Rede-Vorbereitung: Was Sie vor Ihrem Auftritt über das Publikum wissen sollten
- Kategorie/n: Rede-Vorbereitung und Rede-Aufbau
Ein Verkäufer berichtete in seiner Produktpräsentation ausgiebig über technische Spezifikationen. Bald stellte er erstaunt fest, dass die Teilnehmer mit ihren Gedanken offenbar ganz woanders waren: Sie schauten gelangweilt, lasen in ihren eigenen Unterlagen oder unterhielten sich leise.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Teilnehmer interessierten sich nicht für technische Einzelhei- ten. Viel lieber wollten sie etwas über die Anwendung des Produkts erfahren. Entscheidend für den Erfolg jeder Rede ist die Antwort auf die Frage „Was interessiert das Publikum?“ Nur dann werden Sie den Nerv der Zuhörer treffen. Sie müssen Ihre Zielgruppe gut kennen.
Bei einer Präsentation vor einer kleinen Gruppe von Kollegen oder Vorgesetzten ist diese Voraussetzung sicherlich gegeben. Ganz anders hingegen ist es bei einem fremden oder großen inhomogenen Auditorium. Dann sollten Sie sich die Zeit für eine sorgfältige und systematische Analyse Ihrer Zielgruppe nehmen. So schaffen Sie die Basis für Ihren Rede- Erfolg.
Zusammensetzung des Publikums
Bringen Sie in Erfahrung, wer Ihre Zuhörer sein werden, z. B. Fachleute, bestimmte Berufsgruppen oder ein gemischtes Publikum. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage gibt Ihnen Anhaltspunkte für die treffende Zielgruppenansprache.
Sofern Sie nicht selbst über die Zusammensetzung Ihres Publikums entscheiden, fragen Sie den Veranstalter. Lassen Sie sich vorab eine Teilnehmerliste mit Angabe der jeweiligen Funktion und des Titels zuschicken. Notieren Sie sich, wer die wichtigsten Zuhörer sind und welche Erwartungen diese mit dem Thema verknüpfen.
Diese Publikumsanalyse ist insbesondere dann wichtig, wenn sich Ihr Vortrag auf Ihre Karriere auswirken kann.
Bei einer öffentlichen Veranstaltung, z. B. einer Publikumsmesse, bei der die Zusammensetzung der Zuhörerschaft nicht steuerbar ist, bietet das Thema der Veranstaltung Hinweise darauf, wer voraussichtlich kommen wird.
Vorwissen
Überlegen Sie, welches Vorwissen das Publikum haben könnte. Damit erhalten Sie Hinweise, welche Themen Sie z. B. wie detailliert ansprechen können, in welchem Umfang Sie Fachbegriffe verwenden können oder von welcher Art Ihre Beispiele sein sollten.
Bei einer homogenen Gruppe aus Fachleuten, Mitarbeitern oder einer bestimmten Berufsgruppe lässt sich das Vorwissen recht gut abschätzen.
Ist das Publikum Ihnen fremd, suchen Sie ggf. nach Veröffentlichungen, aus denen Sie Schlüsse auf das Wissen Ihrer Zuhörer ziehen können, oder fragen Sie Vertreter der Zielgruppe.
Vorinformation
Bringen Sie in Erfahrung, ob Ihre Zuhörer schon Vorträge zu einem ähnlichen oder demselben Thema gehört haben. Wenn nicht, haben Sie sehr große Freiheit bei der Gliederung Ihres Vortrags.
Wenn ja, können Sie zwischen zwei Vorgehensweisen wählen: Entweder tragen Sie ganz andere Informationen vor, was z. B. in einer Schulungsreihe sinnvoll ist, oder Sie beziehen sich ausdrücklich auf die Vorinformationen, um sie zu untermauern oder aber zu kritisieren und Ihren eigenen Standpunkt davon abzugrenzen, z. B. bei kontroversen Veranstaltungsreihen.
Interessenlage der Zuhörer
Machen Sie sich ein Bild davon, aus welchem Grund Ihre Zuhörer wohl teilnehmen, z. B., ob sie etwas lernen, Informationen sammeln oder Entscheidungen vorbereiten wollen.
Stimmen Sie Ihre Hauptaussagen, Argumentation und Gliederung darauf ab. Je treffsicherer Sie auf die Interessen Ihres Publikums eingehen, umso mehr Aufmerksamkeit werden Sie gewinnen.
Basisinformation Ihres Vortrags
Je nach Zusammensetzung des Publikums und dessen Vorwissen sollten Sie festlegen, welche Basisinformationen Ihr Vortrag enthalten muss, damit Ihre Zuhörer Ihren weiteren Ausführungen folgen können. Sonst besteht die Gefahr, dass Sie an Ihrem Publikum vorbeireden und sich Langeweile breitmacht.
Intellektuelles Niveau
Die Vorbildung bzw. das intellektuelle Niveau Ihrer Zuhörer ist maßgeblich für den Sprachstil, die Art Ihrer Beispiele sowie für den Umfang der notwendigen Erläuterungen.
Auch sollten Sie sich überlegen, welche Medien geeignet sind. Bei einem Publikum mit geringer Bildung z. B. ist der Einsatz von Tabellen und Grafiken auf hohem Abstraktionsniveau nicht sinnvoll. Besser wäre hierbei die schrittweise Entwicklung von Argumenten und Aussagen am Flipchart.
Hierarchie
Sind Sie Ihrem Publikum unterstellt, gleichgestellt oder vorgesetzt? Sind Sie eine Autorität für die Zuhörer, oder befinden sich im Publikum Autoritäten, die Sie selbst schätzen und beeindrucken wollen? Was wissen Ihre Zuhörer über Sie? Die Antworten auf diese Fragen haben großen Einfluss darauf, welchen Einstieg und Schluss Sie wählen oder wie Sie das Publikum ansprechen.
Fragen und Einwände
Die intensive Auseinandersetzung mit Ihrer Zielgruppe versetzt Sie schließlich in die Lage, Einwände und Fragen Ihrer Zuhörer richtig abzuschätzen. So sind Sie auf Zwischenrufe vorbereitet und können während Ihres Auftritts gelassener damit umgehen.
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