So spielen Sie mit der 100 in Ihrer Rede
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Die Hundert als Jubiläumszahl
Ein hundertjähriges Jubiläum ist „der Rede wert“, und zwar einer richtig „runden“ Rede, die man so nicht „schon hundertmal“gehört hat.
Ein Geburtstagsjubilar, der heutzutage 100 Jahre wird, bekommt zwar viele Glückwünsche, aber angesichts der stark gestiegenen Zahl der 100-Jährigen wurde in Deutschland die Geld-Gratifikation des Bundespräsidenten zu diesem Anlass gestrichen.
Die Zahl der vom deutschen Staatsoberhaupt übermittelten Glückwünsche sah im Jahr 2004 folgendermaßen aus (für das Jahr 2005 liegen der Redaktion keine Zahlen vor):
100. Geburtstag: 4.123 Jubilare,
105. Geburtstag: 203 Jubilare,
106. Geburtstag: 71 Jubilare,
107. Geburtstag: 34 Jubilare,
108. Geburtstag: 14 Jubilare,
109. Geburtstag: 5 Jubilare,
110. Geburtstag: 2 Jubilare,
111. Geburtstag: 2 Jubilare.
Wer in England 100 Jahre oder älter wird, bekommt eine Geburtstags-Glückwunschkarte von der Queen,ab dem 105. jedes Jahr. Der Engländer Henry Allingham – Großbritanniens ältester Mann – wurde am 6. Juni 2006 quicklebendige 110 Jahre Jahre alt. Sein Rezept: „Cigarettes, whisky and wild, wild women“
Der Tunesier Hadsch el Saddek hat von seinem Staatspräsidenten schon 19 Glückwünsche erhalten; schließlich zählt er 119 Lenze. Er hatte übrigens im Alter von 100 Jahren noch einmal in dritter Ehe heiraten wollen, ließ es dann aber bleiben. Die 80-jährige Auserwählte war ihm bei näherer Betrachtung zu grauhaarig ...
Die Hundert als Zähl- und Maßeinheit
Der Centurio war ein römischer Hauptmann, der eine Hundertschaft befehligte (centum=100). Bei den Germanen standen Verbände von je 100 Familien unter der Führung eines „Zentgrafen“.
In China steht der Ausdruck 100 Münder für eine weit verzweigte Familie.
Im Dezimalsystem ist die Hundert eine markante Größe. Früher gab es 100-Mark-Scheine, denen viele Deutsche seit der Euro-Umstellung heftig nachtrauern: Ein 50-Euro-Schein, der angeblich fast so viel wert sein soll wie einst ein 100-Mark-Schein, ist im Nu aufgebraucht! 100 Cent sind ein Euro, und ein „Zentner“ sind 100 Pfund, ist doch klar! War aber nicht immer so! Ein Zentner konnte in unterschiedlichen Gebieten Deutschlands durchaus verschieden schwer sein. So wog er zum Beispiel in Bremen einst 120 Pfund – genau bis zum Jahr 1858.
Die Hundert als außergewöhnlicher Name
Der Hundertjährige Kalender war seit 1721 in Deutschland verbreitet und wurde gern gelesen, weil er
für die Landwirtschaft wichtige Wetterprognosen in Form von Bauernregeln enthielt sowie die Planetentafeln des Abtes Mauritius Knauer (1613-1664). Der Abt hatte sechs Jahre lang täglich Wetterbeobachtungen notiert, die der Arzt Christoph Hellwig aus Erfurt 1700 drucken ließ, mit Voraussagen für die folgenden 100 Jahre nämlich die von 1701 bis 1801.
Die 100 als außergewöhnliche Zahl steht auch für außergewöhnliche Ereignisse, z. B. für ein „Jahrhundert-Hochwasser“ oder – erfreulicher – für einen „Jahrhundert-Sommer“.
Man kann auch mit der Namensfindung außergewöhnliches Glück haben, wie seinerzeit die Firma PepsiCo, wichtigster Konkurrent von Coca-Cola: Im Chinesischen bedeutet Pepsi nämlich "100 glückliche Dinge“.
Der österreichische Maler Friedrich Stowasser wählte sich den Namen Friedensreich Hundertwasser als Künstlernamen. Warum auch nicht?
Der französische Chansonnier Gilbert Bécaud (1927-2001) war noch mit ganz anderen Wassern gewaschen. Er ließ sich Monsieur „100.000 Volt“ nennen.
„Hundert Jahre Einsamkeit“ nannte der kolumbianische Nobelpreisträger von 1982, Gabriel García Márquez (*1928), einen seiner bekanntesten Romane. Er erschien zuerst 1967 und erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang der Familie Buendía und des Dorfes Macondo. „Ein Buch voll genialer Übertreibungen, von unbekümmerter Phantasie, von rücksichtsloser Bildpotenz – ein Buch der großartigen Details und der großen Komposition“, schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“.
Die Hundert in der Politik
Als Hundertjähriger Krieg wird der Konflikt zwischen England und Frankreich um die westeuropäische
Vorherrschaft bezeichnet, der übrigens ausschließlich auf französischem Boden ausgetragen wurde. Er dauerte – unterbrochen von zwei Friedensverträgen und mehreren Waffenstillständen – von 1337 bis 1453. Am Ende tat sich eine junge Frau hervor und wurde zur Nationalheldin: Jeanne d’Arc, die „Jungfrau von Orléans“, trug entscheidend zum Sieg Frankreichs bei.
Dantes „Göttliche Komödie“ (1311-21) besteht aus drei Teilen (Die Hölle, Das Fegefeuer, Das Paradies) zu 33 Gesängen; ein einleitender Gesang rundet die Summe auf 100 auf: die vollkommene Zahl.
Hundert Tage (frz. Cent jours) nennt man die letzte Herrschaftszeit Napoleons I. von der Rückkehr aus Elba (1.3.1815) bis zu seiner Niederlage bei Waterloo (18.6.1815).
Die 100-Tage-Frist hat sich als Schonzeit für Politiker eingebürgert – und dies, obwohl ein Lehrsatz für alle Neuen, auch in der Politik, ziemlich martialisch lautet: „Die größten Grausamkeiten soll man in den ersten 100 Tagen begehen."
Die Hundert im Zitat
Alfred Polgar (1873-1955), österreichischer Kabarettist und Schriftsteller:
Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon 100 Mal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.
Ein spanisches Sprichwort:
Es gibt weder eine gute noch eine schlechte Zeit, die 100 Jahre dauert.
Robert Musil (1880-1942), österreichischer Schriftsteller:
Nicht das Genie ist 100 Jahre seiner Zeit voraus, sondern der Durchschnittsmensch ist um 100 Jahre hinter ihr zurück.
Tseng-Kuang, chinesischer Weiser:
Der Mensch kann nicht 1.000 Tage ununterbrochen glücklich sein, so wie die Blume nicht 100 Tage blühen kann.
Alfred Grünewald (1884-1942), österreichischer Lyriker und Aphoristiker:
Selbst mit einer Meute von 100 Worten machst du vergeblich Jagd auf ein Wort, das dir versehentlich entschlüpfte.
Fritz Molden (*1924), österreichischer Verleger:
In Wien hat sich seit 100 Jahren nichts verändert. Nur der Kaiser kommt nicht mehr.
Christian Morgenstern (1871-1914), deutscher Lyriker:
Du siehst in etwa 100 Meter Entfernung einen Mann Holz spalten. Das auf den Hackbock geschmetterte Scheit sinkt bereits nach links und nach rechts auseinander – da erreicht dich erst der Schall. So mögen wir die Welt ein halbes Leben lang betrachten, bis wir das Wort vernehmen, das zu ihr gehört, die Seele, die von ihr redet.
Pablo Picasso (1891-1973), spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer:
Wenn es nur eine Wahrheit gäbe, könnte man nicht 100 Bilder über dasselbe Thema malen.
Friedrich Nietzsche (1844-1900), deutscher Philosoph:
Wenn man viel hineinzustecken hat, so hat ein Tag 100 Taschen.
Pierre de Coubertin (1863-1937), französischer Historiker,
Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele, 2. IOC-Präsident 1896-1925: Damit 100 ihren Körper bilden, müssen 50 Sport treiben. Und damit 50 Sport treiben, müssen sich 20 spezialisieren. Damit sich aber 20 spezialisieren, müssen fünf zu überragenden Spitzenleistungen fähig sein.
Oscar Wilde (1854-1900), irischer Schriftsteller,
auf die Frage einer englischen Literaturzeitschrift nach den 100 wichtigsten Büchern der Welt:
Ich kann leider keine 100 Bücher nennen, ich habe erst neun geschrieben.
George Bernard Shaw (1856-1950), irischer Schriftsteller:
Es gibt nur eine Religion, obwohl es Hunderte von Abwandlungen davon gibt.
Ein chinesisches Sprichwort:
Einmal sehen ist 100 Mal besser als 100 Mal hören.
Hans-Jochen Vogel (*1926), deutscher Politiker (SPD) und Jurist:
Die Partei, die 100-prozentig meinen Vorstellungen entsprach, hätte wahrscheinlich nur aus mir bestanden.
Friedrich Nietzsche (1844-1900), deutscher Philosoph:
Niemand weiß, welche Nachricht von Bedeutung ist, bevor 100 Jahre vergangen sind.
Rolf Hichert (*1947), deutscher Unternehmensberater, Geschäftsführer der MIS Schweiz AG, Zürich:
Auf die 100-prozentige Lösung können Sie ewig warten.
Ein deutscher Anekdotenerzähler:
Der preußische Generalfeldmarschall Blücher wollte einen Soldaten dekorieren.
Er fragte ihn, was er lieber haben wolle, 100 Taler oder einen Orden.er Soldat überlegte nicht lange und stellte eine Gegenfrage: „Exzellenz, würden Sie mir den Wert des Ordens nennen?” Blücher meinte, dass der Orden einen halben Taler in der Herstellung kosten würde.
Darauf sagte der Soldat: „Wenn ich mir einen Vorschlag erlauben darf, so bitte ich um 99 Taler, 5
Silbergroschen und den Orden.” Er bekam beides.
Blaise Pascal (1623-62), französischer Mathematiker und Philosoph:
Warum sind meine Kenntnisse und meine Größe beschränkt, und warum dauert mein Dasein nur annähernd 100 und nicht vielmehr 1.000 Jahre? Welchen Grund hat die Natur gehabt, mir ein solches Leben zu geben und diesen Lebenskreis eher als einen anderen in der Unendlichkeit auszuwählen?
Hanuman (*1901-2000), indischer Guru, trainierte indische Straßenkinder zu Weltklasse-Ringern, im Alter von 96 Jahren: Die Ehelosigkeit kräftigt den Mann zwar. Aber wenn ich 100 Jahre alt werde, heirate ich.
Walter Adler (*1947), deutscher Hörspiel-Regisseur:
Wenn 100 Menschen einen Film sehen, dann haben alle mehr oder weniger den gleichen Film gesehen; wenn aber 100 Menschen ein Hörspiel hören, haben sie 100 verschiedene Filme gesehen.
Edgar Bronfman (*1929), kanadischer Spirituosenfabrikant:
Aus 100 Dollar 110 zu machen, das ist richtig Arbeit. Aus 100 Millionen 110 zu machen, das lässt sich gar nicht vermeiden.
Ein chinesisches Sprichwort:
100 Männer können ein Lager machen, aber um ein Heim zu schaffen, braucht man eine Frau.
Gotthold Ephraim Lessing (1729-81), deutscher Dramatiker und Aufklärer:
Es gibt gewisse Dinge, wo ein Frauenzimmer immer schärfer sieht als 100 Augen der Mannesperson.
Ein Anekdotenerzähler über Max Liebermann (1847- 1935), deutscher Maler und Grafiker:
Zu Ferdinand Sauerbruchs Berliner Freundeskreis gehörte Max Liebermann, der ihn auch malte. Sauerbruch war aber ein schlechtes Modell, dem die Porträtsitzungen zu lange dauerten. Liebermann ermahnte ihn schließlich mit den berühmt gewordenen Worten: „Sauerbruch, wenn Sie ‘nen Fehler machen, dann deckt ihn der jriene (grüne) Rasen. Een Fehler von mir hängt noch nach 100 Jahrenan der Wand!”
Winston Spencer Churchill (1874-1965), britischer Staatsmann; 1940-45 und 1951-55 Premierminister, 1953 Nobelpreis für Literatur:
Ich möchte ewig leben. Und sei es nur, um zu sehen, dass die Menschen in 100 Jahren dieselben Fehler machen wie ich.
Albert Einstein (1879-1955), deutsch-amerikanischer Physiker (Relativitätstheorie), 1921 Nobelpreis:
Ich denke und denke monate- und jahrelang. 99 Mal ist die Schlussfolgerung falsch. Beim 100. Mal liege ich richtig.
Werner Breitschwerdt (*1927), deutscher Topmanager, 1983-87 Vorstandsvorsitzender Daimler-Benz AG:
Es gibt kein allgemein gültiges Erfolgsrezept, sonst würde es ja jeder nachmachen. Sie kennen doch die alte englische Rezeptur für den einzigartigen Rasen- wenigstens dreimal in der Woche ganz kurz schneiden, ihn täglich sprengen, und dies 100 Jahre lang. Wir bei Daimler-Benz bauen immerhin seit fast 100 Jahren Autos.
John Pierpont Morgan (1837-1913), US-amerikanischer Industrieller und Finanzmann:
Erfolgreich ist der Mensch, wenn er bei 100 Entscheidungen 51 Mal das Richtige trifft.
Percy Barnevic (*1941), schwedischer Topmanager, bis 1997 ABB-Chef:
Wenn wir mit 70 von 100 Entscheidungen richtig liegen, ist das gut genug.
Ein Anekdotenerzähler über Adolph von Menzel (1815- 1905), deutscher Maler, Zeichner und Grafiker:
Der 70-jährige Adolph von Menzel hatte eines Tages Besuch eines Verlegers, der ihn um ein Titelbild für ein Buch bat. Die kleine Exzellenz verschwand und erschien nach einer Viertelstunde mit der fertigen Zeichnung, die meisterlich ausgefallen war. Menzel und der Verleger zeigten sich überaus zufrieden. Als Honorar forderte Menzel 100 Taler. Der Verleger meinte: „Aber Exzellenz, ist das nicht etwas reichlich für ein Viertelstündchen Arbeit?” Menzel erwiderte: „Um dieses Bildchen in der Zeit liefern zu können, habe ich siebzig Jahre als Lehrzeit gebraucht!”
Saint-John Perse (1887-1975), französischer Schriftsteller:
Diplomatie ist die Kunst, mit 100 Worten zu verschweigen, was man mit einem Wort sagen könnte.
Ein unbekannter Frauenkenner:
Ein Berater ist jemand, der 100 Arten kennt, Liebe zu machen – aber kein einziges Mädchen.
Moritz Saphir (Hrsg.) in seinem „Conversations-Lexikon für Geist, Witz und Humor“, Dresden 1852:
Ein Advokat von der Königsbank verteidigte eine Rechtssache vor einem Gerichtshofe, bei welchem der eine Richter zwar ein Mann von Einsicht, die zwei anderen aber ziemlich eingeschränkte Köpfe waren, und verlor sie. Seine Herren Kollegen neckten ihn wegen seines Missgeschickes. Er entgegnete ihnen aber:
„Wie ist es anders möglich, wenn man mit 100 Richtern zu tun hat?“ – „100 Richter? Es waren ihrer ja nur drei.“ Der ,Sachwalter antwortete ihnen: „Eins und zwei Nullen, wie viel macht das?“
Ach, beinahe hätten wir es vergessen:
Es waren genau 100 Jahre verflossen, wie es in Grimms Märchen heißt, als der Tag gekommen war, wo Dornröschen wieder erwachen sollte: „Und endlich kam der Königssohn zu dem Turm und öffnete die Tür zu der kleinen Stube, in welcher Dornröschen schlief. Da lag es und war so schön, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er bückte sich und gab ihm einen Kuss.“ Und der Kuss war einfach zauberhaft; denn nicht nur Dornröschen, sondern der König, die Königin, der ganze Hofstaat samt Koch und Magd erwachten aus 100-jährigen Schlaf.
Und bald wurde Hochzeit gefeiert.
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