Vorsicht bei Behördendeutsch!
- Kategorie/n: Sprachstil und Redefiguren
Vielfach bekommen öffentliche Amtsträger zur Vorbereitung einer Rede eine Menge Vermerke aus ihren Dienststellen.
Doch Vorsicht! Die Sprache der Amtsstube ist für die Öffentlichkeit nicht geeignet. Nur leider machen viele Redner die Erfahrung, dass der Sprachduktus der Verwaltung wie eine Klette kleben bleibt.
Das ist auch kein Wunder, denn Sie gebrauchen ja 5 Tage in der Woche diese Sprache. Ähnliches gilt auch für Manageretagen, die ebenfalls einen internen Sprachgebrauch pflegen, der in der Öffentlichkeit unverstanden bleibt. Sie müssen sich beim Formulieren Ihrer Rede vom Behördendeutsch frei machen.
Gehen Sie nach der Durchsicht der Papierberge spazieren oder lesen Sie ein paar Seiten aus einem guten Buch oder telefonieren Sie mit einem Freund oder Ihrem Partner. Auf jeden Fall sollten Sie eine ausreichende Pause zwischen dem Aktenstudium und dem Formulieren Ihrer Rede machen.
Tipp: Lassen Sie sich von Ihren Mitarbeitern in wenigen Worten erklären, was in ihren Vermerken wirklich wichtig ist. Das spart das Lesen umfangreicher Schriftstücke. Außerdem kommen Sie schneller zu des Pudels Kern.
Aber die Sprache der Verwaltung ist nicht nur unverständlich. Sie braucht auch viel mehr Platz, als Sie in einer Rede unterbringen können. Ein kleines Beispiel, das mir neulich unter die Augen kam:
Für den niederschmetternden Bescheid, dass ein armer Leistungsempfänger ab sofort weniger Geld bekommt, brauchte die Behörde 32 Wörter. Und das liest sich dann so:
„Die Minderung erfolgt, indem dieser Minderungsbetrag auf die halbe Leistung angerechnet wird, das heißt, Ihnen wird bis zur vollständigen Minderung des Betrages nur die Hälfte der ohne die Minderung zustehenden Leistungen ausgezahlt.“
Solche Sätze wären für eine Rede eine wahre Katastrophe!
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