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Rhetorik-Tipps

Synekdoche in der Rede: Das müssen Sie über die rhetorische Figur wissen

Die Synekdoche ist ein klassisches rhetorisches Stilmittel und wird sowohl in Reden als auch in der Alltagskommunikation häufig verwendet. Sie gehört wie auch die Metapher und die Metonymie zu den Tropen. Die sogenannten Tropen sind Rhetorik-Figuren, bei denen das Gesagte vom Gemeinten abweicht. Dabei wird wie auch bei der Metonymie und der Metapher die Ersetzung eines Wortes vorgenommen.

Was macht eine Synekdoche aus?

Bei der Synekdoche stammt der ersetzte Begriff aus demselben Bedeutungsfeld wie der Begriff des ursprünglich Gemeinten. Er kann sogar ein Teil des Wortes sein oder einen Oberbegriff dafür darstellen. Das macht die Synekdoche insgesamt zu einer enger gefassten Form der Metapher, bei der das Bedeutungsfeld gänzlich verschieden sein kann.

Metonymien, ausdrucksvoll, stark

Metonymien lassen Redner ausdrucksvoll erscheinen © Pressmaster – Shutterstock

Die Synekdoche kann als Unterart der Metonymie beschrieben werden, die Grenzen zwischen den beiden Stilmitteln sind fließend. Das Wort „Synekdoche“ stammt aus dem Altgriechischen (synekdoché) und bedeutet auf Deutsch „Mitverstehen“. Die Synekdoche kann in 4 verschiedene Unterarten eingeteilt werden.

Die 5 Arten der Synekdoche

1. Teil-Ganzes-Beziehung

Die Synekdoche wird häufig fälschlicherweise mit „pars pro toto“ verwechselt, also „ein Teil steht für das Ganze“. Pars pro toto ist eine Unterart der Synekdoche, es gibt jedoch noch weitere Formen. Beispiele für pars pro toto sind:

  • Ausgaben pro Kopf – Kopf steht für Mensch
  • vier Augen statt zwei Personen
  • unter einem Dach leben statt in einem Haus leben
  • leckerer Tropfen für leckerer Wein
  • zwei Euro pro Nase – Nase steht für Person

Pars pro toto gibt es jedoch auch in umgekehrter Form. Totum pro parte ist ebenfalls eine Unterart der Synekdoche und bedeutet, dass das Ganze für einen Teil steht:

  • Deutschland holt die Goldmedaille – hier steht Deutschland als Ganzes für einen einzelnen Sportler oder eine einzelne Mannschaft
  • „Wir sind Weltmeister“ steht stellvertretend für „Die deutsche Nationalmannschaft ist Weltmeister“
  • „Die Polizei kommt“ statt „es kommen einzelne Polizeibeamte“

2. Beziehung zwischen Gattung und Art

Wenn etwas Spezielles, also die Art für etwas Allgemeines, also die Gattung steht, dann handelt es sich um eine weitere Unterart der Synekdoche. Beispiele:

  • Segel für Schiff
  • Brot für Lebensmittel
  • Ring für die Ehe
  • Mann für Menschen (wir waren mit drei Mann vor Ort)
Metapher

Mit einer Metapher wird das Gesagte von dem Gemeinten abweichend dargestellt © 3d factory – Shutterstock

Auch andersherum kann die Gattung für die Art stehen:

  • Raubkatze für Löwe
  • „Mit Chemie putzen“ statt „mit chemischen Reinigungsmitteln putzen“
  • „Ich mache schon mal den Weihnachtsbaum an“ anstelle von „Ich mache schon mal die Lichter am Weihnachtsbaum an“

3. Zeitliche Beziehung

Wenn etwas Vorangegangenes für das spätere Produkt steht, handelt es sich um eine Synekdoche, wie zum Beispiel in:

  • Traubensaft oder Most statt Wein
  • Hopfen für Bier
  • Getreide für Brot

Auch umgekehrt kann die Synekdoche eingesetzt werden, sodass ein Produkt oder das Folgende das Vorangegangene ersetzt:

  • „Wir ernten das Brot von den Feldern“ statt „Wir ernten das Getreide von den Feldern“
  • „Hier wird der Wein gepresst“ statt „Hier wird der Traubensaft für den Wein gepresst“

4. Grammatische Beziehung

Bei dieser Art der Synekdoche steht der Singular für den Plural oder umgekehrt. Beispiele für ersteres sind:

  • „der Italiener isst gerne Pasta“ – hier steht der Italiener stellvertretend für die Einwohner Italiens
  • „der Mensch ist ein Herdentier“ statt „die Menschen“

Steht der Plural für den Singular, heißt es:

  • „Wie geht es uns heute?“ statt „Wie geht es dir heute?“
  • „Wo waren wir stehen geblieben?“ anstelle von „Wo war ich stehen geblieben?“
  • „Wir haben es geschafft“ anstelle von „Ich habe es geschafft“ ist ebenfalls geläufig

5. Autonomasie

Die Autonomasie ist ein Sonderfall der Synekdoche. Dabei wird der Eigenname einer einzelnen Person, die hinlänglich historisch oder kulturell bekannt ist, für eine ganze Gattung genutzt. Ein Name steht für bestimmte Eigenschaften und indem jemand so bezeichnet wird, werden ihm diese Eigenschaften automatisch übertragen. Beispiel:

  • Krösus – ein reicher Mensch
  • Herkules – ein starker Mensch
  • Judas – für einen Verräter

Welchen Zweck hat die Synekdoche in der Rede?

Die Synekdoche hat in der Rede verschiedene Zwecke. Einerseits bringt sie Abwechslung hinein, um Wiederholungen zu vermeiden. Andererseits kann sie aber auch ganz bewusst Aussagen abschwächen oder verstärken. So ist „Ich putze nicht mit Chemie“ eine stärkere Aussage als „ich putze nicht mit diesem chemischen Putzmittel“. Es findet eine Verallgemeinerung statt, die die Aussage unterstreicht. Auch Verknappung kann die rhetorische Wirkung einer Synekdoche sein, ebenso wie das eindringliche Darstellen eines Sachverhaltes.

Der Einsatz von „totum pro parte“ in einer Rede kann zum Beispiel das Gemeinschaftsgefühl stärken, wie bei den Ausrufen „Wir sind Weltmeister“ oder „Wir sind Papst“. Es kreiert Verbundenheit zwischen Redner und Publikum und steigert dadurch die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Sagt jemand nach einem Sieg „Wir haben es geschafft“ statt „Ich habe es geschafft“ drückt er dadurch Bescheidenheit aus.

Mit der Synekdoche die sprachliche Vielfalt ausschöpfen

Rhetorik Tipps

Die Rhetorik ist beim Halten von Reden jeglicher Art der Schlüssel zum Publikum © fizkes – Shutterstock

Je nachdem welche Variante der Synekdoche in der Rhetorik gewählt wird, also ob ein übergeordneter Begriff für einen untergeordneten Begriff verwendet wird oder andersherum, kann dies die Aufmerksamkeit in der Rede gezielt steuern. Der Redner kann durch Sprache eine Art Weitwinkelobjektiv oder ein Teleobjektiv benutzen und den Blickwinkel auf seine Inhalte weit oder eng gestalten. Dadurch wird die Rede anschaulicher.

Insbesondere wenn es sich um ein relativ enges Themenfeld handelt, das intensiv beleuchtet wird, ist sprachliche Vielfalt wichtig. So kann sich das Gesagte für die Zuschauer besser einprägen und das Nutzen der immer gleichen Wörter wird vermieden. Die Qualität der Rede steigt dadurch und das Publikum kann besser folgen.

Entscheidend ist, dass die Synekdoche richtig angewendet wird und tatsächlich nur Wortersetzungen vorgenommen werden, die wirklich Sinn ergeben. Wirkt es auf die Zuhörer unpassend, könnten Sie möglicherweise die Aufmerksamkeit Ihres Publikums verlieren, da sie beginnen Ihre Worte anzuzweifeln und Ihre Kompetenz in Frage stellen. Sichern Sie sich bei der Vorbereitung Ihrer Rede daher im Vorfeld ab und prüfen Sie Ihre verwendeten rhetorischen Stilmittel auf Richtigkeit in der Verwendung.

Autor: Redaktion redenwelt.de

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