So spielen Sie mit der 9 in Ihrer Rede
Die Neun in der Geschichte und fremden Kulturen
Die Neun galt schon von alters her als Zahl höchster Vollkommenheit; nämlich als potenzierte (gesteigerte) heilige Drei.
Doch Achtung bei Japanreisen oder japanischen Gästen! Bis nach Tokio hat der gute Ruf der Neun nicht gereicht. Auf der Reise dorthin ist ihr der Heiligenschein abhanden gekommen, und sie hat ziemlich finstere Züge angenommen. Kurzum: Für Japaner ist die Neun eine Unglückszahl.
... und in der Mythologie und Religion
Die chinesische Mythologie hingegen sieht die Neun positiv und teilt die Welt in Neunergruppen
ein: Da gibt es den Himmel mit 9 Feldern, die Erde mit 9 Bezirken, das Land mit 9 Bergen,
das Gebirge mit 9 Pässen, das Meer mit 9 Inseln. Übrigens heißt 9 auf Kantonesisch „kow“; das wiederum auch „lang“ und „beständig“ bedeutet. Dies klingt verheißungsvoll – aber nur
im passenden Zusammenhang. Der Porsche 924 verkaufte sich seinerzeit im (heute chinesischen) Hongkong nicht gut, weil die Zahlenkombination „kow yee sei“ „langer leichter Tod“ bedeutete, und auch der 944 („kow sei sei“ = langer doppelter Tod) versprach nicht gerade eine glückliche Reise ...!
Im Islam hat das Universum ebenfalls 9 Sphären. Die neunte und höchste ist die „Sphäre der Sphären“. Mohammed soll nach seinem Tod im Jahr 632 übrigens einen Harem von 9 Frauen hinterlassen haben.
Griechen und Römer sagten sich: „Die Drei ist heilig, die Neun ist dreimal heilig!“ Also lud man zu Tisch nie unter 3, und möglichst nicht über 9 Gäste ein.
Die neunköpfige Hydra: Ungern (aber leider allzu oft) macht der Redner in Streitgespräch, Debatte, Diskussion und Talkshow die Bekanntschaft mit Hydra, der Schlange aus der griechischen Mythologie mit den 9 Köpfen, der für jeden abgeschlagenen Kopf gleich 2 nachwachsen: Man hat dem Gegner gerade ein Argument zerpflückt, da kommt er schon mit zwei neuen ...
Die Neun in universaler ...
Während der große Prophet von 9 Damen umkreist wurde, wird die Sonne von 9 Planeten umkreist:
Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto.
Die Sonne vereint dabei 99,85 Prozent der gesamten Masse (Gewichts) des Sonnensystems in sich.
Die restlichen 0,15 Prozent verteilen sich ihrerseits zu 90 Prozent auf die Planeten, mehr als die Hälfte allein auf Jupiter, und zu 10 Prozent auf den Rest: Monde, Asteroiden, Kometen und den interstellaren Staub.
... und in musischer Betrachtung
Und weil die Neun so heilig war, gab es im kulturbeflissenen griechischen Götterhimmel nicht weniger als 9 Musen, darunter Thalia (die Blühende; die Muse der Komödiendichtung), Klio (die Rühmende; die Muse der Geschichtsschreibung), Urania (die Himmlische; die Muse der Sternenkunde) und Kalliope (die Schönstimmige;die Muse der epischen Dichtung). Musen also, deren Hilfe jede Rednerin und jeder Redner hoch zu schätzen weiß.
Die neun Leben der Katzen
Katzen sind – auf angenehmere Art – ebenso zäh. Hier hält sich unverdrossen der Mythos dass eine Katze 9 Leben hat. So gesehen ist die Neun für Katzenfreunde eine echte Glückszahl.
Die neun Engels-Hierarchien
In der christlichen Tradition ist von „9 Ordnungen der Engel“ die Rede, also von 9 himmlischen
Hierarchie-Ebenen: Engel, Erzengel, Engelsfürsten, Engelsgewaltige, Engelsherrscher, Engelsmächtige, Thronengel, Cherubim und Seraphim.
Die jüdische Kabbala kennt 301.655.722 Engel, von denen 133.306.668 von Gott abgefallen sein sollen. Auf 99 Menschen kam danach in alten Zeiten je 1 (guter) Engel. Heute käme allerdings bei inzwischen 6,5 Milliarden Menschen 1 (guter) Engel auf 387.000 Menschen.
Die Neun in der Mathematik
Apropos Zahl: Die Neun hat eine kuriose Eigenschaft. Multiplizieren Sie sie einmal mit sich
selbst oder mit einer anderen einstelligen Zahl. In beiden Fällen ergeben die beiden Ziffern addiert wieder eine Neun. Probieren Sie es mal: 9 x 9 = 81. Ziffer 8 + 1 = 9. Oder 2 x 9 = 18.
Ziffer 1 + 8 = 9.
Und wenn Sie die ersten 9 Zahlen addieren (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9): Was kommt dabei heraus?
45. Und was ergeben die Ziffern 4 + 5 in der Summe? 9!
Die Neun in der Redewendung
Sie werden jetzt hoffentlich nicht sagen: „Ach, du grüne Neune!“ Denn das wäre zwar ein Ausruf der Überraschung, aber ein unpassender. Schließlich bedeutet er nichts Gutes; denn es gab im 19. Jahrhundert in Berlin in der Blumenstraße 9 das Tanzlokal „Coventgarden“, wegen des Eingangs „Grüner Weg“ im Volksmund „Grüne Neune“ genannt. Als das Lokal erheblich an Niveau verlor, sagte der Berliner „Ach, du grüne Neune“, wo der Nichteingeweihte gesagt hätte: „Um Himmels willen!“
Menschen, die einem solche Sachen ungefragt erklären, nennt man „Neunmalkluge“. Denn auf Besserwisser reagiert der Normalmensch leicht angewidert. Redner müssen also aufpassen, wem sie wann was wie erklären. Auf keinen Fall den Eindruck eines Neunmalklugen hinterlassen, auch nicht bei der heiligen Zahl 9!
Die Neun bei den Briten
Den Engländern ist die Neun offenbar heiliger als uns Kontinentaleuropäern. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sie, wenn sie im Zustand allerhöchsten Glücks (etwa bei der Hochzeit) über dem Erdboden schweben, sich nicht im „7. Himmel“ auf „Wolke 7“ befinden, sondern auf „cloud nine“ (Wolke 9)!
Die Neunte von Beethoven und Nenas 99 Luftballons
Ludwig van Beethoven scheint das gewusst zu haben. Höhepunkt seiner „9. Sinfonie“ ist der
Schlusschor „An die Freude“ (nach Schillers gleichnamiger Ode), seit 1986 die Hymne der Europäischen Union.
„99 Luftballons“ ließ die Schlagersängerin Nena 1983 im Anti-Kriegslied gen Himmel fliegen:
„Hast du etwas Zeit für mich /
Dann singe ich einLied für dich /
Von 99 Luftballons /
Auf ihrem Weg zum Horizont.“
Die neun Monate im Mutterleib und ihre Folgen
9 Monate lang entwickelt sich der Mensch im Mutterleib. Später kann er dann: beim Kegeln alle „Neune“ abräumen, Baseball spielen (jede Mannschaft hat 9 Spieler), im Taekwondo 9 Meistergrade erringen, m Squash gewinnen (wobei die Regel gilt: er zuerst 9 Punkte erreicht, ist Sieger), eim Klettern 9 Schwierigkeitsgrade testen, Mühle“ spielen und deren 9 Spielsteine so geschickt platzieren, dass der Gegner am Brett in eine verzwickte Lage, eine „Zwickmühle“, gerät.
Die Neun im Einzelhandel
Für den deutschen Einzelhandel ist die Neun die beliebteste Zahl. Schließlich hat sie die magische
Eigenschaft, alles preiswerter wirken zu lassen.
99 Cent wurde zur häufigsten Preisangabe bei Lebensmitteln, dicht gefolgt von 1,99 Euro und 9,99 Euro. Der Zauber funktioniert auch noch bei Autos für 9.999 Euro und Yachten für 999.999 Euro: Gegenüber 10.000 oder 1.000.000 Euro teuren Objekten wirken sie fast wie Schnäppchen.
Da heißt es als Verbraucher: Aufgepasst! Übrigens nicht nur beim Einkauf – auch beim Essen:
1 Gramm Fett hat einen Brennwert von 9 Kalorien.
Die neun Milliarden Tonnen Gold im Meer
Und jetzt das Allerletzte: Haben Sie gewusst, dass der liebe Gott in unseren Weltmeeren die geschätzte Menge von 9 Milliarden Tonnen Gold versteckt hat, dummerweise aufgelöst im Wasser?
Die Neun im Zitat
Eine Frau muss den Mann wie eine Gottheit anbeten. Jeden Morgen muss sie vor ihrem Ehemann neunmal mit gekreuzten Armen stehen und wiederholen: „Mein Herr, was wünschst du, das ich tun soll?“
Zarathustra (zwischen 1000 und 600 v.Chr.), persischer Religionsstifter
„Du bekommst eine Orange, wenn du mir sagst, wo Gott ist.“ Darauf der Junge: „Du lieber Himmel! Sie bekommen zwei Orangen, wenn Sie mir sagen, wo er nicht ist.“
Der Bischof zum neunjährigen Châteauneuf, dem späteren Siegelbewahrer von Ludwig XII.
Als ich ein junger Mann war, merkte ich, dass von zehn Dingen, die ich tat, neun fehlschlugen.
Ich wollte kein Versager sein und arbeitete deshalb zehnmal so viel.
George Bernard Shaw (1856-1950), irischer Schriftsteller und Nobelpreisträger
Verlagsbuchhandel ist eine Lotterie, wo es immer neun Nieten gegen einen Treffer gibt.
Friedrich Arnold Brockhaus (1722-1823), deutscher Verleger
Die Frau des Mannes, der nach neun Kindern gesagt hatte: „Wenn noch einmal ein Kind
kommt, werde ich mich erschießen“, in dem Moment, als das zehnte unterwegs war und er sich die Waffe an die Schläfe setzte:„Mach keinen Blödsinn! Du würdest einen Unschuldigen töten.“
Neun Dinge sind es, auf die der Edle sorgsam achtet: Beim Sehen achtet er auf Klarheit,
beim Hören auf Deutlichkeit, in seiner Miene auf Freundlichkeit, im Benehmen achtet er auf Höflichkeit, im Reden auf Ehrlichkeit, im Handeln auf Gewissenhaftigkeit. Wenn ihm Zweifel kommen, fragt er andere. Ist er im Zorn, bedenkt er die Folgen. Angesichts eines persönlichenVorteils fragt er sich, ob er auch ein Anrecht darauf hat.
Konfuzius (551-479 v.Chr.), chinesischer Philosoph, in „Gespräche“, XVI,10
Für ein zufriedenes Leben braucht man neun Dinge:
genügend Gesundheit, dass die Arbeit Freude macht;
genügend Wohlstand, um seine Bedürfnisse zu befriedigen;
genügend Kraft, um mit Schwierigkeiten zu kämpfen und sie zu besiegen;
genügend Gnade, um seine Sünden zu bekennen und zu überwinden;
genügend Geduld, um sich zu bemühen, bis etwas Gutes zustande gekommen ist;
genügend Nächstenliebe, um in seinem Nachbarn etwas Gutes zu entdecken;
genügend Liebe, um sich zu entschließen, anderen zu helfen;
genügend Glaube, um die wahren Werke Gottes zu tun;
genügend Hoffnung, dass all die ängstlichen Zukunftsgedanken schwinden.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter
Unter zehn Personen, die über uns sprechen, sagen uns neun Böses nach, und die einzige, die Gutes sagt, sagt es schlecht.
Antoine de Rivarol (1753-1801), französischer Moralist, an die Adresse der Lobredner
Es beruhen neun Zehntel unseres Glücks allein auf der Gesundheit.
Arthur Schopenhauer (1788-1860), deutscher Philosoph
Neunmal Pech mag neunmal Pech sein, aber zehnmal Pech ist Schuld.
Alfred Kerr (1867-1948), eigentlich Alfred Kempner, deutscher Theaterkritiker
Normalerweise gelten neun Zehntel der politischen Tätigkeit den wirtschaftlichen Aufgaben des Augenblicks, der Rest den wirtschaftlichen Aufgaben der Zukunft.
Walther Rathenau (1867-1922), deutscher Industrieller und Politiker
Während meines neunjährigen Eingewecktseins an einem Augsburger Realgymnasium gelang es mir nicht, meine Lehrer wesentlich zu fördern.
Bertolt Brecht (1898-1956), deutscher Dramatiker und Dichter
Die Expertenkommission, nachdem in der Zentrale ein Körbchen entdeckt worden war, in dem
ein unbekanntes Baby lag: „Das Baby kann nicht bei uns entstanden sein, denn in unserer Zentrale haben noch nie zwei eng zusammengearbeitet; außerdem wird hier nichts mit Lust und Liebe gemacht; wenn trotzdem etwas dabei herauskommt, hat es nie Hand und Fuß; und außerdem wäre es garantiert nicht nach neun Monaten fertig! Ein leitender Angestellter kann es schon gar nicht gewesen sein, denn die fangen nie etwas Neues an.“
Betriebsunfall: ein freudiges Ereignis neun Monate nach dem Betriebsausflug.
Michael Schiff (*1925), deutscher Publizist
Wie kannst du herausfinden, ob die Liebe vorbei ist? Wenn du versprochen hast, du bist um
sieben Uhr da, und du kommst um neun, und er oder sie hat noch nicht die Polizei gerufen – dann ist sie vorbei.
Marlene Dietrich (1901-92), deutsche Schauspielerin und Chansonette
Universitäten sind Bildungsstätten, die aus Neunmalklugen Siebengescheite machen.
Werner Mitsch (*1936), deutscher Aphoristiker
Für den neunten Platz noch das Weiße aus den Augen zu fahren, ist nicht das Gelbe vom Ei.
Rudi Altig (*1937), deutscher Radrennfahrer, mehrfacher Weltmeister, später als Co-Kommentator bei der Tour de France
Geld bringt nicht immer Glück: Leute mit zehn illionen Dollar sind nicht glücklicher als Leute mit neun Millionen Dollar.
unbekannter Reicher
Zu guter Letzt
In Hongkong soll – wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ am 3.8.2000 vermeldete – ein Geschäftsmann
für die Zahl „9“ auf dem Nummernschild seines Rolls Royce umgerechnet 3 Millionen
D-Mark (1,6 Mio. Euro) bezahlt haben, was beweist: Die Neun ist tatsächlich eine Glückszahl –in diesem Fall für die Zulassungsstelle!
Ein berühmtes Gemälde aus Rajasthan (Indien) zeigt, wie ebenfalls „Die Zeit“ (am 6.6.2000) berichtete, einen Elefanten, der aus neun Frauenkörpern
besteht. Weil, nach Meinung der Inder, ein Elefant so viel wert ist wie neun Frauen. Bei aller Wertschätzung für Dickhäuter: Das ist eine Fehlkalkulation, meine Herren!
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Februar
08
Heute vor
81 Jahren
James Dean geboren (†1955), US-amerikanischer Schauspieler („Jenseits von Eden“ 1955; „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ 1955; „Giganten“ 1956). [weiterlesen] »
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