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Entschuldigungsrede: Mit den richtigen Worten um Verzeihung bitten

Eine kurze unbedachte Handlung oder ein unpassender Kommentar – Fehlverhalten im beruflichen und privaten Kontext hat viele Facetten. Umso wichtiger ist es, anschließend um Verzeihung zu bitten. Doch Entschuldigung ist nicht gleich Entschuldigung. Wie Sie eine Entschuldigungsrede zielführend gestalten und welche Alternative ein Entschuldigungsschreiben darstellt, lesen Sie hier.

Entschuldigungsrede: Wann ist sie angemessen?

Situationen, in welchen ein einfaches „Es tut mir leid!“ nicht genügt, gibt es zahlreiche. Vor allem wenn dem Fehlverhalten öffentliche Aufmerksamkeit zukommt, bietet es sich an, eine Entschuldigungsrede zu halten. Das kann sowohl im politischen und geschäftlichen als auch im sportlichen Umfeld der Fall sein.

Offiziell entschuldigen: Entschuldigungsrede für Business und Politik

Kevin Rudd

Die Entschuldigungsrede von Kevin Rudd © FlashStudio – Shutterstock

Ein Geschäftsführer, der Kundenwünsche nicht einhalten konnte, sollte sich für seinen Misserfolg förmlich entschuldigen. Auch das falsche Behandeln von Angestellten bedarf einer offiziellen Entschuldigung.

Entschuldigungsreden sind auch aus der politischen Sphäre bekannt. In besonders schwerwiegenden Fällen formulieren Politiker ihre entschuldigenden Worte öffentlich. Hierbei geht es nicht nur darum, für individuelle Fehltritte um Verzeihung zu bitten. Oft beziehen sich Politiker in ihren politischen Reden auch auf historische Ereignisse des Landes, für welche es sich zu entschuldigen gilt.

Ein prominentes Beispiel ist die Entschuldigungsrede von Kevin Rudd im Jahr 2008. Der damalige Ministerpräsident Australiens bat die Aborigines stellvertretend für sein Land um Verzeihung. Hier diente die Entschuldigungsrede dazu, strukturelles Unrecht aufzudecken und dazu offiziell Stellung zu beziehen.

Im privaten Bereich: Die informelle Entschuldigungsrede

Doch auch in weniger förmlichen Kreisen ist eine Entschuldigungsrede angemessen. So kann sich ein Trainer, der die sportlichen Ziele mit seiner Mannschaft nicht erreichen konnte, für seine mangelnde Leistung entschuldigen.

Außerdem gibt es auch Situationen im privaten Umfeld, in welchen es angebracht ist, mehr als nur einige wenige entschuldigenden Worte zu formulieren. Kurzum: Eine Entschuldigungsrede kann letztendlich jeder halten, der andere Personen um Verzeihung bitten möchte.

Von Fehlverhalten und Reue: Inhalte einer Entschuldigungsrede

Ist der Entschluss gefasst, eine förmliche Entschuldigung zu erbringen, sollte sich der Verfasser Gedanken um den Inhalt seiner Ausführungen machen. Hierbei ist es vor allem wichtig, das Bitten um Entschuldigung als zentralen Kern der Rede zu gestalten. Der Vortragende sollte sich insgesamt eher kurzhalten, um die wichtige Botschaft nicht zu übergehen.

Verantwortung übernehmen: Für die eigenen Taten geradestehen

Wichtig ist es, den begangenen Fehler nicht kleinzureden. Relativiert man das Geschehene zu sehr, fühlt sich das Gegenüber möglicherweise nicht mehr ernstgenommen. Vielmehr sollte man Verantwortung übernehmen. Hierzu eignen sich beispielsweise folgende Sätze:

  • „Was geschehen ist, ist allein meine Schuld.“
  • „Ich weiß, dass ich für dieses Resultat verantwortlich bin.“
  • „Die Verantwortung für den Vorfall liegt allein bei mir.“

Der Sprecher macht so unmissverständlich klar, dass er sich seines Fehlverhaltens bewusst ist.

Reue bekunden und Bedauern ausdrücken

Nachdem der Redner Verantwortung für das Vorgefallene übernommen hat, geht es an die Bekundung von Reue. Keine Entschuldigung wirkt authentisch, wenn das Reuebekenntnis fehlt. Wichtig ist es, zu betonen, dass man sich wünscht, in der entsprechenden Situation anders gehandelt zu haben. Folgende Sätze eignen sich, um diesen Wunsch auszudrücken:

  • „Könnte ich die Zeit zurückdrehen, würde ich anders handeln.“
  • „Diesen Vorfall bereue ich zutiefst.“
  • „Ich wünschte, dass ich diesen Fehlgriff nicht begangen hätte.“

Vermeiden Sie es, sich ausschließlich auf diese Floskeln zu konzentrieren. Versuchen Sie, Ihrer Intention eigene Worte zu geben. Das wirkt aufrichtiger.

Verhaltensänderung in Aussicht stellen durch eine Entschuldigungsrede

Ein zentraler Bestandteil der Entschuldigungsrede ist es, dem Gesprächspartner zuzusichern, dass auf die Worte Taten folgen werden. Der Redner kann sich zwar verbal entschuldigen, der Geschädigte wird ihm aber erst wirklich verzeihen, wenn sich eine Änderung des Verhaltens einstellt.

Diese Verhaltensänderung sollte man in der Rede auf jeden Fall in Aussicht stellen. Verbalisieren können Sie dies mit folgenden Sätzen:

  • „Ich verspreche, dass sich mein Verhalten bessern wird.“
  • „Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um [XY] zu vermeiden.“
  • „Ich weiß, dass es in meiner Verantwortung liegt, mein Verhalten zu ändern.“

Hat man das Verhalten, für das es sich zu entschuldigen gilt, ausführlich thematisiert, gilt es nach vorne zu blicken.

Schadensbegrenzung: Wiedergutmachung anbieten

Wichtig ist bei einer Entschuldigung ebenfalls, eine Wiedergutmachung anzubieten. Wie diese aussehen kann, hängt vom jeweiligen Anlass der Rede ab. Im betrieblichen Kontext kann eine Führungskraft unzufriedenen Kunden beispielsweise einen Gutschein als Entschuldigung anbieten. Politiker hingegen können gezielte Fördermaßnahmen vorstellen, um den Geschädigten eine Wiedergutmachung zukommen zu lassen. Folgende versöhnlichen Worte eignen sich, um eine Wiedergutmachung anzustreben:

  • „Als Zeichen der Wiedergutmachung würde ich Ihnen gerne folgende Leistung zukommen lassen.“
  • „Ich weiß, dass es den entstandenen Schaden nicht ausgleichen kann. Trotzdem würde ich gerne Folgendes als Wiedergutmachung anbieten.“
  • „Ich hoffe, Sie akzeptieren Folgendes als Zeichen der Annäherung und der Wiedergutmachung.“

Wie bereits erwähnt, eignen sich die genannten Redebausteine, um eine Entschuldigung zu formulieren. Dennoch ist es essenziell, eigne und auf den Einzelfall abgestimmte Worte zu verwenden. Nichts spiegelt Authentizität besser wider als eigene Worte.

Die richtige Formulierung: Tipps für eine erfolgreiche Entschuldigung

Bei wenigen Reden ist so viel Feingefühl gefragt wie bei einer Entschuldigungsrede. Der Kerngedanke muss glaubwürdig vorgetragen werden, um eine erneute Verärgerung des Gegenübers zu vermeiden. Folgende Tipps geben wertvolle Impulse für Ihre versöhnenden Worte.

Die Relevanz des Zeitpunkts

Wichtig für eine gelungene Entschuldigung ist die Wahl des richtigen Zeitpunkts. Essenziell ist es, sich zeitnah nach dem Konflikt zu entschuldigen. Dabei sollte man allerdings abwägen, ob schon genug Zeit vergangen ist, damit das Gegenüber wirklich zuhören kann.

Hält man die Rede kurz nach dem Vorfall, so kann es sein, dass beide Parteien noch zu stark emotional aufgeladen sind. Dies könnte zur Folge haben, dass das Gesagte nicht wirklich ankommt. Daher ist es wichtig, den Zeitpunkt für die Entschuldigungsrede gut abzuwägen.

Rechtfertigungen vermeiden

Der Redner sollte eine Entschuldigungsrede nicht dazu nutzen, das Geschehene zu rechtfertigen. Verliert man sich in Rechtfertigungen, kann es passieren, dass der entschuldigende Charakter der Rede aus dem Fokus gerät. Der Vortragende sollte außerdem keinesfalls versuchen, sein Verhalten zu verteidigen.

Dies steht im klaren Widerspruch zum Übernehmen von Verantwortung und einem Reuebekenntnis. Gerade bei Entschuldigungen ist es wichtig, Widersprüche zu vermeiden. Die Message sollte klar zu erkennen sein. Argumente, die versuchen, das vorangegangene Verhalten zu rechtfertigen, sind deshalb in jeder Entschuldigungsrede fehl am Platz.

Der Verfasser sollte bei einer Rede zudem darauf achten, auf das Wort „aber“ zu verzichten. Sagt man „Ich möchte mich für mein Fehlverhalten entschuldigen, aber…“, scheint es, als wollte man die Entschuldigung relativieren. Diese Formulierung kann vom Gegenüber sehr negativ aufgefasst werden. Daher ist es sinnvoll, bei einer Entschuldigung das Wort „aber“ vollständig auszusparen.

Aufrichtig bleiben: Leere Versprechungen in einer Entschuldigungsrede vermeiden

Hyperbeln und Euphemismen sind bei einer Entschuldigungsrede fehl am Platz. Übertreibungen und Beschönigungen führen dazu, dass die eigene Glaubwürdigkeit abnimmt. Sätze wie: „Ich verspreche, nie wieder zu spät zu kommen“ haben eine niedrigere Aussagekraft als zu sagen: „Ich werde mich stets bemühen, zu allen Terminen pünktlich zu erscheinen.“ Beim Entschuldigen sollte man darauf achten, keine falschen Versprechungen zu machen, die lediglich dazu dienen, das Gegenüber zu besänftigen.

Die schriftliche Alternative: Das Entschuldigungsschreiben

Nicht jedem fällt es leicht, beim Sprechen die richtigen Worte zu finden. Vor allem nach einem Konflikt ist der darauffolgende persönliche Kontakt oft mit Unsicherheit und Nervosität verbunden. Dies kann einer erfolgreichen Entschuldigung im Wege stehen. Daher bietet es sich in manchen Fällen an, einen Entschuldigungsbrief zu schreiben.

Inhaltlich und formal gelten dieselben Richtlinien, wie für eine Entschuldigungsrede. Angebracht ist ein Entschuldigungsschreiben vor allem in Situationen, in denen ein Konflikt bereits festgefahren ist. Reden die beiden Streitparteien aktuell nicht miteinander, kann ein Brief zum Entschuldigen hilfreich sein. Auch eine räumliche Entfernung zwischen den Beteiligten kann dazu führen, dass eine Entschuldigungsrede nicht einfach umzusetzen ist. Auch hier ist ein Entschuldigungsschreiben die bessere Wahl.

Das Schreiben kann außerdem als Grundlage für ein später folgendes Gespräch genutzt werden. Dabei hat die schriftliche Form eine große Ausdruckskraft, da das Schuldeingeständnis dauerhaft festgehalten wird. In einem Dialog kann man das Geschriebene dann aufgreifen und offengebliebene Fragen klären.

Sowohl ein Entschuldigungsbrief als auch eine Entschuldigungsrede können behilflich sein, Differenzen beizulegen. Dabei zeigt das Entschuldigen nicht nur, dass man das eigene Fehlverhalten bereut, sondern zeugt auch von charakterlicher Größe.

Redaktion redenwelt.de

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