Wie Frauen sich in der Männerwelt Gehör verschaffen
- Kategorie/n: Sprachstil und Redefiguren
Jetzt zu einem ganz anderen Thema. Wo Männer „den Ton angeben“, haben Frauen es schwer, sich Gehör zu verschaffen: Wenn z. B. weibliche Bundestagsabgeordnete im Plenum reden, steigt der Geräuschpegel. Die Zahl der Zwischenrufe (nicht deren Qualität) nimmt zu. Bei Diskussionen kommen Frauen seltener zu Wort als männliche Teilnehmer. Nutzen Sie am Rednerpult die Möglichkeit zu großzügiger, Ihren Worten angemessener Gestik mit Armen und Händen.
Frauen neigen eher dazu, enge und kleine Handbewegungen nahe beim Körper zu machen. Damit schränken Sie Ihre Gestik und bewußte Körpersprache ein. Männer verhalten sich „raumgreifender“. Versuchen Sie das als Frau auch einmal. Sie werden sehen, wieviel nachdrücklicher das wirkt.
Bleiben Sie mit beiden Beinen auf dem Boden
Am Rednerpult ist die elegante Damenhaltung – ein Fuß leicht abgespreizt, das Körpergewicht ruht auf dem anderen Bein – ungeeignet. Sie ermüden schnell, wechseln in kurzen Abständen die Beinstellung und wirken somit unsicher. Besser für Ihre Rede-Power ist es, wenn Sie mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehen, die Beine leicht gegrätscht.
Diese Haltung ist zwar weniger elegant, gibt Ihnen aber mehr Standfestigkeit und eine gerade, aufrechte Körperhaltung.
Fühlen Sie sich wohl in Ihrer Haut
Das heißt auch: in Ihrer Kleidung. Tragen Sie bequeme Sachen. Verzichten Sie auf alles, was einengt. Verzichten Sie übrigens ebenso – wenn auch aus anderen Gründen – auf auffällige Kleidungsstücke: Sie lenken ab von dem, was Sie zu sagen haben. Bewährt hat sich der diskrete Charme des Blazer-Kostüms. Weil es Seriosität ausstrahlt. Verzichten Sie auf Plateausohlen und sehr hochhackige Schuhe: Ihre Souveränität wächst nicht mit der Höhe der Absätze. Sie knicken weniger leicht um und stolzieren nicht wie ein Storch umher.
Das gleiche gilt für Ihr Make-up. Zuviel Schminke ist gut im Karneval, aber nicht am Rednerpult vor Geschäftspartnern. Und eine Parfümwolke, die den ganzen Raum beherrscht, spricht für sich– aber nicht für die Rednerin. Also bitte alles dezent!
Ergreifen Sie das Wort
Auch das ist wörtlich gemeint: Warten Sie in einer Gesprächsrunde nicht, bis Sie freundlich aufgefordert werden zu reden.
Greifen Sie mit ruhiger Stimme in die Diskussion ein, wenn es Ihnen von der Sache her erforderlich erscheint. Im übrigen gilt: Wer fragt, der führt. Stellen Sie Fragen an Ihre Gesprächspartner. Wenn Sie selbst beim Sprechen unterbrochen werden, weisen Sie mit ruhiger Stimme darauf hin: „Vielen Dank für Ihre Frage/ Ihren Einwand. Ich will sie /ihn gerne beantworten, wenn ich mit meinen Ausführungen zum Schluß gekommen bin.“
Manchmal reicht auch ein kurzes: „Ich war mit meinen Ausführungen noch nicht fertig.“ Oder:„Lassen Sie mich bitte ausreden/ meinen Gedanken zu Ende führen.“
Nur keine Angst vor der eigenen Stimme! Viele Frauen neigen dazu, sehr leise zu sprechen. Hören Sie sich Ihre eigene Stimme auf der Tonkassette an. Oder diktieren Sie auf Band – laut und deutlich in der Artikulation. So gewöhnen Sie sich schnell an Ihre Stimme. Benutzen Sie vor größerem Kreis ein Mikrofon. Lassen Sie es vom Tontechniker auf Ihre Stimmlage einstellen. Bei der Tonprobe sollten Sie das Mikrofon so einstellen lassen, daß Sie leise sprechen können und die Technik für die nötige Verstärkung sorgt. Das heißt in der Regel, daß Sie sehr nah an das Mikrofon herangehen müssen (sonst werden die Nebengeräusche ebenfalls verstärkt).
Ein Mikrofon bietet gerade für Frauen eine gute Möglichkeit, die Stimmlage zu verbessern: Es kann die weibliche Stimme tiefer und voller klingen lassen. Denn je leiser Sie sprechen, desto tiefer und voller klingt Ihre Stimme; je lauter Sie sprechen, desto höher wird der Ton. Mit einem richtig eingesetzten Mikrofon verhindern Sie, daß Sie angestrengt laut reden müssen und dadurch Ihre Stimme schrill wird und „kippt“.
Behaupten Sie sich und vertreten Sie Ihre Meinung
Achten Sie auf Ihren Redestil. Sprachforscher haben herausgefunden: Es gibt typische Redewendungen von Frauen, die ihre Argumente abschwächen, einschränken und relativieren. Sagen Sie frei heraus, was Sie denken! Behaupten Sie Ihre Meinung klar und deutlich! Zum Beispiel so:
- Ich bin der Überzeugung, dass …
- Es ist doch so, daß …
- Dazu eine Frage: … Redewendungen, die Sie vermeiden sollten:
- Ich würde gern die Frage stellen wollen, ob …
- Könnte es nicht eventuell sein, daß …
- Ich bin irgendwie nicht ganz sicher, ob …
- Darf ich bitte auch mal etwas dazu sagen?
- Ich könnte mir denken, dass vielleicht …
- Ich überlege, ob …
- Ich habe den Eindruck, daß
…Und: Kopf hoch! Wenn Hals und Kinn etwa einen rechten Winkel bilden, entlastet das die Stimmbänder. Und Ihre Kopfhaltung wirkt sich auch auf Ihre Ausstrahlung aus: Sie erscheinen sicher und souverän – und fühlen sich auch so.
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