspersonen kann diese Art von falsch verstandener Schlagfertigkeit negativ aufgefasst werden und bei Vertrags- oder Gehaltsverhandlungen schädlich sein. Schlagfertigkeit ist ausschließlich dann zielführend, wenn Sie wohlüberlegt und situativ eingesetzt wird und nicht arrogant, sondern eloquent wirkt.

Wie kann man kritische Situationen mit Schlagfertigkeit aufwerten?

Es gibt unterschiedliche Techniken, spezifische Situationen mit Schlagfertigkeit aufzuwerten. Entscheidend ist hierbei, dass ein Konter nicht eingeübt oder gekünstelt wirkt, sondern authentisch. Schlagfertigkeit ist nur bedingt erlernbar, da es eine Technik oder Eigenschaft ist, die basierend auf dem Charakter mehr oder weniger ausgeprägt ist. Veranlagung und vor allem das Umfeld, in dem ein Mensch aufgewachsen und erzogen wurde, entscheiden über den angeborenen Grad an Schlagfertigkeit. Wem es aus persönlichen Gründen schwerer fällt, schlagfertig zu reagieren, kann durch erprobte Übungsformen Schlagfertigkeit und die schnelle Reaktion auf unvorhergesehene Situationen trainieren und zielstrebig ausbauen. Dies unterstützt Redner und Vortragende sowohl bei Vorträgen und Präsentationen wie in der alltäglichen Kommunikation. Die wichtigsten Techniken und Übungen sind:

  • Situationsspezifisch zu reagieren.
  • Humor, Witz und Charme einzusetzen.
  • Durch Schnelligkeit und Spontanität zu überzeugen.
  • Schlagfertigkeit durch Metaphern zu unterstreichen.
  • Missverständnisse geschickt zu nutzen.
  • Ungenauigkeiten in der Argumentation des anderen herauszuarbeiten.
  • Gegenfragen zu stellen.

Wie man Schlagfertigkeit situativ einsetzen kann

Wer situativ reagiert und durch Schnelligkeit und Spontanität überzeugt, hat ausnehmend gute Chancen, den Gegenüber in die Schranken zu weisen. Statt einen Angriff als Beleidigung oder Vorwurf zu werten oder sich sofort in der Rechtfertigungsschiene zu befinden, geht es vor allem darum, sich nicht von seinem persönlichen Standpunkt abbringen zu lassen. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass es sich bei einem Angriff oder einer Aussage in vielen Fällen um eine Einzelmeinung oder die Sichtweise von wenigen handelt. Es wäre fatal, in diesem Fall sofort einzuknicken und die eigene Meinung abzuschwächen.

Überdenken Sie vielmehr die Möglichkeit, die Situation situativ zu antizipieren. Ein gutes Beispiel ist der bekannte bayerische Politiker und Landesvater Franz-Josef-Strauß, der Störern oder Menschen, die ihn auslachten, zurief: „Indem Sie dieses ernste Thema lächerlich machen, disqualifizieren Sie sich selbst!“

Im Falle eines persönlichen Fauxpas oder einer peinlichen Situation kann Schlagfertigkeit, die situativ eingesetzt wird, von großem Nutzen sein. Die Zeitung „Die Welt“ berichtet von einem Unternehmensberater, der im Rahmen einer internationalen Führungskräftekonferenz mit seinem Stuhl wie ein Schulkind kippelte und schließlich umfiel. „Eine peinliche Stille folgte, in der sich der Gefallene aufrichtete, den besorgten Blicken in der Runde freundlich begegnete und mit fester Stimme verkündete: „Ich kann’s zweimal, ohne mir dabei wehzutun!“

Beispiel für Schnelligkeit und Spontanität:

Gerade im beruflichen Alltag kommt es dann und wann zu unterschiedlichen Meinungen und Situationen, in den eine schnelle Reaktion entscheidend ist. Stellen Sie im Rahmen einer Teambesprechung eine veränderte Vorgehensweise vor, findet diese nicht in jedem Fall ausschließlich Befürworter. Kollegen mögen Ihre Präsentation spontan mit den Worten unterbrechen: „Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich wette, dass wir diesen Vorschlag letztendlich niemals umsetzen werden.

Statt sich gegenüber dem Störer sofort zu rechtfertigen und gebetsmühlenartig die Vorteile herauszustellen oder genervt in eine Diskussion einzusteigen, macht es Sinn den Kontrahenten verbal abzuholen. Sie könnten zum Beispiel zu sagen: „Vielen Dank für Ihren Einwand. Wie ich sehe, haben Sie offensichtlich nicht den Mut, sich an der Umsetzung zu beteiligen. Ich habe trotzdem viel Freude daran, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, selbst wenn Sie meinen Vorschlag nicht teilen.“

Mit diesem Vorgehen behalten Sie die Oberhoheit in der Präsentation, stehen zu Ihren fundierten Detail-Informationen und können mit Schlagfertigkeit und Rhetorik den Zwischenruf mit einem zielgerichteten Konter erwidern. In dieser Art zu argumentieren wirkt darüber hinaus nicht beleidigend oder wie eine billige Retourkutsche, sondern souverän.

Manchen Menschen verfügen nicht über das nötige Taktgefühl und sagen aus diesem Grund ungefiltert das, was sie denken. Treffen Sie zum Beispiel einen ehemaligen Kollegen nach vielen Jahren wieder, kann es passieren, dass dieser sagt: „Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen. Seit dem letzten Mal hast Du aber richtig viel zugenommen!“ Diese persönliche Aussage kann schnell als Beleidigung aufgenommen werden. Eine schlagfertige Antwort und Möglichkeit, die Situation umzukehren wäre: „Vielen Dank, ich genieße mein Leben sehr und bin glücklich. Aber um Dich mache ich mir Sorgen, wirklich gesund siehst Du ja nicht aus!“

Warum Humor, Witz und Charme Schlagfertigkeit unterstützen

Authentizität sowie eine lustige, humoristische Antwort sind in vielen Fällen das Salz in der Suppe, wenn es um Schlagfertigkeit geht. Witzige Kommentare können eingeübt oder situativ adaptiert werden. Wer mit einer humoristischen Bemerkung schlagfertig reagiert, bricht das Eis und wirkt sympathisch. Muss der Zwischenrufer oder der Angreifer ebenfalls schmunzeln, haben Sie einen perfekten Konter gesetzt und die Attacke wirkungsvoll abgewehrt.

In vielen Fällen bewundern wir Menschen, die humorvoll und mit spontanem Witz agieren. Als Beispiel kann der Fußballtrainer Jürgen Klopp herangezogen werden, der bekannt dafür ist durch seine authentische, humorvolle und klare verbale und nonverbale Kommunikation zu glänzen. In einem kritischen Interview konterte er unter anderem die Frage eines Journalisten mit den Worten: „Beim ersten Interview war ich sehr enttäuscht. Beim Zweiten zehn Minuten später ging es schon besser. Wenn ich noch eine halbe Stunde warte, dann habe ich wahrscheinlich das Gefühl, dass wir gewonnen haben.“ Kritik und Angriffe in dieser Weise zu retournieren zeugt von einem hohen Maß an Selbstbewusstsein und Mut.

Darüber hinaus sind Gags und Pointen ebenfalls für schlagfertiges Kontern geeignet, wenn Sie den Gegenüber nicht diskreditieren oder bloßstellen. Hilfreich kann gleichzeitig die Kompliment-Technik sein, bei der Sie sich ironisch für einen unverschämten oder unangebrachten Einwand bedanken und sagen: „Herzlichen Dank für Ihre Lebenshilfe. Das muss ich mir erst einmal notieren!“

Wie man Schlagfertigkeit mit Metaphern unterstreichen kann

Im Duden wird die Metapher als, einen „sprachlichen Ausdruck, bei dem ein Wort oder eine Wortgruppe aus seinem eigentlichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wird bezeichnet, ohne dass ein direkter Vergleich die Beziehung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem verdeutlicht.“ Durch die Übertragung in einen anderen Kontext entsteht ein oftmals einleuchtendes Bild, das dem Gesagten mehr Nachdruck verleiht.

Der renommierte Rhetoriktrainer Matthias Pöhm verdeutlicht dies in seinem Buch: „Kontern in Bildern. Schlagfertig antworten in Metaphern“ wie folgt. Er beschreibt einen Menschen, der obwohl er bereits satt ist, bis zum Abschluss des Frühstücksbuffets im Restaurant bleiben möchte, da er schließlich bezahlt habe. Als Metapher könnte man laut Matthias Pöhm erwidern: „Bleibst Du, wenn Du zu Deinem Auto zurückkommst und auf der Parkuhr noch Zeit übrig ist, weiter geduldig an der Parkuhr stehen, bis die bezahlte Zeit abgelaufen ist? Nein! Genauso sinnlos ist es hier, wenn Du bis zum Schluss der Veranstaltung wartest, nur weil Du bezahlt hast.“

Mit einer Metapher kann eine Aussage oder eine spitze Bemerkung rhetorisch geschickt und logisch gekontert werden. Die eigentliche Behauptung oder das Argument wird abgeschwächt und durch ein anschauliches und allgemein nachvollziehbares Beispiel ausgehebelt. Metaphern unterstützen Redner effizient, schlagfertig und situativ zu reagieren und gleichzeitig souverän zu wirken.

Wie Sie Missverständnisse geschickt nutzen

Worte und Bemerkungen können mit Bällen verglichen werden, die direkt auf Sie geworfen werden. Werden Sie getroffen, verlieren Sie Punkte beim Publikum. Souveräner ist es, den Ball aufzunehmen und gezielt zu der Person zurückzuwerfen, von der ein Einwand oder die Attacke kam. Das funktioniert dann ausnehmend gut, wenn Sie die Beziehung zwischen Wörtern bewusst missverstehen:

Eine typische Situation stellt die Frage im Kollegenkreis dar: „Wie viel verdienen Sie eigentlich?“ Eine unverhoffte Frage dieser Art bringt Sie im Alltag mit großer Wahrscheinlichkeit in die missliche Lage, dass Sie sich in einen inneren Dialog verstricken und nicht wissen, wie Sie richtig antworten sollen. Diese Zwickmühle wird noch durch den Umstand verstärkt, dass eine ehrliche und offene Antwort sogar zu rechtlichen Konsequenzen führen kann, da Gehälter der Schweigepflicht unterliegen.

Bauen Sie sich eine gute Strategie auf

Diese besteht darin, die Absicht Ihres Gegenübers zu ignorieren und sich ausschließlich auf den Wortlaut zu konzentrieren. In diesem Beispiel bedeutet dies, sich bei seiner Antwort auf die verschiedenen Bedeutungen von „verdienen“ zu fokussieren:

  • Geld bekommen, aber auch,
  • das moralische Anrecht auf etwas haben.

Springen Sie also einfach auf die vom Fragesteller nicht erwartete Bedeutung und erwidern Sie die Frage im Kontext von „ein Anrecht haben.“ Antworten Sie zum Beispiel: „Wenn jede meiner Leistungen bezahlt werden würde, wäre ich hochzufrieden“. Jetzt muss Ihr Gegenüber Denkarbeit leisten. In der Zwischenzeit gewinnen Sie die notwendige Zeit, um das Gespräch rhetorisch gekonnt auf eine andere Fährte zu lenken.

Wenn Sie die deutsche Sprache eingehend analysieren, stellen Sie fest, wie viele Wörter und Redewendungen mehrdeutig verstanden und gebraucht werden können. Dies ist ideal für schlagfertige Antworten. Am leichtesten wird Ihnen die „Um-Lenkung“ der Bedeutung fallen, wenn Sie Wortbilder wörtlich nehmen, konkrete Aussagen in Bilder überführen oder von Bild zu Bild springen. Dann ergeben sich automatisch schlagfertige Antworten.

Beispiel: Ihr Gegenüber ist mit Ihren Ausführungen nicht einverstanden und attackiert Sie mit den Worten: „Treiben Sie es nicht zu bunt mit Ihrer Argumentation?“ Eine schlagfertige Antwort hierauf wäre: „Sehen Sie denn lieber schwarz?“ Nutzen Sie im Folgenden das Gelächter oder Schmunzeln der Zuhörer, um auf Ihr eigenes Thema umzulenken.

Ungenauigkeit ausnutzen

Wenn Sie die Sprache Ihrer Mitmenschen genauer betrachten, stellen Sie fest, wie lieb- und fantasielos oder unpräzise in vielen Fällen Wörter benutzt werden. Werden Sie durch eine Aussage herausgefordert oder durch einen Einwand oder eine Diskussion infrage gestellt, reicht es in vielen Fällen aus, diese verbalen Ungenauigkeiten herauszustellen und schlagfertig zu kontern. Sprachliche Ungenauigkeiten sind alltäglich. Wenn Sie diese genauer unter die Lupe nehmen und aktiv zuhören, können Sie beim Publikum punkten. Verbalangriffe können Sie in diesem Fall ohne großen Aufwand durch einfache Rhetorik entkräften.

Stellen Sie sich im ersten Schritt W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wo? Wie?), und eruieren Sie, wie präzise Ihr Gegenüber formuliert hat. Fällt Ihnen ein Angriffspunkt auf, nutzen Sie diesen instinktiv. Auf diese Weise verbuchen Sie einen doppelten Gewinn: Sie bekommen Klarheit und können schlagfertig kontern.

Beispiel im Beruf

Ein Angestellter diskutiert mit Ihnen über Ihre Aussage, dass die Mitbewerber in Bezug auf die Digitalisierung in ihren Einzelhandelsgeschäften aufgeholt haben. Er versucht, Ihre Argumente vor dem versammelten Team auszuhebeln. Er verbalisiert: Dann gehe ich auf dem Rückweg einmal dort vorbei und schaue mir selbst an, ob das wirklich so ist. Eine schlagfertige Antwort hierauf könnte lauten: „Gehen Sie nicht nur vorbei – gehen Sie in jedem Fall auch rein und überzeugen Sie sich selbst!“

Durch Ihre präzise Argumentation gerät der Einwand Ihres Gegenübers sofort in die Defensive. Ihre Informationen gewinnen an Kraft und entkräften durch einfaches Herausstellen sprachlicher Unsauberkeiten haltlose Argumente oder Situationen.

Gegenfragen stellen

Umso intensivier und tiefgehender oder umstrittener eine Thematik ist, desto eher kann es zu Situationen kommen, in denen Unterstellungen, eine Beleidigung oder Einwände auf Redner einstürmen. Dies könnte zum Beispiel Vortragende treffen, die einen wissenschaftlichen Vortrag im Rahmen einer Präsentation oder eines Events halten. Auf die freundlich gemeinte, abschließende Frage an das Publikum ob noch Fragen oder Anmerkungen bestehen kann eine harsche Wortmeldung folgen: „Vielen Dank für Ihren Vortrag, Ihre Argumentation habe ich leider komplett nicht verstanden. Gibt es Ihre Ausführungen auch etwas verständlicher und nicht so abgehoben?“

Eine einfache Gegenfrage könnte lauten: Können Sie diese Frage noch einmal konstruktiv formulieren? Durch den Konter und die Gegenfrage wird jedem Zuhörer sofort klar, dass die Wortmeldung unsachlich und unverschämt war. Die Gegenfrage wird ihren Zweck nicht verfehlen und die Stimmung glätten. Gleichzeitig unterstützt eine Gegenfrage, die so vorgetragen wird, ihre Reputation und wirkt souverän.

Wie schafft man es generell, schlagfertiger zu werden und gibt es ein Schlagfertigkeitstraining?

Schlagfertigkeit ist nur bedingt erlernbar und hat zu einem großen Teil mit charakterlicher Prägung, Erziehung und Selbstbewusstsein zu tun. Bei Rednern und Vortragenden bedingt Schlagfertigkeit vor allem eine hohe thematische Sach- und Fachkenntnis und ein Wissen um die eigene rhetorische Stärke. Mit diesem persönlichen Bewusstsein fällt es leichter, Gegenfragen, Angriffe oder ironische und verletzende Kommentare auszuhebeln und souverän zu retournieren.

Selbst wenn man Schlagfertigkeit nicht wie ein Schulfach lernen und verinnerlichen kann, ist es möglich die Techniken der Schlagfertigkeit fortlaufend zu verbessern. Hierfür ist es wichtig, sich als Redner oder in der alltäglichen Kommunikation explizit auf komplizierte Rückfragen oder Situationen einzustellen. Bereits in der Vorbereitung eines Vortrages kann man auf diese Weise mögliche Stolpersteine oder das Potenzial für kritische Fragen herausarbeiten. Eine vorbereitete Taktik und durchdachte Antworten auf despektierliche Nachfragen unterstützen Redner in diesem Fall, schlagfertig und souverän zu antworten. Statt unsicher zu wirken oder eine Rechtfertigungsschiene zu verfallen, hilft Präparation, entspannt und einfallsreich zu reagieren.

Wer kann Lernwillige die Schlagfertigkeit beibringen?

Kommunikations- oder Rhetoriktrainer bieten darüber hinaus professionelle und individuelle Schlagfertigkeitstrainings an. Diese bestehen neben der Vermittlung von Hintergrundwissen zu bestimmten Techniken vor allem darin, mögliche kritische Situationen durchzuspielen und adäquate und individuelle Lösungen zu finden. Diese müssen in jedem Fall zu dem Vortragenden, seinem Charakter und seinem persönlichen Auftreten passen, um authentisch zu wirken. Neben der fachlichen Vorbereitung achten Rhetoriktrainer bei einem Schlagfertigkeitstraining vor allem auf die Gestik und Mimik und die Körperhaltung. Ziel jedes Schlagfertigkeitstrainings ist es herauszuarbeiten, wie stimmig und authentisch der Gesamtauftritt wirkt.

Durch stetige Übung, den fortgesetzte Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins und durch psychologische Hilfestellungen können Schlagfertigkeitstrainings Redner und Vortragende rhetorisch schulen. Dies unterstützt jeden Rhetoriker darin, in kritischen Situationen zu brillieren und die passenden und schlagfertigen Worte zu finden.

Schlagfertigkeit richtig einsetzen: Zusammenfassung und Fazit

Schlagfertigkeit ist eine hohe Kunst der Rhetorik und interpretiert man gern als Fähigkeit , schnell und mit passenden, treffenden, witzigen Worten auf eine Situation oder Bemerkung zu reagieren. Im Allgemeinen werden schlagfertige Personen geschätzt und geachtet. Dies liegt vor allem daran, dass es ihnen nahezu automatisch gelingt, knifflige Situationen zu entschärfen oder auf Angriffe oder verbale Attacken ruhig und souverän zu reagieren. Es gibt viele Beispiele von bekannten oder prominenten Personen, die für ihre Schlagfertigkeit und ihre humorvollen Sprüche und Konter bekannt sind.

Generell kann man Schlagfertigkeit mit der Taktik einer Fußballmannschaft vergleichen, die für ihr professionelles Konterspiel bekannt ist. Aus einer massierten Abwehr kann ein solches Team überfallartig einen Konter vorbereiten und das entscheidende Tor schießen. In der Rhetorik kann Schlagfertigkeit ebenso eingesetzt werden, um Beleidigungen oder Einwände professionell abzuwehren und gleichzeitig die eigene Argumentation geschickt ins rechte Licht zu rücken.

In diesem Fall helfen unterschiedliche Taktiken und Vorgehensweisen. Diese zielen darauf ab, schnell und humorvoll oder unter dem Einsatz von Metaphern eine Diskussion zu beenden. In vielen Fällen nutzen geübte Redner Missverständnisse geschickt oder visieren sprachliche Ungenauigkeiten des Gegenübers gezielt an. Hilfreich können darüber hinaus sofortige, entwaffnende Gegenfragen sein, die Fragesteller überraschen und unsicher wirken lassen.

Nicht jeder kann Schlagfertigkeit lernen

Schlagfertigkeit kann nur bedingt erlernt werden, da eloquentes Verhalten vor allem vom Charakter, der Erziehung und der rhetorischen Begabung abhängt. Durch fortgesetzte Übung und gezielte taktische und durchdachte Antworten auf despektierliche Nachfragen können Diskussionen im Keim erstickt werden. Ein Schlagfertigkeitstraining mit einem professionellen Rhetorik- oder Kommunikationstrainer hat in diesem Fall zu jeder Zeit das Ziel, individuell und personenzentriert herauszuarbeiten, wie Schlagfertigkeit geschickt und situativ eingesetzt werden kann. Schlagfertige Aussagen und Argumente sind wichtige Komponenten jeder Rede und der alltäglichen Kommunikation. Redner, die sich fortlaufend in Bezug auf die eigene Schlagfertigkeit verbessern, wirken für ihr Publikum souveräner und nahbarer und unterstreichen die persönliche Glaubwürdigkeit.

Redaktion redenwelt.de

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