Anekdoten zum Thema Arzt
In China gab es einst ein Gesetz, laut dem die Ärzte verpflichtet waren, nach dem Tode jedes ihrer Patienten abends eine Laterne mehr herauszuhängen. Ein kürzlich in die Stadt zugereister Chinese, dessen Frau plötzlich erkrankt war, begab sich auf die Suche nach einem Arzt. Die enorme Zahl von Laternen vor dem Hause eines jeden machte auf ihn einen beklemmenden Eindruck. Endlich entdeckte er vor der Praxis eines Arztes bloß fünf Laternen. Er klingelte hocherfreut und bat den Mann der Wissenschaft, seine Frau zu behandeln. Auf dem Wege zur Kranken beglückwünschte er den Arzt wegen der erstaunlich geringen Zahl von Laternen vor seinem Hause. "Das ist nichts Erstaunliches", erwiderte der Arzt, "ich habe mich gestern erst hier niedergelassen." Sigismund von Radecki, "Das ABC des Lachens"
Aus den Quellen der chinesischen Weisheit können wir viel lernen. Beurteilen wir nicht all zu oft voreilig einen Menschen, weil wir kurzschlüssig nach einseitig messbaren Leistungen urteilen? Fällen wir nicht leichtfertig ein Urteil über ein Produkt, ohne zu fragen, unter welchen Arbeitsbedingungen, in welcher Zeit, mit welchen Mitteln es entstanden ist? Der wohlmeinende Chinese in unserer Parabel, der den qualifiziertesten - oder genauer: den am wenigsten schädlichen - Arzt für die Behandlung seiner Frau sucht, hat in bester Absicht und folgerichtig gehandelt, indem er die Ärzte mit der (vermeintlich) geringsten Negativquote meidet. Aber er hat einen wichtigen Faktor übersehen, nämlich die Zeit, und ist dadurch bei dem mutmaßlich schlechtesten Arzt der Stadt gelandet. Hüten wir uns also, voreilig Schlüsse zu ziehen und dabei womöglich einen entscheidenden Gesichtspunkt zu übersehen. Denken wir auch bei all unseren neuzeitlichen Methoden zu Controlling, Arbeitsplatzbewertung, Evaluation von Preis-Leistungs-Verhältnissen usw. daran, unter welchen oft unterschiedlichen Voraussetzungen und Arbeitsbedingungen das Ergebnis zustande kommt. Die exotische Geschichte führt uns also ganz konkret zu unseren letzten Umsatzzahlen/den Verkaufsziffern unserer Filialen/den Exportdaten des letzten Quartals.
Der Wiener Pathologe Karl von Rokitansky, den sein Kollege Rudolf Virchow den "Carl von Linn" der pathologischen Anatomie genannt hat, besaß vier Söhne, auf die er sehr stolz war. Zwei waren erfolgreiche Mediziner, zwei erfolgreiche Sänger. Fragen, wie es seinen Söhnen gehe, pflegte Rokitansky mit der Feststellung zu beantworten: "Denen geht's ausgezeichnet! Zwei heilen, zwei heulen!"
Man kann ja verstehen, dass der berühmte Mediziner seine beiden als Ärzte tätigen Söhne höher schätzt als seine singenden Stammhalter. Aber muss er die Musik-beflissenen gleich mit einem Kalauer abqualifizieren? Warum ich Ihnen die Geschichte überhaupt erzähle? Ganz einfach, weil ich aus dem ehrenwerten Beruf unseres Jubilars und Vereinspräsidenten, der – wie Sie sicher wissen – ein ausgezeichneter Tenor ist, heute kein kalauerndes Kapital schlagen möchte. Vielmehr will ich kurz eingehen auf ...
Professor Baron, ein ungarischer Chirurg, sollte einen ebenso wohlhabenden wie geizigen Geschäftsmann operieren. Der aber feilschte endlos um das Honorar, bis es dem Chirurgen zu dumm wurde. "Wissen Sie was", sagte er, "wenn ich Ihnen zu teuer bin, lassen Sie sich von einem meiner Assistenten operieren." – "Aber, Herr Professor", rief der Milliardär bestürzt, "niemand hat doch so sichere Hände wie Sie!" - "Wie soll ich denn sichere Hände haben", entgegnete Baron kühl, "wenn ich um das Honorar zittern muss!?"
Das schlagende Argument des Chirurgen hat den Geschäftsmann gewiss überzeugt. Denn eine schlagfertige Formulierung zur rechten Zeit ist allemal viel wert. Habe ich deshalb diese Geschichte erzählt? Nein, ich habe Sie darum erzählt, weil auch wir nicht richtig arbeiten können, wenn wir um unsere Arbeitsplätze zittern müssen ...
Der Münchner Nobelpreisträger für Chemie, Richard Willstätter, ein guter Freund des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, machte sich gern über seine Kollegen von der medizinischen Fakultät lustig. Sowohl im allgemeinen als auch in bezug auf ihre Honorare. Zum Beispiel mit der Frage: "Was ist der Unterschied zwischen dem Finanzamt und einem Chirurgen?" Antwort: "Es gibt keinen. Beide versuchen, aus den Leuten soviel wie möglich herauszuholen."
Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir Chirurgen haben von alters her mit Vorurteilen in der Öffentlichkeit zu kämpfen. Schon im Altertum gab es Satiren über quack-salbernde Knochenbrecher. Molière machte sich in seinen Komödien lustig über zeitgenössische Chirurgen, die selbsterfundenes Küchenlatein murmeln, aber sonst keine Kenntnisse haben. Und zu allem Überfluss werden wir in der Anekdote des Sauerbruch-Freundes dem Finanzamt gleichgeordnet. Sind wir denn wirklich so geldversessen und gewinnsüchtig? Ich habe hier vom Statistischen Bundesamt die Zahlen des letzten Jahres über die Durchschnittseinkünfte der Ärzte in unserem Land. Damit lassen sich wohl einige hartnäckige Vorurteile korrigieren ...
Anekdote zum Thema Astronaut
"Ich war schon oft draußen im Weltraum", protzte der Astronaut, "aber ich habe weder Gott noch Engel gesehen." - "Und ich habe schon viele kluge Gehirne operiert", antwortete der Gehirnforscher, "aber ich habe nirgendwo auch nur einen einzigen Gedanken entdeckt." Jostein Gaarder (*1952), norwegischer Philosoph und Schriftsteller; in "Sofies Welt", Carl Hanser Verlag, München
Manchmal bedarf es eines Vergleichs, einer logischen Analogie zu einem entfernten Sachgebiet, damit wir eine Frage in einem aktuellen, naheliegenden Problemkreis analysieren und lösen können. Die antike Rhetorik hat mit der Kategorie des „Syllogismus“ diesen Ansatz zu einer wissenschaftlichen Methode entwickelt. Man präsentiert den Zuhörern einen Sachverhalt und zieht aus der Problemstellung die von ihnen nachzuvollziehenden und glaubwürdigen logischen Schlüsse. Dann überzeugt man die Zuhörer, dass im zu entscheidenden Fall dieselbe Konstellation vorliegt. Und daraus ergeben sich dieselben Schlussfolgerungen wie im ersten Fall. Dieses abstrakt anmutende Verfahren setzt konkret der Gehirn-forscher in unserem Text ein. Jedem von uns ist plausibel, dass es Gedanken gibt und dass sie etwas mit unserem Gehirn zu tun haben. Wenn ein Gehirnchirurg bei einer Operation keine (abstrakten) Gedanken gesehen hat, dann folgt daraus noch lange nicht, dass es Gedanken in irgendeiner Form nicht gibt. Sie stimmen zu? Gut! Wenn wir uns einig sind, können wir die Schlussfolgerung analog auf das Weltraumbeispiel übertragen. Wenn der Astronaut Planeten und Meteoriten gesehen hat, aber keinen Gott und keine Engel, dann folgt daraus noch lange nicht, dass es Gott und Engel in irgendeiner Form nicht gibt. Sie sind auch jetzt einverstanden? Danke! Dann haben Sie sich von einem glaubwürdigen Syllogismus überzeugen lassen. Nebenbei bemerkt: Aus der Schlussfolgerung folgt natürlich nicht, dass es Gott und Engel wirklich gibt. Die Widerlegung des Astronauten ist also kein Gottesbeweis. Warum aber, so werden Sie jetzt fragen, wird hier über Astronauten und Neurochirurgen geredet, obwohl doch ein ganz anderes Thema zu behandeln ist? Ganz einfach, weil man, wie gesagt, über ein entferntes Sachgebiet oft leichter zur Lösung der nahen Probleme kommt. Wenden wir also die soeben erprobte Methode der schlussfolgernden Übertragung auf das hier und heute zu verhandelnde Gebiet der geplanten Steuersenkung / des Verhältnisses von Glauben und Wissen / des volkswirtschaftlichen Gleichgewichts zwischen Export und Import / auf die Frage nach der Notwendigkeit von Atomkraftwerken an ...
Anekdote zum Thema Aufmerksamkeit
(Wie läßt sich Aufmerksamkeit wecken?) Kennen Sie die Geschichte von dem Esel, den sein Besitzer in die Lehre bringt, damit er gehorchen lernt? Der Meister nimmt einen Knüppel und haut ihn dem Esel vor dem Kopf. "Halt!" ruft der Besitzer, "Sie sollen das Tier doch nicht umbringen. Was ist denn das für eine Art Training?" "Seltsame Frage" erwidert der Meister. "Das ist noch gar kein Teil des Trainings. Das dient nur dazu, ihn aufmerksam zu machen, damit ich mit dem Training beginnen kann." Ich gestehe, daß die Geschichte nicht Teil meiner Rede ist. Sie ist nur dazu bestimmt, Ihre Aufmerksamkeit zu erwecken, so daß ich jetzt mit meinen Bemerkungen beginnen kann.
Sylvia Simmons, amerik. Redenschreiberin u. Publizistin in "How to be the Life of the Podium", American Management Association", New York, 1991/93 Übersetzung von FF Publizistin
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Februar
07
Heute vor
7 Jahren
Die britische Seglerin Ellen MacArthur überquerte nach ihrer Weltumseglung die Ziellinie als bis dahin schnellste Einhandseglerin auf der Strecke. Die 28-Jährige hatte an Bord ihrer 23 Meter langen Yacht rund 38. [weiterlesen] »
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