Politiker: Eine aktuelle Beobachtung zur Sprache von Horst Köhler und Co.
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Passives Versteckspiel
In jeder Wohngemeinschaft steigt die Spannung, wenn plötzlich der Satz im Raum steht: „Man müsste mal den Geschirrspüler ausräumen!“ Das meint doch wohl: Ich tue es nicht. Also der andere? Aber so direkt hat das auch niemand gesagt. Am Ende stehen Zank und Streit, wer denn nun den Geschirrspüler ausräumt.
Eine Lappalie, gewiss. Aber hinter einer solch passiven Sprechweise verbirgt sich bewusst oder unbewusst eine kommunikative Strategie. Man sagt zwar, was nötig ist, kann aber nicht für mögliche Konsequenzen haftbar gemacht werden.
Raffiniertes Versteckspiel
Wenn niemand gemeint ist, kann sich auch niemand beschweren. Ein raffiniertes Versteckspiel ist das. Sagt ein Politiker zum Beispiel „Es besteht Handlungsbedarf“, so sagt er nicht, wer wann und wo etwas tun muss. Das alles bleibt offen. Er selbst wird in aller Regel keinen Finger rühren.
Passive Satzkonstruktionen haben einen Siegeszug angetreten, weil sie so schön unverbindlich und bequem sind.
Aktuelles Beispiel: Horst Köhler
Sogar der Bundespräsident brachte jüngst in Hohenschönhausen den Satz „Gerechtigkeit zu schaffen braucht einen langen Atem“ ohne Zögern über die Lippen. Niemand wird diesem Satz widersprechen.
Aber unpersönlicher kann man das nicht formulieren.
Also, wer wird Gerechtigkeit schaffen? Niemand.
Wer ist dafür verantwortlich? Niemand.
Wer braucht einen langen Atem? Niemand.
Seit Jahren predigt die Politik, die Kinderarmut zu bekämpfen. Aber hat schon einmal jemand gesagt, er selbst werde das tun? Dann könnten wir ja auf die Idee kommen, nachzufragen, wie er das machen will oder wie viel Erfolg er denn dabei gehabt habe. Also reden Politiker weiter passiv: „Die Kinderarmut ist ein Skandal und es gilt sie zu bekämpfen, wo immer sie auftritt.“ Schön und gut. Aber wer tut was? Wann und wo und wie?
Viele solcher wundervollen Sätze schwirren tagtäglich durch die Medien. „Die Weichen müssen neu gestellt werden“ oder „Man muss den Menschen etwas zutrauen“ oder „Da muss Geld in die Hand genommen werden“ und so weiter.
Spaß haben. Aber es geht umNiemand wird je nachfragen, was die Sprecher solcher Sätze denn selbst getan haben. Das ist die Strategie: eine sprachlich organisierte Verantwortungslosigkeit. Das heißt: Niemand sagt es konkret, weil niemand Verantwortung übernimmt. Ginge es nur um den Geschirrspüler, könnten wir uns zurücklehnen und unseren uns. Und da verstärkt der passive Sprachgebrauch unsere Politikverdrossenheit.
Machen Sie es anders! Reden Sie im Aktiv. Nur mit einer aktiven Sprache sind und bleiben Sie glaubwürdig!
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