So spielen Sie mit der 8 Ihrer Rede
Die Acht in der Geschichte
Die Acht mag manchem wie zwei übereinander getürmte Nullen vorkommen oder wie zwei Kreise,
die sich berühren. Wie dem auch sei – sie galt im Altertum aufgrund ihrer arithmetischen Eigenschaften als vollkommene Zahl.
Die Acht in Mythos und Religion
Entsprechend gab es in den überlieferten mythologischen Geschichten 8 Himmelsrichtungen, 8 Weltsphären und in der Unterwelt 8 Stufen / Tore.
Dem Alten Testament nach überlebten 8 Menschen die Sintflut, darunter Noah.
Im Neuen Testament gilt der 8. Schöpfungstag als Symbol für die Auferstehung Christi.
Das erklärt auch die achteckigen Kirchen (Oktagone), wie z. B. den Aachener Dom.
Für den griechischen Mathematiker und Philosophen Pythagoras war die Acht als Zahl und als
Oktave im Tonsystem ein Spiegelbild für Ordnung und Harmonie des Kosmos.
Die Acht im Märchen
Der französische Schriftsteller Charles Perrault veröffentlichte 1697 das Märchen vom Ritter Blaubart,
dessen 8. Frau in das ihr verbotene Zimmer des Schlosses eindringt und dort ihre – von Blaubart umgebrachten – 7 Vorgängerinnen findet. Der Stoff inspirierte weitere Schriftsteller und Komponisten wie Bela Bartók (Oper „Herzog Blaubarts Burg“) und Jacques Offenbach (Operette „Blaubart“).
Inspiriert wurde Perrault wohl seinerseits von William Shakespeares Drama „König Heinrich VIII.“ von 1612/13. Dieser berüchtigte König von England und Irland lebte von 1491 bis 1547 und ließ
seine zweite und fünfte Gemahlin ermorden. Seine sechste Frau überlebte ihn schließlich.
Die Acht im Rechtswesen
Die Acht scheint also mit der Grausamkeit des Menschen zusammenzuhängen, die von Recht und Gesetz in Schranken gehalten werden muss.
„Acht über jemanden verhängen“ , bedeutete nach germanischem Recht, dass der Geächtete
rechtlos und vogelfrei war, also von jedermann getötet werden konnte.
Im späteren Mittelalter galt die „Acht“ – die nichts mit der Zahl 8 zu tun hat- aber viel mit Althochdeutsch „achta“ = Ächtung, Verfolgung – nur noch als Strafe bei Landfriedensbruch.
Der Geächtete konnte sich aus der Acht lösen, indem er sich dem Gericht stellte und
also auch dessen Urteil beugte. Eine Verschärfung war die Formel „Acht und Bann“. Hier kam zum Spruch des weltlichen Richters noch der geistliche mit dem Bann, der Exkommunikation, hinzu.
In dem Drama „Die zwölf Geschworenen“ von Reginald Rose aus dem Jahr 1954 (verfilmt mit
Henry Fonda in der Hauptrolle), ist es der Geschworene Nummer 8, der die Indizien und Beweise anzweifelt und letztendlich den Angeklagten vor einer Verurteilung zum Tode bewahrt.
Übrigens: Das höchste Verfassungsorgan der Bundesrepublik Deutschland, das Bundesverfassungsgericht, besteht aus zwei Senaten, die jeweils mit 8 Richtern besetzt sind.
In der „Verkehrssünderkartei“ des Kraftfahrtbundesamts (KBA) in Flensburg werden Verkehrssünder ab 8 Punkten verwarnt. Dafür verlangt das KBA eine Gebühr von 17,90 Euro.
Bleiben wir noch bei den Sündern bzw. Sünderinnen. In Frankreich drehte im Jahr 2002 François
Ozon die schwarze Komödie „8 Frauen“, in der gleich zu Beginn der Herr des Hauses erstochen aufgefunden wird. Im Verlauf des Films kommen allerhand Verfehlungen und Missetaten ans Licht. Die Spitzenriege französischer Diven, u. a. Cathérine Deneuve, Isabelle Huppert, Fanny Ardant, gibt sich in diesem Film ein Stelldichein.
Ebenfalls hochkarätig besetzt war der 1962 entstandene Film von Federico Fellini „Achteinhalb“
mit Marcello Mastroianni, Claudia Cardinale und Anouk Aimée. Hier porträtiert Fellini sich selbst: einen Regisseur, der privat und beruflich in eine Krise gerät.
Die Acht im menschlichen Leben
Das „Achtmonatskind“, wenn es vorzeitig zur Welt kommt, ist voll lebensfähig, wenn es auch noch ein wenig aufholen muss in den Wochen nach seiner Geburt.
Psychologen haben festgestellt, dass Kinder erst mit 8 Jahren ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein entwickeln. Aber auch dies kann z. B. im Straßenverkehr bei Ablenkung immer noch vergessen werden. Das Gebot „Acht zu geben“,d. h. aufmerksam und konzentriert zu sein, bleibt also auch für ältere Kinder ein wichtiges Gebot.
Die Acht in der Mathematik ...
Die liegende Acht (∞) ist in der Mathematik das Zeichen für unendlich.
… in der Arbeitswelt und im Sport
1918 wurde der 8-Stunden-(Arbeits-)Tag in Deutschland, Österreich und anderen Staaten eingeführt. Durch Vereinbarungen der Sozialpartner besteht er an Werktagen bis heute grundsätzlich weiter, kann aber unter- oder auch überschritten werden.
Im Rudersport ist der „Achter“ – das größte Sportruderboot für 8 Ruderer plus Steuermann (-frau)
mit 17,50 m Länge – die Königsklasse. Berühmt war 1960 und 1968 der olympische Goldachter(„Ratzeburger Achter“) der deutschen Mannschaft unter seinem Trainer Karl Adam.
Der Achtkampf ist der Mehrkampf im Turnen der Frauen. Er besteht aus je einer Pflicht- und einer Kürübung im Pferdsprung, am Stufenbarren, am Schwebebalken und im Bodenturnen, also aus insgesamt 8 Übungen.
In der Leichtathletik müssen die modernen Stadien laut Internationalem Leichathletik-Verband
(IAAF) seit den Olympischen Spielen 1964 in Tokio acht Laufbahnen haben. Zuvor genügten sechs. Es ist zwar keine anerkannte Sportart, aber trotzdem atemberaubend schnell – das Achterbahnfahren.
Die Berg-und-Tal-Bahn mit mehreren Schleifen in Form einer 8, oft auch mit Looping,
findet sich u. a. auf großen Jahrmärkten. Manch einem kommt das Leben selbst wie eine Achterbahn vor, bei der man darauf achten muss, nicht „achtkantig herauszufliegen“.
… in der Musik
Das abendländische Tonsystem baut auf 8 Tönen, der Oktave, auf, da der gesamte musikalisch verwertbare Tonraum von C aus in Oktaven eingeteilt wird.
Im Oktett harmonieren acht Instrumentalisten oder Sänger miteinander.
… und in der Seefahrt
In der Schifffahrt ist das Achterdeck das hintere Deck; denn „achtern“ heißt „hinten“ und kommt
– mit Verlaub – von Niederdeutsch „after“ ... Das Achterschiff ist das Heck des Schiffs.
Die Acht – humorvoll gesehen
Karl Valentin (1882-1948), gefragt, warum am
viereckigen Petersturm in München acht Uhren
angebracht sind, zwei übereinander an jeder Seite:
„Damit 2 Leute gleichzeitig feststellen können,
wie spät es ist.“
US-Football-Coach Lawrence Peter „Yogi“ Berra (*1925)
bei der Pizza-Bestellung im Restaurant auf die Frage:
„Möchten Sie die Pizza in vier oder acht Stücke
vorgeschnitten haben?“ – „In vier, lieber in vier.
Ich glaube nicht, dass ich acht Stücke essen kann!“
David Frost (*1939), US-amerikanischer Publizist:
Indem man fleißig acht Stunden pro Tag arbeitet, kann man es zum Unternehmer bringen, worauf man dann zwölf Stunden pro Tag arbeitet.
Ein unbekannter Unternehmer:
Ein Unternehmer ist jemand, der täglich 16 Stunden zu arbeiten bereit ist, um nicht acht Stunden
pro Tag für einen anderen arbeiten zu müssen.
Eine begeisterte Dame über einen Ruder-Wettkampf
(laut Sigismund von Radecki): Alle Mann im Achter waren großartig. Und doch hatte keiner einen so wunderbar schnellen Schlag wie der Mann Nr. 6.
Eine emanzipierte Unbekannte:
Kaum zu glauben, dass sich viele Frauen nach einem Mann sehnen, der sie von ihren acht Stunden Büroarbeit erlöst, damit sie vierzehn Stunden im Haushalt arbeiten können.
Ein Kindermund auf die leidige Frage „Wie alt bist du?“: „Acht. “ – „Und was möchtest du einmal werden?“ „Neun.“
Die Acht im Zitat
Ein offenbar überarbeiteter Bürger in einem Brief
an den Petitionsausschuss des Bundestages:
„Ich bitte um die Einführung eines achten Wochentages. Nur so kann ich endlich die Zeit finden,
einmal pro Woche meine Seele baumeln zu lassen.“ Das Ansinnen verschwand nicht etwa kommentarlos im Papierkorb.
Vielmehr riet ihm der für die Beschwerden und Nöte des einzelnen Bürgers zuständige Ausschuss, sich zum Entspannen einen der jetzt schon verfügbaren sieben Wochentage auszusuchen.
Konfuzius (551-479 v. Chr.), chinesischer Philosoph:
Nenne keinen weise, ehe er nicht bewiesen hat, dass er eine Sache von wenigstens acht Seiten her beurteilen kann.
Jean Paul (1763-1825), deutscher Erzähler:
Predigten sind Kehrbesen, die den Unrat von acht Tagen aus den Herzen der Zuhörer herausfegen.
Ein chinesischer Weiser:
Willst du für eine Stunde glücklich sein, so betrinke dich. Willst du für drei Tage glücklich sein, so heirate. Willst du für acht Tage glücklich sein, so schlachte ein Schwein und gib ein Festessen ...
Ein unbekannter Angestellter:
Der durchschnittliche Arbeitstag dauert acht Stunden. Nur Montage dauern immer 124 Stunden.
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Juli
30
Heute vor
112 Jahren
Todestag des deutschen Staatsmanns Otto Fürst von Bismarck. Er ist eine der politischen Hauptfiguren bei der Gründung des Deutschen Reichs 1871 als einheitlicher deutscher Nationalstaat und gilt als der eigentliche Reichsgründer. [weiterlesen] »
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