Die richtige Wortwahl
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Welche Trendausdrücke und Nachlässigkeiten Sie in Wort und Schrift meiden sollten
Darum geht es: Genau wie Kleidung ist Sprache ein wesentliches Merkmal, um anderen zu sagen, wer Sie sind. Ihre Wortwahl verrät dem anderen zum Beispiel etwas über Ihre Gruppenzugehörigkeit oder Ihren Bildungsstand. Sie verrät Ihre regionale oder soziale Herkunft. Mehr noch: Sprache verrät Ihrem Gegenüber, welche Werte Sie leben. Über Ihre Worte wirken Sie höflich, modern, geistreich, akkurat oder nachlässig, einfältig und arrogant, um nur einige Möglichkeiten aufzuzählen. Daher zeigt Ihnen dieser Beitrag, welche Nachlässigkeiten – insbesondere durch die Medien – Einzug in unseren Sprachgebrauch finden und wie es besser geht.
Das Wichtigste im Überblick
• Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel. Gehen Sie sensibel mit Ihren Worten um.
• Seien Sie auch gegenüber den Medien kritisch. Viele ungeeignete Formulierungen werden durch ständige Wiederholung in Print, Funk und Fernsehen vertraut und beeinflussen so unsere alltägliche Wortwahl.
• Richten Sie Ihren Schreib- und Sprachstil immer an den Bedürfnissen des Adressaten aus. Informatik-Fachleute unter sich können anders reden als vor einer Gruppe Computer-Laien.
• Prüfen Sie, ob Ihre Wortwahl ausdrückt, was Sie meinen und ob Sie den Sachverhalt treffen. Lesen Sie Ihre Korrespondenz in Ruhe, bevor Sie sie verschicken.
• Informieren Sie Ihr Publikum, schließen Sie niemanden aus, indem Sie unverständliche Ausdrücke benutzen. Formulieren Sie einfach, prägnant, verständlich.
• Phrasen, Nachlässigkeiten, Worthülsen wie „das macht Sinn“, sind überflüssig oder können durch bessere Ausdrücke ersetzt werden.
• Vorsicht mit Synonymen und Anglizismen. Sie können für Lesende und Zuhörende unverständlich sein. Modewörter sind schnell abgetragen.
Nutzen Sie die Kraft der Wortwahl
Sprache ist der wichtigste Schlüssel zum anderen Menschen. Ihre Wortwahl entscheidet zum großen Anteil darüber, wie Ihre Botschaften bei Ihrem Gegenüber ankommen. Daher ist es ratsam, sich gewisse Nachlässigkeiten in der alltäglichen Sprache klar zu machen.
Sie werden schnell feststellen: Blähworte und Plattitüden werden überall gesagt und geschrieben. Politiker, Bürokraten, Fachleute jeder Couleur, Konzernchefs gebrauchen sie gern und reichlich, Journalisten ebenfalls. Über Zeitungen und Rundfunk halten die Worte Einzug in den allgemeinen Sprachgebrauch. Nahezu jeder benutzt sie täglich, ohne sich Gedanken über Inhalt und Aussage zu machen.
Worthülsen schwächen Ihre Aussagen
Worthülsen kommen fast allen Menschen flotter über die Lippen, als sie es wahrnehmen. Die Antwort auf „Danke für Ihre Hilfe“ lautet immer öfter „Kein Problem“ oder „Kein Thema“, anstatt „Gern geschehen“ oder „Das tue ich gern für Sie“. Eine Diskussion ist „nicht wirklich“ zielführend. Dabei ist sie nicht unwirklich, sondern überflüssig.
Wenn Sie auf solche Nachlässigkeiten verzichten, gewinnt Ihre Sprache an Ausdruckskraft. Vorab allerdings noch zwei Beispiele zum Abgewöhnen:
Verstehen Sie, worum es geht?
Beispiel
Die von der Ausbildungslücke Betroffenen hätten eigentlich gute Aussichten, noch eine Lehrstelle zu finden, erfuhr der Minister bei seinem Informationsbesuch vor Ort. Konkrete Maßnahmen seien daher nicht wirklich hilfreich. „Ich denke, wir sollten situativ entscheiden, was Sinn macht, und dann proaktiv tätig werden“, erfuhr der hohe Gast zum Abschied. „Kein Problem“, fanden die Betroffenen, „wir werden das letztendlich händeln“.
Dieser Text ist ein Beispiel, wie Sie trotz vieler Worte kaum Inhalte vermitteln können. Beschreiben Sie besser, wer, was, wie gemeint ist. Ihre Sprache wird anschaulich; sie gewinnt an Aussagekraft. Leser und Zuhörer werden sich freuen.
Meiden Sie folgende Begriffe:
• „Betroffene“ sind Menschen: Sagen und schreiben Sie lieber „arbeitslose Jugendliche“, „Umweltschützer“, „Kranke“, „Mitarbeiter“, „Eltern, die sich um die Deutschkenntnisse ihrer Kinder sorgen“; „Vereinsmitglieder“, „Unternehmer“.
• „Vor Ort“ als Ortsbezeichnung ist nicht korrekt. Der Begriff stammt aus dem Bergbau und bezeichnet den Ort, an dem etwas abgebaut wird. Der Minister informiert sich nicht „vor Ort“, sondern beispielsweise in der Berufsschule. Sagen Sie nicht „Ich war vor Ort“, sondern besser „Ich war in der Berufsschule, bei der Demonstration, auf der Eröffnungsfeier …“. Sie können auch einen Ort, eine Straße oder ein Haus besichtigen oder sich an Ort und Stelle informieren.
• „Nicht wirklich“, „eigentlich“ sind überflüssige Phrasen. Trotzdem werden sie häufig genutzt. Aus psychologischer Sicht ist „eigentlich“ oft nicht empfehlenswert, weil es das Gesagte einschränkt. „Eigentlich wollte ich jetzt nach Hause gehen“ suggeriert Ihrer Kollegin, dass sie Sie überreden kann, doch noch zubleiben. Bauen Sie diese Phrasen in Sätze ein, könnten spitzfindige Leser und Zuhörer fragen: „Und wirklich? oder „und uneigentlich?“
• „Maßnahmen“ sind entbehrlich. Erst recht, wenn sie konkret sein sollen. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Sagen Sie besser, was Sie planen, beabsichtigen: Lehrstellen schaffen, eine neue Produktionshalle bauen, Maschinen kaufen, Mitarbeiter entlassen, etwas spenden, zupacken.
• Der Duden listet „proaktiv“ im großen Fremdwörterbuch auf. Der Begriff bedeutet, „eine Situation herbeiführen oder beherrschen, indem man anstatt auf etwas zu reagieren durch …Vorausplanen und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmt.“ Kurz: vorausdenken, etwas tun, bevor jemand anderes einen zum Handeln zwingt, sich nicht in Zugzwang bringen lassen. Anstelle von „proaktiv“ tätig zu werden, könnten Sie zum Beispiel „mit einem neuen Programm der Kriminalität vorbeugen“. Andere Alternativen sind: vorausschauend planen, eine Sache selbst in die Hand nehmen.
Klartext: Darum geht es!
Beispiel
In der Heinrich-Heine-Realschule erfuhr der Minister, dass viele Schülerinnen und Schüler gute Chancen hätten, in diesem Jahr noch eine Lehrstelle zu finden. Die Förderungsmittel sollten daher von den Schulen individuell eingesetzt werden können, zum Beispiel für Bewerbungstrainings oder Berufsberatungen. „Es ist sinnvoll, die Abschlussklassen persönlich bei ihren Fragen zu unterstützen“, schlussfolgerte der Gast zum Abschied. „Das setzen wir gern in die Tat um“, beschloss das Lehrerkollegium einstimmig.
Jetzt wissen die Leserinnen und Leser, was Sache ist. Wer nichts zu verbergen hat, kann es sich leisten, Klartext zu sprechen. Gönnen Sie sich diesen Luxus!
12 Tipps für einen guten Sprach und Schreibstil
1. Verzichten Sie auf Füllwörter
Auf Wörter wie „vielleicht“, „eigentlich“, „eventuell“ „irgendwie“, „halt“, „einfach“, „ziemlich“ können Sie sehr oft verzichten. Die Wörter schränken Gesagtes ein, lassen es vage klingen.
Beispiele:
• „Haben Sie vielleicht morgen Zeit für mich?“ wirkt duckmäuserisch. Lassen Sie das „vielleicht“ weg.
• „Es ist halt so“ hört sich resigniert an. Dagegen klingt „Es ist so“ selbstbewusster.
• Verzichten Sie auf das Wort „üben“, wenn es um Kritik geht. Die meisten Menschen können schon kritisieren.
• „Konkret“ oder „gezielt“ sind meist überflüssig. Hilfe, die nicht konkret oder gezielt ist, ist keine.
• „Aktiv“ im Zusammenhang mit Verben gebraucht, sollte wegfallen. Aktives Tun ist doppelt gemoppelt. Vereine unterscheiden zwischen aktiven und inaktiven Mitgliedern.
• „Nicht“ wenige – sind viele, zum Beispiel 1.000 oder 1.000.000. Sagen Sie statt „Ich habe jetzt nur wenig Zeit“ lieber genau „Ich habe jetzt noch 15 Minuten Zeit“. Denn Sie wissen nicht, was Ihr Gegenüber unter „wenig“ versteht.
• „Nicht“ schlecht – gemeint ist gut. Oft ist zu hören, dass jemand „nicht schlecht“ staunte. Ob er wohl gut staunte? Das wird nie gesagt. Besser, korrekt und eindeutig formulieren Sie: „Er staunte sehr“ oder „Er war sehr überrascht.“
• „Ganz ehrlich“: Wenn Sie etwas „ganz ehrlich“ sagen müssen, suggerieren Sie, dass der Rest Ihrer Worte unehrlich ist.
2. Ersetzen Sie ungeeignete Formulierungen durch klare Begriffe
Viele Botschaften werden in ungeeignete Formulierungen verpackt. Machen Sie sich daher klar, was gewohnte Ausdrücke ursprünglich oder wortwörtlich bedeuten.
Beispiele:
• „Personen“ – wenn Menschen gemeint sind. „25 Personen kamen ums Leben“ klingt bürokratisch und anonym.
• „Nachhaltig“ – wenn dauerhaft gemeint ist. Ein Unternehmen will sich auf Dauer oder langfristig am Markt behaupten. Der Begriff „Dauer“ drückt den Zeitfaktor besser aus als „nachhaltig“. „Nachhaltig“ kommt ursprünglich aus dem Umweltschutz und ist aus dem Englischen „sustainabilitiy“ – Nachhaltigkeit – abgeleitet. In diesem Zusammenhang umfasst das Wort ökologische, soziale und ökonomische Aspekte des Wirtschaftens.
• „Letztes Jahr“ – nach dem letzten kommt keines mehr. Besser: vergangenes Jahr, vorige Woche …
3. Verzichten Sie auf sinnlose Vorsilben
Viele Vorsilben sind sinnlos. Trotzdem tauchen sie so häufig auf, dass Sie und ich sie kaum noch wahrnehmen: Jeder hat schon einmal eine Wohnung angemietet, statt sie zu mieten, oder die Rechung überprüft, die er prüfen sollte.
Beispiele:
| Geläufige Formulierung | Besser |
|---|---|
| • abändern | ändern |
| • durchlesen | lesen |
| • dazupassen | passen |
| • mit aufnehmen | aufnehmen |
| • anordnen | ordnen |
| • aufzeigen | zeigen |
| • überprüfen | prüfen |
| • abdrucken | |
| • auswirken | wirken |
| • abisolieren | isolieren |
4. Streichen Sie Überflüssiges
In der Alltagssprache gibt es eine Flut von Nachsilben, die ebenfalls verzichtbar sind – ohne dass sich die Aussage ändert. Zu diesen Worten gehören:
• praktischerweise
• normalerweise
• kleidungsmäßig
• verständlicherweise
• organisationstechnisch
• verkehrsmäßig.
Häufig fallen diese Wörter im eher saloppen Gespräch, in der Korrespondenz kommen sie selten vor.
Die Wörter können Sie gut ersetzen. Zum Beispiel, wenn Ihre Gäste „praktischerweise“ das Essen selbst mitbringen, was die Fete „organisationstechnisch“ einfach macht. Netter und aussagekräftiger erzählen Sie: „Unsere Gäste bringen das Essen selbst mit. Das ist praktisch und erleichtert uns die Organisation der Party.“
Sollte jemand „launenmäßig“ schlecht drauf sein, hat er schlechte Laune oder ist schlecht gelaunt. Wenn „verkehrsmäßig“ echt viel los ist auf der Straße, dann sind viele Autos unterwegs. Manchmal hat sich ein Stau gebildet.
„Normalerweise“ schränkt eine Aussage ein. Es kann auf Unsicherheiten und Zweifel deuten. „Hm, normalerweise, ja…“ In manchen Situationen signalisiert es, dass etwasanders ist als üblich: „Normalerweise bekomme ich jedes Jahr eine Gehaltserhöhung, diesmal aber nicht.“
5. „Man oh man“: Sagen Sie, wer gemeint ist
Das Wörtchen „man“ wird in Text und Rede inflationär eingesetzt. Man geht ins Theater, man hat diskutiert, man kann besichtigen, man plant, man treibt es bunt. Da will man wissen, wer überhaupt gemeint ist.
„Man“ ist anonym, „man“ versteckt etwas. Wer das Wort benutzt, enthält anderen eine Information vor. Machen Sie die Dinge und Menschen hinter „man“ sichtbar. Abonnenten, Unternehmerinnen, Delegierte auf einem Parteitag, Touristen, Museumsbesucher, Karnevalsnarren. Beim Reden kostet es – zugegeben – viel Übung und Disziplin, auf dieses kleine Wörtchen zu verzichten. In der Korrespondenz ist es nicht ganz so schwer. Vielleicht wird Ihr Text länger, aber Ihre Leserinnen und Leser fühlen sich informierter und angesprochen.
Kühl und distanziert wirkt „man“, wenn Sie damit sich, Ihre Familie, Freunde oder Ihre Firma bezeichnen. Glaubwürdiger klingen: „ich“, „wir“, „die Geschäftsleitung“, „unser Unternehmen“. In heiklen Situationen kann es die Stimmung negativ beeinflussen, wenn Sie sich hinter „man“ verstecken. Das Publikum ist hellhörig und durchschaut solche Manöver.
6. Worte werten: Wählen Sie treffende Ausdrücke
Worte haben Kraft. Mit Worten drücken Sie Überzeugungen und Sichtweisen aus und setzen Akzente. Worte können zuspitzen, provozieren, verschleiern, verharmlosen und unangenehme Sachverhalte beschönigen.
Politiker, Marketingfachleute und die Werbung sind da besonders erfinderisch: Faltige Haut mutiert zu „reifer“ Haut, dicke Menschen sind „vollschlank“, laute Hotelunterkünfte „lebhaft“. Der Verteidiger im Fußballspiel „stört regelwidrig“, weil Foulspiel sich brutaler anhört. Das „Nullwachstum“ gehört zum allgemeinen Sprachgebrauch, ebenso „Mitarbeiter freisetzen“.
Interessenvertreter prägen oder füllen Worte mit Inhalten, die ihren Zwecken dienen. So sprechen die einen von „multikultureller Gesellschaft“, die anderen von „Überfremdung“. Je nach politischer Anschauung ist entweder von „Terroristen“ oder von „Freiheitskämpfern“ die Rede. Der Arbeitgeber spricht von „Mitarbeitern“, die Gewerkschaft von „Beschäftigten“.
Mit Ihrer Wortwahl beziehen Sie also auch Position. Sie können Lesern und Zuhörern signalisieren, welche politische, gesellschaftliche und soziale Meinung Sie vertreten. Sie können auch zeigen, welcher Interessengruppe Sie nahe stehen.
Die folgende Liste zeigt Wörter, die verschiedene Ansichten eines Sachverhalts widerspiegeln. Jeder sollte für sich entscheiden, welcher Begriff seiner Meinung nach treffend ist.
Welche Wörter treffen den Nagel auf den Kopf?
| wegwerfen | - | entsorgen |
| Müll | - | Rest-Stoffe |
| Terrorist | - | Freiheitskämpfer |
| Preise erhöhen | - | Preise anpassen |
| entlassen, feuern, kündigen | - | freisetzen |
| fehlende Lehrstellen | - | Ausbildungslücke |
| Schließen von Werken | - | Restrukturierung |
| Völkermord | - | ethnische Säuberung |
| billig | - | preiswert |
| multikulturelle Gesellschaft | - | Überfremdung |
| sterben | - | heimgehen, versterben |
| Sekretärin | - | Assistentin |
| Pfand | - | Zwangspfand |
| Arbeitnehmer | - | Mitarbeiter, Beschäftigte |
| alte Menschen | - | Senioren, Generation 60 plus |
| Atomkraft | - | Kernkraft |
| Luftangriffe | - | Luftschläge |
| Arbeit, Arbeitsplatz | - | Job |
| starrsinnig | - | charakterfest |
| Gewinn | - | Profit |
Vielseitig bleiben
Wie würden Sie einem Chinesen den Geschmack von rheinischem Sauerbraten und Münchener Weißwurst beschreiben?
Nicht nur mit Adjektiven, sondern auch mit Verben haben Sie die Möglichkeit, Ihre Aussagen zu konkretisieren. Testen Sie anhand des Wortfelds „sagen“ die Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten. Sie können Kategorien von wahr – unwahr über emotional – sachlich bis laut – leise abdecken.
Der Beispielsatz lautet: „Ich werde am Donnerstag verreisen“, sagte Meier. „Sagen“ ist neutral, die anderen Verben ändern Aussage und Wirkung.
| • meinen | • flüstern |
| • predigen | • gestehen |
| • jammern | • antworten |
| • lügen | • berichtigen |
| • kommentieren | • erwidern |
| • wüten | • entgegnen |
| • brüllen | • äußern |
| • erläutern | • bemerken |
| • prahlen | • erklären |
| • mitteilen | • beteuern |
| • lügen | • wissen lassen |
7. Schaffen Sie Klarheit!
Niemanden wundern mehr Formulierungen wie „die Oppositionsführerin geht den Kanzler wegen seiner Schuldenpolitik an“ – obwohl unklar bleibt, was „angehen“ bedeutet. „Kritisieren“ oder „angreifen“ sind dagegen eindeutig, klingen jedoch härter.
Auf einem anderen Blatt steht, ob die Schuldenpolitik den Kanzler etwas angeht. „Es geht nicht an, dass …“ ist Unsinn. Korrekt dagegen ist: „Es geht nicht, dass …“
8. Vorsicht bei Synonymen
Wortwiederholungen langweilen – einerseits. Andererseits sind sie wichtig für die Verständlichkeit. Sie leidet, wenn zu häufig Synonyme auftauchen. „Es kann passieren, dass der Leser das Subjekt aus den Augen verliert und gar nicht mehr weiß, von wem die Rede ist“, heißt es in „Zwiebelfisch“, der Sprachkolumne von Spiegel online.
Hinzu kommt, dass ein Synonym nicht immer genau trifft. Es kann eine andere Intensität oder einen anderen Stil ausdrücken. Wind unterscheidet sich von Sturm und Orkan, das Gesicht von der Visage.
Bei wenigen Ersatzwörtern wissen die Leser beinahe sofort, worum es geht. Geläufig dürften „Bankfurt“, „Mainhattan“, „Bankenstadt“ sein, anstelle von Frankfurt. Der Ausdruck „Hessenmetropole“ ist schon wieder kritisch. Wer diesen Begriff nicht kennt, könnte meinen, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden gemeint ist. Beispiel Michael Schumacher: Der 34-jährige Kerpener rast als Ferrari-Pilot und Formel-1- Weltmeister durch den Blätterwald. Manche Synonyme kommen so häufig vor, dass sie abgedroschen klingen.
Fazit: Synonyme können Wortdopplungen und Monotonie verhindern. Verwenden Sie diese jedoch nur, wenn Sie dadurch die gewünschte Aussage nicht verändern.
9. Modewörter: Ja oder nein?
Modewörter sind schnell abgetragen. Setzen Sie sie sparsam ein. Möglichst nur, wenn Sie sicher sind, dass sie bei Ihrer Zielgruppe gut ankommen. Modewörter kommen häufig aus der – heute mit englischen Wörtern durchsetzten – Jugendsprache und aus Szenejargons, von dort sickern sie in den allgemeinen Sprachgebrauch ein.
Zurzeit sind unter anderem gängig:
| • Kids, Kiddies | - | für: Kinder |
| • clubben | - | tanzen gehen |
| • Job | - | Arbeit, Arbeitsplatz |
| • echt | ||
| • geil | ||
| • echt geil | ||
| • voll fett | ||
| • chillen | - | abhängen, entspannen |
| • Betroffene | ||
| • After work | - | Party nach Feierabend, früher: Bierchen nach Feierabend |
| • hip | ||
| • light | - | leicht, oft im Zusammenhang mit Essen gebraucht |
Modewörter sind zu flapsig für die Schriftsprache; sie sind oft ungeeignet für geschäftliche und andere offizielle Gespräche. Im Privatleben sollten Sie selbst entscheiden, wie gut solche Modewörter in Ihren Sprachstil und zu Ihrem Typ passen. Es kommt auch darauf an, mit wem Sie sprechen: mit der 80-jährigen Nachbarin oder dem 8-jährigen Nachbarsjungen.
10. Stilblüten vermeiden
Korrektes Deutsch ist schwierig. Schwierig, nicht schwer, wohlgemerkt. Wenn auch Sie manchmal Probleme haben, die passenden Worte zu finden, so sind Sie in guter Gesellschaft. Die Medien beweisen: In Eile und auf der Suche nach griffigen Formulierungen auch für komplizierte Sachverhalte, bleibt korrektes Deutsch gelegentlich auf der Strecke. Es entstehen Stilblüten. Über sie wird geschmunzelt, sie können aber auch peinlich sein.
• „Denn allein stehende ältere Damen, die nicht immer allein sein wollen und sollen, haben auf Schiffsreisen eindeutig Übergewicht.“
- Während der Reise werden die Damen eher in der Überzahl sein, am Ende der Reise aber sicher auch Übergewicht haben.
• „Mit einem bedrohlichen Alkoholwert von 6,01 Promille hat die Polizei am Samstagabend einen volltrunkenen Mann in Ballenstedt aufgegriffen.“
- Nicht die Polizei war betrunken, wie der Text suggeriert, sondern der Mann. Das Missverständnis lässt sich mit dem Satz vermeiden: „In Ballenstedt hat die Polizei am Samstagabend einen volltrunkenen Mann aufgegriffen, der einen Alkoholwert von 6,01 Promille hatte.“
Gelegentlich fährt „ein Mann gegen einen Baum“, während tatsächlich das Auto gegen den Baum fuhr. Möglich aber: Der Mann fuhr mit seinem Auto gegen einen Baum.
Die Überschrift einer Pressemitteilung verheißt ein „schmerzfreies Krankenhaus“. Dem Leser dürfte das eher Kopfschmerzen machen. Im Artikel erfährt er, was es mit dem „schmerzfreien Krankenhaus“ auf sich hat: Kliniken haben ein Modellprojekt gestartet, um unter Schmerzen leidenden Patienten besser zu helfen.
Fazit: Bleiben Sie auch beim Lesen von Zeitungen und Zeitschriften kritisch. Durch die Medien werden Formulierungen zur Gewohnheit, auch wenn sie nicht nachahmenswert sind.
Sie selber können in Ihrer Korrespondenz solche Stilblüten vermeiden, indem Sie
• Ihre Texte kritisch lesen. In Ruhe und mit einigen Stunden Abstand.
• bei wichtiger Korrespondenz jemanden anders bitten, diese zu lesen.
• Zeit einplanen zum Redigieren, falls Sie Beiträge veröffentlichen.
11. Einfach statt doppelt gemoppelt …
Doppelt gemoppelt hält – inhaltlich betrachtet – nicht besser. Inhaltlich überflüssige Zusätze zu Wörtern oder Wendungen sollten Sie vermeiden. Die Worte verlieren trotzdem nichts von ihrer Bedeutung.
Zu den Dopplungen gehören
| • weißer Schimmel | - | „Schimmel“ (weißes Pferd) enthält bereits das Merkmal weiß, daher reicht Schimmel. |
| • kreisrund | - | ein Kreis ist immer rund |
| • alter Greis | - | besser: Greis |
| • neu renovieren | - | besser: renovieren |
| • auseinanderdividieren | - | „auseinander“ bedeutet schon geteilt, daher besser: teilen, dividieren |
| • zusammenaddieren | - | besser: addieren, zusammenzählen |
| • Einzelindividuum | - | Individuum |
| • persönlich anwesend | - | „anwesend“ reicht, denn niemand kann unpersönlich anwesend sein. |
Fazit: Vermeiden Sie solche Dopplungen. Sie sind sprachlicher Ballast, den Sie getrost abwerfen können.
12. Fachsprachen und Denglisch richtig dosieren
Im internationalen Geschäftsverkehr führt kein Weg an der englischen Sprache vorbei. Im Laufe der Jahre sind viele Begriffe ins Deutsche übernommen worden. Sie finden sie in allen Bereichen, passende Übersetzungen gibt es nicht immer.
| - elektronische Post | |
| • Outsourcing | - Verlagerung von Aufgaben |
| • Link | - Verbindung |
| • Job | - Arbeit, Arbeitsplatz |
| • Statement | - Stellungnahme |
| • Babysitter | |
| • Hotline | |
| • Caterer | |
| • Wellness | |
| • Telebanking |
Aus dem Gemisch deutscher und englischer Wörter hat sich „Denglisch“ entwickelt. Denglisch wird vor allem in der Finanz- und Wirtschaftswelt gesprochen. Die „Performance“ muss stimmen, die Nachfrage „boomt“, das Produkt liegt „voll im Trend“ und das Ergebnis des Vorjahres wird „getoppt“ statt übertroffen. Aus dem Kunden wird der „customer“, dem maßgeschneiderte „solutions“ anstelle von Lösungen angeboten werden.
Der Duden unterscheidet unter anderem zwischen Entlehnungen und Scheinentlehnungen. Zu den Entlehnungen gehören Blue-Jeans und Skateboard, Wörter für die es zuvor im Deutschen keine Entsprechung gab. Andere Entlehnungen „treten in Konkurrenz zu deutschen Wörtern, verdrängen diese oder bereichern das jeweilige Wortfeld …“: Teenager und Backfisch (Entsprechung von Teenager), Job und Arbeit/Arbeitsplatz, Jogging und Dauerlauf.
Übrigens: Engländer kennen kein „Handy“
Scheinentlehnungen werden dem Duden zufolge aus englischen Wörtern gebildet, kommen aber in der englischen Sprache nicht vor. Das bekannteste Beispiel ist Handy. Weder Engländer noch Amerikaner werden Sie verstehen, wenn Sie von den technischen Finessen Ihres Handys schwärmen. Engländer telefonieren mit dem cellular phone, Amerikaner mit dem mobile phone. Das taucht im Deutschen als Mobiltelefon wieder auf. Scheinentlehnungen sind auch Dressman, Showmaster, Twen.
Fazit: Verwenden Sie Denglisch und Fachsprachen nur, wenn Sie sicher sind, dass Ihr Gegenüber Sie versteht und keine Einwände gegen Anglizismen hat. Sehr viele Menschen ärgern sich, dass deutsche Wörter zugunsten von englischem Kauderwelsch aus dem Sprachgebrauch verschwinden. Nicht jeder spricht Englisch! Grenzen Sie Menschen nicht von Ihren Informationen aus.
Achtung! Fettnäpfchen-Falle Übersetzungen!
Wortwörtliche Übersetzungen können Verwirrung stiften. In einem Bericht über den Irak-Krieg schrieb eine Nachrichtenagentur, Bargeld sei mit „Traktoren“ aus der irakischen Nationalbank transportiert worden. In Wirklichkeit handelte es sich um „tractor rails“, Sattelzüge. Soldaten kommunizierten über „tragbare Radios“, weil jemand „mobile radios“ nicht mit Funkgeräten in Verbindung brachte. Zu den typischen Übersetzungsfehlern gehören „stehende Ovationen“, wortwörtlich abgeleitet von „standing ovations“. Mit aufrecht stehen hat „standing“ in diesem Fall nichts zu tun, vielmehr steht es für „anhaltend, dauernd“. Das Publikum kann „standing ovations“ auch sitzend darbringen. Oder schlicht lange Beifall klatschen. Selbst das kleine Wort „sinnvoll“ scheint – fälschlicherweise – von dem eingedeutschten „that makes sense“ verdrängt zu werden. Etwas Abstraktes wie Sinn kann nicht gemacht werden – „Stop making sense.“ Zumindest im Schriftlichen sollten Sie daher auf diesen Ausdruck verzichten.
Fazit: Arbeiten Sie mit professionellen Übersetzern und Dolmetschern. Es beugt Fehlern und Blamagen vor.
Bleiben Sie aufmerksam
Ziel des Beitrags ist, Sie für die Sprachschludereien, die nahezu überall betrieben und geduldet werden, zu sensibilisieren. Die Empfehlungen sind kein Dogma, steigern jedoch die Ausdruckskraft Ihrer Worte. Genau wie ein guter Sänger oder eine gute Sängerin über mehrere Oktaven singen kann, sollten Sie zwischen mehreren Sprachniveaus wählen können. Und das können Sie, genau wie das Singen, trainieren! Dabei wünscht „Stil & Etikette“ Ihnen viel Erfolg.
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