Körpersprache in der Rede
Entscheidend ist die Körpersprache
Der größte Teil Ihrer Glaubwürdigkeit (55 Prozent) resultiert aus Ihrer Körpersprache! Warum? Wir beurteilen Menschen in der Hauptsache nach ihrer äußeren Erscheinung, und wenn Sie präsentieren, dann werden auch Sie nach der Art beurteilt, wie Ihr Körper Ihr Anliegen präsentiert.
Desmond Morris ist, neben Samy Molcho, der internationale Experte für Körpersprache und hat zahlreiche Bücher über menschliches Verhalten und Kommunikation publiziert.
Sein Buch "Gestik" ist das Ergebnis dreijähriger Studien in 25 verschiedenen Ländern. Es kostete ihn drei Jahre Zeit, 20 Gesten an 40 verschiedenen Plätzen zu studieren. Er reiste dafür durch 25 Länder, von Glasgow in Schottland bis nach Istanbul in der Türkei. Es verblüfft, wie stark Gesten in ihrer Bedeutung von Kultur zu Kultur variieren.
Wir alle kennen die anerkennende "O.K."-Geste: Daumen und Zeigefinger bilden dabei einen Kreis. Wenn Sie diese Geste in Deutschland oder Nordamerika zu Ihrem Kellner machen, dann weiß er, das Essen hat Ihnen geschmeckt. In Hongkong jedoch interpretiert der Kellner es als Zeichen für "Münze" und wird denken, Sie fragen nach dem Preis der Mahlzeit bzw. nach der Rechnung.
Benutzen Sie dieselbe Geste in Frankreich, könnte der Kellner entsetzt denken, Sie signalisierten ihm eine Null: Das Essen hätte Ihnen ebensowenig gefallen wie der Service.
Aber warten Sie, bis Sie nach Griechenland kommen und Ihre 0.K.-Geste dem Kellner dort zeigen. Er wäre total entsetzt, weil Sie gerade eine äußerst obszöne Andeutung gemacht haben.
In Malta würde die Geste bedeuten, daß Sie den Kellner für homosexuell halten.
In Moskau würde die 0.K.-Geste von der Kellnerin als Aufforderung zum Sex interpretiert.
Sie sollten also - je nach Publikum und Land - sorgfältig darauf achten, was Sie mit Ihren Gesten signalisieren!
Also dann: Wohin mit den Händen?
Hände sind ein Problem für viele Redner. Wenn das Publikum Sie sagen hört, Sie seien offen für neue Ideen, aber Ihre Hände sind zu Fäusten geballt oder befinden sich in Ihren Taschen, paßt das nicht zusammen.
Es gibt übrigens nur einen Grund, beide Hände in die Taschen zu stecken: Wenn Sie kalte Finger haben, weil im Raum bei klirrendem Frost die Heizung ausgefallen ist ...
Halten Sie Ihre Hände auch nicht zu lange hinter Ihrem Rücken. Wenn Ihre Hände nicht sichtbar sind, können sie nicht mitreden!
Wenn Sie nicht wissen, wohin mit den Händen, versuchen Sie folgendes: Lassen Sie die Arme erst einmal locker an beiden Seiten herunterhängen. Legen Sie dann die Fingerspitzen beider Hände leicht vor dem Bauch zusammen - die Spitzen sollen sich bloß berühren, die Hände sich nicht in irgendeiner Form miteinander verklammern.
Oder legen Sie die Hände locker ineinander. Starten Sie nun Ihre Rede, und lassen Sie danach Ihre Hände tun, was sie wollen - solange sie nicht in beide Hosentaschen schlüpfen oder obszöne Gesten (s.o.) machen wollen ...
Setzen Sie Ihre Hände und Finger zum Mitreden ein. Zeigen Sie unbedingt mit dem Zeigefinger auf einen imaginären Feind oder Wettbewerber. Zeigen Sie mit Ihren Fingern Größen oder Zahlen. Und denken Sie daran: Offene Hände helfen, Offenheit und Rechtschaffenheit zu signalisieren.
Nehmen Sie Blickkontakt auf
Lassen Sie auch Ihre Augen sprechen! Der Augenkontakt mit dem Publikum hilft Ihnen, Botschaften von Person zu Person zu übermitteln. Lernen Sie, Ihre Augen langsam wandern zu lassen. Verweilen Sie zwei oder drei Sekunden bei jedem Zuhörer. Den Menschen offen und gerade in die Augen zu schauen schafft mehr Vertrauen als tausend Worte.
Suchen Sie zunächst nach den freundlicheren und bekannteren Gesichtern. Erst später, wenn Sie die freundlichen gewonnen haben, nehmen Sie sich die Zuhörer vor, die etwas skeptischer aussehen. Und denken Sie daran: Die Menschen im Saal werden Sie so anschauen, wie Sie sie anschauen. Wenn Ihre Augen lächeln, werden sie lächeln. Wenn Sie finster dreinschauen, werden sie finster dreinschauen.
Falls Sie bei Autoritätspersonen Hemmungen mit dem Blickkontakt haben, versuchen Sie, diese Menschen in einem anderen Licht zu sehen. Zu Beginn seiner politischen Karriere stellte sich Winston Churchill vor, die Mitglieder eines gestrengen Auditoriums säßen alle in Unterhosen vor ihm. Damit machte er sich klar: Das sind hinter den Fassaden auch nur Menschen und keine Götter!
Lächeln Sie
Lächeln setzt in Ihrem Gehirn Endorphine frei, das sind chemische Stoffe (Peptide mit opiatähnlicher Wirkung), die dafür sorgen, daß Sie sich wohl fühlen.
Bewerber um einen Arbeitsplatz, die lächeln, haben größere Chancen, bei der Jobsuche angenommen zu werden. Schulkinder bekommen mehr Aufmerksamkeit von ihren Lehrern, wenn sie lächeln. Forschungen zeigen, daß Studierende bereit sind, härter zu arbeiten, wenn Lehrer sie anlächeln. Lächeln während einer Rede oder Präsentation ist sehr wichtig. Lächeln Sie schon bei der Eröffnung, um eine gute Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Publikum aufzubauen. Lächeln Sie an positiven Stellen, und schalten Sie um auf sachlichen Ausdruck bei kritischen Partien.
Ein Lächeln ist kein Allheilmittel, aber ein Allhilfsmittel.
Nehmen Sie den Kopf hoch
Ihr Körper spricht mit. Selbst Ihre Schultern senden Signalbotschaften: Sie können helfen, Vertrauenswürdigkeit zu vermitteln, oder sie können Sie angespannt und nervös wirken lassen.
Tip: Ziehen Sie Ihre Schultern zurück, heben Sie Ihren Kopf leicht nach oben, und Sie wirken nicht nur selbstsicher, sondern Sie werden auch gelassener vor ein großes Publikum treten.
Bewegen Sie sich
Wie Ihr Körper sich bewegt und nicht bewegt, ist extrem wichtig für wirksame Kommunikation.
Wenn Sie beim Reden auf der Stelle stehenbleiben, laufen Sie Gefahr zu langweilen. Fehlende Bewegung bremst Sie emotional. Zögern Sie also nicht, Ihre Position zu variieren.
Sich auf das Publikum zu und weg zu bewegen und von einer Seite der Bühne oder des Raumes zur anderen zu gehen kann dazu beitragen, Ihre Worte nachdrücklich zu unterstreichen. Es wird das Interesse der Hörerschaft an dem wachhalten, was Sie gerade sagen - vorausgesetzt, es macht die Zuhörer nicht nervös.
Entscheiden Sie vor Ort, wieviel Bewegung angemessen ist. Experimentieren Sie. Gehen Sie so, daß das Publikum Sie besser sehen kann und Sie auch klarer versteht. Wenn Sie in einem Konferenzraum reden, gehen Sie an der Stirnseite auf und ab, so daß jeder in der Lage ist, Sie in voller Größe zu sehen.
(Aber, wie gesagt, es kommt nicht in erster Linie auf das Gesehenwerden an. Der Sinn der Bewegung liegt vielmehr darin, daß Sie sich während der Darbietung hundertprozentig wach- und topfit halten.)
Die körperliche Bewegung während der Rede ist gut für Ihre Atmung und Blutzirkulation; sie baut ein erhöhtes Energie-Niveau auf und hilft Ihnen, sich lockerer und sicherer zu fühlen.
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Stehen Sie auf ...
Wann immer Sie können, sprechen Sie im Stehen - sogar am Konferenztisch und auch dann, wenn alle anderen, die vor Ihnen gesprochen haben, sitzen geblieben sind.
Trick: Sie könnten vorher etwas an der anderen Seite des Raumes deponieren und es nun als Entschuldigung nutzen, sich zu erheben, um den Tisch herumzugehen und es sich zu holen.
Wenn Sie erst einmal aufgestanden sind, setzen Sie sich einfach nicht wieder hin. Oder Sie könnten aufstehen und schriftliches Material an jeden einzelnen im Konferenzraum verteilen.
Stehen hilft Ihnen, tiefer zu atmen und Ihre Stimme besser zur Geltung zu bringen. Sie sehen auch größer aus. Es wird dem Zuhörer zwar nicht bewußt, aber er hört aufmerksamer zu, wenn er zu einem Menschen aufschauen muß. Und Sie als Redner(in) fühlen sich stärker, wenn Sie auf andere herabschauen können.
... und machen Sie sich größer
"Wenn ich vor einer Gruppe von mehr als 40 Personen spreche", sagt der kanadische Kommunikationsberater und Vortragsredner Peter Urs Bender, "verlange ich stets ein Podest von etwa 30 cm Höhe, 1,25 m Tiefe und 2,50 m Breite, so daß ich etwas größer bin, mein eigenes privates Reich habe und genug Raum, langsam vor, zurück und zur Seite zu gehen."
Wo wir gerade über Höhe reden: Wußten Sie, daß die meisten Führungskräfte überall auf der Welt ziemlich großgewachsene Leute sind? Fast alle erfolgreichen US-Präsidentschaftskandidaten waren größer als ihre Gegenspieler.
Helmut Kohl, der 16 Jahre lang als Kanzler die Bundesrepublik Deutschland regierte, ist ein Hüne.
Wie aber wirkt man groß, auch wenn man nicht so großgewachsen ist?
Darum ist es wichtig, daß Sie bei einem Auftritt vor fremdem Publikum richtig angekündigt und vorgestellt werden. Dem Veranstalter wird seinerseits daran gelegen sein, Sie als Koryphäe darzustellen: Also senden Sie ihm vorher und rechtzeitig Ihre Vita, auf daß er sieht, welcher Weltklassemann oder welche Weltklassefrau Sie sind - eben eine große Persönlichkeit!
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Passen Sie sich dem Publikum an
Das Geheimnis des guten Redners ist, daß er sich dem Publikum anpaßt - was keineswegs bedeutet, sein eigenes Profil zu verleugnen oder zu verlieren. Auditorien bestehen aus zwei Arten von Menschen.
- Da sind zum einen die, deren Kommunikationsverhalten primär auf das gesprochene Wort hin, also verbal, orientiert ist - die Hörer. Sie lieben es, selbst zu sprechen und mit anderen zu reden. Sie denken in Klang-Kategorien.
- Und da sind zum anderen die, deren Kommunikation eher auf das geschriebene Wort hin, also visuell, orientiert ist - die Leser. Sie bevorzugen Buchstaben und Bilder und sind gewöhnlich ziemlich interessiert an Details.
Entscheiden Sie, welches der vorherrschende Zuhörer-Typ in Ihrem Publikum ist, und passen Sie Ihre Kommunikationsmethode entsprechend an.
So erkennen Sie ein Hörer-Publikum (verbal dominiert)
Wenn das Publikum ziemlich laut und vergnügt ist, aus sich herausgeht, leicht ansprechbar ist und dazu neigt, viel zu lachen, haben Sie ein verbal dominiertes Publikum vor sich, ein typisches Hörer Publikum.
Tip: Zeigen Sie viel Gefühl. Dramatisieren Sie. Wandern Sie auf und ab. Ziehen Sie das Redetempo rasch an, und quälen Sie niemanden mit Einzelheiten. Setzen Sie die Hände dynamisch, oft und ausgreifend für Ihre Gestik ein.
So erkennen Sie ein Leser-Publikum (visuell dominiert)
Wenn das Publikum ruhig wirkt, überwiegend ernste Mienen Sie anschauen, wenn es passiv zu sein scheint und eher introvertiert, haben Sie eine visuell dominierte Zuhörer-Gruppe vor sich, ein Leser-Publikum. Hier empfiehlt sich mehr Theorie, weniger Dramatik.
Tip: Stehen Sie still. Wählen Sie ein langsames Redetempo. Geben Sie den Zuhörern eine Menge Informationen und präzise Fakten. Halten Sie Ihre Hände möglichst ruhig (sparsame, zurückhaltende Gestik). Das ist die Art und Weise, wie ein Leser-Publikum informiert werden will.
So atmen Sie richtig ...
Gibt es Techniken, die eigene Nervosität zu überwinden? Ja!
Eine wirkungsvolle Technik ist, so tief einzuatmen und so langsam auszuatmen, wie Sie können. Üben Sie das vorzugsweise schon einige Wochen, bevor Sie auftreten. Das Geheimnis dieser Atemtechnik beruht einzig und allein darauf, soviel Sauerstoff in der Lunge zu haben wie möglich.
Vortrag (Präsentation der Rede)
So kleiden Sie sich richtig
Kleiden Sie sich eine Spur konservativer als Ihr Publikum Was ist die richtige Kleidung?
Buck Rodgers von IBM pflegte zu sagen: "Die Art wie du gekleidet bist, ist die Art, wie du wahrgenommen wirst, und die Art, wie du wahrgenommen wirst, so wirst du behandelt. "
Sie sollten den Stil Ihres Publikums kennen und sich in derselben Manier wie die Zuhörer(innen) kleiden, ob dunkle Anzüge oder Sportjackets, formelle Damenkleidung oder Hosen. Versuchen Sie, sich anzupassen.
Fragen Sie den Veranstalter nach der angemessenen Kleidung. Seien Sie bestrebt, eine Nuance konservativer (eleganter) angezogen zu sein als Ihr Auditorium.
Vermeiden Sie modische Knalleffekte (wenn Sie als seriös gelten wollen und nicht gerade Entertainer oder Humorist sind) - grell bunte Socken und ein schrilles Outfit rufen zumindest im
Business-Bereich bloß Befremden hervor.
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Mai
23
Heute vor
6 Jahren
In Österreich gelingt der 18-jährigen Natascha Kampusch nach acht Jahren Gefangenschaft die Flucht. Ihr Entführer begeht am selben Tag Selbstmord. [weiterlesen] »
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