Im neuen Jahr wird alles anders? – Gute Vorsätze für Ihre Neujahrsansprache
Passagen aus der Neujahrsansprache 2008 der Bundeskanzlerin Angela Merkel im Zusammenschnitt mit Ausschnitten aus der Weihnachtsansprache 2008 des Bundespräsidenten Horst Köhler
„Alle Jahre wieder“ folgen nach der Weihnachtszeit die Neujahrsansprachen – und das auch im Fernsehen. Seit 1970 ist jedes Jahr die Neujahrsbotschaft des Bundeskanzlers bzw. seit 2005 der Bundeskanzlerin zu sehen. Zuvor hält der Bundespräsident traditionsgemäß die Weihnachtsansprache. Von 1949 bis 1969 war die Reihenfolge umgekehrt. Die erste Neujahrsansprache wurde 1952 ausgestrahlt.
Der Videozusammenschnitt zeigt Passagen aus der Neujahrsansprache 2009 von Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie der Weihnachtsansprache 2008 des Bundespräsidenten Horst Köhler.
Schnell wird durch diesen Zusammenschnitt deutlich, wie gut es ist, wenn bei einer Neujahrsansprache oder auch bei jeder anderen Rede niemand seinen Kommentar dazwischen abgibt. Denn der Sinn der Aussagen verändert sich schnell, wenn der Kommentar die Gedanken der Zuhörer in eine andere als die beabsichtigte Richtung lenkt.
Aus zwei Reden, die motivieren sollen, ist durch diese Präsentationsform des Zusammenschnitts etwas entstanden, das allenfalls zu einem bittersüßen Lächeln anregt.
Nicht gerade gelächelt hat 1986 der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl, als anstatt der aktuellen Aufzeichnung, seine Rede vom Vorjahr erneut gesendet wurde. Aber zumindest zählt seine Neujahrsrede 1985 dadurch zu den wohl berühmtesten TV-Neujahrsansprachen.
Ganz so offensichtlich wie in diesem Fall sind die Wiederholungen in Neujahrsansprachen im Allgemeinen nicht. Doch oft wird – zwar nicht wortgetreu, aber sinngemäß – doch immer wieder dasselbe gesagt.
Der Grundaufbau und die Zielsetzung einer Neujahrsansprache sind in der Regel auch berechtigterweise identisch, das heißt: das Publikum soll auf der Basis des vergangenen Jahres für das neue Jahr mit all seinen Herausforderungen optimistisch gestimmt werden. Nach dem Motto: „Wir schaffen das schon!“ Oder wie Horst Köhler im Video meint: „Fürchtet euch nicht!“
Der Tenor der Neujahrsansprachen ist meist: „Im neuen Jahr wird alles besser!“ – Damit dies in jedem Fall für Ihre Neujahrsansprache 2010 gilt, hier ein paar Tipps:
„Die Zukunft bauen, heißt die Gegenwart bauen.
Es heißt, ein Verlangen erzeugen, das dem Heute gilt.“
Antoine de Saint-Exupéry
Wirtschaftskrise: Hier ist Schweigen nicht Gold!
In vielen Positionen, ob als Bürgermeister, Unternehmenschef oder Vereinsvorsitzender etc., werden Sie als Redner nicht umhinkommen, in Ihrer Neujahrsansprache auch die Wirtschaftskrise zu thematisieren. Verniedlichen hat hier keinen Zweck, aber auch Panikmache ist nicht angesagt.
Geben Sie stattdessen mit konkreten Ankündigungen Grund zum Optimismus.
Führen Sie Punkte an, die glaubhaft und machbar sind.
Zeigen Sie positive Entwicklungen auf, die 2009 eingeleitet wurden und die nun ausgebaut werden.
Wenn etwas nicht so gut lief: Erläutern Sie genau, wie es 2010 besser gemacht werden wird.
Auch wenn alle darüber reden: Neben der Weltwirtschaftskrise gibt es noch andere Themen
Die Wirtschaftskrise anzusprechen, ist immer dann zwingend nötig, wenn die Auswirkungen Sie und Ihre Zuhörer - Ihr Unternehmen, Ihren Verein, Ihre Gemeinde etc. – direkt betreffen.
Aber verhaften Sie nicht im globalen Denken, sondern bleiben Sie mit Ihren Worten und Gedanken schwerpunktmäßig in Ihren eigenen Reihen.
Wir-Gefühl: Bleiben Sie glaubhaft
Dosieren Sie das Wir-Gefühl überzeugend. Nirgendwo machen alle alles zusammen. Jeder hat Aufgaben, bei denen er sich alleine durchbeißen muss. Erwecken Sie mit dem Wort „Wir“ nicht den Eindruck, als würden Sie 2010 jedem Einzelnen zur Hand gehen. Das nimmt Ihnen niemand ab.
Entscheidend ist das „Wir“ dort, wo es um übergreifende Zusammenhänge und das Ganze geht. Dort ist es wesentlich, dass Sie Ihren Zuhörern die Zuversicht geben: „Wir werden das gemeinsam anpacken!“, „Wir werden das gemeinsam stemmen!“, „Wir werden gemeinsam unsere Ziele erreichen und unsere Erfolge feiern.“
2010: Was wird das für ein Jahr?
Redenbausteine für Ihre Neujahrsansprache 2010
Elvis-Presley-Jahr:
„Am 8. Januar 2010 hätte Elvis Presley, der ‚King of Rock ‚n’ Roll’ und Meister des Hüftschwungs seinen 75. Geburtstag gefeiert. Ein guter Grund, uns beweglich und flexibel zu zeigen, bei allem, was auf uns zukommt.“
Frédéric-Chopin-Jahr:
„2010 jährt sich der Geburtstag des Komponisten Frédéric Chopin zum 200. Mal. Nehmen wir das als Ansporn, immer den richtigen Ton zu treffen: bei allem, was wir tun und insbesondere dabei, wie wir miteinander umgehen.“
Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika:
„Vom 11. Juni bis 11. Juli 2010 findet in Südafrika die 19. Fußballweltmeisterschaft der Herren statt. Auch wir werden 2010 – und das nicht nur von Juni bis Juli – um unseren Titel als ... [zukunftsorientiertes Unternehmen, bürgernahe Gemeinde, gemeinnütziger/generationenübergreifender Verein etc.] kämpfen und unsere Tore schießen. Wie werden uns von niemandem foulen und durch nichts ins Abseits stellen lassen.“
Alles anders: Von Anfang an
Beginnen Sie Ihre Rede nicht, wie es jedes Jahr wieder von vielen Redner zu hören ist. Sagen Sie nicht etwa: „Ein neues Jahr hat begonnen – und wir alle sind gespannt, was es uns bringen wird ...“
Sondern zeigen Sie schon mit Ihrem Rede-Einstieg, dass 2010 so manches anders ist. Zum Beispiel:
„Meine Damen und Herren, es mag Sie verblüffen, aber für 2010 kann ich Ihnen ganz genau sagen, was uns das Jahr bringen wird. Ich stütze mich dabei auf den deutsch-polnischen Schriftsteller Gabriel Laub (1928-98), der einmal festgestellt hat: „Jahre sind eine ziemlich solide Ware. Sie werden pünktlich geliefert, und jedes hält, was es verspricht: Genau ein Jahr, keine Sekunde mehr, aber auch keine Sekunde weniger.“ – Meine Damen und Herren, das Jahr 2010 bringt uns also exakt 31.536.000 Sekunden, die uns für unser gemeinsames Ziel zur Verfügung stehen ...“ [Gehen Sie im Anschluss kurz auf das vergangene Jahr ein und zeigen Sie dann konkret auf, wie 2010 das gemeinsame Ziel verwirklicht werden wird.]
Weisen Sie in Ihrer Neujahrsansprache auch darauf hin, dass nicht alles verändert werden muss; zum Beispiel:
„Wir wären nicht so weit gekommen, wenn wir nicht enorm viel richtig gemacht hätten. [Sprechen Sie nun die positiven Punkte an. Dann:] Und genau so werden wir auch weitermachen.“
Und noch ein letzter Tipp:
Auch wenn der Jahreswechsel die Zeit der guten Wünsche ist: Belassen Sie es bei Ihrer Neujahrsansprache nicht beim „wünschen“, „wollen“ und „möchten“. Sagen Sie also nicht: „Wir möchten unsere Erfolge weiter ausbauen ...“ oder „Wir wollen mehr Menschen für unsere Sache gewinnen ...“. Sondern kundigen Sie an, was Sie „werden“.
So zeigen Sie gleich von Anfang an, dass Sie das neue Jahr mit Schwung angehen, und reißen Ihre Zuhörer durch Ihre Zuversicht und Ihren Elan mit.
In diesem Sinn: Einen guten Start ins neue Jahr!
Alexandra Sievers
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