Veränderungen durchsetzen: Wie Sie Bremser ausbremsen
- Kategorie/n: Schlagfertigkeit
Reden im Betrieb
• „Das haben wir vor Jahren schon mal vergeblich versucht!“
• „Das lässt sich mit geltendem Recht nicht vereinbaren!“
• „Warum sollen wir ein bewährtes System verändern?“
• „Dafür fehlen uns die personellen und finanziellen Ressourcen!“
• „Was sollen wir denn noch alles machen?“
Kommt Ihnen mindestens eines dieser Argumente bekannt vor?
Glückwunsch! Denn solche Totschlagargumente der Gegenseite sind in vielen Fällen ein sicheres Indiz dafür, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.
Natürlich könnten Sie derartige Argumente einfach ignorieren, Ihre Festlegungen treffen und zur Tagesordnung übergehen – aber wirklich empfehlenswert wäre eine solche Reaktion im Sinne einer nachhaltigen Veränderung nicht. Nehmen Sie stattdessen lieber den Kampf gegen die Bremser auf:
Versuchen Sie zuerst immer, Totschlagargumente von konstruktiver Kritik zu trennen. Nicht jeder kritische Einwand dient lediglich dem Ziel, Althergebrachtes zu konservieren.
Konstruktive Kritik erkennen Sie daran, dass ein Mitarbeiter zwar Bedenkengegen Ihren Vorschlag äußert, im Großen und Ganzen aber Zustimmung signalisiert. Die Formulierung von Totschlagargumenten ist in der Regel alternativlos.
Es wäre kontraproduktiv, ernst gemeinte Bedenken zu ignorieren. Bauen Sie solche Anregungen besser in Ihr Konzept ein. Ihre Mitarbeiter fühlen sich dann in die Veränderungen eingebunden, übernehmen bereitwilliger Verantwortung und werden Sie in der Umsetzungsphase tatkräftig unterstützen.
Doch Vorsicht, wenn Sie es mit einem rhetorisch begabten Bremser zu tun haben, dem es nicht um konstruktive Kritik, sondern um Bewahrung des Althergebrachten geht:
In diesem Fall ist es wichtig, dass Sie das Motiv Ihres Kontrahenten erkennen. Nehmen Sie sich die Bremser einzeln vor und signalisieren Sie ihnen im Gespräch, dass Sie deren Bedenken ernst nehmen werden. Hinterfragen Sie ihre Befürchtungen und finden Sie so heraus, was Ihren Mitarbeiter antreibt:
1. Ängstliche Mitarbeiter bremsen Veränderungen aus, weil sie ihre eigene Zukunft gefährdet sehen, in aller Regel durch die Veränderung vor allem den eigenen Arbeitsplatz gefährdet.
Tipp: Machen Sie diesen Kollegen klar, welche Chancen Veränderungen mit sich bringen können. Für neue Wege werden immer Kollegen gesucht, die diese mitgehen.
2. Träge Mitarbeiter haben einfach keine Lust, Veränderungen mitzutragen, und blockieren Sie deshalb, wo immer es geht.
Tipp: Solche Kollegen brauchen einen Tritt in den Hintern. Nehmen Sie diese Trägheit nicht hin und machen Sie ihnen klar, dass Stillstand letztlich dazu führt, dass Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Oft wirkt das Wunder.
3. Intrigante Mitarbeiter versuchen, Veränderungen aus ganz egoistischen Beweggründen zu verhindern. Sie wollen Stillstand aus persönlicher Bequemlichkeit, Zukunftsfeindlichkeit, aber auch aus Karrieregründen, weil sie in jedem, der mehr Elan als sie an den Tag legt, einen Konkurrenten sehen, der der eigenen Weiterentwicklung im Wege steht.
Tipp: Die Machtproben intriganter Mitarbeiter funktionieren nur, wenn diese genug Unterstützer haben. Schmieden Sie deshalb selbst Allianzen, gewinnen Sie Fürsprecher aus allen Hierarchieebenen und graben Sie so dem Intriganten das Wasser für seine Machtspielchen ab. Die folgenden fünf Regeln helfen Ihnen, Veränderungen gegen Widerstände durchzusetzen.
Regel 1: Bremser ausbremsen
Binden Sie Ihre „Bremser“ ein. Selbst wenn Sie den Kritiker als „Bremser“ entlarvt haben, sollten Sie ihn dazu ermutigen, seine „Befürchtungen“ zu konkretisieren. Zeigen Sie ihm dabei Ihre Bereitschaft, evtl. sogar von ihm selbst zu formulierende Teillösungen in die weitere Entscheidungsfindung einzuarbeiten. Wenn seiner anfänglichen Destruktivität dann wertsteigernde Beiträge entspringen, kann das Ihrem Konzept nur nützen.
Wenn es sich jedoch um Nörgeln aus Prinzip handelt, weiß dieser Bremser zumindest, dass er es sich mit leichtfertiger und inhaltsloser Kritik künftig nicht mehr so leicht machen kann.
Einem ängstlichen Mitarbeiter sollten Sie Mut machen, dass er den Anforderungen seines Arbeitsplatzes gewiss auch künftig gewachsen sein wird. In jedem Fall können Sie also punkten.
Regel 2: Gelassenheit
Bleiben Sie allen Widerständen zum Trotz gelassen. In der Regel wird es Ihnen nicht gelingen, alle Mitarbeiter für jedes Ihrer Vorhaben zu begeistern. Schrauben Sie Ihre Erwartungen also nicht zu hoch, sondern freuen Sie sich über jeden einzelnen Mitarbeiter, den Sie für Ihr Vorhaben begeistern konnten.
Zeigen Sie keinen Ärger, denn dadurch geraten Sie selbst in die Defensive. Greifen Sie Argumente an, aber möglichst nicht Personen.
Regel 3: Einwände ernst nehmen
Hören Sie Einwänden immer aufmerksam und ernsthaft zu – auch wenn sie noch so abwegig sind. Falls Ihnen nicht sofort ein gutes Gegenargument einfällt: Stellen Sie taktische Rückfragen, um Zeit zum Sammeln von Argumenten zu gewinnen.
Weisen Sie sachlich begründete, legitime Einwände nicht zurück. Im Gegenteil: Zeigen Sie, dass es Ihnen wirklich um die Sache geht, und machen Sie aus Ihrer Entgegnung ein Kompliment: „Sie haben Recht, vielen Dank für Ihren Hinweis! Natürlich ist der Preis ein wichtiger Faktor.“
Anschließend legen Sie sofort mit Argumenten nach, die den fraglichen Punkt im Verhältnis zum Nutzen und zur Qualität möglichst klein erscheinen lassen.
Regel 4: Zugeständnisse machen
Machen Sie dort Zugeständnisse, wo der Kern Ihres Anliegens nicht gefährdet ist. Sie werden Ihr größeres Ziel viel leichter erreichen, wenn Ihr Gegenüber erkennen kann, dass seine Überlegungen ernst genommen werden.
Regel 5: Vorausschauend argumentieren
Nehmen Sie notorischen Nörglern den Wind aus den Segeln, indem Sie Einwände, mit denen Sie im Voraus rechnen können, selbst ansprechen – mit passender Lösung oder Erklärung.
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