Humor in der Rede
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Wie wichtig ist Humor in Ihrer Rede, Präsentation, etc. ?
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2. Humor mit Zitate
Statt Witz erzählen: zitieren
Zitate wecken Aufmerksamkeit, weil sie in der Regel von berühmten Personen stammen und/oder besonders interessant formuliert sind.
Aber natürlich hilft Ihnen selbst das witzigste Zitat nicht, wenn es nicht zum Thema passt. Es ist ja der Sinn einer Pointe, eine Sache auf den Punkt zu bringen – Ihre Sache. Solch ein Zitat sollten Sie wählen – und kein anderes! Die humorvollen Aussprüche sollten zusätzlich aus dem Mund bekannter Persönlichkeiten stammen. Denn das hat 3 Vorzüge:
- Erstens nutzen Sie den Namen der berühmten Person (sagen wir: Henry Kissinger), um Ihrer Rede Gewicht und Glanz zu verleihen.
- Zweitens ist das Publikum stets geneigt, Worte einer prominenten Persönlichkeit für geistreicher zu halten als unsere eigenen Worte.
- Drittens ist jedes Zitat mit einer Art Rückversicherungsschein verbunden: Wenn es nicht zündet, sind nicht Sie der Sündenbock, sondern die Person, von der Sie sich die Formulierung „ausgeliehen“ haben. Das Publikum denkt dann: „Der Kissinger war auch schon mal besser!“
Der Zeitgeist liebt das Paradoxon
Als Auswahlkriterium für Ihre Zitate geben wir Ihnen folgenden Tipp: Besonders witzige Effekte erzielen Sie mit Lebensweisheiten, die paradox formuliert sind – wie diese zum Beispiel:
Man muss schon ziemlich lange mit offenem Mund herumstehen, ehe einem eine gebratene Taube ins Maul fliegt.
Chinesische Weisheit
Karriere macht man durch Bonmots, die man unterlässt.
Hans Rosenthal (1925-87), deutscher Regisseur und Showmaster („Dalli-Dalli“)
3. Humor mit Cartoons
Ob Comics wie „Mickey Mouse“ und „Asterix“ oder Cartoons von Charles M. Schulz („Peanuts“),
Uli Stein, Tomy Ungerer, Mordillo etc.: Es gibt eine Menge gezeichneter Schmunzelgeschichten auf dieser Welt. Als Redner(in) mit Sinn für Humor sind Sie stets auf der Suche nach amüsantem Stoff, in den Sie Ihre Aussagen kleiden können. Hierfür sind Comics, Cartoons, Karikaturen eine wahre Fundgrube.
Warum also einen Witz erzählen, wenn Ihnen das nicht liegt? „Erzählen“ Sie lieber einen Cartoon! Das Schönste: Alles ist wieder ohne Risiko für Sie, quasi mit voller Rücknahmegarantie! Erneut leiht Ihnen ein anderer die Feder (diesmal der Zeichner mit seinem guten Namen).
4. Lesen Sie aus Briefen oder Gedichten vor
Auf der sicheren Seite bewegen Sie sich ebenfalls, wenn Sie aus Briefen anderer Leute zitieren.
Auch hierbei kann Ihnen nichts passieren, denn den Brief, den Sie vorlesen, haben Sie ja nicht selbst geschrieben – Sie haben ihn vielmehr aus einer Zeitung entnommen oder aus dem Briefwechsel einer geachteten und beliebten Persönlichkeit.
Fundgruben für witzige, skurrile und obskure Briefe sind die Leserbriefspalten der Zeitungen, Zeitschriften und Magazine. Und in Bibliotheken und Buchhandlungen finden Sie Regalmeter von Briefliteratur, zum Beispiel mit hübschen Kinderbriefen.
Unfreiwillig komisch!
Die Besonderheit an dieser Art von Korrespondenz ist, dass die Autoren meist gar nicht witzig sein
wollen – genau das jedoch macht die Briefe oft umso amüsanter. Eine Schweizer Versicherungsagentur zum Beispiel hat von ihren Kunden so viel lustige Post bekommen, dass sie jetzt eine ganze Werbekampagne daran aufzieht. Hier zwei Auszüge:
„... Nachdem ich 40 Jahre gefahren war, schlief ich am Lenkrad ein. ...“
„... Außerdem bin ich vor meinem ersten Unfall und nach meinem letzten Unfall unfallfrei gefahren....“
Auch gut: ein kurzes Gedicht
Ebenfalls geeignet – und oft leichter zu finden – sind Gedichte. Sie dürfen allerdings nicht zu lang sein; empfehlenswert sind daher unter anderem „Limericks“ (humorvolle Fünfzeiler). Hier ein Beispiel zur Verwendung im Fußballverein. Es zeigt, wie man mit Humor auch deutliche Kritik (an einem schläfrigen Spiel / Tormann) freundlich vermitteln kann:
| Es träumte ein Torwart in Lohr, er stände als Torwart im Tor, erwachte und sah: Er stand wirklich da, und der Ball war im Tor kurz zuvor |
Wie gesagt, bei Reimen liegt die Würze in der Kürze. Etwa bei folgendem Vierzeiler von Heinz Erhardt (1909-79, deutscher Filmschauspieler und Humorist) – der übrigens gut passt, wenn Sie sich als Redner(in) für eine Erkältung entschuldigen wollen:
| Wenngleich die Nas, ob spitz, ob platt, zwei Flügel – Nasenflügel – hat, so hält sie doch nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen. |
5. Ihre humorvolle Auflistung
Statt Witz: lustige Liste
Ergänzen Sie eine trockene Liste von Namen, Daten, Fakten am Ende um eine einzige humorvolle Sache – und schon wirkt das Ganze lockerer:
| Zur Promotion „Sehr verehrter Herr Rektor, verehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Doktorinnen und Doktoren, verehrte Eltern, deren Alimentationspflicht mit dem heutigen Tage endet ...“ Bei Tisch „Mein Urgroßvater war Gardeleutnant unter Kaiser Wilhelm, mein Großvater Ministerialbeamter unter Ebert, mein Vater Diplomat unter Adenauer – und ich bin jetzt ausgesprochen durstig.“ |
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6. Bringen Sie eine lustige Definition
Statt Witz: gewitzte Definition
Von Umberto Eco(* 1932, italienischer Schriftsteller und Philosoph) wird berichtet, dass er im Kreis von Gästen, Verwandten und Freunden gern zum Lexikon greift, einen Begriff herausfischt und dazu einlädt, dieses Wort zu definieren.
Dabei kommen so witzige, geistreiche Definitionen zustande, dass die Besuche in der Regel sehr kurzweilig verlaufen.
Wie unterschiedlich man einen Begriff definieren kann, zeigen wir Ihnen am Wort „Seilschaft“:
1. „durch ein Seil verbundene Bergsteiger“– ziemlich langweilig! So steht’s im Lexikon.
2. „Gruppe von Personen, die (in der Politik) eng zusammenarbeiten“ – klingt schon interessanter, aber auch das steht im Lexikon und wirkt außerdem zu ernst und belehrend.
3. „gleichbedeutend mit Flaschenzug: Eine Flasche wird von der anderen nach oben
gezogen“
Merken Sie den Unterschied? Die Zuhörer werden schmunzeln, und die Kritik wird dennoch deutlich – wahrscheinlich sogar deutlicher als ohne Humor.
Auch für „schwierige Fälle“ geeignet
Mit der Definitionstechnik können Sie sich und den Zuhörern sogar das Eingeständnis einer kritischen
Situation erleichtern. Ronald Reagan (*1911, amerikanischer Filmschauspieler und Politiker,
40. Präsident der USA 1981-89) etwa hat als US-Präsident den Begriff „Statusquo“ in schwieriger Lage einmal so definiert:
„Das ist Latein und meint den Schlamassel, in dem wir uns gerade befinden.“
7. Erfinden oder „entschlüsseln“ Sie Abkürzungen
Statt Witz: launige Abkürzung
„ARD ist die Abkürzung für ,Abschaltknopf rechtzeitig drücken‘, und ZDF heißt für mich ,Zeitgewinn durch Fernsehverzicht‘“, sagte einst der Matador eines Privatprogramms und vergaß, sich an die eigene Nase zu fassen.
Wenn Sie gern einen guten Witz in Ihre Rede einbauen
Sie erzählen Witze gerne und gut? Umso besser! Hier noch einige Tipps:
1. Welche Witze sind geeignet?
Lacher zum Redebeginn
Da Lachen uns nicht bloß erfrischt und entkrampft, sondern zudem kontaktfördernd wirkt, sind gerade für den Redebeginn humorvolle oder witzige Formulierungen geeignet.
Der Witz, mit dem Sie beginnen, darf aber nicht einfach Ihr Lieblingswitz sein, sondern er muss in den Rahmen passen – in den sachlichen und in den gesellschaftlichen Rahmen. Andernfalls bekommen Sie das Image eines „Pausenclowns“, den das Publikum nicht ernst nehmen kann.
Vorher testen
Sortieren Sie also Witze wie folgt: Fragen Sie sich zunächst, ob der geplante Witz wirklich „gut“ ist. Testen Sie ihn gründlich vor Gebrauch, tragen Sie ihn Menschen vor, deren Urteil Sie schätzen, und beobachten Sie deren Reaktionen. Was beim Test durchfällt, fällt meist auch in der Rede durch. Was hier Lachen bewirkt, kommt meist auch in der Rede an.
Wie erkenne ich einen guten Witz?
Gute Witze erkennen Sie daran, dass darin pointiert eine zutiefst menschliche „Grunderfahrung“ verarbeitet wird, die in unserem Innersten Grundgefühle auslöst: Liebe, Wut, Freude, Trauer. Manch guter Witz geißelt die ernstesten Sachen; denn Spott ist manchmal das letzte Mittel, mit vorgefundenen Wirklichkeiten fertig zu werden. Und so lachen wir oft gerade über die und angesichts der traurigsten Dinge. Machen Sie sich klar, welche menschlichen Schwächen Ihr jeweiliger Witz den Zuhörern vor Augen führt: Expertenhörigkeit? Arroganz? Überlegenheitsgefühl? Chauvinismus? Spießertum?
Stellen Sie sicher, dass Ihr Witz keinen Zuhörer verletzt. Falls er auch diesen Test besteht, können Sie ihn getrost verwenden – in der Regel zur Rede-Eröffnung, bei geeigneter Gelegenheit auch zum Rede-Schluss. Getreu der Devise: Der erste Eindruck entscheidet, der letzte bleibt.
| Ein Beispiel: Sie halten als Abteilungsleiter eine Rede über den Umgang mit Kunden. Ein eingebauter Witz wirkt dabei nicht so belehrend, erweckt Aufmerksamkeit und prägt sich ein. Wie etwa dieser hier: In einem Restaurant der Nobelklasse hat sich ein Gast seine Serviette um den Hals geknotet. Der Geschäftsführer bittet den Oberkellner: „Machen Sie dem Herrn mal klar, dass sich das hier nicht gehört – aber bitte mit Takt!“ Der Oberkellner geht zu dem Tisch und fragt den Gast freundlich: „Was darf es sein, der Herr – Haare schneiden oder rasieren?“ |
2. Witze nicht ankündigen– lieber damit überraschen
Versuchen Sie nicht, erkennbar witzig zu sein!
Wieso aber kommt manchmal selbst ein guter Witz nicht an? Weil viele Menschen einen Witz vorher ankündigen. Und genau das ist der Tod des Witzes. Denn der Zuhörer setzt jedem Widerstand entgegen, der erkennbar versucht, besonders witzig zu sein – egal, ob im Gespräch oder in der Rede. Nach dem Motto: „Du denkst, du wärst witzig, also versuch’ mal, mich zum Lachen zu bringen!“
Jeder Entertainer, jeder Kabarettist weiß, wie schwer es selbst für Profis ist, diese Barriere zu überwinden.
Das Gegenteil ist der Fall, wenn der Witz mühelos und überraschend daherkommt und der Zuschauer sich sagt: „Toll, wie treffend!“
Geben Sie also beim Vortrag keinen Hinweis darauf, dass jetzt ein Witz kommt. Sagen Sie nicht: „Dazu fällt mir folgender Witz ein. Der ist unheimlich lustig!“ Oder: „Kennen Sie den?“ Erzählen Sie die kleine Geschichte (die meisten Witze sind ja kleine Geschichten) lieber mit ernster Miene wie ein persönliches Erlebnis. Wenn sich das Ganze erst durch die Pointe ganz am Schluss als Spaß entpuppt, präsentieren Sie damit eine gelungene Überraschung. Ergebnis: statt Barrieren – freie Bahn zum befreiten Lachen.
Witz als Erfrischungstuch
Die Funktion eines Erfrischungstuchs hat der Einstiegswitz übrigens, wenn Sie erst der vierte oder fünfte Redner sind – die Zuhörer werden Ihnen dankbar sein.
Ein Beispiel: „Als fünfter Redner fühle ich mich ein bisschen wie Zsa Zsa Gabors (*1918, amerikanische Schauspielerin ungarischer Herkunft) fünfter Ehemann: Ich weiß, wie man’s macht, aber ich weiß nicht, ob ich es noch interessant machen kann.“
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Humor für Fortgeschrittene: Intensivkurs Rhetorik
Ein humorvoller Vortrag kommt der Wahrheit am nächsten
Humor im Test
Nach einer glänzenden Einführung mit vielerlei Vorschußlorbeeren durch den Veranstalter erschien endlich der berühmte Redner selbst auf dem Podium. Zum Entsetzen des hilflos zusehenden Publikums glitten ihm seine Notizen aus der Hand und segelten Blatt für Blatt zu Boden. Rasch hob er die Blätter auf, trat ans Rednerpult und ordnete sie stumm. In aller Seelenruhe. Dann blickte er ins Publikum und sagte: „Jetzt mein nächster Trick…“
Mit Humor knüpfte er eine Gefühlsverbindung zu seinem Publikum und baute so die Spannung ab, die sein Mißgeschick erzeugt hatte. Gelächter rettete den Abend – nicht nur für ihn, sondern auch für alle Anwesenden.
Die Angst, vor einer Gruppe zu sprechen
Selbst wenn Sie Ihre Rede gründlich vorbereitet haben, können Sie die Gefahr, daß Ihnen etwas schiefgeht,
niemals ausschließen. Allerdings können Sie Gefahren von außen durch eine intensive Vorbereitung Ihres Auftritts verringern. Wenn Sie den Humor klug einzusetzen wissen, ist er Ihr bester Verbündeter. Trotz aller Planung und perfekt inszenierter Organisation lauert, wie bei jeder Veranstaltung, das Unerwartete gleich um die Ecke:
- Das Mikrofon kann defekt sein.
- Ein Kellner läßt an einem entscheidenden Punkt Ihrer Ausführungen sein Tablett fallen.
- Sie verlieren schlicht den Faden inmitten Ihrer Rede.
Alle Mißgeschicke vorherzusehen ist schier ausgeschlossen. Selbst von dem langjährigen Bundesaußenminister und Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher erzählt man sich, er habe jede, im übertragenen Sinne freilich, Bananenschale schon zehn Meter im voraus berechnen können, und doch ist er
ab und an auf einer solchen ausgeglitten, d. h. ins Fettnäpfchen getreten!
Das Redner-Pannen-ABC „Was tun Sie, wenn…“
Das kann ganz bestimmt auch Ihnen passieren. Seien Sie immer darauf vorbereitet. Gegen einige häufiger vorkommende Pannen können Sie sich mit scherzhaften Bemerkungen, die Sie zuvor gründlich einstudiert haben, meist wappnen. Außerdem ist Ihre innere Bereitschaft, humorvoll, schlagfertig und gelassen, notfalls auch mit einem Scherz auf eigene Kosten auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren, für Sie die beste Vorbereitung gegen Lampenfieber.
| Der Witz einer Rednerin bei einem Hotelbankett: Als sich alle gesetzt hatten und die elegant gekleidete Dame gerade mit ihrer Ansprache beginnen wollte, traten zwei Männer vom technischen Personal mit einer Leiter ein. Die Rednerin hätte sie ignorieren und mit ihren Ausführungen anfangen können. Doch sie sah stumm zu, wie die beiden den Raum durchquerten und ihn auf der anderen Seite durch die dortige Tür wieder verließen. Das nervös kichernde Publikum beobachtete die Reaktion der Rednerin, bis sie schließlich begann: „Da wir jetzt wieder unter uns sind…“ |
Vielleicht gehören Sie auch zu den Menschen, denen so ohne weiteres spontan-witzige Bemerkungen
nicht einfallen. Dann legen Sie sich bitte humorvolle Antworten oder Äußerungen bereits im voraus zurecht.
Bringen Sie diese bei entsprechender Gelegenheit so an, daß sie mühelos und spontan wirken. Nur darauf kommt es an.
Pannenhilfe durch Humor
„Was tun Sie, wenn ...“ ist eine Fundgrube für solche Fälle. Da Pannenhilfe auch zu einem Rhetorikkurs gehört, hier gleich ein paar neue Beispiele:
- Sie verlieren den roten Faden: „Tut mir leid. Während mein Mundwerk lief, ist offenbar der Zug meiner Gedanken entgleist.“
- Das Licht geht aus: „Alle hier Anwesenden sind wohl Kritiker!“
- Das Licht geht wieder an: „War es angenehm für Sie?“ – Vorsicht bitte!
- Irgend etwas wird während Ihres Auftritts im Vortragsraum repariert: „Wenn Sie hier fertig sind - gebrauchen.“ mein Wagen könnte schon längst einen Ölwechsel
- Wenn Sie das Mikrofon höher stellen müssen: „Ich habe dafür gebetet, daß meine Rede gut aufgenommen wird, aber ich hatte nicht vor, die ganze Zeit über zu knien, während ich sie halte.“
- Wenn Sie das Mikrofon niedriger stellen müssen: „Als man mich ersuchte, eine erhebende Rede zu halten, hatte man wohl gemeint, ich solle sie auf Stelzen halten.“
- Jemand läßt einen Klappstuhl unüberhörbar fallen: „Warum können Sie Ihre Aktentasche nicht so tragen wie jeder andere auch?“
Humor bei missverständlichen Äußerungen ist top
| Beispiel für eine humorvolle Rettung der Situation bei leichter „Entgleisung“ des Vorredners: „Es ist mir eine große Ehre und Freude, den Conférencier des heutigen Abends einzuführen. Aber bevor ich ihm Podium und Mikrofon überlasse, möchte ich noch sagen, daß es mich besonders freut, heute abend so viele reizende Damen hier zu sehen. Was wären wir Männer ohne Sie? Schließlich sind Sie, meine Damen, dazu geschaffen, die Männlichkeit aufzurichten!“ |
Schallendes Gelächter minutenlang. Als sich die Menge endlich beruhigt hatte, dankte der Conférencier seinem Vorredner für die erbaulichen Worte.
Die humorvolle Seite der Situation nutzen
Der Conférencier zog das Gelächter an sich und lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, indem er sich zu der humorvollen Seite der Situation bekannte und das Publikum bereits gewann, bevor er überhaupt mit seiner eigentlichen Rolle begonnen hatte: „Denken Sie an den Rabbi, der gebeten wurde, bei einem bedeutenden Essen einer kirchlichen Veranstaltung das Wort zu ergreifen. Die Dame, die es übernommen hatte, ihn vorzustellen, war bestens vorbereitet und verlas eine gut aufgesetzte Einführung. Zuletzt aber sprach sie frei und schloß strahlend mit den Worten: ‚Und nun präsentiere ich Ihnen einen jüdischen Rabbi und einen echten christlichen Gentleman.‘
Der Rabbi dankte ihr für ihre freundlichen Worte und fügte hinzu: ‚Sie nannten
mich einen jüdischen Rabbi. Haben Sie je von einem nichtjüdischen gehört? Und was den christlichen Gentleman angeht, meine liebe Freundin, so hoffe ich, daß Sie wenigstens zur Hälfte recht haben.‘“
Versprecher bei der Einführung von Rednern sind keineswegs ungewöhnlich. Wenn dies passiert, empfiehlt es sich, mit einem guten Schuß Humor zu reagieren. Das erspart Ihren Zuhörern die Peinlichkeit und zeigt ihnen, daß Sie nicht beleidigt sind.
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Der Vorsichtige baut vor
So mancher Redeprofi verhindert, unpassend eingeführt zu werden, indem er seine Einführung selbst
schreibt. Das können Sie auch tun. Schicken Sie Ihre Einführung vorab an den Veranstalter, und stecken
Sie sich sicherheitshalber eine Kopie für den nicht ganz unwahrscheinlichen Fall ein, daß man Sie fünf Minuten vor Ihrer Rede doch noch fragt: „Was möchten Sie, das ich über Sie sage?“
In den meisten Fällen ist der Veranstalter froh, von Ihnen eine Einführung zu erhalten; denn nur selten hat er sich gerade auf diesen für Sie selbst vielleicht so wichtigen Teil des Ganzen gründlich vorbereitet.
Vielfach schenken die sogenannten Vorredner der Einführung eines Redners nur eine stiefmütterliche
Aufmerksamkeit. Dabei übersehen sie, daß die Einführung, wie im großen Showbusineß, zum Aufwärmen des Publikums dient und die richtige Stimmung für die eigentliche Ansprache erzeugen sollte. Ob bei der Einführung Humor angebracht ist oder nicht, hängt vom Thema der Rede ab, vom Redner selbst und auch davon, wie förmlich oder zwanglos die Versammlung ist, wie gut die Zuhörer den Redner kennen und wie gut Sie die Zuhörer und den Redner kennen. Denken Sie bei allem daran, daß nicht Sie die Hauptattraktion des Abends sind!
Menschen und Ereignisse neu sehen
Je gründlicher Sie sich durch die Lektüre von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern oder durch elektronische
Medien informieren, desto mehr Rohmaterial unterstützt den in Ihnen schlummernden Humor.
Vielleicht stoßen Sie auf Meldungen wie diese:
„Die tote Herzogin plauderte aus ihrem Leben.“
„Wir liefern Bruchbänder mit Sofortöffnung.“
„Mann (76) sucht 27. Braut fürs Leben.“
Oder folgen Sie einem Berufskomiker sehr aufmerksam im Fernsehen, der genau weiß, daß sein Publikum in Witzen gern Orte als Bezugspunkte hört, die es kennt: „Ich fuhr nach Zürich, um meine Probleme zu vergessen. Dann fuhr ich hierher nach …, um Zürich zu vergessen.“
Die Art des Humors muß allerdings immer zu Ihrer Person passen. Alles muß glaubwürdig sein und bleiben.
Merken Sie sich besonders ausgefallene Witze
Humor ist auch im kirchlichen Umfeld gestattet
| Ein Beispiel: Ein junger Geistlicher kommentiert den schwachen Kirchenbesuch in der soeben zu Ende gegangenen Woche so: „Es hätte Schlimmeres passieren können. Wenn der Messias den vorigen Sonntag für seine Rückkehr gewählt hätte, würde er beim Anblick der leeren Kirchenbänke wohl gesagt haben, wirseien es nicht wert, daß er wiederkomme. |
| Mut zum Risiko– auch in Sachen Humor 1. Formulieren Sie Ihre Witze so, daß sich keiner Ihrer Zuhörer beleidigt fühlen kann. 2. Gebrauchen Sie Wortspiele, Übertreibungen, Understatements, Überraschungseffekte – alles, was Ihre Mitmenschen üblicherweise zum Lachen bringt. 3. Hüten Sie sich aber davor, sich mehr in der Rolle des Humoristen als des Redners zu gefallen. 4. Vermitteln Sie nicht schon bei der Ankündigung Ihres Vortrags möglichen Interessenten die Vorstellung, einen lustigen Abend erleben zu können. 5. Verwechseln Sie Humor nicht mit Ironie oder gar Sarkasmus. Diese beiden „Künste“ sollten Sie den Leuten vom „Fach“ überlassen. 6. Strahlen Sie mit Ihren Witzen Wärme aus. Humor ist ein großartiges Kontaktmittel. 7. Freuen Sie sich, daß Sie über ein unbezahlbares Stilmittel von hoher Wirkung verfügen. In der Beschränkung zeigt sich auch hier der Meister. 8. Berücksichtigen Sie bei der Formulierung Ihrer Pointe stets das Niveau Ihrer Zuhörer. 9. Seien Sie mutig: Erzählen Sie Witze oder lustige Geschichten auch mal in der „Ich“-Form. |
Humor, Witz und andere „Pointen“ für Ihre Rede im Zitatenspiegel
Zitate & Aphorismen
Humorist darf sich nennen, wer den Humor ernster nimmt als das Leben.
Curt Goetz (1888-1960)
Der Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden.
Erich Kästner (1899-1974)
Nachdem Gott die Welt erschaffen hatte, schuf er Mann und Frau. Um das Ganze vor dem Untergang zu bewahren, erfand er den Humor.
Guillermo Mordillo (geb. 1932)
Humorvoll können Sie fast alles sagen, vorausgesetzt, Sie haben das richtige Publikum.
Bernd-Dieter Fridrich (geb. 1943)
Wenn man den Humor eines Menschen kennt, sieht man ihm ins Herz. Humorlose Menschen aber sind unheimlich.
Helmut Thielicke (1908-1986)
Der Humor ist keine Gabe des Geistes; er ist eine Gabe des Herzens.
Ludwig Börne (1786-1837)
Es muß sich schon lohnen, wenn der Deutsche lacht; nur so zum Spaß lacht in Deutschland keiner.
Dieter Hildebrandt (geb. 1927)
Wenn Sie von einem Menschen sagen, er habe Humor, meinen Sie damit, daß er Sie zum Lachen bringt oder daß es Ihnen gelingt, ihn zum Lachen zu bringen?
Max Frisch (1911-1991)
Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
Albert Camus (1913-1960)
Eine ernste Sache mit Humor betrachten heißt noch lange nicht ihren Ernst verkennen.
Peter Bamm (1897-1975)
Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht.
Sigismund von Radecki (1891-1970)
Nichts kann im Berufsleben so ernsthaft sein, als daß man darüber nicht auch einmal lachen könnte. Nur in den Topetagen der deutschen Wirtschaft sehen die Leute dies zuweilen anders. Wer dort gleichwohl aus vollem Herzen mitlacht, hat wirklich Humor.
Bernd-Dieter Fridrich (geb. 1943)
Humor – das ist für mich Verständnis. Er kommt nicht ohne Menschenkenntnis. Nach Spott sind manche gieriger. Verständnis ist viel schwieriger.
Karl-Heinz Söhler (geb. 1923)
Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Strome des Lebens.
Wilhelm Raabe (1831-1910)
Das untrüglichste Zeichen krankhafter Kontaktarmut ist Humorlosigkeit. Große Einzelgänger
konnten nie Spaß vertragen.
Edward Albee (geb. 1928)
Meine Art, Späße zu machen, besteht darin, daß ich die Wahrheit sage. Denn das ist immer noch die lustigste Sache der Welt.
George Bernard Shaw (1856-1950)
Der liebe Gott mag Humoristen.
Ephraim Kishon (geb. 1924)
Ich bin einer, der Humor im Amt gelten läßt, der alles wichtig nimmt, aber nichts zu ernst.
Johannes Rau (geb. 1931)
Glücklicherweise amüsieren sich die Zuschauer mehr als ich. Hoffentlich merke ich es rechtzeitig, wenn sich das mal umdreht.
(Vico von Bülow) Loriot (geb. 1923)
Der englische Humor macht Spaß. Der deutsche Humor dient dem Zwecke der Erheiterung.
Werner Mitsch (geb. 1936)
Man muß dem Narren, der in jedem von uns steckt, auch seine Freiheit lassen.
Ntozake Shange (geb. 1948)
Humor ist der Knopf, der verhindert, daß uns der Kragen platzt.
Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in einen Menschen hineinhuschen kann.
Christian Morgenstern (1871-1914)
Wie ein langersehnter Sommerregen kann ein bißchen Humor im Handumdrehen die Erde, die Luft und einen selbst erfrischen.
James Langston Hughes (1902-1967)
Wenn die Sprache wirklich dazu da ist, die Gedanken zu verbergen, dann ist der Humor das Dekolleté dieses Kostüms.
Pierre Daninos (geb. 1913)
Humor ist der Versuch, sich selbst nicht ununterbrochen wichtig zu nehmen.
Ernst Kreuder (1903-1972)
Ein Italiener und ein Deutscher spazieren durch den Wald. Plötzlich steht ein Löwe vor ihnen. Der Italiener zieht flugs Turnschuhe an. „Was soll das?“ fragt ihn der Deutsche, „auch mit Schuhen können wir ihm nicht davonlaufen.“ Entgegnet ihm der Italiener beim Davonlaufen: „Ich muß ja nur schneller sein als du!“
Daniel Goeudevert (geb. 1942)
Ein deutscher Ingenieur arbeitet seit langer Zeit in Saudi-Arabien, hat dort inzwischen auch eine Familie gegründet und reist nun zurück, um diese Familie seinen Verwandten in Deutschland vorzustellen. „Das ist meine saudiarabische Frau“, sagt er, „und das ist mein saudiarabischer Sohn. Und das ist meine saudiarabische Tochter. Und dies ist meine Schwiegermutter, die Sau die arabische!“
Golo Mann (1909-1994)
Warum bekommt ein Hund keinen Herzinfarkt? Weil er nicht lebt wie ein Mensch.
Andrej Gromyko (1909-1989)
Geistvolle Leute sind fast ebenso eintönig in der Unterhaltung wie Dummköpfe.
Benjamin Henri Constant de Rebecque (1767-1830)
Worin unterscheiden sich die früheren liberalen Bundesminister für Wirtschaft Otto Graf Lambsdorff und Martin Bangemann? Sehr einfach. Lambsdorff ist der Ludwig Erhard der achtziger Jahre, Bangemann ein Abglanz von Heinz Erhardt.
Unbekannt
Was geschieht, wenn der gesamte polnische Geheimdienst nach Rußland verschleppt wird?
Ganz einfach. In Polen und in Rußland erhöht sich die durchschnittliche Intelligenz der Bevölkerung.
Polnischer Witz
Für den Witz gibt es kein zweites Mal. Wenn jemand die „Antigone“ nicht verstanden hat, kann man sie ihm hinterher erklären, und dann sieht er ihre Qualitäten vielleicht doch noch ein. Bei der Komik geht das nicht. Hier hat der Konsument immer recht.
Robert Gernhardt (geb. 1937)
Was ist der Unterschied zwischen Helmut Kohl und Boris Becker?
Bei Boris freut man sich auf den zweiten Satz.
Unbekannt
Satire ist Humor, der ernst genommen werden will.
Werner Mitsch (geb. 1936)
Zwei alte Landpfarrer unterhalten sich über das Zölibat: „Ob wir es noch erleben, daß es aufgehoben wird?“ – „Ach“, sagt der andere, „wir vielleicht nicht, aber unsere Kinder!“
unbekannter Katholik
Satiriker, weiß man, waren nur Satiriker, solange sie jung waren – gute Satiriker wenigstens.
Friedrich Luft (1911-1990)
Die feinste Satire ist unstreitig die, deren Spott mit so wenig Bosheit und so viel Überzeugung verbunden ist, daß er selbst diejenigen zum Lächeln nötigt, die er trifft.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799)
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