So spielen Sie mit der 75 in Ihrer Rede
Die Fünfundsiebzig als Jubiläumszahl
Ob Geburtstag, Vereins- oder Firmenjubiläum: Mit 75 Jahren darf man rückblicken und feiern. Dazu rät schon der Erzähler in Wilhelm Hauffs Novelle „Phantasien im Bremer Ratskeller“:
„Meines Erachtens ist es keine üble Gewohnheit, hier und da Einschnitte zu machen in den Baum des Jahres
und sinnend dabei zu verweilen. Es ist gut, wenn die Seele einmal ein paar Stunden einkehrt im eigenen Gasthof ihrer Brust, sich bewirtet an der langen Table d’hôte der Erinnerung. Mein Großvater nannte solche Tage seine Schalttage. Nicht dass er etwa ein Bankett veranstaltete; nein, er kehrte ein bei sich, und seine Seele schmauste in der Kammer, die sie seit fünfundsiebzig Jahren kannte.“
Im biblischen Sinn ist jeder, der 75 ist, in einem guten,hervorragenden, ja vollkommenen, gottgefälligen Alter. Abraham wurde von Gott auserwählt und eindrucksvoll gesegnet, als er 75 Jahre alt war – ein Hinweis darauf, dass auch andere Fünfundsiebzigjährige noch manch Segensreiches erwarten könnten. Der Segensspruch lautete:
„,Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden."
(1. Buch Mose, 12, 3-4).
Da zog Abraham aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte. Abraham aber war fünfundsiebzig Jahre alt.
Die Fünfundsiebzig im Alten Testament
Der 75-jährige Patriarch machte sich auf den Weg der göttlichen Verheißung, der ihn noch genau 100 Jahre weiter durchs Leben führte:
„Das ist Abrahams Alter, das er gelebt hat: 175 Jahre.Und er nahm ab und starb in einem ruhigen Alter, da er alt und lebenssatt war ...“
(1. Buch Mose, 25, 7-8).
100 weitere Jahre sind also noch drin, wenn man 75 wird, ein gottgefälliges Leben führt – und Abraham heißt.
Die Kirchenväter sehen im Alter des Abraham bei seiner Berufung einen Hinweis auf die Göttlichkeit der Zahlen 70 (Symbol der Ratio) und 5 (Symbol der 5 Sinne des Menschen): beide addiert zur Zahl 75 ergeben die vollkommene Harmonie von Geist und Sinn.
Welch große Bedeutung die Fünfundsiebzig für die christliche Tradition hat, verdeutlichte auch schon die Ansprache des christlichen Erzmärtyrers Stephanus – er war der erste von 7 (!) Diakonen der urchristlichen Gemeinde Jerusalems – vor seinem Tod um das Jahr 36/40. In dieser Ansprache sagte er über Joseph von Ägypten:
„Joseph aber sandte aus und ließ holen seinen Vater Jakob und seine ganze Familie, 75 Menschen.“
(Apostelgeschichte 7, 14).
Gott verhieß Jakob, er wolle diese fünfundsiebzig Menschen „zum großen Volk machen“.
(1. Buch Mose, 46, 3).
Die Fünfundsiebzig ist also nicht nur eine Art vollkommene Zahl in Bezug auf Zeitläufe und Lebensalter, sondern auch in Bezug auf Mengenangaben. Die Qualität und Kraft der Zahl 75 verheißen gute Aussichten für jeden Jubilar.
Selbst die Quersumme 12 unserer Jubiläumszahl kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, ist die Zwölf doch die absolut vollkommene Zahl, da sich in ihr die göttliche 3 und die irdische 4 auf ideale Weise verbinden.
Die Fünfundsiebzig im Zitat
Voltaire (1694-1778), französischer Philosoph und Schriftsteller, nachdem der 75-Jährige gefragt wurde, warum ihm sein jüngstes Werk, seine Tragödie „Olympia“, von all seinen Werken am besten gefalle:
„Aus eben dem Grunde, aus dem ein Fünfundsiebzigjähriger stolz ist, noch ein Kind gezeugt zu haben.“
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichter, mit 75 zu seinem Sekretär Eckermann:
„Man hat mich immer als einen vom Glück besonders Begünstigten gepriesen; auch will ich mich nicht beklagen und den Gang meines Lebens nicht schelten. Allein im Grunde ist es nichts als Mühe und Arbeit gewesen, und ich kann wohl sagen, dass ich in meinen fünfundsiebzig Jahren keine vier Wochen eigentliches Behagen gehabt. Es war das ewige Wälzen eines Steines, der immer von Neuem gehoben sein wollte.“
Fürstin Pauline Metternich-Sándor (1836-1921) an ihrem 75. Geburtstag, als ein höflicher Gast zu ihr sagte: „Exzellenz, was sind schon 75 Jahre?!“
„Für eine Kathedrale wenig, aber bei einer Frau fängt das doch an zu zählen!“
Winston Churchill (1874-1965), britischer Staatsmann und Schriftsteller, an seinem 75. Geburtstag:
„Ich bin bereit, meinem Schöpfer entgegenzutreten. Ob mein Schöpfer dazu bereit ist, mir entgegenzutreten, ist eine andere Frage.“
Churchill lag übrigens richtig; er durfte erst noch seinen 90. Geburtstag feiern!
Ella Fitzgerald (1918-96), US-amerikanische Jazz-Sängerin, mit 75 Jahren:
„Ich bin das Entzücken meiner Ärzte.“
Henri Nannen (1913-1996), deutscher Journalist und Verleger („Stern“), Kunstsammler und Mäzen, anlässlich seines 75. Geburtstags:
„Aus der 75 lässt sich beim besten Willen keine 57 mehr machen – und die so genannte Weisheit im zunehmenden Alter ist auch ein Märchen.“
Ein Hundertjähriger hatte auf die Frage des Reporters,worauf er sein hohes Alter zurückführe, geantwortet:
„Ich rauche nicht, trinke keinen Alkohol und stehe regelmäßig um sechs Uhr morgens auf.“
Der Pressemann zweifelte: „Ein Onkel von mir verhielt sich ebenso.Er ist mit fünfundsiebzig gestorben.“
Darauf der Jubilar:
„Er hat die gesunde Lebensweise eben nicht lange genug durchgehalten!“
Was tat die Prominenz mit Fünfundsiebzig?
Pablo Picasso (1881-1973), der große spanische Maler, Grafiker und Bildhauer, hatte zu seinem 75. Ehrentag im Jahr 1956 einen ausgefallenen Geburtstagswunsch: eine Ziege. Selbstverständlich wurde ihm dieser Wunsch erfüllt, und so konnte er die Ziege beglückt in Empfang nehmen.
Berichtet wird auch, dass es ein Bankett gab mit Feuerwerk und Reden.
Ludwig Erhard (1897-1977), Deutschlands erster Wirtschaftsminister, war 1963 Adenauers ungeliebter Nachfolger als Bundeskanzler geworden. 1966 wurde er als Regierungschef abgelöst durch Kurt Georg Kiesinger (große Koalition). Im Jahr 1972 schrieb Erhards Nachfolger als Wirtschaftsminister, Prof. Karl Schiller (SPD), aus Anlass von Erhards 75. Geburtstag in der „Stuttgarter Zeitung“: „Die deutsche Politik ... baut auf dem Werk Ludwig Erhards auf, das er allein in Angriff nahm und verteidigt hat.“
Marlene Dietrich (1901-1992), die deutsch-amerikanische Diva, Filmschauspielerin und Sängerin, schloss mit Fünfundsiebzig im Jahr 1976 einen Vertrag über ihre Autobiografie ab. Titel „Nehmt nur mein Leben –Reflexionen“. Die abgewandelte Fassung des Buchserschien 1987 als:
„Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin.“
Max Frisch (1911-1991), Schweizer Schriftsteller und Architekt, konnte im Jahr 1986 zahlreiche Glückwünsche zu seinem Fünfundsiebzigsten in Empfang nehmen, u. a. vom deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der ihn als „großen Schriftsteller deutscher Sprache“ bezeichnete. Auf die Frage kurz vor seinem Geburtstag, ob er mit seinem Leben zufrieden sei, antwortete Max Frisch mit einem uneingeschränkten „Ja!“.
Willy Brandt (1913-1992), deutscher Vizekanzler und Außenminister der Großen Koalition 1966-69 und Bundeskanzler von 1969-74, durfte sich im Jahr 1988, 14 Jahre nach seinem Rücktritt vom Kanzleramt, über einen großen Empfang durch den Bundespräsidenten freuen.
Acht ausländische Staats- und Regierungschefs waren zu seinem 75. Geburtstag gekommen. Sein Nachfolger, Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, pries ihn mit den Worten:
„Sie sind sich selber treu geblieben. Mit Ihrem Lebenswerk haben Sie Zeichen gesetzt.“
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