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Gefeuert, gefeiert, getötet: Redenschreiber und -berater
Dass Könige ihre Reden nicht selbst schreiben, ist bekannt. Königin Elisabeth z. B. hält Thronreden,von denen kein Wort aus ihrer Feder stammt, vielmehr jede Silbe aus der Feder des Premierministers. Alle wissen es und wollen es so. Das verlangt die Tradition. Die britischen Monarchen und ihre Untertanen sind damit bisher ganz gut gefahren.
Die deutschen weniger. Der Enkel von Königin Victoria war Kaiser Wilhelm II. Wer schrieb seine Reden? Beispielsweise die berüchtigte „Hunnenrede“, die bis auf den heutigen Tag ungut nachwirkt, weil die Briten die Deutschen immer noch „Huns“ (Hunnen) nennen? (Zugleich Wortspiel: „huns“ klingt im Englischen wie das deutsche „Hans“.) Es stand jedenfalls überhaupt nicht gut um die Reden des letzten deutschen Kaisers. Im Gegenteil!
Verachtete Wilhelm II. sein Publikum? Hatte er keine Zeit, seine Reden ordentlich vorzubereiten? Warum um alles in der Welt engagierte er keinen besseren Ghostwriter?
Nun, wir ahnen es: Er hielt sich in seiner Arroganz für einen begnadeten Redner. Er war ein politischer Tor – und zu allem Überfluss auch noch ein großmäuliger.
Viele Redner haben heute ihre Ghostwriter – aber oft nicht die Zeit, sich das Ergebnis vorher durchzulesen. Das kann lustig werden, wie damals, als der Chef eines DAX-Unternehmens auf einem Presse-Empfang eine Rede begann und schon bei den ersten Worten so lachen musste, dass er kaum weiterreden konnte:
Die Journalisten nahmen es dem Redner nicht übel, sondern lachten mit. – Hier ist der betreffende Redeeinstieg:
| "Meine Damen und Herren, nach so vielen Jahren an der Spitze fragt man sich manchmal: „Treibst du eigentlich die Dinge voran – oder treiben sie dich?“ Neulich erzählte mir ein Freund – er ist Jäger –, wie der Jagdherr den Mitjägern einst seine Treiber vorstellte. Bei einem, der schon ziemlich mitgenommen aussah, sagte er: „Das ist Dieter, unser treuester Treiber. Stets an der Spitze, stets vorneweg. Natürlich nicht ohne Risiko. Zwanzigmal angeschossen, aber immer noch dabei.“ Fragte ein Jagdgast: „Ist das viele Blei im Körper nicht schädlich?“ Darauf der Jagdherr: „Keine Sorge, alles im grünen Bereich – nur schwimmen kann er jetzt nicht mehr!“ |
Der Kaiserzeit folgte die Weimarer Republik, die mit Hitlers „Machtergreifung“ unterging. Nach 1933 war Franz von Papen (1879-1969), Hitlers Vizekanzler, ein beliebter Gesellschaftsredner.
Am 17. Juni 1934 bestieg er eine Junkers, die ihn von Berlin nach Marburg fliegen sollte. Dort wollte er in der Aula der Universität einen Vortrag halten.
Kurz vor dem Abflug überreichte ihm sein Freund und Bürochef, der Jurist Dr. Edgar Julius Jung, den Redetext. Der Vizekanzler überflog das Manuskript nur kurz. So merkte er nicht, dass er Dynamit in Händen hielt: Sein Redenschreiber hatte deutliche Kritik am Naziregime hineingepackt, hatte in Kauf genommen, seinen Chef ans Messer zu liefern.
Von Papen hielt die Rede. Goebbels & Co. schäumten vor Wut. Sie ließen den Vizekanzler vier Tage unter Hausarrest stellen und zwangen ihn dann zum Rücktritt.
Am 1. Juli 1934 trat von Papen ab. Er durfte später als Botschafter nach Wien gehen, nachdem geklärt war, wer die Rede verfasst hatte.
Letztlich passierte ihm also recht wenig. Seinem illoyalen Paladin aber ging es ans Leder: Edgar Jung wurde im Zuge der – so die Nazi-Propaganda – „Niederschlagung des Röhm-Putsches“ am 30. Juni 1934 erschossen. Liquidiert wurden auch von Papens Pressereferent Herbert von Bose und zwei weitere Vertraute, die an der Rede mitgearbeitet hatten. Von Papens Sekretärin, die den Text getippt hatte, landete im KZ.
| Dass man als Ghostwriter dann doch lieber vom Tod anderer profitiert, als sich selbst um Kopf und Kragen zu schreiben, bewies Daniel Defoe. Der Autor des „Robinson Crusoe“, eines der meistgelesenen Bücher der Weltliteratur, lieh seine geübte Feder gern ganz besonderen Zeitgenossen: Er half den bekanntesten Verbrechern seiner Zeit, noch kurz vor ihrem Tod ihre Memoiren zu verfassen. Und wie kam er an sein Honorar? Nun, sofort nachdem der Henker seine Arbeit verrichtet hatte, bot Defoe die „Autobiografien“ der Delinquenten den Verlagen zur Publikation an und kam so zu seinem Geld. |
Prominente von A bis Z und ihre Redenschreiber:
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Zino Davidoff geboren (†1994), schweizer. Zigarrenhersteller sowjetischer Herkunft. [weiterlesen] »
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