Für eine starke Rede: zentrale Berufe und deren Herkunft
13 Erläuterungen zu Berufsbezeichnungen
| 1. Anwalt | 8. Kanzler |
Der Ursprung des Wortes reicht bis ins Althochdeutsche des 8. Jahrhunderts zurück: anawalto (nur in der Mehrzahl verwendet) = Schutzgeister, göttliche Kräfte bzw. anawaltanti = machtvoll, gewaltig, mächtig; vgl. altenglisch onwealda = Herrscher, Monarch, Gott.
"Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand", sagt der Volksmund. Da ist es ganz gut, wenn einem "Schutzgeister" zur Seite stehen - nichts anderes bedeutete das Wort Anwalt in seiner ursprünglichen, althochdeutschen Form. Und viele Ihrer Mandanten, lieber Herr Ratsam, haben Sie als ihren mächtigen Schutzgeist erfahren dürfen. Den Anawalto - so die altertümliche Bezeichnung für Anwälte - wurden "göttliche Kräfte" nachgesagt. In der Tat - wer unseren Jubilar in Aktion erlebt hat, ist fast geneigt, daran zu glauben: Seine Redegewalt und Argumentationskraft lassen ihn wie mit Engelszungen sprechen. Und das hat schon so manchen schier aussichtslosen Prozeß noch zu einem glücklichen Ende geführt.
Arbeiter
Der Begriff Arbeit bekam erst durch Luther und den Protestantismus eine positive Bedeutung. Vorher bezeichnete Arbeit definitiv nichts Gutes. Das althochdeutsche Wort arbeit oder arbeiti (8. Jahrhundert) bezeichnete Plage, Beschwernis, Leid. Zugrunde lag das germanische arbejidiz = Mühsal, eine Abstraktbildung zu dem Verb arbejo = ein armes, aus Not zu harter Arbeit gezwungenes Waisenkind sein. Eng verwandt ist orbh = verwaist, Waise, von dem sich auch arm ableitet. Übrigens verband nicht nur die deutsche Sprache das Wort Arbeit anfangs mit negativen Inhalten. Das niederländische Wort arbeydt ist u. a. ein Synonym für Geburtswehen. Das französische travail bedeutete ursprünglich Folter! Das slawische rabóta = Arbeit (vgl. Roboter) stammt von altslawisch rab = Knecht, Diener, Sklave.
Es soll ja Leute geben, für die Arbeit nur Mühsal, Plage, Beschwernis und Leid ist - was das Wort ursprünglich ja auch tatsächlich bedeutet hat. Auch das Wort "arm" war eng damit verwandt. Sie, lieber Herr X, sehen das ganz anders. Sie gehören als Facharbeiter zu den gesuchten Experten. Ohne Sie wären auch viele andere "arm dran" gewesen - ohne Arbeit nämlich -, wenn Sie nicht, anfangs als Geburtshelfer, über zwei Jahrzehnte mitgeholfen hätten, einen florierenden Betrieb aufzubauen. Wie ich auf den Geburtshelfer komme? Fragen Sie mal einen Niederländer. Dort bezeichnet der Begriff Arbeit nicht nur die Tätigkeit, mit der man Geld verdient, sondern auch die Geburtswehen, mit denen ein Kind zur Welt gebracht wird.
Architekt
Seit der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts im Deutschen verwendet, geht das Wort über das Lateinische architectus auf das Altgriechische zurück: architékton bedeutet eigentlich Oberzimmermann. Es handelt sich um die Zusammensetzung aus arch(i) und tékton. Arch(i) = Ober-, Haupt-, Erz- (vgl. Erzbischof, Archidiakon,) stammt von griech. árchein = der Erste sein, vorangehen, herrschen, beherrschen, und tékton = Zimmermann, Handwerker, das mit téchne = Kunst, Geschick verwandt ist.
Sie, lieber Herr Baumann, machen Ihrem Beruf als Architekt alle Ehre. Das griechische Wort "archein", das den ersten Teil Ihrer Berufsbezeichnung ausmacht, bedeutet: "der Erste sein, vorangehen, beherrschen". Sie "beherrschen" nicht nur Ihr Metier, sondern auch Ihre Truppe. Sie "sind der Erste" auf der Baustelle, wo sie allen anderen mit gutem Beispiel "vorangehen"! Auch der "tekton" - der "Handwerker" und "Zimmermann" - steckt tief in Ihnen drin: Sie entwerfen keine Luftschlösser am Reißbrett; Ihre Pläne, so kühn sie teilweise auch sind, sind doch stets umzusetzen, realisierbar - und somit im wahren Sinne bodenständig. Mit den Möglichkeiten und Grenzen von Baustoffen sind Sie genau vertraut und legen größten Wert auf perfekte Ausführung und Verarbeitung - eben auf gründliches Handwerk.
Bankier
ist ein Bankinhaber oder Bankkaufmann. Was aber ist eine Bank vom Ursprung her? Nichts anderes als ein Sitzmöbel für mehrere Personen. Das Wort stammt vermutlich vom altnordischen bakki/banki = Erhöhung, Hügel, Flußufer, Sandbank. Germanisch bankiz war eine Erdaufschüttung zum Sitzen, später ein rundgebogener Holzsitz und danach wohl auch Holztisch. Verbindungen zu altindisch bhanákti = biegt, bricht und bhangáh = Biegung, Bruch sind denkbar. Der Tisch der Geldwechsler hieß im Mittelhochdeutschen wehselbanc, woraus der heutige Begriff "Bank" für ein Geldinstitut ebenso abstammt wie der Begriff "Bank" für die Spielbank im Glücksspiel/Roulette.
Bankier zu sein bedeutet schon von der Abstammung des Begriffs Bank her, einen herausragenden Beruf zu bekleiden. Denn eine Bank bezeichnet von Anfang an nichts anderes als eine Erhöhung. Denken Sie an die Sandbank, die aus dem Wasser herausragt. Denken Sie daran, daß die Menschen in Urzeiten auf dem Boden zusammenhockten. Für den Häuptling aber gab es einen Erdhügel, später eine Bank, auf der er thronte. Um noch korrekter zu sein: Der Anführer und Häuptling saß auf einem Schemel, einem Stuhl, einem Thron. Einer Bank bedurfte es erst, als weitere Prominente und Würdenträger hinzukamen.
Die saßen dann alle durch die Bank auf gleicher Höhe. Auf der Bank, so sagten wir, saßen von Anfang an Menschen von Rang. Wo eine Bank ist, muß natürlich auch ein Tisch her. Darauf legte man anfangs Muscheln, Perlen, Schmuck, Trophäen, um sie stolz vorzuzeigen. Und da sagte eines Tages einer aus der Runde oder der Häuptling: "Wollen wir tauschen?" So entstand die Wechselstube. Von da war es nicht weit zur heutigen Bank und zum Bankier, dem Bank und Tisch gehören oder doch sehr am Herzen liegen ...
Coach
stammt aus dem Englischen und bedeutet Kutsche. Das zugehörige Zeitwort (to coach) meint das Trainieren junger Pferde im Sinne von vor die Kutsche spannen, ins Wagenfahren einführen.
Was dürfen Sie von mir als Coach erwarten? Nun, das englische Wort coaching wird von alters her für das Trainieren junger Pferde verwendet. Sie kennen das: Die Pferde werden eines Tages vor die Coach - die Kutsche - gespannt. Sie sollen lernen, einen schweren Karren zu ziehen, ohne durchzudrehen. Wundern Sie sich also nicht, daß ich Sie nicht auffordere, in der Kutsche Platz zu nehmen und sich in den Wagenpolstern bequem zurückzulehnen. Ich habe ganz im Gegenteil vor, Sie ordentlich einzuspannen, ohne Zeitverzug, und Sie fit zu machen, selbst sogar größte Lasten zu ziehen, ohne aufzugeben, ja dabei - weil's Spaß macht - fröhlich zu wiehern!
Ingenieur
Im 16. Jahrhundert wird das italienische ingegnere für Kriegsbaumeister ins Deutsche übernommen, bald aber ersetzt durch die französische Bildung ingenieur = wer sinnreiche Verrichtungen entwirft und baut. Dieses französische Wort leitet sich ab von altfranzösisch engin = sinnreiche Vorrichtung, Gerät, (Kriegs-)Maschine. Letztlich hat das Wort lateinische Wurzeln. Lateinisch ingenium = natürliche Anlage, angeborene Fähigkeit, Talent, Genie, Scharfsinn, Erfindungsgeist, kluge Erfindung. Das lateinische Verb gignere bedeutet erzeugen, hervorbringen, verursachen. Ein Ingenieur ist also ein Mensch, der mit Scharfsinn, Genie oder Erfindungsgeist etwas erzeugt, hervorbringt oder verursacht.
Lieber Herr Findig, herzlichen Glückwunsch - Sie haben wirklich einen selten schönen Beruf! Das Lob ist schon im Wort selbst enthalten, das Ihre Tätigkeit beschreibt. Denn im Begriff Ingenieur steckt bekanntlich das lateinische Wort "ingenium", das wir mit Erfindungsgeist aber auch mit Genie übersetzen dürfen!
Juwelier
Der zum Schmuckstück geschliffene Edelstein wurde im deutschen Sprachraum zuerst iuweel genannt, später meist Jubel (so z. B. bis Ende des 15. Jahrhundert in Köln, andernorts bis Mitte des 17. Jahrhunderts). Der Begriff ist ein Lehnwort aus den Niederlanden. Mittelniederländisch juweel/jouweel geht seinerseits auf das altfranzösische joel oder joiel zurück, das Kleinod, Schmuckstück, aber auch Geschenk, Spielzeug, Spiel, Scherz bedeutet. Hiervon abgeleitet ist französisch jeu = Spiel, Kurzweil, Freude, Scherz, das zurückgeht auf das lateinische Wort iocus = Scherz, Spaß (vgl. Jokus, Joker, Jux).
Juwelier und Jux haben sprachlich dieselbe Quelle. Beide entspringen dem lateinischen "iocus" - das ist kein Scherz. Ein Juwel ist ein Kleinod, ein Schmuckstück, wie das altfranzösische Wort "joel" sagt. Joel hieß zugleich Geschenk, Spielzeug. Daraus entsprang französisch "jeu"; das heißt Freude, aber auch Spiel, weil man sich halt über ein schönes Geschenk freut und mit einem hübschen Spielzeug gern spielt. Wenn ich behaupte, Juwelen seien ein Geschenk, ein schönes Spielzeug, das viel Freude bereitet, so wissen Sie jetzt endlich den Grund.
Auch zum Jubeln bieten Juwelen oft genug Anlaß - gleichermaßen denen, die sie schenken, wie denen, die sie geschenkt bekommen. Und nicht zuletzt auch denen, die sie verkaufen: den Juwelieren. Die hießen in Köln bis ins 15. Jahrhundert und andernorts bis ins 17. Jahrhundert übrigens nicht Juweliere, sondern Jubeliere!
Kanzler
kann in Deutschland ganz Unterschiedliches bezeichnen. Einmal den leitenden Verwaltungsbeamten an manchen wissenschaftlichen Hochschulen oder den Verwaltungsleiter einer Botschaft. Dann aber auch den Regierungschef im Bund. Die Bezeichnung rührt vom spätrömischen Amt des cancellarius (4. Jahrhundert) her. Ursprünglich war dies ein subalterner Beamter, ein Gerichtsdiener, der an den cancelli, den Schranken des Gerichts, Schriftstücke entgegennahm und weiterreichte. Später wurde die Kompetenz des Cancellarius stark erweitert, die Schlüssel- und Vertrauensposition im Rang enorm aufgewertet. Er war (historisch gesehen) der erste juristisch gebildete Fachbeamte. Der althochdeutsch kanzellari/kanzilari und mittelhochdeutsch kanzelaere beziehungsweise kanzler genannte hohe Beamte nahm eine Mittlerrolle zwischen Kaiser und Volk, Behörden und Publikum ein. Von den cancelli rührt auch die Kanzel in der Kirche her: Die Kanzel in Form des Lesepults stand dort, wo Gitter den Altarraum vom übrigen Kirchenraum abgrenzten.
Der Begriff "cancellarius" datiert aus dem vierten Jahrhundert - und hat sich seither gewaltig emporgearbeitet. Hatte der Kanzler anfangs als Gerichtsdiener an den "cancelli", den Schranken des Gerichts, nur amtliche Schriftstücke entgegenzunehmen und weiterzureichen, wurde er im Laufe der Jahrhunderte zu einem hohen Beamten, ja dem höchsten Staatsbeamten, der für die Ausfertigung der wichtigsten Staatsurkunden zuständig war.
In Frankreich war der "Chancelier" der Leiter der königlichen Kanzlei. In Großbritannien entwickelte sich aus dem Amt des Kanzlers der Lord High Chancellor und der Chancellor of the Exchequer, also der Premierminister und der Finanzminister, in Preußen der Groß-Kanzler, in Österreich der Staatskanzler, im Deutschen Reich der Reichskanzler. Ein Kanzler steht einerseits über den gewöhnlichen Sterblichen, muß aber auch heute noch, wie damals, als er als kleiner Beamter an den Holzschranken der Kanzlei stand, zwischen oft gegensätzlichen Interessen und verschiedenen Gruppen vermitteln.
Er ist auch heute noch ein Mensch, der darauf achten muss, dass Schranken gewahrt, Grenzen eingehalten werden. Er kann anderen Schranken setzen - muß aber auch selbst die Schranken beachten, vor allem die Schranken der Gesetze. Das ist, wie wir in jüngster Zeit erstaunt und betroffen erfahren mussten, offenbar nicht jedem Kanzler bewusst.
Manager
Der Begriff bezeichnet heute gleicherweise die Führungskraft in Industrie und Wirtschaft wie den Betreuer eines Sportvereins, Berufssportlers oder Künstlers, der in dessen Auftrag den Geschäftsverkehr wahrnimmt. Die Bezeichnung wird in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunächst nur im Bereich der Unterhaltungskunst aus dem Englischen ins Deutsche übernommen und verdrängt dort die aus dem Italienischen stammende gebräuchliche Bezeichnung Impresario. Anfang des 20. Jahrhunderts - um das Jahr 1900 - wird das Wort Manager erstmals im Sinne von Leiter eines Unternehmens, Geschäftsführer in die Sprache der deutschen Wirtschaft übernommen. Das englische Verb to manage = handhaben, leiten, zustande bringen geht zurück auf italienisch maneggiare = handhaben, gebrauchen, lenken (vgl. Manege); dieses Wort wiederum basiert auf lateinisch manus = die Hand (italienisch mano).
Im Wort "Manager" steckt das lateinische "manus", die Hand, und das spätere italienische Wort "maneggiare" gleich "handhaben, gebrauchen, lenken". Denken Sie auch an den sprachverwandten Begriff "Manege". In der Manege muß jeder Handgriff sitzen, sonst ist der Artist in der Zirkuskuppel ziemlich schnell ratlos und stürzt, wenn's hart kommt, auf den Manegenboden. Welche Fähigkeiten zeichnen also einen Manager aus? Ich denke, er braucht erstens "manuelles" Geschick.
Ich meine das nicht im herkömmlichen, handwerklichen Sinn, sondern: Er muß die Dinge stets in der Hand haben und behalten. Er muss zweitens jeden Tag bereit sein, in der Manege aufzutreten, im Scheinwerferlicht zu stehen und sich den Kunden zu stellen - auch der Öffentlichkeit, den Medien und den Kritikern. Er darf sich nicht vor Löwen und Tigern fürchten, die es zu bändigen gilt. Er muß die mutigsten Hochseilakte vollbringen und den Salto mortale wagen - entweder ganz ohne Netz und doppelten Boden oder aber mit Netz und doppelter Buchführung, je nach Temperament.
Mediziner
ist ein Mensch, der sich mit der Gesunderhaltung oder Heilung von Menschen befasst. Das lateinische Wort medicina (Medizin) bedeutete gleicherweise Heilkunst wie Arzneimittel, eine Ableitung von lateinisch medicus = heilend, heilsam. Medizinaere (mittelhochdeutsch für Mediziner) bezeichnet seit dem 18. Jahrhundert auch den Studenten der Medizin. Der angehende wie der fertig ausgebildete Arzt hat mit Medikamenten zu tun, wobei lateinisch medicamentum dreierlei bezeichnet: Arzneimittel, Giftmittel und Zaubermittel. Die indogermanische Wurzel me[d] = messen, ermessen erscheint ursprachlich in zahlreichen Wortverbindungen nach der Art Rat wissen oder klug ermessender Ratgeber, Heilkundiger. Im Griechischen bezeichnete Medos, Méde, Agaméde die Heilgottheiten!
Wenn ich darauf verweise, dass im Altgriechischen mit "Méde", also Mediziner, die Heilgottheiten bezeichnet wurden, sagt das schon einiges über den Mythos, der heute noch den Arztberuf umgibt. Die Lateiner verstanden unter einem Medicamentum zugleich ein Arzneimittel, ein Gift und ein Zaubermittel. EinMedizinmann oder Mediziner ist also ein Gott, ein Zauberer, der mit gefährlichen Stoffen umzugehen versteht, mit Giften, die in den Händen gewöhnlicher Sterblicher tödlich wirken können, in seinen Händen aber -o Wunder - heilende Kräfte entfalten. Einen Vertreter dieses außergewöhnlichen Berufsstandes begrüßen wir heute als Gastreferenten.
Professor
Der Begriff wird seit dem 16. Jahrhundert vorrangig als Berufsbezeichnung für Hochschullehrer aller Fakultäten verwendet; zuerst (seit 1400) nur für Theologie-Dozenten. Es handelt sich um eine Wortbildung zu lateinisch profiteri (Partizip Perfekt: professus) = laut/öffentlich/frei bekennen, öffentlich erklären, sich öffentlich für etwas ausgeben, etwas verheißen/hoffen lassen. Der Begriff ist sprachlich eng verwandt mit Profession = Beruf, Gewerbe, Berufung.
Sie, lieber Herr Klug, sind nicht nur einst auf Ihren Posten berufen worden - Ihr Beruf als Professor ist Ihnen auch wirklich zur Berufung geworden. Sie forschen nicht zurückgezogen nur für sich im Elfenbeinturm, nein, Sie melden sich auch öffentlich zu Wort. Bilden wir vom lateinischen "profiteri" die erste Person Singular Perfekt, so lautet sie: "professus sum". Und das heißt: "Ich bin zum öffentlichen Lehrer berufen worden". Wenn Sie sich als Professor äußern, können alle von Ihrem Wissen "profitieren". Ein Professor wie Sie ist also per definitionem ein Gewinn für die Gemeinschaft - wir sind alle seine (Ihre) Profiteure ...
Volontär
war früher eine vor allem im kaufmännischen Bereich eines Betriebs übliche Bezeichnung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Begriff besonders für Auszubildende in einer (Zeitungs-)Redaktion gebraucht. Ursprünglich aber (Anfang des 17. Jahrhunderts) war "Volontär" ein Terminus der Militärsprache und bezeichnete einen Freiwilligen, einen aus freien Stücken ohne Sold dienenden Soldaten. Das Wort wurde aus französisch "volontaire" (freiwillig, willentlich, gelegentlich) übernommen, dem wiederum das lateinische voluntarius = freiwillig, aus freiem Antrieb, von selbst geschehend zugrunde liegt, eine adjektivische Wortbildung zu lateinisch voluntas = Wollen, guter Wille, Wunsch, Neigung.
"Volontär" war ursprünglich, nämlich Anfang des 17. Jahrhunderts, ein Begriff aus der Militärsprache: ein freiwillig dienender Soldat, der keinen Sold verlangte und auch keinen Sold bekam. Nun, militärisch geht es bei uns in der Redaktion nicht zu. Als Soldat, der zu parieren hat, wird Sie hier niemand behandeln. In der Hinsicht wird sich niemand von Ihnen beklagen müssen. Zum Glück müssen Sie auch nicht ganz ohne Sold auskommen.
Da Sie freiwillig und gerne bei uns sind, wie es der Name "Volontär" sagt, müssen Sie hier auch keine Stunden ableisten; Sie sind ja mit "voluntas" zu uns gekommen, aus Neigung und mit dem Wunsch, Journalistin oder Journalist zu werden. So rechne ich auf Ihren guten Willen, sich voll und ganz einzubringen. Diesen Willen werden Sie in manchen Situationen auch brauchen; denn so schön und aufregend die Tätigkeit als Journalist/Redakteur auch sein kann - ein Zuckerschlecken ist sie gewiß nicht immer.
Zeitungsverleger
und Buchverleger werden unter dem Begriff Verleger zusammengefaßt. Das Verbum verlegen hat auf den ersten Blick nichts mit befangen, beschämt oder unsicher zu tun, sondern mit vorlegen (althochdeutsch firleggen), also Geld vorlegen, Kosten vorstrecken, die Druckkosten übernehmen. Wir könnten trotzdem auch eine Verbindung zur erstgenannten Bedeutung herstellen; denn was durch zu langes Liegen am falschen Platz (mittelhochdeutsch verligen) verderben, Schaden nehmen, an Aktualität einbüßen würde, würde jeden Verleger in Verlegenheit bringen, also ihn ratlos hinterlassen und beschämen.
Erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts kennen wir den Begriff des Verlegers. Vorher hieß er - seit dem 15. Jahrhundert - schlicht "Unternehmer". Und Verlag war im 16. Jahrhundert bloß ein anderes Wort für "Kosten, Geldauslagen". Denn letztlich tut ein Verleger nichts anderes, als Geld vorlegen, Kosten vorstrecken, Risiken übernehmen, indem er für die Druckkosten in Vorleistung tritt. Wenn er Pech hat, und sein Produkt sich nicht verkauft, wird er - je nach finanzieller Potenz - bloß verlegen dastehen oder gar in arge Geldverlegenheit geraten.
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Mai
25
Heute vor
74 Jahren
Geburtstag von Sir Ian McKellen (britischer Film- und Theaterschauspieler, „Der Sternwanderer“). [weiterlesen] »
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