Main stage
Rhetorik-Tipps

Präsentation vor ausländischen Gästen

Präsentieren und Verhandeln ist nicht einfach, erst recht nicht vor ausländischen Gästen. Da lag es vielleicht gar nicht am Inhalt, sondern an Form und Sprache, dass Ihnen die Reaktionen Ihrer Gäste „spanisch” vorkamen. Die Globalisierung hat die verschiedenen Länder zwar wirtschaftlich einander näher gebracht. Doch sind die Umgangsformen – vor allem, was Informationsaustausch, Verhandlungen und Etikette betrifft – sehr unterschiedlich.

So treten Sie im Umgang mit der internationalen Gästen sicher auf

Ihre ausländischen Gäste werden mit bestimmten Erwartungshaltungen in das ersten Treffen mit Ihnen gehen. Empfehlung:

Bemühen Sie sich, die positiven Eigenschaften zu verstärken, die Deutschen von Ausländern nachgesagt werden: 1. Fleiß, 2. Genauigkeit, 3. Pünktlichkeit, 4. Ordnungsliebe, 5. Qualitätsarbeit, 6. Korruptionsresistenz, 7. Glaubwürdigkeit.
Andererseits müssen Sie den typischen negativen Vorurteilen gegenüber Deutschen entgegentreten: 1. Perfektionismus, 2. Sturheit, 3. Arbeitsbesessenheit, 4. Humorlosigkeit, 5. Besserwisserei, 6. Griesgrämigkeit, 7. Unfreundlichkeit.
Seien Sie in Ihrer Präsentation offen gegenüber anderen Kulturen:

„Am deutschen Wesen soll die Welt genesen” – mit dieser Einstellung verschrecken Sie alle Gäste.
Betrachten Sie Menschen anderer Herkunft als gleichberechtigt.
Werten Sie das Anderssein als positiv: Dann können Sie von Ausländern lernen.
Zeigen Sie Humor in Ihrer Präsentation:

Mancher Fehler, den Sie im Umgang mit anderen Kulturen machen, wird Ihnen verziehen, wenn Sie freundlich sind. Nutzen Sie die Magie des Lächelns!
Setzen Sie auf Humor als völkerverbindendes Mittel. Diese Eigenschaft, die Deutschen oft abgesprochen wird, gewinnt Ihnen die meisten Sympathien.

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus den USA

Hart in der Sache, locker im Ton

„Die Amerikaner lieben es locker und lässig”: Dieses Klischee mag stimmen, was den privaten Bereich angeht. Im amerikanischen Wirtschaftsleben herrschen dagegen strenge Umgangsformen; und die Verhandlungen sind stark ritualisiert.

  • Korrektheit in der Kleidung und Pünktlichkeit bei Terminen – wenn Sie diese Voraussetzungen nicht beachten, scheitert jede Verhandlung.
  • Begrüßung: Als Antwort auf die Floskel „How are you?” erwartet ein Amerikaner nichts anderes als ein „Thanks. Fine. And how are you?”
  • Hart in der Sache – locker und freundlich im Ton: So lautet das amerikanische Verhandlungsprinzip. Die Anrede mit Vornamen sorgt für eine ungezwungene Atmosphäre und erleichtert die Konzentration auf die Inhalte.
  • Smalltalk: Statt mit der Tür ins Haus zu fallen, wird zunächst über Nebensächliches geredet. Gerade hierbei können Deutsche durch Charme, Witz, gezeigtes Interesse und Einfühlungsvermögen wichtige Pluspunkte sammeln.
  • Nach dem unvermeidlichen Smalltalk kommen Amerikaner schnell zur Sache. Sie sind handlungsund erfolgsorientiert, steuern möglichst schnell und direkt konkrete Ergebnisse an.
  • Auch wenn es mitunter hart zugeht: Humor ist immer gefragt. Ein guter Witz, eine lustige Anekdote helfen, Sympathien zu gewinnen.

 

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus Großbritannien

Punkten durch „Understatement“

Der größte Fehler, den Sie bei einer Delegation begehen können, deren Mitglieder von der britischen Insel kommen, ist – sie als „Engländer” zu bezeichnen. Jeder Schotte wäre zutiefst beleidigt. Gehören doch die Schotten – wie auch die Engländer, Waliser und Nordiren – zum Vereinigten Königreich („United Kingdom”, kurz UK). Sie sind Briten, aber keine Engländer. Gleichwohl teilen sie mit ihren Nachbarn einige Eigenschaften:

  • In Großbritannien wird zielorientierter gearbeitet als in Deutschland. Pragmatische Briten halten uns Deutsche oft für zu pedantisch und detailverliebt.
  • Briten sind weniger direkt als Deutsche. Ein hartes „Nein” wird als Affront erfunden. Wichtig sind die kleinen Nuancen.
  • Britische Loyalität bedeutet: Einmal gefällte Entscheidungen sind unumstößlich. Nachverhandlungen gibt es nicht!
  • Keine Angst vor Smalltalk! Briten lieben ein lockeres Aufwärmgespräch vor harten Verhandlungen. Besserwisser und Schulmeister sind dagegen nicht gefragt, ebenso wenig „arrogante Deutsche”.
  • Typisch britisch ist die Kunst des „Understatement”: Selbstbewusste Briten stellen gerne ihr Licht unter den Scheffel, um im nächsten Atemzug mit einer brillanten Idee zu glänzen. „Understatement” ist für Deutsche die beste Möglichkeit, um bei Briten zu punkten.
  • Britischer Humor macht vor nichts Halt, nicht einmal vor sich selbst. Natürlich auch nicht vor den Deutschen. Hier sind Nehmerqualitäten gefragt.
  • Die Kunst der Diplomatie ist ebenfalls eine britische Erfindung. Wenn ein Inselbewohner sagt „That sounds interesting”, kann er das durchaus so meinen. Wird auf Nachfrage allerdings ein „not really” hinterhergeschoben, darf niemand beleidigt sein.

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus Frankreich

Die Atmosphäre muss stimmen

Franzosen legen sehr viel Wert auf eine freundliche, lockere Atmosphäre.

  • Ein Gespräch sollte mit einer netten Bemerkung über Erfreuliches aus dem Nachbarland – viele Franzosen sind stolz auf die Erfolge ihrer Sportler oder Künstler – oder mit einer Liebenswürdigkeit über den Gesprächspartner beginnen.
  • Auf die höfliche Frage nach der Befindlichkeit reicht als Antwort ein fröhliches „Très bien” völlig aus.
  • Ungeduld oder sofortiges Zur-Sache-Kommen – wie in Deutschland üblich – macht Franzosen oft misstrauisch. Sie fragen sich: „Was soll die überstürzte Eile?”
  • Franzosen sind höfliche Menschen. Niemals Unmut explizit ausdrücken! Besser ist es, die oben genannten Komplimente wegzulassen. Dann weiß Ihr Gegenüber sofort, dass etwas nicht stimmt, und fragt später nach.
  • Ebenso wichtig wie der Beginn ist der positive Gesprächsabschluss. Dazu zählen die Wertschätzung der Zusammenarbeit, der Dank für den persönlichen Einsatz und die Freude am Wiedersehen.

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus Mittel- und Ost-Europa

keine Deutschtümelei

Das erste Fettnäpfchen lauert bereits in einigen Ländernamen: Es heißt nicht „Tschechei” (so nannte Hitler das von Nazideutschland annektierte Gebiet), sondern „Tschechien“ oder „Tschechische Republik“. Ukrainer werden nicht gerne als „Russen” tituliert, und Esten, Letten und Litauer hören lieber ihre eigenen Länderbezeichnungen als das deutschtümelnde „Baltikum”.

  • Polen, Ungarn, Tschechen und Slowaken betrachten sich nicht als Ost-, sondern als Mitteleuropäer. Ein Blick in den Atlas gibt ihnen Recht.
  • Polen ist ein sehr traditionelles, katholisches Land. Etikette und Umgangsformen stehen hoch im Kurs. Die Nation nimmt bei allen Polen einen hohen Stellenwert ein.
  • Die Bewohner der Ex-Sowjetrepubliken Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Ukraine und Moldawien sind stolz auf ihre Eigenständigkeit. Anerkennende Äußerungen werden mit Freude registriert und mit Sympathie beantwortet.
  • Tschechen und Slowaken reagieren besonders allergisch, wenn Deutsche im Gefühl wirtschaftlicher Überlegenheit auf sie herabblicken. Vor dem 2. Weltkrieg war das wirtschaftliche Kräfteverhältnis eher umgekehrt.
  • Ungarn neigen zum Understatement: Sprechen sie von einem „ganz kleinen” Problem, meinen sie in Wirklichkeit ein sehr ernstes. In dem Land mit starker k. u. k. Tradition ist Höflichkeit eine der wichtigsten Tugenden.
  • Russen kommen bei Verhandlungen gern zügig zum Abschluss und halten sich meist streng an die Tagesordnung. Aber auch Smalltalk und Privatem sind sie nicht abgeneigt. Tabuthemen: Kriminalität, Staatshaushalt und aktuelle Katastrophen (wie z. B. der Untergang des U-Boots „Kursk” oder der Brand des Moskauer Fernsehturms).

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus Japan

Ein Lächeln ist kaum Aufwand

Freundlichkeit ist für Japaner das Nonplusultra einer jeden Verhandlung. Ohne Lächeln läuft nichts – im Privaten wie im Geschäftlichen.

  • Im Land der aufgehenden Sonne weiß jeder: Für ein Stirnrunzeln müssen 30 Muskeln angespannt werden, für ein Lächeln lediglich 13.
  • Deutsche sollten bei der Begrüßung nicht von sich aus mit dem Händeschütteln beginnen. Körperkontakt ist den meisten Japanern unangenehm.
  • Japaner lieben es, mit einer Verbeugung begrüßt zu werden. Faustregel: Je höher das Alter und die soziale Stellung, desto tiefer die Verbeugung.
  • Für Japaner sind zurückhaltende Menschen reifer und weiser als forschere Zeitgenossen. Der direkte Augenkontakt ist verpönt.
  • Japaner sind keine harten, dafür aber zähe Verhandler. Ihr Vorbild ist der Bambus: Nach jedem Sturm biegt sich die Rohrpflanze wieder zurück und steht auch nach dem schwersten Taifun aufrecht an ihrem Platz. Flexible Verhandlungsstrategien führen damit eher zum Ziel als „harte Bandagen“.
  • Japaner brauchen länger als Deutsche, um Entscheidungen zu treffen. Wer das nicht akzeptiert, kommt nie zum Abschluss.

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus China

Das Wichtigste ist Geduld!

Verhandlungen mit chinesischen Gästen erfordern viel Zeit. Nehmen Sie sich auf keinen Fall zu viel vor – ein voll gepacktes Programm wirkt auf Ihre Gäste abschreckend, denn:

  • Für Chinesen ist Geduld das Wichtigste. Kontakte herzustellen – die später intensiv gepflegt werden – braucht viel Zeit. Auf (Zeit-)Druck reagieren die meisten Chinesen allergisch!
  • Verträge sind in China nichts Endgültiges. Vertragspartner sollten langwierige Nachverhandlungen einkalkulieren.
  • Fernöstliche Denkweisen sind für Westler oft nicht nachvollziehbar. Chinesen planen nicht alles bis ins letzte Detail und warten oft mit überraschenden Lösungen auf. Positives Denken ist hier angebracht.
  • Freundschaft und Respekt gelten in China mehr als hierzulande. Ein Beispiel: Wer Visitenkarten einfach in die Tasche steckt, statt sie sorgfältig zu studieren, beleidigt sein Gegenüber.

Wie Chinesen die Deutschen sehen

Um mit ausländischen Gästen erfolgreich verhandeln zu können, sollten Sie nicht nur deren nationale Eigenheiten kennen, sondern auch wissen, wie es um das Image der Deutschen im Land bestellt ist. Dann können Sie die Ihnen zugeschriebenen positiven Eigenschaften bestätigen und die negativen zumindest in Ihrer Person entkräften. Dazu ein Beispiel: Chin Yang, 30, ist Marketingleiter für Motorola in Peking. Er arbeitet häufig mit Deutschen zusammen. Dabei ist ihm aufgefallen, dass die Deutschen …

  • … zwar sehr effizient arbeiten, aber oft auch sehr unflexibel sind: „Das mit Abstand Schnellste an Deutschland sind die Autos.”
  • … sehr gewissenhaft sind und alles im Voraus abschätzen wollen. Bevor sie sich nicht absolut sicher fühlen, beginnen sie nichts Neues.
  • … eher zurück als nach vorne blicken: „Wenn ein Projekt bereits gelaufen ist, denken sie immer noch darüber nach, dass es auch zehn andere Wege zum Ziel gegeben hätte.”
  • … beim Essen sehr förmlich sind. Erst wenn der Abend in der Kneipe fortgesetzt ist, werden sie lockerer und öffnen auch mal den Hemdkragen.
  • … beim Thema Hunde sehr emotional reagieren. Sie verabscheuen es, wenn Chinesen Hunde essen. Dabei kommt diese Sitte aus Korea!

Präsentationen und Verhandlungen vor Gästen aus arabischen Ländern

Höflichkeit heißt Achtung vor den Gästen

Der Islam ist in vielen Staaten der Erde Staats- bzw. weit verbreitete Religion. Natürlich gibt es trotzdem nationale Unterschiede, z. B. zwischen dem arabischen Kuwait oder dem persischen Iran. Wir stellen Ihnen hier repräsentativ arabische Regeln vor.

  • In islamischen Ländern wird sehr viel Wert auf die Etikette gelegt. Die Achtung vor den Gästen gebietet es uns, ebenso zu verfahren.
  • Alkohol ist für Muslime tabu. Wer als Christ bei Zusammenkünften darauf verzichtet, zeigt Verständnis und sammelt Pluspunkte.
  • In arabischen Ländern ist es verpönt, dem Nachbarn die blanken Schuhsohlen zu zeigen: Der Boden gilt als schmutzig, ebenso wie die Schuhe.
  • Orientalen lassen sich nicht gern in einen vorgegebenen Zeitplan zwängen. Westliche Hektik ist ihnen fremd.
  • Araber lesen von rechts nach links. Anfang und Ende einer Entwicklung werden also auch von rechts nach links und nicht – wie in westlichen Ländern – von links nach rechts visualisiert. Achten Sie darauf unbedingt, wenn Sie präsentieren – sonst geht es Ihnen wie der westlichen Firma, die eines ihrer Produkte mit 3 Dias präsentierte: Das linke zeigte ein sandübersätes Etwas, das mittlere einen modernen Staubsauger, das rechte einen blitzsauberen Teppich. Doch niemand wollte die „Sandmaschine” kaufen!
  • Keine Angst vor Fundamentalismus! Zahlreiche Verse des Korans fordern zu Toleranz gegenüber Andersgläubigen auf, und die meisten Muslime halten sich daran. Gerade diejenigen, die Geschäfte mit dem Westen machen, gehen ohne Vorbehalte mit Christen um.

Als Frau vor arabischen Gästen

Der Koran gebietet es, dass Frauen sich nicht „aufreizend” kleiden. Doch auch der strengste Muslim erwartet nicht, dass sich in Europa eine westliche Frau vor ihm verschleiert. Konservative Kleidung ist gefragt. Ähnlich wie bei uns ist es für Frauen nicht angebracht, tiefe Dekolletés, eng anliegende Hosen oder kurze Röcke zu tragen. Ein Kostüm in Dunkelblau oder Grau hingegen beleidigt keines Muslims Augen. Apropos: Frauen sollten es vermeiden, ihrem arabischen Gegenüber direkt in die Augen zu blicken. Ein solches Verhalten würde als sexuelle Avance missverstanden. Und noch ein letzter Tipp: Das Händeschütteln ist in der arabischen Welt nicht üblich – schon gar nicht im alltäglichen Verkehr zwischen Männern und Frauen. Daher sollten Europäerinnen auf diese Art von Begrüßung verzichten – es sei denn, der Gast aus Arabien wählt von sich aus diese Form.

Ihr Feedback

Login

Ihr Feedback

Wir haben noch viele Pläne und Ideen für redenwelt.de aber für uns zählt, was Sie sich wünschen! Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns ein Feedback zu hinterlassen.