Basiswissen für junge Redner: Warum es ganz einfach ist, frei zu reden
- Kategorie/n: Rede-Vorbereitung und Rede-Aufbau
Wer sprechen kann, wird auch reden können. Die Fähigkeit dazu ist keine Kunst, keine Wissenschaft, sie ist Handwerk und erlernbar. Am besten durch: Üben.
Dieser Leitfaden soll Ihnen die allgemeinen Grundsätze der freien Rede nahebringen. Auf diesem Fundament wird dann Ihr persönlicher Vortrags- und Rede-Stil aufbauen. Das Ziel: Ihre Gedanken und Ihre Persönlichkeit sollen optimal in Erscheinung treten. Ihr Publikum soll Ihnen gerne und leicht zuhören können.
Tipp: Sprechen Sie einfach und klar. Was nicht sofort ankommt, ist verloren. Geht vieles verloren, schalten die Zuhörer ab.
Daher: kurze Sätze, wenig Nebensätze, großzügige Sprechpausen, wenig Abstraktionen, mehr Beispiele und Geschichten.
7 Rede-Erfolgsregeln
1. Besser kurz – als lang
2. Besser einfach – als kompliziert
3. Besser langsam – als schnell
4. Besser farbig – als eintönig
5. Besser geistreich – als witzig
6. Besser stehend – als sitzend
7. Besser frei – als abgelesen
Der Rede-Anfang
Die ersten Sätze sind besonders wichtig. Die ersten Sätze müssen Interesse wecken, Neugierde erzeugen. Hinzu kommt, dass das Lampenfieber am Anfang besonders stark ist; hier ist die Gefahr am größten, sich zu verhaspeln.
Planen Sie also die ersten Sätze Ihrer Rede sorgfältig, möglichst wörtlich, auch dann, wenn Sie den Beitrag sonst frei vortragen.
Es kann auch eine Hilfe sein, die ersten Sätze auswendig zu lernen. Bevor Sie mit Ihrer Rede beginnen, suchen Sie Augenkontakt und halten ihn: warten und noch einmal warten, bis eine Spannung zwischen Ihnen und Ihren Zuhörern spürbar ist. Falls Sie sehr aufgeregt sind und die Wartezeit nicht einschätzen können, dann zählen Sie leise bis drei.
Und dann beginnen Sie klar, deutlich und in voller Lautstärke. Vermeiden Sie die üblichen Anfangsworte. Besser: Sie beginnen mit einer Begebenheit, einer Nachricht, einem Zitat oder einem starken Titel.
Die Redner-Mimik
Schon bevor Ihre Stimme ertönt, signalisiert Ihre Mimik die Atmosphäre der nachfolgenden Rede.
Mithilfe der Mimik nehmen Sie auch den ersten Kontakt mit den Zuhörern auf, die ja auch Zuschauer sind. Freundlichkeit kommt immer gut an – mit einem freundlichen Gesichtsausdruck gewinnen Sie Sympathien, und die haben Sie als Rednerin oder Redner nötig.
Auch während der Rede ist die Mimik Begleiterin des Wortes. Sie ergänzt die Sprache, ist ein Spiegel der Gefühle.
Die Redner-Gestik
Die Gestik, also die Bewegung der Hände und Arme, ist ebenfalls Begleiterin des Wortes. Die Gestik ist der natürliche Drang des Sprechers, seine Gedanken nicht nur mit Worten auszudrücken, sondern auch mit seinen Bewegungen.
Die Gestik ergänzt, unterstreicht, verdeutlicht und färbt. Stil und Linienführung der Gestik spiegeln die Mentalität des Sprechers wider (z. B. können zwei Hände, die sich gegenseitig festhalten, Hemmungen und Ängste reflektieren, weite abgerundete Gesten deuten auf Lockerheit und Entspanntheit hin).
Sicher ist: Ihre Gesten bereichern den rednerischen Beitrag.
Die Redner-Optik
Optik meint hier zweierlei: Zum einen sollten Sie als Rednerin/Redner selbst auf ein ansprechendes Äußeres achten: Denken Sie an Frisur, Kleidung und Haltung.
Und zum anderen können Sie Ihre Texte visualisieren mit Sprachbildern und Anschauungsmaterial. Zur Verdeutlichung des Wortes können Sie Objekte und Abbildungen zeigen. Wichtige Namen und Zahlen behält man besser, wenn man sie hört und sieht.
Handeln Sie danach. Machen Sie Ihre Zuhörer zu Zuschauern, dann können Sie sicher sein, dass Ihre Gedanken ankommen.
Das Lampenfieber
Lampenfieber, also die Angst und Beklemmung der Rednerin/des Redners, ist ganz natürlich. Sogar erfahrene Sprecher oder Schauspieler müssen damit kämpfen. Auch der Showmaster Dieter Thomas Heck litt und leidet darunter. Er sagte einmal: „Lampenfieber ist nichts anderes als die Achtung vor dem Publikum.“ Zu viel Lampenfieber schadet der Rede, ein wenig davon dient ihr aber, denn es erzeugt Spannung und verhindert Routine und Langeweile.
Ist Ihre Nervosität zu stark, dann muss sie bekämpft werden: mit gründlicher Vorbereitung, guter Pausentechnik und mit – Üben.
Falls Sie den Faden verlieren, behalten Sie die Nerven: Wiederholen Sie das, was Sie schon gesagt haben, mit anderen Worten. So können Sie den verlorenen Faden wieder aufnehmen. Ihr Publikum hat ohnehin nichts gegen eine Wiederholung.
Pausentechnik
Keine Angst vor Pausen! Die rednerische Pause ist ein Stilmittel. Eine gut platzierte Pause sagt oft mehr als viele Worte. In der Pause können Sie atmen und denken, zwei wichtige Elemente beim Reden. Ihre Zuhörer können die gehörten Worte aufgreifen.
Also machen Sie nach jedem Satz eine kleine Pause. Machen Sie vor und nach Ihrer zentralen Aussage eine Pause. Wenn Sie zu aufgeregt sind und die Zeit für die Pause nicht abschätzen können, dann zählen Sie im Stillen: „21 – 22 – 23.“
Wenn Ihre Zuhörer unruhig werden oder wenn Sie etwas in Ihren Unterlagen nachsehen müssen, dann können Sie eine Pause auch ankündigen. Ihr Publikum wird das akzeptieren, und Sie können die gewünschte Information in Ruhe suchen.
Der Rede-Schluss
Der Schluss ist das Wichtigste an Ihrer Rede. Damit gehen die Zuhörer nach Hause, der bleibt in Erinnerung. Planen Sie Ihren Rede-Schluss genauso sorgfältig, wie Sie den Anfang geplant haben: wortwörtlich. Der Schluss der Rede ist ein Schlüssel zum Erfolg.
Schließen Sie mit einer zündenden Idee, einer Aufforderung, einer originellen Geschichte oder einem gutem Zitat. Bauen Sie ruhig eine Brücke zwischen Anfang und Ende.
Der Schluss erinnert dann an den Beginn. Ihre Rede bekommt eine attraktive Einrahmung – und Sie den verdienten Applaus!
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