Redefiguren- Reden in Bildern
14 Redefiguren, die Ihre Rede würzen
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| Allegorie, Alliteration, Anapher, Antithese, Chiasmus, Ellipse, Emphase, Metapher, Metonymie, Parallelismus, Permissio, Personifikation, Rhetorische Frage, Synekdoche |
Bleibt im Gedächtnis haften: die Anapher
„Die einzig wirksame Redeform ist die Wiederholung“, sagte der französische Staatsmann und Feldherr Napoleon Bonaparte, der häufig auf die Wirkung der Anapher setzte.
Auch Sie fahren gut mit der Anapher oder Wiederholung, wenn Sie wollen, dass sich bestimmte Worte Ihrer Rede im Gedächtnis Ihrer Zuhörer einprägen.
Mehrere Sätze beginnen mit dem gleichen Wort
Mehrere Sätze oder Satzteile beginnen mit dem gleichen Wort - oder mit einem Wort von gleicher
Bedeutung. Das, was Sie sagen, wird dem Publikum
durch die Anapher klarer; die Wiederholungen sorgen dafür, dass alles in den Köpfen Ihrer Zuhörer
haften bleibt.
Beispiel für eine Anapher
„Die Angst Nummer eins des Menschen ist das öffentliche Reden. Dazu zählt die Angst, das Thema nicht zu beherrschen, die Angst, stecken zu bleiben, die Angst, plötzlich im Rampenlicht zu stehen, die Angst, Fehler zu machen, die Angst, dass das Gesagte nicht verstanden wird, die Angst vorm Publikum. Die Angst Nummer zwei des Menschen ist der Tod.“
„Es gibt nur vier Wege, Geld auszugeben: Gib dein Geld für dich selbst aus. Gib dein Geld für andere Leute aus. Gib anderer Leute Geld für dich aus. Gib anderer Leute Geld für andere aus."
(Milton Friedman, Wirtschafts-Nobelpreisträger)
Die Anapher erhöht die Rede-Wirkung
Die Anapher dient dazu, durch die Wiederholung die Bedeutung der Worte zu unterstreichen und die
Wirkung zu erhöhen. Sie können sie verwenden, um beispielsweise Ihre Zuhörer möglichst direkt ins Thema einzuführen: Anstatt Ihre Rede zu eröffnen mit dem Satz: „Heute spreche ich über die Lebensumstände, das Liebesleben und den Leidensdruck der Wale“ können Sie noch griffiger formulieren:
„Mein Thema heute: Wale: Wie sie leben, wie sie lieben, wie sie leiden.“
Die Anapher können Sie zu Beginn wie auch am Schluss einsetzen. Eine schöne Aufzählung stimmt Ihr Publikum auf die Rede ein; und sie weckt ebenso effektiv die Aufmerksamkeit aller Anwesenden, bevor Sie diese mit einer Handlungsaufforderung aus Ihrer Rede entlassen.
Ihrem Gegner zeigen, was eine Harke ist: die Antithese
Die Welt ist groß, klein ist der Verstand: Durch eine solche Gegenüberstellung zeigen Sie Ihrem Gegner, was eine Harke ist. Die Antithese gibt Ihnen ein Instrument in die Hand, mit dem Sie in Diskussionen punkten und durch kurze, präzise Argumentation überzeugen.
Was ist eine Antithese?
Die Antithese ist die Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Begriffe und Gedanken - wie in „heiß geliebt und kalt getrunken“: Gegensätze werden deutlich herausgearbeitet und Sachverhalte in griffigen, klar verständlichen Formulierungen zusammengefasst.
Beispiel für eine Antithese
Als Albert Einstein seine grundlegende Arbeit zur speziellen Relativitätstheorie veröffentlichte, wurde er nach seiner Einschätzung der Reaktion in der Öffentlichkeit gefragt: „Das ist einfach vorherzusagen“, antwortete Einstein. „Werde ich recht behalten, werden die Deutschen sagen, ich sei Deutscher, die Franzosen, ich sei Europäer un ddie Amerikaner, ich sei Weltbürger. Werde ich nicht recht behalten, werden die Amerikaner sagen, ich sei Europäer, die Franzosen, ich sei Deutscher und die Deutschen, ich sei ein Jude.“
Antithesen in Diskussionen nutzen
Sie können sich mit einer Antithese deutlich vom Standpunkt eines Anderen absetzen. Versetzen Sie sich in folgende Situation: Sie haben sich für ein Mandat beworben. Ihr Kontrahent hält eine Rede mit großartigen Versprechungen. Nun sind Sie an der Reihe. Mit einer einzigen Antithese können Sie das Rededuell für sich entscheiden: „Liebe Anwesenden - alles, was mein Vorredner versprochen hat, werde ich einhalten“.
Doch Vorsicht: Mit solchen Antithesen schaffen Sie in Debatten leicht ein aggressives Klima. Sie sollten sie nur einsetzen, wenn Ihre Position unangefochten ist und Sie keinen Widerstand fürchten müssen. In einer ohnehin aufgeheizten Atmosphäre fahren Sie besser, wenn Sie darauf verzichten, Ihre Argumentation auf die Spitze zu treiben.
Als Resümee können Sie die Antithese bedenkenlos verwenden. „Hart in der Sache, verbindlich im Ton“ etwa ist eine Antithese, die als Leitmotiv für sämtliche Diskussionen taugt. Oder die Empfehlung, heitere Fragen ernst und ernste Fragen heiter zu beantworten.
Wirksame Waffe in Ihrer Argumentation: der Chiasmus
Sagen, was man weiß, und wissen, was man sagt: Dieses Erfolgsrezept für Redner, sehr anschaulich durch die Kreuzstellung dargestellt, lässt sich wunderbar leicht merken.
Mit einer solchen einfachen, aber sehr wirkungsvollen Satzkonstruktion beeindrucken Sie Ihre Zuhörer. Chiasmen eignen sich aber auch als Waffe, die Sie in Diskussionen einsetzen können.
Was ist ein Chiasmus?
In einem Chiasmus werden Begriffe einander gegenübergestellt. Oft, aber nicht immer, ergibt sich ein
spiegelbildliches Schema A - B - B - A wie in dem Goethe-Zitat „Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben“.
Geeignet für Debatten
Etwas abgewandelt (das letzte A fehlt) ist der Chiasmus in dem Blödel-Spruch: „Aus Spaß wurde Ernst. Ernst lernt gerade laufen.“ In Debatten eignet sich der Chiasmus deshalb so gut, weil er das Argument des Gegners aufgreift und blitzschnell in ein eigenes Argument umwandelt.
Beispiel für einen Chiasmus
Mit einem Chiasmus haben Sie immer die Lacher auf Ihrer Seite. Nach etwas Training werden Sie bald in der Lage sein, Argumente Ihrer Gegner aufzugreifen und in einen Treffer für Sie umzuwandeln.
Ein Meister in dieser Kunst ist der Aphoristiker Wolfram Weidner („Aphorismen sind Sätze, die denken“). Von ihm stammen Chiasmen wie „Sicherheitsvorkehrungen kehren Unsicherheit hervor“ oder „Wenn der Staat sparen muss, stellt er als erstes die Sparförderung ein.“
So wenden Sie den Chiasmus an
Das Schema eines Chiasmus ergibt sich wie folgt:
1. ein Argument/eine These/eine Tatsache aufgreifen
2. es/sie ins Gegenteil kehren.
Als im Jahr 1992 der 500. Geburtstag der Entdeckung Amerikas pompös gefeiert wurde, antworteten Kritiker den allzu Blauäugigen mit einem Aphorismus des Göttinger Universitäts-Professors und Aphoristikers Georg Christoph Lichtenberg: „Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, hat eine böse Entdeckung gemacht.“
So können Sie auch in Ihrer Rede mit unerwarteten, messerscharfen Kehrtwendungen punkten.
Einen Nachteil hat der Chiasmus allerdings: Wenden Sie ihn in einer angespannten Situation an, gießen Sie damit zusätzlich Öl ins Feuer.
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Auf das Wesentliche beschränken: mit der Ellipse
Sparen ist in. Finanzminister Eichel tut es, die Opposition fordert es, und Sie als Redner fahren auch nicht schlecht, wenn Sie sich kurz fassen. Das Sparen bei den Wörtern hat einen weiteren Vorteil: Indem Sie sich auf das Wesentliche beschränken, prägt sich Ihr Publikum das, was Sie sagen, viel besser ein.
Was ist eine Ellipse?
Die Ellipse ist eines der am häufigsten angewandten Stilmittel. Sicher kennen Sie das Volkslied, das mit den Zeilen beginnt: „Es gibt zur Zeit im breiten Umkreis kein Land, in dem es sich angenehmer leben ließe als in unserem.“
Sollte Ihnen der Text unbekannt vorkommen, liegt es vielleicht an der Wortwahl. Im Original sorgt eine Ellipse dafür, dass der Beginn des Volkslieds viel markanter ist und tiefer ins Gedächtnis eindringt:
„Kein schöner’ Land in dieser Zeit /
Als hier das unsre, weit und breit.“
Beispiel für eine Ellipse
Stellen Sie sich vor, Sie haben nur 20 Minuten Zeit für Ihre Rede, und Sie wissen überhaupt nicht, wo Sie anfangen sollen. Sie sagen Ihrem Publikum: „Ich habe nur 20 Minuten Zeit für meine Rede, und ich weiß überhaupt nicht, wo ich anfangen soll.“ Jemand im Publikum meint es gut mit Ihnen und antwortet in knappstmöglicher Form unter Verwendung einer Ellipse: „... mit der 19.!“
Für den Einsatz in Kurz-Reden
Mit der Ellipse machen Sie als Redner in jeder Situation eine gute Figur. Sie kürzen umständliche Erklärungen ab, und statt endlos langer, zäher Antworten liefern Sie kurze und eingängige. Ihr Publikum weiß das zu schätzen.
Einer der Vorzüge des Politikers Herbert Wehner war seine Direktheit. Einmal brauchte ein Reporter eine volle Minute, um eine Frage an Wehner zu stellen- so viel hatte er dort hineingepackt. Wehner antwortete nur: „Sie sagen es!“ Auch Sie können als Redner oder Diskussionsteilnehmer mit einer Ellipse den Ball elegant zurückspielen. Den Punkt machen immer Sie.
Herz und Feuer für Ihre Rede: die Emphase
Ihre Rede kann noch so gut aufgebaut sein und vorgetragen werden - wenn Sie kein Herz, kein Feuer enthält, verfehlt sie ihre Wirkung. Die nötige Kraft, um andere zu überzeugen, verleihen Sie Ihrer Rede durch Emphase - so, wie es große Redner immer getan haben.
Mit der Emphase verleihen Sie Ihrer Aussage Nachdruck
„In Dir muss brennen, was Du in anderen entzünden willst“: Der römische Kirchenlehrer Augustinus, der im 5. Jahrhundert Unzählige zum Christentum bekehrte, drückt in wenigen Worten die Wirkungsweise der Emphase aus. Das Stilmittel - in Form einer Wiederholung oder Betonung - verleiht Ihrer Rede den gewünschten Nachdruck.
Beispiel für eine Emphase
Am 26. Juni 1963 hielt US-Präsident John F. Kennedy eine Rede, mit der er die Bevölkerung Berlins in einer schwierigen Situation - nach dem Bau der Mauer war Berlin völlig isoliert - moralisch unterstützte:
„Vor 2000 Jahren war der stolzeste Satz, den ein Mensch sagen konnte: ,Ich bin ein Bürger Roms!’ Heute ist der stolzeste Satz, den jemand in der freien Welt sagen kann: ,Ich bin ein Berliner!“ Kennedy steigerte seine Solidarität mit den Bewohnern der abgeschnittenen Stadt durch den letzten Satz seiner Rede - eine Wiederholung, in der er jedes Wort einzeln betonte: „Ich - bin - ein - Berliner“.
Nicht nur die Berliner Bürger, die ganze westliche Welt war begeistert, und Kennedys Worte der Ermutigung ging in die Geschichtsbücher ein.
Wichtig für die Emphase: die richtige Betonung
Denken Sie in Ihrer Rede daran, dass Sie nicht nur über eine Sache, sondern vor allem zu Menschen reden. Ihre Rede muss von Herzen kommen und Herzen erreichen: nämlich die Ihrer Zuhörer. Deshalb eignet sich die Emphase vor allem für Situationen, in denen Sie andere für sich gewinnen wollen.
Für Sie als Redner kommt es darauf an, die Emphase an der richtigen Stelle und mit entsprechender Betonung einzusetzen - wenn Sie auf den Überzeugungseffekt setzen, am besten am Schluss. Sie müssen die entscheidende Passage sorgfältig vor- bereiten und sie mit viel Pathos, mit viel Gefühl vortragen.
Macht Ihre Rede anschaulich: die Metapher
Kennen Sie den Wüstenfuchs? Das Tier gibt es tatsächlich; gemeint ist aber meistens ein Mensch: der im Zweiten Weltkrieg in Nordafrika operierende Generalfeldmarschall Erwin Rommel.
Die Metapher ,Wüstenfuchs’ hat ihn vermutlich noch berühmter gemacht, als er ohnehin schon war. Bildhafte Sprache klingt viel anschaulicher als bloße Namen, Daten, Fakten. Nutzen Sie das für eine lebendige Rede!
Metaphern machen Ihre Worte lebendig
Was tun Politiker, die sich wie Blumen aufführen? Sie lassen die Köpfe hängen.
Unter einem solchen bildhaften Vergleich kann sich jeder Zuhörer etwas vorstellen. Metaphern sind Sprachbilder. Metaphorische - da bildhafte - Wörter sind beispielsweise ,Ab-schaum’, ,Flimmer-kiste’, ,Meer busen’, ,Landzunge’, ,Glüh-birne’.
Beispiel für eine Metapher
Bleiben wir bei der Glühbirne. Das Wort an sich ist schon eine Metapher, ein Sprachbild. Sie wird aber auch - sozusagen als Metapher einer Metapher - in Comics und Cartoons als Symbol für eine Idee oder einen Geistesblitz verwendet wird: Mickey Mouse etwa braucht keine Wörter, um mitzuteilen, dass er einen Einfall hat. Es reicht eine Glühbirne als Sprechblase - und jeder Leser weiß Bescheid.
So veranschaulichen Sie Sachverhalte
Was hat ein Jesuit mit einer Glühbirne (um weiter beim Beispiel zu bleiben) zu tun? Jesuiten sind als sehr praxisorientierte, einfallsreiche Ordensleute bekannt. Das können Sie sehr anschaulich mit einer Metapher, verbunden mit einer kleinen Geschichte, schildern:
„Ein Benediktiner, ein Dominikaner, ein Franziskaner und ein Jesuit beten zusammen. Plötzlich gehen alle Lichter aus. Der Benediktiner will mit dem Gebet fortfahren, denn er kennt es auswendig. Der Dominikaner regt ein Streitgespräch über ‘Licht und Dunkel in der Bibel’ an. Der Franziskaner kniet nieder und schlägt vor, dem Herrn für das Licht zu danken, das ihnen so sehr fehlt. In diesem Augenblick wird es wieder hell. Der Jesuit hatte inzwischen die Glühbirne ausgewechselt.“
Mit einer kurzen Überleitung sind Sie auch schon sofort bei Ihrem Thema: „Sicher geht auch Ihnen ein Licht auf, wenn ich Ihnen sage, dass ...“.
Metaphern eignen sich nicht nur hervorragend zur Veranschaulichung. Sprachbilder schaffen auch Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Publikum, denn jeder kann sich etwas darunter vorstellen. Das verbindet.
Rezept gegen die Langeweile: die Metonymie
Nichts ist langweiliger als ein Redner, der immer wieder die gleichen Wendungen bemüht. Je abwechslungsreicher Sie formulieren, desto aufmerksamer Ihr Publikum.
Vereint Kürze und Bildhaftigkeit
Metonymien sind Umbenennungen oder Übertragungen wie „das Leder“ statt „der Fußball“; „Er hat den ganzen Goethe (= seine sämtlichen Werke) gelesen“; „Venus statt Mars dienen (= für die Liebe statt für den Krieg leben), „Hitler marschierte 1938 in Wien ein“ (=die deutsche Wehrmacht besetzte 1938 Österreich“).
Eine Metonymie ist stets neutral besetzt: Gesucht wird ein alternativer Begriff oder eine alternative Wendung. Beide haben nur eine umschreibende und nicht - wie der Euphemismus - eine beschönigende Funktion.
Beispiel für eine Metonymie
Hier hilft wieder einmal der Blick in den Sportteil. Wie viele verschiedene Umschreibungen gibt es dort etwa für ein erzieltes Tor im Sport!
Um nur einige zu nennen: „einen Treffer markieren“, „den Ball versenken“, „das Leder über die Linie bugsieren“, „verwandeln“, „zum 1:0 einschieben“, „den Ausgleich schießen“, „erneut in Führung bringen“, „wieder egalisieren“, „den alten Abstand wiederherstellen“.
So wenden Sie die Metonymie an
Wenn Sie öfters alternative Ausdrücke verwenden, drücken Sie sich variabler aus und gestalten Ihre Rede lebendig. Das ist angenehm für Ihre Zuhörer, die Ihren Ausführungen umso bereitwilliger folgen. Suchen Sie bewusst nach Alternativen für immer wiederkehrende Begriffe und Wendungen - und setzen Sie diese in Ihrer Rede ein.
Wichtig ist aber, dass Ihre Zuhörer mit diesen Begriffen etwas anzufangen wissen. Wenn Sie vom „Weißen Haus“ sprechen, ist allen im Publikum klar, dass Sie damit den Amtssitz des US-Präsidenten meinen. Greifen Sie jedoch zu der Metonymie „Gestern hat das State Department verlauten lassen ...“, wissen nur Kenner der amerikanischen Politik, dass Sie auf das US-Außenministerium anspielen.
So wird Ihre Botschaft verstanden: mit dem Parallelismus
Wenn Sie fürchten, dass Ihr Publikum Ihre Botschaft nicht versteht, dann hilft Ihnen eine Stilform, die schon die Bibel zu einer sehr erfolgreichen Lektüre gemacht hat.
Was ist ein Parallelismus?
Beim Parallelismus handelt es sich um aufeinanderfolgende, gleiche oder sehr ähnliche Sätze, die sich in ihrem Sinn bestärken: „Meine Ruh ist hin,// Mein Herz ist schwer“ heißt es etwa in Goethes Faust.
Der verstärkende Sinn kann auch durch Begriffspaare ausgedrückt werden, die einen Gegensatz bilden. Eine solche Konstruktion heißt antithetischer Parallelismus, wie in Georg Büchners Der hessische Landbote: „Krieg den Hütten, Friede den Palästen“. Die Satzteile klingen ähnlich, Büchners Absicht wird klar, das Gegensatzpaar ,Hütten’ - ,Paläste’ verstärkt die Botschaft.
Beispiel für einen Parallelismus
Die Bibel kennt eine Fülle von Parallelismen, etwa im Psalm 51,4:
„Bis auf den Grund wasche ab meine Missetat, von meiner Sünde mache mich rein!“.
Der gleiche Gedanke wird auch in den Klageliedern 4,5 mit anderen Worten wiederholt: „Die früher leckere Speisen aßen, verschmachten jetzt auf den Gassen; die früher auf Purpur getragen wurden, die müssen jetzt im Schmutz liegen.“
Verstärken Sie die Wirkung Ihrer Worte
Der Parallelismus ist eines der ältesten Stilmittel- und eines der heute noch am meisten angewendeten. Indem Sie das, was Sie sagen, in gleicher Form wiederholen, verstärken Sie die Wirkung Ihrer Worte. Sagen Sie den Satz in gleicher Form mit etwas abgewandeltem Inhalt einfach noch mal.
In der Rede ist das nicht nur erlaubt, sondern sogar dringend ratsam: So wird ein Gedanke, den Sie vortragen, nicht einfach durch den nächsten abgelöst, sondern setzt sich in den Köpfen der Zuhörer fest.
Den Parallelismus können Sie in jeder Situation und vor jedem Publikum anwenden.
Wenn Sie auf (fast) verlorenem Posten stehen: die Permissio
Stellen Sie sich vor, Sie stehen einer Gruppe gegenüber, die genau das Gegenteil von dem vorhat, was Sie wollen. Wie schaffen Sie es trotzdem, dass diese Personen ihre Handlungsweise noch einmal überdenken und auch zu einem anderen Schluss kommen?
Nur in schwierigen Situationen anwenden
Das rhetorische Hilfsmittel, das Sie in kritischen Situationen benötigen, ist die Permissio. Mit dieser Taktik stellen Sie es dem Publikum (oder in einer Diskussion Ihren Gegnern) anheim, eine Entscheidung zu fällen.
Doch Sie geben nur zum Schein nach: denn Sie sind überzeugt, dass Sie es besser wissen. Indem Sie anderen Personen völlige Freiheit lassen, verunsichern Sie diese: „Na bitte, wenn Ihr es unbedingt so machen wollt, dann macht’s doch!“
Beispiel für eine Permissio
In William Shakespeares Drama Julius Caesar ist das Volk nach der Ermordung Cäsars auf Seiten des Brutus und der anderen Mörder. Brutus’ Widersacher Antonius gelingt es jedoch mit einer brillanten Rede, das Volk umzustimmen. Sein Mittel: die Permissio. So sagt er:
„Ich will was Brutus sprach, nicht widerlegen, ich spreche hier von dem nur, was ich weiß“; und später: „Drum, wenn ihr Cäsars Testament erführt, es setzt´ in Flammen euch, es macht euch rasen. Ihr dürft nicht wissen, dass ihr ihn beerbt.“
Natürlich will Antonius genau das Gegenteil: Das Volk soll den Inhalt von Cäsars Testament erfahren, und sich dann gegen Brutus wenden. Und so kommt es dann auch.
Besser ist, wenn dieses Stilmittel nicht notwendig wird
Wenn Sie anderen Personen verdeutlichen wollen, dass sie sich auf dem Holzweg befinden, kann die Permissio die Rettung bedeuten. Aber vertrauen Sie nicht darauf. Besser ist es, dass Sie gar nicht erst in eine Situation kommen, in der es bereits 5 vor 12 ist!
Wie Antonius in seiner Rede müssen Sie alles richtig machen und dürfen sich keine Fehler erlauben. Die Permissio kann für Sie also nur eine letzte Zuflucht sein, nachdem alle anderen Mittel versagt haben.
Lassen Sie es in Ihrer Rede „menscheln“: mit der Personifikation
Wie bringen Sie Ihrem Publikum abstrakte Dinge oder unbekannte Wesen näher, mit denen es zunächst nichts anfangen kann? Der Schlüssel ist die Personifikation.
Aus Abstrakten wird Begreifbares
Durch die Personifikation werden Sachen oder Tieren menschliche Charaktereigenschaften oder menschliche Fähigkeiten zugesprochen, die sie in Wirklichkeit nicht besitzen.
Aus etwas Abstraktem oder Unpersönlichem wird so etwas Begreifbares, etwas, das sich einordnen lässt. So war die Justitia die Personifikation der Gerechtigkeit, in bildlichen Darstellungen wurde sie immer mit verbundenen Augen (Symbol für Unparteilichkeit), in der Hand die Waagschalen, porträtiert.
Beispiel für eine Personifikation
In der Fabel werden menschliche Eigenschaften auf nichtmenschliche Wesen übertragen. So wird dem Fuchs Schlauheit und List zugeschrieben, der Wolf als gierig und gefräßig dargestellt, der Esel gilt als stur und störrisch, der Löwe symbolisiert Mut und majestätische Erscheinung, das Lamm ist ein Inbegriff von Unschuld und Wehrlosigkeit und der Rabe spielt häufig den Deppen.
Personifikation sparsam einsetzen
Lassen Sie es in Ihrer Rede „menscheln“: Stellen Sie eine Verbindung zwischen dem Abstrakten und Unbekannten her und dem, mit dem Ihre Zuhörer vertraut sind. Durch die bekannten Bildern schaffen Sie gleichzeitig eine Gemeinsamkeit mit dem Publikum. Ihre Zuhörer werden es honorieren, wenn Sie ihre Sprache sprechen und ihnen komplizierte Dinge in einfache Bilder übersetzen. Übertreiben sollten Sie die Personifikation jedoch nicht: Wenn Sie in aller Ausführlichkeit die menschlichen Eigenschaften Ihres Hundes oder Ihrer Katze beschreiben, wird Ihren Zuhörern schnell langweilig.
Steuern Sie Ihr Publikum unauffällig in Ihre Richtung: die Rhetorische Frage
Möchten Sie Entscheidungsprozesse im Publikum in Ihrem Sinn steuern - unauffällig, ohne jemanden unter Druck zu setzen und ohne diktatorisch zu wirken?
Dann greifen Sie zum Rezept der Rhetorischen Frage!
Was ist eine Rhetorische Frage?
Auf Rhetorische Fragen erwartet niemand eine Antwort. Der vollkommene Redner, so schrieb einst Cicero, wird durch rhetorische Fragen seinem Standpunkt Nachdruck verleihen; er wird sich selbst sozusagen wie auf gestellte Fragen antworten.
Beispiel für eine Rhetorische Frage
Wenn Sie fragen: „Würden Sie wirklich lieber zum alten (= ungeliebten) System zurückkehren?“, wird die Antwort in Ihrem Sinne ausfallen - also „Nein“ lauten.
Der Kontrast in der Fragestellung hebt die Vorteile des neuen Systems deutlich hervor. Eine andere Frage, deren Antwort offenkundig ist, wäre: „Möchten Sie für Ihr Baby günstige Kleidung- oder gesunde?“ Sie wollen keine Antwort, sondern Ihr Publikum zum Nachdenken anregen.
So wenden Sie die Rhetorische Frage an
Rhetorische Fragen sind sehr sinnvoll, um zum Nachdenken anzuregen, um einen Spannungsbogen aufzubauen (Sie können ihn mit einer selbst gegebenen Antwort in Lachen oder Erstaunen auflösen), um eine Aussage stärker zu betonen oder vom Publikum (unausgesprochen) die gewünschte Antwort zu erhalten. Sie eignen sich auch hervorragend, wenn Sie den Gegner verwirren und Ihre Hörer mitreißen wollen.
Nicht floskelhaft einsetzen
Rhetorische Fragen sollten Sie vermeiden, wenn sie als Floskeln kommen („Darf ich mich vorstellen?“); wenn sie provozieren („Was wissen denn Sie schon über dieses Thema?“), wenn sie zu häufig gestellt werden oder wenn ein Dialog durch sie zum Monolog verkommt.
Übrigens: Die besten rhetorischen Fragen sind diejenigen, die Ihr Publikum stellen würde. So bringen Sie es am elegantesten auf Ihre Seite!
Stilfrage: lebhaft oder steril?: die Synekdoche
Vielfalt statt Eintönigkeit - wenn Sie Ihre Rede nach dieser Maxime gestalten, erhöhen Sie die Aufmerksamkeit Ihres Publikums. Dabei brauchen Sie nur mit Andeutungen zu spielen - und Ihre Zuhörer wissen auf Anhieb, was gemeint ist.
Mit Andeutungen spielen
Die Synekdoche ist ein Spiel mit einander verwandten Begriffen, die anders als die Metonymie nicht gleichberechtigt nebeneinander, sondern in Beziehung stehen: Ein Wort wird durch einen anderen - engeren oder weiteren - Begriff mit ähnlicherBedeutung ersetzt; etwa im Vaterunser in der Zeile: „Unser täglich Brot (= Essen) gib uns heute.“
Beispiele für eine Synekdoche
Die Beziehungen zwischen den Begriffen sind vielfältig, etwa wenn
- statt der Mehrzahl die Einzahl steht (pars pro toto) wie in: „Der Deutsche liebt die Ordnung“, „der Franzose isst gern“ - anstatt „die Mehrheit der Deutschen“, „die meisten Franzosen“;
- das Gesamte für einen Teil steht (totum pro parte): „Italien hat am Sonntag gewählt“ - statt „die wahlberechtigten Italiener“; oder „nachts schlafen doch alle“ (tatsächlich haben manche auch Nachtdienst)
- für die Gattung stellvertretend ein einzelnes Exemplar verwendet wird (individuum pro specie): „Brot für die Welt“ statt „Lebensmittel“ oder „Essen“;
- an Stelle des Exemplars die Gattung steht (genus pro specie): „Er starb durch ein Schießeisen“ - doch die Waffe war ein Revolver.
Universell geeignetes Stilmittel
Die Synekdoche eignet sich wegen der Vereinfachung für jede Redesituation. Sie drücken sich klar und einfach aus - was wiederum Ihre Zuhörer honorieren, denn jeder weiß, was gemeint ist. Sie haben viele Variationsmöglichkeiten und auch eine große Freiheit im Ausdruck.
| Allegorie, Alliteration, Anapher, Antithese, Chiasmus, Ellipse, Emphase, Metapher, Metonymie, Parallelismus, Permissio, Personifikation, Rhetorische Frage, Synekdoche |
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Mai
23
Heute vor
85 Jahren
Dieter Hildebrandt, deutscher Kabarettist, Schauspieler und Autor, erblickt in Bunzlau das Licht der Welt. Bekannt wird er als Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und durch die Fernsehsendungen „Notizen aus der Provinz“ und „Scheibenwischer“, die zu langjährigen Fernseherfolgen werden. [weiterlesen] »
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