Blackout in der Rede
Blackout kontern: Wie Sie blitzschnell den roten Faden wiederfinden
10 Erfolgsstrategien gegen Blackouts direkt aus der Praxis
- 1. Blackout Strategie: Bereiten Sie Ihren Auftritt perfekt vor
- 2. Blackout Strategie: Wiederholen Sie Ihre Kernaussagen
- 3. Blackout Strategie: Wiederholen Sie das zuletzt Gesagte
- 4. Blackout Strategie: Fassen Sie zusammen
- 5. Blackout Strategie: Denkpause – und dann dort weiter, wo es sich ergibt
- 6. Blackout Strategie: Fragen Sie Ihr Publikum
- 7. Blackout Strategie: Reagieren Sie mit Humor
- 8. Blackout Strategie: Setzen Sie Anschauungsmaterial ein
- 9. Blackout Strategie: Aktivieren Sie Ihr Publikum
- 10. Blackout Strategie: Kündigen Sie eine Pause an
- Extra: » Download: Blackout-Checkliste: Die 10 Blackout Strategien im Überblick
Nur nicht nervös werden– das kann jedem passieren!
„Mit vollem Magen und vom Wein erhitzt besteige ich die Kanzel. Die ersten Sätze lassen sich ganz gut an. Dann lege ich eine Kunstpause ein, um zum eigentlichen Vortrag überzugehen. Ich weiß heute nicht mehr, wie es geschah– der Inhalt meiner Rede ist aber auf einmal vollkommen aus meinem Kopf verschwunden.“
Was Giacomo Girolamo Casanova (1725-98), der berühmte italienische Abenteurer und Frauenfreund, hier beschreibt, ist wohl jedem Redner schon einmal passiert: Er verliert den Faden, hat einen „Aussetzer“, weiß nicht mehr, was er als Nächstes sagen wollte. Im modernen Leben sieht das dann so aus:
| Blackout-Beispiel (Vereinsrede): „Ihr Auftritt bitte“ – erwartungsvoll schauen zahllose aufmerksame Augenpaare auf Felix Schulze. Er ist im Vereinsvorstand für das Finanzwesen zuständig und soll jetzt auf der Hauptversammlung seinen Rechenschaftsbericht präsentieren. „Vielen Dank“, beginnt er routiniert, „liebe Vereinsfreunde, meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen heute zunächst ...“ Er zögert. Mit welcher Folie wollte er doch beginnen? „Äh, heute ...“, Felix Schulze wir zunehmend unsicher. „Also, ich würde gern ... ich habe mir gedacht, dass ich ...“ Aus. Vorbei. Blackout. Panik. Wie wollte er noch mal einsteigen? Bitte nicht schon wieder! So eine Blamage. Die Gedanken schießen ihm nur so durch den Kopf. An eine ruhige, überzeugende Präsentation ist jetzt nicht mehr zu denken. Hilflos schaut Herr Schulze in die Runde. |
Viele Redner kennen den Blackout
Das passende Wort fehlt, eine Formulierung verunglückt, oder der rote Faden reißt. Ein Blackout kann jeden treffen. Und seien Sie gewiss: Auch die erfahrensten Redner und Präsentatoren kennen ihn. So war der große Redner und Schriftsteller Mark Twain offensichtlich mit dem Blackout vertraut, denn er bemerkte:
„Das Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Augenblick der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.“
Und der berühmte Redner und Philosoph Marcus Tullius Cicero fragte bereits im antiken Rom:
„Wo ist der Redner, der im Augenblick, da er spricht, nicht gefühlt hätte, wie sich sein Haar sträubte und sein Gebein erstarrte?“
Angstfrei den roten Faden wiederfinden
Der Vorteil, den routinierte Redner haben: Sie wissen, wie sie ihr Publikum nicht bemerken lassen, dass sie kurzzeitig den Faden verloren haben. Oder ganz im Gegenteil: Sie machen eine witzige Bemerkung, sodass sie gemeinsam mit ihren Zuhörern über den „Filmriss“ lachen können.
In jedem Fall haben sie keine Angst vor dem Blackout, sondern verfügen über ein großes Repertoire an Techniken, mit denen sie schnell wieder in ihren Redetext zurückfinden– möglicherweise sogar so, dass das Publikum ihnen applaudiert, weil sie die Panne so gut bewältigt haben.
Die zehn erfolgreichsten dieser Blackout-Bewältigungsstrategien lernen Sie im weiteren Verlauf dieses Beitrags kennen.
| Praxis-Tipp: Beschäftigen Sie sich intensiv mit den hier vorgestellten Techniken und Strategien. Üben Sie mindestens zwei, besser drei Reaktionen, die zu Ihnen und Ihrer Persönlichkeit passen, im „stillen Kämmerlein“ ein. Schon die Gewissheit, dass Sie Ihre Präsentation jederzeit im Griff haben, macht Sie sicherer und stärkt Ihre Überzeugungskraft. Das mindert generell die Gefahr eines Blackouts. |
10 Erfolgsstrategien direkt aus der Praxis
Ob Sie nach einem fehlenden Wort suchen, eine ungeschickte Formulierung korrigieren wollen oder vollständig den Überblick verloren haben – mit den folgenden zehn Erfolgsstrategien gewinnen Sie blitzschnell und sicher den roten Faden Ihrer Rede zurück.
1. Blackout Strategie: Bereiten Sie Ihren Auftritt perfekt vor
Auch für persönliche Pannen wie den Blackout gilt der eherne Grundsatz aller Redner: Gute Vorbereitung ist der beste Schutz. Den Faden verlieren Präsentatoren oft nur, weil sie ein falsches Skript haben, das sie gedanklich beim Redeauftritt mehr verwirrt statt Ordnung schafft und nicht zu ihrer persönlichen Art des Redens passt.
Jeder Mensch kommt mit einem anderen Skripttyp gut zurecht. Deshalb gibt es so viele verschiedene Skriptarten: Vollskripte, topografische Skripte (etwa sog. Mind Maps), Stichwortskripte und/oder Karteikartenskripte. Auch PowerPoint-Folien können Sie so gestalten, dass darin versteckte Hinweise Ihnen gedanklich „auf die Sprünge“ helfen.
Anforderungen an Ihr Manuskript
Egal, welcher Skripttyp Sie sind – bereiten Sie jedes Manuskript gut und intensiv vor. Folgende Anforderungen sollte Ihr Skript erfüllen, um im (dann unwahrscheinlichen) Fall eines Blackouts als Rettungsanker funktionieren zu können:
- Skizzieren Sie den roten Faden Ihrer Rede und Ihre wichtigsten Argumente deutlich hervorgehoben. Dies ist besonders wichtig bei Vollskripten oder topografischen Skripten.
- Wählen Sie eine gut lesbare Schriftart. Die Schriftgröße sollte mindestens 14 Punkt betragen.
- Verwenden Sie nur solche Abkürzungen und Symbole, die Ihnen „in Fleisch und Blut“ übergangen sind.
- Verwenden Sie die korrekte Groß- und Kleinschreibung.
- Beschreiben Sie nur die Vorderseiten Ihrer Blätter, Zettel oder Karteikarten. Bei mehreren Papieren nummerieren Sie diese unbedingt durch.
- Notieren Sie sich auch die geplante Rededauer pro Punkt sowie die geplante Gesamtzeit Ihres Auftritts.
Übung macht den Meister! Wenn Sie auf dieser Basis Ihren Redeauftritt mehrfach üben und Ihr Manuskript dabei immer weiter optimieren, schaffen Sie sich für den Fall eines Blackouts einen wirklichen Rettungsanker, der Ihnen hilft, den roten Faden schnell wiederzufinden.
| Extra-Tipp: Nutzen Sie die Memory-Technik Ihr Gedächtnis arbeitet in Bildern. Nutzen Sie diese Erkenntnis, wenn Sie Redeinhalte nicht vergessen wollen. Wenn Sie – zum Beispiel als Unternehmenschef in Ihrer Jahresansprache – die lange Haltbarkeit, den immer pünktlichen Service sowie die günstigen Preise Ihrer Produkte lobend erwähnen wollen, dann stellen Sie sich vor Ihrem geistigen Auge vor: einen 100-jährigen Mann (haltbar), in der einen Hand eine Taschenuhr (pünktlich), in der anderen einen Geldschein (preiswert). |
Bei PowerPoint-Präsentationen ist die Gefahr eines Blackouts nicht gegeben – denken die meisten Präsentatoren. Schließlich hangelt man sich die ganze Zeit an einer fixierten Abfolge vorab definierter Charts entlang, lautet die allgemeine Meinung.
Weit gefehlt! Denn wer Folie auf Folie prall gefüllt mit Zahlen, Daten, Fakten und Tabellen vorführt, verliert in der stressigen Präsentationssituation schnell einmal den Überblick. Sind die Charts dann nicht optimal vorbereitet, kann das zu peinlicher Totalkonfusion führen. Folgende Tipps helfen Ihnen, Ihre PowerPoint-Präsentationen garantiert ohne peinlichen Blackout zu überstehen:
- Führen Sie auf jeder Folie die Gliederung mit: Legen Sie in Ihrer Präsentation zunächst eine Folie an, auf der Sie die Gesamtgliederung auflisten. Nutzen Sie dann auf allen folgenden Folien einen Bereich (beispielsweise eine linke Spalte), in dem Sie, in verkleinerter Schrift, die Gliederung mitführen. Heben Sie den jeweils aktuellen Gliederungspunkt durch gezielte Farbgebung hervor. So können weder Ihre Zuschauer noch Sie als Präsentator den roten Faden vollständig verlieren.
- Arbeiten Sie mit Folien-Nummern: Jedes Chart bekommt von PowerPoint eine laufende Nummer zugewiesen. Führen Sie diese laufende Nummerierung auch auf den Folien mit, beispielsweise links oder rechts unten in kleiner Schrift. So ist Ihnen die richtige Reihenfolge der Charts immer präsent.
- So springen Sie zwischen den Folien hin und her: Um bestimmte Charts sofort auf den Bildschirm zu rufen, geben Sie die Nummer der Folie auf der Tastatur ein und bestätigen mit der Return-Taste. Sofort erscheint die gewünschte Folie.
- Wenn Sie dann noch einen Kleinausdruck Ihrer Präsentation (den sog. Handzettel) neben Ihren Laptop legen, können Sie souverän zwischen den Charts hin und herspringen – und einen eventuellen Blackout so perfekt überspielen (vgl. 5. Erfolgsstrategie).
- Auch wenn Fragen zu Charts gestellt werden, die bereits weiter zurückliegen, können Sie mit diesem schnellen Wechsel souverän antworten – das erhöht Ihre Sicherheit; zudem punkten Sie so bei Ihren Zuhörern.
2. Blackout Strategie: Wiederholen Sie Ihre Kernbotschaft
Keine Rede, keine Präsentation sollten Sie ohne eine vorab definierte Kernbotschaft halten. Denn im Fall eines Blackouts – oder wenn Sie, wie oben dargestellt, nach dem richtigen Chart suchen – können Sie darauf zurückgreifen: Wiederholen Sie einfach, ohne nachzudenken, quasi mechanisch, Ihre Kernbotschaft. Für Ihr Publikum sieht dieses Manöver wie einstudiert aus.
Welches sind die wesentlichen Grundaussagen, die Sie Ihrem Publikum vermitteln möchten? Wohlgemerkt: Es geht hier nur um Ihre Kernaussagen – eine inhaltliche Begründung ist an dieser Stelle nicht erforderlich. Definieren Sie lediglich, wo die Schwerpunkte Ihres Auftritts liegen sollen. Versuchen Sie, Ihre Grundaussagen in einem einzigen Satz zu formulieren. Halten Sie sich formal an Slogans, wie Sie sie aus der Werbung kennen. Der Effekt: Sie zwingen sich selbst, Ihre wesentlichen Punkte kurz und knapp zu fassen. Üben Sie Ihre Slogans dann mehrfach ein, sodass sie fest in Ihrem Gedächtnis verankert sind.
Gut formulierte Kernaussagen helfen in Blackout-Situationen
| 3 Beispiele für Kernaussagen, die wie Werbeslogans formuliert sind: 1. Slogan von Saturn: „Geiz ist geil!“ Vergleichbare Kernaussage einer Vorstandsrede bei der Vereinsversammlung: „Unsere Bewirtungskosten 2007 müssen um 20 Prozent unter denen von 2006 liegen.“ 2. Slogan von BMW: „Aus Freude am Fahren.“ Vergleichbare Kernaussage einer Rede des Bürgermeisters im Gemeinderat: „Die hohe Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde führt zu überdurchschnittlichem ehrenamtlichen Engagement.“ 3. Slogan von Milka: „Die schönsten Pausen sind lila.“ Vergleichbare Kernaussage der Neujahrsansprache eines Kleinunternehmers an seine Mitarbeiter: „Unsere schöne Firma wird wachsen, ihr Fortbestand ist nicht gefährdet.“ |
Wichtig: Verwenden Sie nur vier bis fünf Grundaussagen pro Redeauftritt. Haben Sie mehr Botschaften zu vermitteln, konzentrieren Sie sich auf die wichtigsten fünf. Denken Sie daran: Gute Redner bewegen mit wenigen Worten die Menschen, schlechte Redner bewegen mit ihren Worten höchstens die Luft.
3. Blackout Strategie: Wiederholen Sie das zuletzt Gesagte
Auch Ihre Kernbotschaften sind im Blackout untergegangen? Dann schieben Sie eine Wirkungspause ein, indem Sie einfach das von Ihnen zuletzt Gesagte ruhig und gelassen wiederholen.
Entweder wortwörtlich – dann vermuten Ihre Zuhörer dahinter rhetorische Taktik. Oder Sie drücken das zuvor Gesagte nochmals mit anderen Worten aus. Ihr Publikum glaubt dann, Sie wollten Ihre Aussage durch die Neuformulierungen vertiefen.
Mit beiden Wegen gewinnen Sie die Zeit, die Sie benötigen, um den Anschluss wiederzufinden. Während Sie ruhig weitersprechen und Ihre Aussagen wiederholen, können Sie sich gedanklich – durch einen kurzen Blick auf Ihr Manuskript oder Ihren Stichwortzettel – auf die nächsten Schritte Ihrer Rede oder Präsentation einstellen.
Achtung! Versuchen Sie, den Blickkontakt zu Ihren Zuhörern nicht zu lange zu unterbrechen. Nur wenn der Blick in Ihre Unterlagen kurz ausfällt, demonstrieren Sie Sicherheit und Glaubwürdigkeit. Ein entsprechend gut präpariertes Manuskript (vgl. 1. Erfolgsstrategie) ist dafür die Voraussetzung.
4. Blackout Strategie: Fassen Sie zusammen
Eine Variante der Wiederholungsstrategie: Fassen Sie die wichtigsten Punkte des letzten Themenbereichs noch einmal zusammen.
Am leichtesten fällt Ihnen das, wenn Sie bereits im Rahmen Ihrer Vorbereitung eine spezielle Stichwortkarte (Karteikartenformat) verfassen. Formulieren Sie darauf zu jedem Bereich die wichtigsten Punkte in aller Kürze. Bewahren Sie diese Stichwortkarte während Ihrer Rede oder Präsentation immer an der gleichen Stelle auf, zum Beispiel immer in der rechten Sakko- oder Kostümtasche.
Damit haben Sie jederzeit die Möglichkeit, kurze (Zwischen-) Zusammenfassungen einzuflechten und Zeit für Ihre Neuorientierung zu gewinnen.
5. Blackout-Strategie: Denkpause- und dann dort weiter, wo es sich ergibt
Falls Sie trotz eines guten Skriptes hängen bleiben sollten (was selten ist) und der Blackout so umfassend ist, dass die Bewältigungsstrategien zwei bis vier ausscheiden, gilt: Machen Sie einfach da weiter, wo Sie den nächsten Ansatzpunkt sehen.
Wer sollte denn bemerken, dass Sie kurzzeitig den Faden verloren haben, wenn Sie es nicht verraten? Niemand. Für Ihre Zuhörer sieht es einfach so aus, als ob Sie eine Kunstpause machten.
Leisten Sie sich eine Denkpause
Deshalb: Machen Sie eine Denkpause. Blättern Sie nicht hektisch in Ihrem
Skript, suchen Sie nicht nach erklärenden Worten. Schweigen Sie einfach eine kurze Zeit. Ihre Zuhörer wissen nicht, was Sie als Nächstes sagen wollten. Deshalb verlieren Sie auch nicht an Wirkung, denn Ihr Publikum wird die Pause als gewollt ansehen. Machen Sie dann einfach dort weiter, wo es sich für Sie ergibt. Sprechen Sie langsam weiter, und formulieren Sie allgemein.
Wenn – im Rahmen einer Präsentation – dadurch eine Verständnisfrage aufgeworfen wird, wird sie schon jemand aus dem Publikum stellen. Spätestens diese Frage lässt Sie dann den roten Faden wiederfinden.
Bedenken Sie: Als Redner empfinden Sie vielleicht schon eine kurze Pause als negativ. Ihren Zuhörern hingegen fällt auch eine längere Pause nicht negativ auf, da sie die als rhetorisches Stilmittel verstehen.
Wenn Sie gegen Ende Ihrer Rede oder Ihrer Präsentation bemerken, dass Sie wegen des Blackouts etwas Wichtiges vergessen haben, weisen Sie nicht explizit darauf hin („Was ich vergessen habe zu erwähnen …“).
Besser: Tun Sie so, als hätten Sie diesen Punkt bewusst bis zum Schluss zurückgehalten. Machen Sie Ihren Zuhörern einfach die Vorteile dieses zusätzlichen Aspekts deutlich, zum Beispiel so:
- „Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, möchte ich jetzt noch auf folgenden Punkt zu sprechen kommen …“
- „Jetzt möchte ich Ihre Aufmerksamkeit noch auf einen weiteren wesentlichen Aspekt lenken,
nämlich …“ - „Sie sollten auch folgende Überlegung nicht vernachlässigen:…“
6. Blackout Strategie: Fragen Sie Ihr Publikum
Wenn Sie genug Selbstvertrauen haben, können Sie bei einem Blackout auch ganz nonchalant fragen: „Ende des Exkurses – wo waren wir stehen geblieben?“ Oder: „Bei welchem Punkt sind wir stehen geblieben?“
Nichts ist menschlicher und macht Sie sympathischer als das Eingeständnis von Schwächen oder Fehlern. Ein solches „Geständnis“ ist deshalb der sicherste Weg, die Situation sofort zu entschärfen, sich selbst zu entspannen und beim Publikum ein Quäntchen Heiterkeit hervorzurufen.
Wenn Sie eine Präsentation halten (und vielleicht sogar vorab Handouts ans Publikum verteilt haben), gibt es in der Regel unter den Anwesenden jemanden, der den Ablauf akribisch verfolgt und Ihnen per Zuruf eine Antwort geben kann.
Wenn nicht, ziehen Sie sich mit Humor aus der Affäre: „Keiner weiß, wo wir sind? Wie gut, dass wenigstens ich es noch weiß.“ Danach machen Sie beim nächstbesten Punkt weiter. Es wird niemandem auffallen …
7. Blackout Strategie: Reagieren Sie mit Humor
Humor ist auch bei dieser siebten Erfolgsstrategie der Dreh- und Angelpunkt. Denn eine persönliche Panne wie ein Blackout kann – wenn Sie als Redner witzig genug reagieren – durchaus auflockernd und erheiternd wirken.
Heinz Erhardt löste das Problem einmal so:
So als suchte er etwas, schaute er erst in die Höhe. Dann zur Seite. Schließlich auf den Boden. Dann lief ein Strahlen über sein Gesicht. Er bückte sich und hob langsam etwas Imaginäres auf. Danach sagte er: „Da ist er ja – der Faden, den ich gerade verloren habe.“
Das Publikum dankte ihm für seine Ehrlichkeit mit tosendem Beifall.
Derartige pantomimische Begabung brauchen Sie nicht an den Tag zu legen, um einen Blackout mit Humor zu bewältigen. Suchen Sie sich aus den folgenden Zitaten und Sprüchen einfach ein bis zwei aus, die Sie gut einüben und trainieren, sodass Sie sie im Bedarfsfall souverän und authentisch anwenden können:
- „Vor ein paar Minuten wussten nur der liebe Gott und ich, worüber ich reden wollte. Jetzt weiß es nur noch der liebe Gott."
- „Im Moment geht es mir wie dem Bühnenschriftsteller und Schauspieler Curt Goetz. Der hat nämlich einmal gesagt: ,Drei Dinge kann ich mir nicht merken. Das eine sind Namen, das andere Zahlen – und das Dritte habe ich vergessen.‘“
- „Eile mit Weile, heißt es bekanntlich. Nun habe ich mich selbst nicht an diese Volksweisheit gehalten und bin mir selbst zu weit vorausgeeilt. Lassen Sie mich kurz schauen, dass ich den Rückwärtsgang einlege.“
- „Mir kommt es so vor, als hätte ich den Faden verloren. Sagte ich – Faden? Das sieht eher nach einer ganzen Garnrolle aus.“
- „Ausgerechnet heute hat mein Souffleur Urlaub. Mal schauen, wie es weitergeht …“
| Praxis-Tipp: Halten Sie immer ein zu Ihrem Redethema passendes Beispiel, eine Anekdote oder ein treffendes Zitat in Reserve. Suchen Sie sich dazu schon im Rahmen Ihrer Vorbereitung passende Textstellen oder Beispiele. Notieren Sie diese auf einer separaten Stichwortkarte (Karteikarte), die Sie dann im Bedarfsfall sofort verfügbar haben. Auch hierfür gilt: Merken Sie sich genau, wo Sie diese Karte aufbewahren. |
8. Blackout Strategie: Setzen Sie Anschauungsmaterial ein
Nutzen Sie den Moment des Blackouts, um Ihre Argumente durch den Einsatz von Hilfsmitteln zu veranschaulichen. Wenden Sie sich beispielsweise einem Flipchart zu, um Ihre Aussagen mit einer schnellen Skizze zu untermauern. Oder zeigen Sie geeignete Schaustücke (Prospekte, Produkte o. Ä.) vor, und reichen Sie diese herum.
Während die Zuhörer Ihre Skizzen oder Schaustücke betrachten, haben Sie Zeit und Ruhe, sich gedanklich auf den weiteren Ablauf Ihrer Präsentation einzustimmen.
| Gut zu wissen: Mit Anschauungsmaterial erhöhen Sie die Behaltensquote Mit geeignetem Anschauungsmaterial überwinden Sie nicht nur Ihren Blackout, sondern erhöhen gleichzeitig die Behaltensquote Ihrer Zuhörer. Wenn diese Ihnen nämlich nur zuhören, liegt ihre Behaltensquote bei etwa 30 Prozent. Wer hingegen selbst etwas tut, entweder im Prospekt blättert oder ein Schaustück anfasst, verdoppelt seine Behaltensquote schnell auf 60 bis 70 Prozent. |
9. Blackout Strategie: Aktivieren Sie Ihr Publikum
Blättern Sie noch einmal zurück zum Blackout-Beispiel von Felix Schulze (Seite 1 dieses Beitrags). Herr Schulze steht noch am Anfang seines Redeauftritts auf der Vereinsversammlung, als ihn der Blackout ereilt. In einer solchen Situation ist diese neunte Bewältigungsstrategie am leichtesten anzuwenden: Ändern Sie blitzschnell Ihr Redekonzept, und beziehen Sie Ihr Publikum mit ein!
Möglichkeiten dazu gibt es viele: Sie können Fragen stellen, um Zurufe bitten, kurzfristig Arbeitsgruppen bilden oder eine kleine (Zwischen-) Diskussion eröffnen. Mit all diesen Methoden gewinnen Sie Zeit, um nachzudenken und den verlorenen Faden wieder aufzunehmen. Und Ihre Zuhörer erhalten – im Fall von Felix Schulze gleich zu Beginn Ihrer Präsentation – das gute Gefühl, dass Sie ernst genommen werden und ihre Meinung gefragt ist.
3 Bausteine, wie Sie Ihre Zuhörer spontan aktivieren
1. Stellen Sie Zuhörern, die Ihnen bekannt sind (alternativ den Zuhörern in der ersten Reihe, an Ihrem Tisch o. Ä.) eine Frage: „Sie sind schon lange Mitglied in unserem Verein, Frau Werner. Was sagen Ihre Erfahrungen?“
Oder: „Herr Bürgermeister, könnten Sie kurz die Position der Gemeindeverwaltung darstellen?“
2. Bitten Sie um Zurufe: „Jetzt wüsste ich gerne: Wer von den anwesenden Freunden und Bekannten hier kennt das Brautpaar am längsten? Wie viele Jahre? Ich bitte um Zurufe.“
3. Bilden Sie kurzfristig Arbeitsgruppen mit speziellen Arbeitsaufträgen, oder geben Sie das Gespräch in die Runde, und eröffnen Sie eine kurze Zwischendiskussion: „Was sagen Sie, werte Kollegen von der Opposition: Würden Sie die Bürgerbefragung vor oder nach Phase zwei durchführen?“ Oder: „Bevor ich tiefer in die Thematik einsteige, wüsste ich gerne, wo Sie in Ihrer Meinungsbildung stehen. Darf ich um kurze Rückmeldung Ihrerseits bitten?“
Generell gilt: Wenn Sie nur wenige Personen ansprechen, können Sie das Gespräch schnell wieder in die von Ihnen gewünschte Richtung lenken, sobald Sie Ihren roten Faden wiedergefunden haben.
10. Blackout Strategie: Kündigen Sie eine Pause an
Eine der wirkungsvollsten, allerdings nicht beliebig oft einsetzbaren Blackout-Bewältigungsstrategien ist die Ankündigung einer Pause. Wenn Zeit und Rahmenbedingungen es erlauben, können Sie eine kurze Frischluftoder Kaffeepause vorschlagen. Etwa so:
„Die Luft hier ist sehr trocken, und der Raum ist überheizt. Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich kurz die Fenster öffne und wir die Zeit für eine kleine Gesprächspause nutzen?“
Erfahrungsgemäß wird ein Pausenvorschlag nur sehr selten abgelehnt. Und selbst wenn: Die darüber entstehende Diskussion gibt Ihnen genügend Zeit, ihren roten Faden wiederzufinden!
Übersicht: Die 10 Blackout Strategien im Überblick
Wenn Sie den Faden verlieren und beim Sprechen plötzlich ins Stocken geraten, ist vor allem eines wichtig: Bleiben Sie ruhig. Keine Panik, denn dann fällt Ihr Text Ihnen erst recht nicht ein. Sie haben zehn Möglichkeiten, die Situation schnell wieder in den Griff zu bekommen:
» Download: Blackout-Checkliste: Die 10 Blackout Strategien im Überblick
Schriftgröße 

Seite drucken Seite empfehlen
Mai
23
Heute vor
63 Jahren
Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. [weiterlesen] »
Haben Sie Fragen, Anregungen, oder möchten uns Ihre Meinung mitteilen?
Senden Sie uns eine E-Mail. Wir antworten Ihnen so schnell wie möglich oder
rufen Sie an - ganz nach Wunsch!
Rhetorik-Newsletter
Rhetorik-Tipps und Zitate für Ihre Reden, Vorträge und Präsentationen kostenlos per E-Mail direkt auf Ihren Schreibtisch:




