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Die Rede zum Volkstrauertag: So halten Sie eine angemessene Rede

Reden werden nicht ausschließlich aufgrund fröhlicher und glücklicher Anlässe gehalten. Bestes Beispiel dafür sind Gedenk- und Trauerreden, die besonderen Standards entsprechen müssen. Das ist auch bei einer Rede zum Volkstrauertag der Fall. In dieser sollten Sie noch mehr als üblich auf den richtigen Ton und die passende Ansprache achten. Lesen Sie hier Wichtiges über die Rede zum Volkstrauertag: Was ist der Redeanlass und welche protokollarischen und inhaltliche Aspekte sind an diesem besonderen Gedenktag zu beachten?

Welchen Ursprung hat der Volkstrauertag?

Der Volkstrauertag, wie wir ihn heute kennen, wird in Deutschland seit dem Jahr 1952 begangen. An diesem nationalen Trauertag wird vor allem der Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges gedacht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Gedenken an die zahlreichen Opfer, die das Nazi-Regime zu verantworten hat.

Zweiter Weltkrieg 1939-1945

In Gedenken an die Opfer des zweiten Weltkriegs © wiktord – Shutterstock

Seinen Ursprung hat der Volkstrauertag jedoch bereits in den 1920er-Jahren. Denn schon kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges führte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Volkstrauertag ein. Die damalige Intention: Ein Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges zu schaffen.

Der Deutsche Reichstag – noch in der Weimarer Republik – übernahm die Idee anlässlich einer feierlichen Gedenkstunde im Jahr 1922 zum ersten Mal. Vier Jahre später, im Jahr 1926, traf man die Entscheidung, den Volkstrauertag jährlich auf den fünften Sonntag vor Ostern zu legen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde aus dem Volkstrauertag der „Heldengedenktag“.

Status quo: Der Volkstrauertag in der Bundesrepublik Deutschland

Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 legte den Grundstein für den heutigen Volkstrauertag. So traf man Anfang der 1950er-Jahre die Entscheidung, den Volkstrauertag auf den zweiten Sonntag vor dem ersten Advent zu legen. Ziel war es, sich nicht nur inhaltlich, sondern auch terminlich vom „Heldengedenktag“ der Nationalsozialisten zu distanzieren.

Die Geschichte des Volkstrauertags

Die Wahl des neuen Termins hat auch einen kirchlichen Hintergrund. Entsprechend dem Kirchenjahr werden an diesem Tag aus theologischer Perspektive Aspekte wie Tod, Zeit und Ewigkeit thematisiert. Implementiert wurde die finale Terminverlegung jedoch erst ab dem Jahr 1952. 1950 und 1951 fand der staatliche Trauertag noch am 5. März sowie um 18. Februar statt.

Obwohl der Volkstrauertag ein staatlicher Gedenktag ist, hat er in keinem Bundesland den Status eines gesetzlichen Feiertages. Er wird in den Verfassungen der Bundesländer als sogenannter „stiller Tag“ oftmals nur als zu schützender Tag genannt. Auch die Inhalte des Trauertages erwähnen die Länderverfassungen nur selten. Ausnahmen stellen dabei nur Hessen und Hamburg dar.

Rede zum Volkstrauertag: Inhaltliche Varianzen

Durch die fehlenden Vorgaben besteht auch bei der inhaltlichen Ausrichtung des Gedenktages großer Spielraum. Dadurch hat sich der Volkstrauertag im Laufe der Zeit gewandelt, wodurch die Redner in den Gedenkstunden oft auf mehrere Themen eingehen. Das sind zum Beispiel:

  • Die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
  • Opfer des Nationalsozialismus
  • Opfer von Krieg, Rassismus und Gewalt
  • Bedeutung von Frieden und Versöhnung
  • Lehren aus der Vergangenheit und ihre Implikationen für die heutige Zeit

Mittlerweile gedenkt man auch den gefallenen Soldaten der Deutschen Bundeswehr, die in den Auslandseinsätzen ums Leben gekommen sind. Außerdem sprechen die Redner in vielen Fällen aktuelle Krisenherde an, die eine Gefahr für den Weltfrieden darstellen.

Wo wird der Volkstrauertag begangen?

Begangen wird der Tag im ganzen Bundesgebiet. Dabei gehört der Volkstrauertag wie beispielsweise der Karfreitag zu den „stillen Tagen“. Deshalb herrscht an diesem Tag in einigen Bundesländern ein Tanzverbot. Außerdem weht Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden der Bundesrepublik. Neben dem Volkstrauertag hängen die Fahnen nur am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar und am „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ auf halbmast. Nicht zuletzt dadurch zeigt sich die zentrale Bedeutung des Volkstrauertages.

Am Volkstrauertag finden zudem zahlreiche Gedenkstunden statt. Als eine der wichtigsten Veranstaltungen wird die zentrale Gedenkveranstaltung im Reichstagsgebäude in Berlin erachtet. Dort gedenken das gesamte Parlament und weitere hochrangige Politiker den Kriegsopfern des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie den Menschen, die ihr Leben in gegenwärtigen Krisengebieten verloren haben.

Unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten organisiert der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag. Die Veranstaltung findet im Plenum des deutschen Parlaments statt. Doch das ist bei Weitem nicht die einzige Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertages. Auch in allen Länderparlamenten und in vielen Städten und Gemeinden gibt es anlässlich des Gedenktages Veranstaltungen, die jeweils ihren eigenen inhaltlichen Schwerpunkt legen.

Die zentrale Gedenkstunde im Bundestag: Beispielhafter Ablauf

Bei der zentralen Gedenkstunde im Parlament der Bundesrepublik finden sich im Plenarsaal des Reichstagsgebäudes die höchstrangigen Politiker ein. So nehmen an der Veranstaltung immer die Abgeordneten aller Fraktionen, das Kabinett, der Bundeskanzler, der Bundestagspräsident, der Bundespräsident und das diplomatische Korps aus ganz Europa und der Welt teil.

Zwei wichtige Reden werden während der Gedenkstunde im Bundestag gehalten: Die Gedenkrede und das Totengedenken. Bei Ersterer spricht häufig ein Gastredner. 2017 war das zum Beispiel der EU-Ratspräsident Jüri Ratas. 2018 hielt sie der französische Staatspräsident Emmanuel Macron. Die Rede zum Totengedenken hält wiederum immer der Bundespräsident.

Der Ablauf der zentralen Gedenkstunde – und auch der anderen Gedenkveranstaltungen im Bundesgebiet – ist immer sehr ähnlich:

  1. Musikalischer Einstieg mit anschließender Begrüßung als Einstimmung
  2. Gedenkrede, Textvorträge oder Vorführungen von zum Beispiel Schülern oder Jugendlichen
  3. Totengedenken mit anschließender Kranzniederlegung
  4. Gedenkminute
  5. Musikalischer Abschluss
  6. Hymnen

Diese Reihenfolge lässt sich selbstverständlich anpassen – je nach Größe und Anzahl der Gäste der Veranstaltung. Wenn eine Gemeinde eine Veranstaltung zum Volkstrauertag plant, ist es zum Beispiel passend, wenn die Gedenkrede der Bürgermeister oder Ortsvorsteher hält. Bei aller prozeduraler Freiheit sollten Sie jedoch beachten, dass drei Elemente nicht fehlen dürfen. Das sind:

  1. Totengedenken
  2. Kranzniederlegung
  3. Das „Lied vom guten Kameraden“

Musikalische Einschübe garantieren zudem, dass Sie einen angemessenen und festlich-seriösen Rahmen für die Veranstaltung schaffen. Auch die Ansprache von Zeitzeugen oder Lesungen von Schülern verleihen der Rede zum Volkstrauertag den richtigen Rahmen.

Aufbau des Vortrags am Volkstrauertag: So können Sie Ihre Rede gestalten

Hört man Reden zum Volkstrauertag, fällt auf, dass der Ton der Ansprache sachlich, berührend und zugleich trauervoll ist. Viele Redner nutzen bei ihrem Vortrag außerdem die Chance, einen mahnenden Blick auf die Gegenwart und in die Zukunft zu werfen. Diese Gelegenheit ergibt sich, da der Volkstrauertag nicht nur den Zweck hat, an die Vergangenheit zu erinnern. Auch Schlüsse aus der Vergangenheit für die Zukunft erweisen sich als geeigneter Redestoff.

Denken, Gedenken, Trauer und Hoffnung

Vielmals ist es sinnvoll, in einer Rede zum Volkstrauertag das Vergangene – zum Beispiel die Geschichten von Gefallenen einer Stadt oder Gemeinde – zu beleuchten. Jedoch sollten Sie in Ihrer Rede auch wichtige Themen der heutigen Zeit nicht vergessen. So können Sie in Ihrer Ansprache gegenwärtige Kriege, Gewaltakte, Terrorismus oder Verletzungen von Menschenrechten thematisieren. Bei Ihrer Rede ist eine Gliederung in vier Unterbereiche möglich:

  1. Denken
  2. Gedenken
  3. Trauer
  4. Hoffnung

Balance aus Gegenwart und Vergangenheit

Versuchen Sie, in allen vier Teilen Ihrer Rede, ein ausgewogenes Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Gerade der erste Bereich „Denken“ bietet die Gelegenheit, sich auf aktuelle Geschehnisse zu beziehen. Das ist möglich, indem Sie beispielsweise aktuelle Krisenherde thematisieren.

Wie der Name bereits andeutet, sollte sich das „Gedenken“ ausschließlich um Themenbereiche drehen, die in der Vergangenheit liegen. Gerade hier muss der festlich-trauervolle Charakter Ihrer Rede zu spüren sein – ist das Gedenken doch Hauptanlass Ihrer Ansprache.

Im Bereich „Hoffnung“ ist es möglich, den Schwerpunkt auf die Zukunft zu legen. Hier können Sie einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft werfen und zum Beispiel dazu aufrufen, sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen.

Passende Zitate und Bausteine für Ihre Rede zum Volkstrauertag

Die Rede zum Volkstrauertag sollte also bestimmten Kriterien entsprechen. Dabei bietet es sich an, den Bogen von der Vergangenheit bis zur Zukunft zu spannen. Die Bedeutung des Tages besteht nicht nur darin, an die Opfer vergangener Kriege und Diktaturen zu gedenken. Auch die daraus resultierenden Implikationen für die heutige Zeit sind für Ihre Rede von Relevanz.

Außerdem sollten Sie – wie erwähnt – nicht außer Acht lassen, dass die Betonung der Ansprache traurig und teilweise auch mahnend sein darf. Einen gelungenen Einstieg in Ihre Ausführungen erhalten Sie mit Zitaten, die einen angemessenen Ton treffen. Die nachfolgenden Beispiele vermitteln einen Eindruck einer adäquaten Tonalität und dienen als Inspiration und Impuls. Lesen Sie hier, wie sich Zitate in die Rede zum Volkstrauertag integrieren und kommentieren lassen.

„Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte.“ Heinrich Heine (1797 – 1856), deutscher Dichter

Dieser Satz stammt von Heinrich Heine. Unter jedem Grabstein eine ganze Welt. – Das stimmt für die Menschen, die das Glück hatten, nach einem satten Leben, alt, quasi vom Leben müde zu sterben. Heute gedenken wir aber jener, die nicht alt starben, die ihr Leben noch nicht gelebt hatten. Wir gedenken der Menschen, die im Krieg starben, die Opfer des Krieges wurden. Unter jedem Grabstein – wenn Sie denn einen Grabstein haben – eine ganze Welt? – Nein, wohl eher Träume, Wünsche, Ziele. Unter jedem Grabstein ein ungelebtes Leben. Ein vermeidbarer Tod!

Zitat von Heinrich Heine (1797 – 1856), deutscher Dichter

„Der Tod schlägt Schluchten des Schweigens, wo sonst eine Antwort war und nun kein Echo mehr ist; er schafft schmerzliche Leere an Tisch und Bett, wo keine fürsorgliche, wärmende Hand mehr entgegenkommt.“

Dieser Satz stammt aus einer anderen Volkstrauertagsrede. Eindrücklich macht uns evangelische Bischof Christoph Demke klar, wie das Leben für die Menschen war, die zwar das Glück hatten, den Krieg zu überleben, die aber einen geliebten Menschen verloren hatten. Es war leer, geprägt von Einsamkeit. – Bitte lassen Sie uns alles daransetzen, solche sinnlose Einsamkeit zu verhüten. Lassen Sie uns daran arbeiten!

Zitat von Christoph Demke, deutscher evangelischer Bischof in seiner Volkstrauertagsrede am 17.11.1991 in Bonn

„Missachtung der Menschenwürde ist eine Kriegserklärung an alle Menschen.“

Das, meine Damen und Herren, wurde lange vor dem 11. September gesagt. 1988 hat Gertrud Höhler das ausgesprochen, was heute ungeheuer aktuell wirkt: Wir versuchen, uns gegen den Terror zu verteidigen, und vergessen dabei, dass wir doch die Freiheit verteidigen wollten. Meine Damen und Herren, das darf nicht geschehen!

Zitat von Gertrud Höhler (*1941), deutsche Managementberaterin

Ob einfacher Soldat oder Offizier, …

In der Demokratie der Toten sind schließlich alle Menschen gleich. Es gibt weder Rang noch Position noch Privileg in der Republik der Verstorbenen.

Zitat von John James Ingalls (1833-1900), US-amerikanischer Jurist, Zeitungsverleger und Politiker (Senatsmitglied) aus Kansas

Der Tod ist universaler als das Leben; jeder stirbt, aber nicht jeder lebt.

Zitat von A. Sachs, US-amerikanischer Aphoristiker (einzig nachweisbares Zitat unter seinem Namen; keine weiteren biografischen Angaben zu ermitteln)

… ob gut oder schlecht

Auch gute Menschen müssen sterben, aber der Tod kann ihre Taten und Namen nicht löschen.

Zitat von Friedhelm Franken (*1943), deutscher Journalist und Kommunikationsberater

Der Tod ist endgültig …

Tod – der letzte Schlaf? Nein, das endgültige Erwachen.

Zitat von Sir Walter Scott (1771-1832), schottischer Schriftsteller („Prinz Eisenherz“)

… und die Erinnerung ewig

Er war der Ozean, und ich war der Sand.

Zitat von Lauryn Hill (*1975), US-amerikanische Soul-Sängerin (Liedzeile aus dem Song „I used to love him“ des Albums „The Miseducation of Lauryn Hill“, 1998, das fünf Grammy-Awards erhielt und über zwölf Millionen Mal verkauft wurde)

Fazit: Rede zum Volkstrauertag

Wer eine Rede zum Volkstrauertag hält, hat ein großes Privileg. Nicht jeder hat die Gelegenheit, an einem solch bedeutenden Tag zu sprechen. Mit einer Gedenkrede gehen aber auch Pflichten einher, die dem Redner obliegen. Das macht die Ansprache auch für geübte Rhetoriker zu einer Herausforderung.

Der Vortragende muss einerseits – mehr noch als bei anderen Reden – eine angemessene Betonung treffen. Gerade bei Gedenkreden ist es noch essenzieller als bei anderen Reden, authentisch, berührend und respektvoll zu sprechen.

Andererseits ist auch der Inhalt einer Gedenkrede anspruchsvoll. Komplexe Themen müssen in ein großes Ganzes eingepasst werden. Wer eine Rede zum Volkstrauertag hält, hat die Aufgabe, Gedenken und Vergangenheit mit Mahnung und Zukunft zu verbinden. Das gelingt nur nach eingehender Vorbereitung und mit einem schlüssigen Redekonzept.

Redaktion redenwelt.de

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