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Rede zum Tag der Deutschen Einheit: Wieso die Rede zum Festakt so wichtig ist

Der Tag der deutschen Einheit wird jedes Jahr am 3. Oktober gefeiert. Für eine passende Rede liefert die Geschichte zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Eine Rede zum Tag der deutschen Einheit kommt ohne Rückblicke in die jüngere Geschichte Deutschlands nicht aus. Mit einem Blick zurück und auf das in den vergangenen Jahrzehnten Erreichte kann der Redner gekonnt den Bogen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen knüpfen und die Zuhörer auf eine spannende Reise mitnehmen.

Die Entstehung des Tags der deutschen Einheit

Aber zunächst ein weiter Blick zurück in die Vergangenheit und das wohl düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, ohne die es diesen feierlichen Tag, der jedes Jahr am 3. Oktober stattfindet, nicht gegeben hätte.

Mit dem Sieg über die Nationalsozialisten und dem Ende des 2. Weltkriegs wurde Deutschland im Rahmen des Potsdamer Abkommens unter den Besatzungsmächten Großbritannien, Frankreich, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion aufgeteilt, um ein erneutes Wiedererstarken des deutschen Aggressors (ähnlich wie nach dem Ende des 1. Weltkriegs knapp 25 Jahre zuvor) mit allen Mitteln zu verhindern.

Josef Stalin - Potsdamer Abkommen

Deutschland sollte in mehrere Teilstaaten zerschlagen werden © wolffpower – Shutterstock

Bereits zwei Jahre vor dem Potsdamer Abkommen war es vor allem Josef Stalin, der darauf drängte, Deutschland in mehrere Teilstaaten zu zerschlagen, damit von ihm langfristig keine Gefahr mehr ausginge. Nach den Konferenzen auf Jalta und nach Kriegsende in Potsdam wurde die Teilung mehr oder weniger unbedacht vollzogen, da die Besatzer unterschiedliche Vorstellungen bei den angestrebten Reparationszahlungen hatten und diese so in ihren jeweiligen Besatzungszonen nach eigenen Vorstellungen umsetzen sollten. Von der Reparationsteilung war es nicht mehr weit bis zur vollständigen politischen Teilung, da gesamtheitliche Entscheidungen nur einstimmig möglich gewesen wären, diese aber oft am Vetorecht einzelner Besatzer scheiterten.

Während in den drei westlichen Besatzungszonen eine freie Marktwirtschaft etabliert und demokratische Verhältnisse geschaffen wurden, ging die sowjetische Zone mit dem Wandel zum Sozialismus einen gegenteiligen Weg, der den Ostteil Deutschlands politisch wie ökonomisch näher an die Sowjetunion brachte und als wertvoller Puffer gegen den erstarkenden Westen dienen sollte.

Die Einigung auf die Währungsreform 1948

Nachdem sich die vier Besatzer nicht gemeinsam auf eine Währungsreform einigen konnten, wurde diese 1948 in den drei westlichen Zonen umgesetzt. Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland /BRD) vollzogen die drei westlichen Besatzer nach der wirtschaftlichen auch die politische Teilung, worauf die Ostzone mit der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) knapp viereinhalb Monate später reagierte. Trotz der offensichtlichen Teilung galten BRD und DDR zumindest rechtlich als Gesamtdeutschland. Erst 1972 erkannte die Bundesrepublik Deutschland auf Bestreben von Kanzler Willy Brandt und seiner Annäherungspolitik die Deutsche Demokratische Republik offiziell als eigenes Land an.

Während sich beide Staaten getrennt voneinander auch wirtschaftlich in verschiedene Richtungen entwickelten, wurde Helmut Kohl 1984 Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Sein Bestreben war ein vereintes Europa, das ihn gleichzeitig dazu brachte, die Beziehungen zur Führung der DDR und zur Sowjetunion zu intensivieren. Auf der sowjetischen Seite war es der Generalsekretär der KPD Michail Gorbatschow, der ebenfalls auf eine Entspannung der innerdeutschen Verhältnisse setzte.

Als Folge der fortschreitenden friedlichen Revolution in Ostdeutschland fiel am 9. November 1989 die Berliner Mauer. Es dauerte noch knappe elf Monate bis im Zuge des deutschen Einigungsvertrags die Deutsche Demokratische Republik dem Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland beitrat und am 3. Oktober 1990 die deutsche Einheit besiegelte. Seitdem gilt der 3. Oktober als gesetzlicher Feiertag in ganz Deutschland.

Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit

Jahr für Jahr wird der Tag der deutschen Einheit in ganz Deutschland gebührend gefeiert. Der offizielle Festakt findet abwechselnd in der Hauptstadt des Bundeslandes statt, das zum jeweiligen Zeitpunkt den Vorsitz im Bundesrat hat. Nur zweimal wurde seit 1990 von dieser Prämisse abgewichen. Einmal um die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn zu würdigen. In Hessen bot Frankfurt die bessere Infrastruktur im Vergleich zu Wiesbaden. Zu den offiziellen Festakten kommen teilweise über eine Million Besucher.

Desweiteren finden in den Hauptstädten der deutschen Bundesländer Feierlichkeiten statt. Zudem wird jedes Jahr auf der Straße des 17. Juni in Berlin ein großes Veranstaltungsprogramm aufgezogen.

Besondere Reden zum Tag der deutschen Einheit

Mit Spannung wird jedes Jahr die Rede des Bundespräsidenten oder des Bundestagspräsidenten zum Tag der deutschen Einheit erwartet, die oft wegweisend ist und sich deutlich vom politischen Tagesgeschäft abhebt. Einige Aussagen sind sogar in denkwürdiger Erinnerung geblieben.

So sagte der damalige Bundespräsident Christian Wulff im Jahr 2010 folgenden Satz, der bis heute nachhallt:

„Zuallererst brauchen wir aber eine klare Haltung. Ein Verständnis von Deutschland, das Zugehörigkeit nicht auf einen Pass, eine Familiengeschichte oder einen Glauben verengt, sondern breiter angelegt ist. Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

Wulff musste für die Aussage, auch der Islam gehöre zu Deutschland, viel Kritik einstecken und bis heute scheuen sich Politiker oft vor einer derart klaren Aussage. Wulffs wohl berühmtester Satz ist in die Geschichte eingegangen, auch wenn das Wirken von Wulff als Bundespräsident ansonsten nur wenig erinnerungswürdig geblieben ist.

Ergreifende Rede von Joachim Gauck in 2013

Ergreifend wurde es im Jahr 2013 als Wulffs Nachfolger Joachim Gauck, der im ostdeutschen Mecklemburg-Vorpommern aufwuchs, mitten aus dem Herzen sprach und seine Rede wie folgt begann:

„Vor 23 Jahren stand ich auf den Stufen des Reichstagsgebäudes in Berlin und ich erinnere mich noch heute an den Klang der Freiheitsglocke, als um Mitternacht die Fahne der Einheit aufgezogen wurde. Es war der Abschluss einer bewegenden Zeit, vom Aufbruch im Herbst 1989 bis zum Tag der Vereinigung – für mich war es die beglückendste Zeit meines Lebens.

Der Freiheitswille der Unterdrückten hatte die Unterdrücker tatsächlich entmachtet – in Danzig, in Prag, in Budapest und in Leipzig. Was niedergehalten war, stand auf. Und was auseinandergerissen war, das wuchs zusammen. Aus Deutschland wurde wieder eins. Europa überwand die Spaltung in Ost und West.“

2017, nur wenige Tage nach dem erstmaligen Einzug der AfD in den deutschen Bundestag, setzte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Mahnmal gegen die Spaltung der Gesellschaft:

„Ich bin überzeugt, wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern. Im Gegenteil: je schneller die Welt sich um uns dreht, desto größer wird die Sehnsucht nach Heimat. Dorthin, wo ich mich auskenne, wo ich Orientierung habe, wo ich mich auf mein eigenes Urteil verlassen kann. Das ist im Strom der Veränderungen für viele schwerer geworden.

Doch die Sehnsucht nach Heimat dürfen wir nicht denen überlassen, die Heimat konstruieren als ein „Wir gegen Die“; als Blödsinn von Blut und Boden; die eine heile deutsche Vergangenheit beschwören, die es so nie gegeben hat. Die Sehnsucht nach Heimat – nach Sicherheit, nach Entschleunigung, nach Zusammenhalt und Anerkennung – ich bin ganz sicher, meine Damen und Herren, die dürfen wir nicht den Nationalisten überlassen.“

Ähnlich herausstechende Zitate finden sich sehr regelmäßig in den Reden der Repräsentanten Deutschlands am Tag der deutschen Einheit.

Themenwahl am 3. Oktober

Wer zum Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober eine Rede halten will, hat ein breites Themenfeld, aus dem er wählen kann. Besonders tagespolitische aktuelle Bezüge machen sich gut und sorgen für eine aufmerksame Zuhörerschaft. Dazu sind folgende Themen für den Tag der deutschen Einheit fast schon Evergreens und nie verkehrt:

Flüchtlingskrise

In einer Rede zum Tag der deutschen Einheit ist das Thema Flüchtlingskrise ein Baustein © quetions123 – Shutterstock

  • Die Unterschiede zwischen Ost und West bestehen selbst nach mehr als einem Vierteljahrhundert noch. Nicht nur auf dem Papier bei unterschiedlich hohen Löhnen und Renten, sondern nach wie vor auch in den Köpfen der Ossis und Wessis.
  • Deutschlands Vorreiterrolle in Europa ist ebenfalls ein unerschöpfliches Thema und gerade der Vergleich mit der rasanten Entwicklung zu einer der führenden Nationen in Europa und der Welt seit Ende des 2. Weltkriegs können niemals genügend gelobt werden.
  • Auf der anderen Seite zieht sich seit Jahren eine schleichende Spaltung durch Europa, aber auch durch Deutschland und die Gesellschaft. Nicht zuletzt wegen der Flüchtlingskrise, mit deren vor allem politischen Folgen noch immer kein rechter Umgang gefunden wurde.
  • Verknüpft mit der Geschichte Deutschlands, der Teilung und späteren Wiedervereinigung kann ein Redner so eine spannende, packende aber auch mahnende Rede zum Tag der deutschen Einheit halten, sollte dabei jedoch stets zu den Werten, die diese Einheit ermöglichten, zurückfinden. Schlagworte wie Vielfalt, Toleranz und Akzeptanz heben diese hervor. Geflügelte Worte wie „Mauern einreißen“ passen gerade am 3. Oktober wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Nötig ist es dazu natürlich, Thema und Rhetorik der Rede an das jeweilige Publikum anzupassen. Ein Saal geladener Gäste aus Politik und Wirtschaft verarbeitet andere Themen als eine jugendliche Schulklasse, die kurz vor ihrem Realschulabschluss steht und zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung noch gar nicht geboren war.

Fazit zum wichtigsten Feiertag in Deutschland

Der Tag der deutschen Einheit ist der wohl wichtigste deutsche Feiertag, der keinen religiösen Hintergrund hat. Jahr für Jahr wird am 3. Oktober der Tag der Wiedervereinigung gefeiert, nachdem die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik über 40 Jahre getrennt waren. An diesem bedeutenden Tag in der deutschen Geschichte haben zahlreiche Bundespräsidenten gleichfalls bedeutende Reden gehalten. Gerade eine Mischung aus tagesaktuellen politischen und geschichtlichen Bezügen empfiehlt sich so in einer Rede zum Tag der deutschen Einheit.

Redaktion redenwelt.de

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