Wie Sie Ihre Zuhörer wachrütteln
Redenschreiberin Alexandra Sievers analysiert für Sie den Kommentar zur Bundestagswahl.
Stellvertretender ZDF Chefredakteur Elmar Theveßen
am 27. September 2009
Kommentar zur Bundestagswahl
„Es geschah am 27. September ...“, so begann der stellvertretende ZDF Chefredakteur Elmar Theveßen am Wahlabend 2009 seinen Kommentar zur Bundestagswahl und ließ die Zuhörer mit dem, was folgte, für einen Moment aufhorchen: „... da wurde Schwarz-Gelb abgewählt.“
„Na nu? Abgewählt?“ Die Hochrechnungen hatten doch gerade das Gegenteil belegt. Sollte sich Herr Theveßen etwa versprochen haben?
Ein Versprecher?
Gewiss nicht! Denn nach einer kurzen, geschickt platzierten Pause, fuhr Elmar Theveßen fort: „Nicht heute. Sondern das war 1998. Auf den Tag genau elf Jahre danach ist Schwarz-Gelb wieder da.“
Ein wachrüttelnder Einstieg!
Was zunächst wie ein Versprecher klang, entpuppte sich als geschickter Einstieg. Durch einen Überraschungseffekt weckte Herr Theveßen die Zuschauer, die von einem langen Tag müde und von zahlreichen Auswertungsstatistiken wohl auch schon etwas ermüdet waren, wieder auf.
Ein ganz einfacher Trick für Ihre nächste Rede
Sichern auch Sie sich mit diesem intelligenten Trick die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Verblüffen Sie. Überraschen Sie. Und sorgen Sie so dafür, dass Ihnen Ihr Publikum von Anfang an hellwach zuhört.
Auf Verwirrung folgt Information
Erzeugen Sie mit Ihrem Einstieg ein erstauntes Stirnrunzeln, dass Sie mit einem Aha-Effekt auflösen.
Überlegen Sie bei der Vorbereitung Ihrer Rede: Was war vor einem Jahr, vor fünf oder zehn Jahren in Ihrer Firma, Ihrer Abteilung, Ihrem Verein etc. los? Gibt es eine positive Entwicklung, auf die Sie anspielen können? Eine gravierende Veränderung, die im Gegensatz zu dem steht, über das Sie sprechen werden?
Auch bei privaten Anlässen lässt sich dieser Trick natürlich ebenso gut einsetzen.
Eine kurze Pause sorgt für den Effekt
Beginnen Sie mit dem Vergangenen. „Es geschah am ...“ Lassen Sie Ihre Aussage während einer kurzen Sprechpause wirken. Und fahren Sie dann fort wie Elmar Theveßen: „Nicht heute. Sondern das war ...“ Und kommen Sie schließlich zu Ihrem aktuellen Thema. „Heute jedoch ...“
Sie werden sehen, Ihre Zuhörer werden jedes einzelne Wort ganz genau verfolgen.
Was eine gute Rede auszeichnet
„Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende und beide sollten möglichst dicht beieinander liegen“, so meinte einmal der US-amerikanische Erzähler und Satiriker Mark Twain (1835-1910).
Zu einem guten Ende aus rhetorischer Sicht kam nach rund zwei Minuten auch der Kommentar von Elmar Theveßen – mit den Worten: „Schwarz-Gelb muss nun damit (die Staatsverschuldung, Anm. d. Red.) fertig werden und sich am eigenen Wahlkampfversprechen messen lassen: Keine Steuererhöhungen.“
Die Kernaussage auf den Punkt bringen
Mit diesem Schlusssatz erinnerte Elmar Theveßen noch einmal an das Wahlkampfversprechen der FDP und verstärkt so die Erwartungshaltung der Zuschauer. „Mal sehen, was jetzt dabei rauskommt ...“
Auch Ihre Rede kommt zu einem guten Schluss, wenn Sie die Kernaussage noch einmal auf den Punkt bringen.
Schlussappell
Und da Abwarten ja meist nicht ausreicht, verbinden Sie diese am besten mit einem Appell: „Packen wir es jetzt an!“, „Verlieren wir keine Zeit und legen wir noch heute los!“
Wir werden ja schließlich alle an unseren Versprechen gemessen und nur selten haben wir vier Jahre Zeit, um diese zu erfüllen.
Alexandra Sievers
Schriftgröße 

Seite drucken Seite empfehlen
Februar
08
Heute vor
75 Jahren
Manfred Krug wird geboren. Als einer der beliebtesten deutschen Schauspieler verkörpert er parallel über lange Zeiträume hinweg verschiedene Charaktere in unterschiedlichen Filmen und Fernsehserien. [weiterlesen] »
Haben Sie Fragen, Anregungen, oder möchten uns Ihre Meinung mitteilen?
Senden Sie uns eine E-Mail. Wir antworten Ihnen so schnell wie möglich oder
rufen Sie an - ganz nach Wunsch!
Rhetorik-Newsletter
Rhetorik-Tipps und Zitate für Ihre Reden, Vorträge und Präsentationen kostenlos per E-Mail direkt auf Ihren Schreibtisch:




