Anekdote zum Thema Dezember
= Der kürzeste Monat des Jahres. Er zerfällt praktisch in drei Abteilungen: Die erste währt gemeinhin zwanzig Tage bei tendentieller Arbeitsabschwächung durch Nikolaus, Betriebsfeiern, Adventskegeln und dergleichen folkloristischer Klimapflege. In der zweiten Abteilung haben wir nach dem stimmungsmäßigen Vorlauf den eigentlichen Festauslöser im handlichen Dreierpack vom 24./25./26. und danach jene Phase, die es eigentlich gar nicht gibt, weshalb sie auch keinen Namen hat. Man nennt sie notdürftig "zwischen den Jahren".
"Süddeutsche Zeitung", Streiflicht, 10.12.90
Anekdote zum Thema Diamant
Ein Mann klagte bei dem mit ihm befreundeten italienischen Schriftsteller Pitigrilli: „Ich bete diese Frau an, aber sie will mich nicht erhören. Sie ist hart wie Glas. Mit nichts komme ich an sie ran.“ – „Haben Sie’s schon mal mit Diamanten versucht?“, fragte Pitigrilli.
Womit wir bereits nahe am Thema wären. Wenn eine widerstrebende Frau sich mit Diamanten bestechen ließe, würden wir sie wohl kaum eine Dame nennen. Wir würden die Augenbrauen hochziehen und feststellen: käuflich! So weit die Frau.
Und der Politiker, der Beamte, der Behördenleiter? Hier wird man es kaum mit Diamanten versuchen. Das Wort „käuflich“ wird natürlich auch keiner in den Mund nehmen. Und Millionenspenden müssen es auch nicht immer sein – es sollen schon manche für viel kleinere Summen schwach geworden sein. Das Thema, mit dem wir uns heute befassen wollen, lautet „Korruption in Politik und Verwaltung“.
Anekdote zum Thema Dinner
Diesen Wahlkampfauftritt wird Al Gore so schnell nicht vergessen. Zehn Minuten hatte er im Juli 2000 vor seinen demokratischen Parteifreunden in Kansas City über die Erfolge der Regierung Clinton/Gore referiert, als einem der Gäste das Warten aufs anschließende Dinner zu lang wurde. „Wir stehen doch eh alle auf Ihrer Seite“, unterbrach der ältere Herr den Redefluss. Darauf Gore: „Dann höre ich halt auf.“ Sprach’s, stoppte mitten in der Rede, setzte sich und wünschte guten Appetit.
Ich denke, mit dieser Geschichte ist eigentlich schon alles gesagt. Auch wir hier stehen alle auf einer Seite – auf der richtigen! Darum will ich mich damit begnügen, dies wohlgefällig festzustellen, und Ihnen ohne weitere Vorrede guten Appetit wünschen!
Anekdote zum Thema Diplomat
Der ehemalige US-Außenminister Dean Acheson klagte einmal: "Man hat es wirklich schwer mit den Europäern! Ich verließ kürzlich in Begleitung eines Deutschen und eines Franzosen den Konferenzsaal.
An der Tür ergab sich das Problem, das jeder von Ihnen kennt: Wer soll als erster hinausgehen? Ich überlegte: Gehe ich als erster, werden beide denken 'Typisch amerikanische Überheblichkeit!' Lasse ich den Deutschen vor, kabelt der Franzose vielleicht nach Hause: 'Amerika zieht den einstigen Feind dem alten Bundesgenossen vor!' Lasse ich dem Franzosen den Vortritt, denkt der Deutsche 'Die sind sich noch immer einig, wenn es gilt, uns klein zu halten!'
Was blieb also übrig, wir mußten uns alle drei gleichzeitig durch die Türe quetschen. Draußen konnte ich dann hören, wie der Deutsche dem Franzosen zuflüsterte: 'Von Kultur wirklich keine Spur bei diesen Amerikanern!'
Anekdote zum Thema Dirigent
Ich habe einmal versucht, das Dirigieren zu erlernen, weil ich hoffte, hier von in der Verwaltung profitieren zu können, und weil ich auf dem Volksfest und ähnlichen Veranstaltungen mit eigenen Dirigier-Versuchen schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Den Zuhörern gefiel es nicht, und das Orchester folgte mir nicht. Insbesondere wusste ich nicht, wie man ein Orchester dazu bringt, dass es aufhört.
Es spielte einfach weiter, auch als ich ihm durch heftiges Fuchteln deutlich machte, dass es zum Ende kommen solle. Professor Rilling hatte mir empfohlen, mir vorzustellen, dass eine Sau auf dem Rücken liege, und dann ihre Rückenlinie einschließlich des Ringelschwanzes mit dem Taktstock nachzuzeichnen. Das bringe jedes Orchester dazu, seine Tätigkeit einzustellen. Ich probierte das. Aber es klappte nicht. Ich zeichnete mit dem Taktstock mindestens 20 Säue, aber das Volkfest-Orchester setzte seine geräuschstarken Bemühungen trotzdem fort. Es kommt anscheinend doch darauf an, wer den Taktstock hält.
So weit Manfred Rommel, der uns an diesem hübschen Beispiel klar macht, was eine Führungskraft braucht: Autorität – die hat ein Oberbürgermeister nicht, wenn er vor einem Blasorchester mit dem Taktstock herumfuchtelt – sowie Kompetenz. Und die hat er in einer solchen Situation zweifellos auch nicht. Ob der Mann, den wir heute ehren/verabschieden/begrüßen wollen, die Kompetenz besitzen würde, ein Orchester zu dirigieren, weiß ich nicht. Dass er die Kompetenz besitzt, eine Mannschaft hochqualifizierter Experten zu dirigieren – das weiß ich allerdings sicher. Zum Ansehen der Person, zur Autorität, gesellt sich das Können, die Souveränität im Umgang mit der schwierigen Materie ...
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Mai
23
Heute vor
106 Jahren
Henrik Ibsen stirbt (*1828), norwegischer Dichter und Dramatiker, Werke u. a. [weiterlesen] »
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