Wie Sie sich „Oscar“-würdig bedanken und mit Ihrer Rede in bester Erinnerung bleiben
„Ich nehme diesen Preis nicht an!“ Marcel Reich-Ranicki hat mit seiner Rede anlässlich der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2008 für Aufsehen gesorgt. Denn anstatt des erwarteten Danks folgten harte Worte. Tagelang war der Redeauftritt des Literaturkritikers, der heuer 90 Jahre alt wird, in den Medien und in aller Munde. Und selbst diejenigen, die den Auftritt nicht live gesehen haben, erinnern sich heute, rund eineinhalb Jahre später, noch gut daran.
Ein noch größerer Publikumsmagnet als der Deutsche Fernsehpreis ist die jährliche Oscar-Verleihung, die dieses Jahr ausnahmsweise in den März gelegt wurde. Zwei Mediengroßereignisse gleichzeitig setzen die willigen Zuschauer doch zu sehr unter Entscheidungsdruck. Und so hat die Winterolympiade in Vancouver den Oscar aus dem Februar in den März verdrängt.
„Und der Gewinner ist ...“
Die erfolgreichen Sportler der Winterolympiade haben es wieder einmal bestätigt: „Ohne Fleiß kein Preis“. Und für die Oscar-Gewinner ließe sich hinzufügen: „Und ist der Preis dann übergeben, so folgen stets die Dankesreden.“
Genau damit hat so mancher Oscar-Gewinner von sich Reden gemacht: mit seiner Dankesrede. Allerdings nur selten aufgrund der Brillanz des Redeauftritts.
Aber sollen andere doch ruhig Fehler machen, wenn wir daraus lernen können, oder?
Anlässe für Dankesreden gibt es viele. Und vielleicht sind Sie ja bald gefordert. Sei es als Jubilar, Geburtstagskind, Brautpaar, anlässlich einer Beförderung, Auszeichnung etc. Deshalb hier einige Tipps, wie Sie einen wirklich „Oscar“-würdigen Auftritt hinlegen.
„Ich nehme diesen Preis nicht an.“
Marcel Reich-Ranickis Redeeinstieg ist ein perfektes Beispiel für einen Überraschungseffekt, der die Zuhörer wachrüttelt und Aufmerksamkeit sichert. In der ersten Minute dachten wohl die meisten, der Literaturkritiker würde nach dieser verblüffenden Äußerung doch noch zu Dankesworten finden und waren gespannt, wie er „die Kurve bekommen“ würde. Die erneute Überraschung war, dass Marcel Reich-Ranicki dabei blieb, den Preis zu verweigern.
Das sollten Sie natürlich nicht tun! Aber daran, wie Sie mit einem gelungenen Redeeinstieg sicherstellen, dass Ihre Zuhörer an Ihren Lippen hängen, sollten Sie sich orientieren. Möglichkeiten dafür gibt es ganz unterschiedliche:
- Sorgen auch Sie zu Beginn Ihrer Dankesrede für einen positiven Überraschungseffekt.
- Leihen Sie sich Worte aus. Beginnen Sie mit einem Zitat, mit dem Sie das, was Sie sagen wollen, geschickt auf den Punkt bringen.
- Geben Sie gleich am Anfang Ihrer Rede die Anerkennung zurück und machen Sie Ihrem Publikum ein unerwartetes Kompliment.
- Heben Sie Gemeinsamkeiten zwischen sich und Ihrem Publikum hervor.
- Und wenn es die Ernsthaftigkeit der Situation erlaubt: Starten Sie mit einer Prise Humor.
„Ich liebe euch alle!“ – Oscar-Preisträger Cuba Gooding Jr., 1997
Sie müssen ja nicht so tief in den Topf der Rührseligkeit greifen, wie Cuba Gooding Jr., als er seinen Oscar in Empfang nahm. Aber zeigen Sie ruhig Gefühl! Machen Sie deutlich, dass Sie der Anlass bewegt. Lassen Sie Ihr Publikum erkennen, dass Sie stolz sind und der Moment eine große Bedeutung für Sie besitzt. Aber übertreiben Sie nicht!
Ganz wichtig: Nennen Sie die wichtigsten Personen, bei denen Sie sich bedanken, namentlich. Und vergessen Sie niemanden! So wie die Oscar-Preisträgerin Cher, die 1987 zwar ihrem Stylisten ihren Dank ausdrückte, aber keine Silbe über den Regisseur und ihre Kollegen verlauten ließ.
„Ich verdiene das hier!“ – Oscar-Preisträgerin Shirley Mac Laine, 1983
Zeigen Sie sich stolz und selbstbewusst, aber nicht überheblich. So wie Oscar-Preisträger James Cameron („Titanic“), der am Ende seiner recht trägen Rede die Arme hochriss und meinte: „Ich bin der König der Welt.“ Selbst in einem Augenblick des Höhenflugs sollten Sie mit Ihrer Selbsteinschätzung immer Bodenhaftung beweisen. Doch auch zu viel Bescheidenheit ist nicht angebracht.
„Danke“ – Oscar-Preisträger Alfred Hitchcock, 1968
In der Kürze liegt die Würze. Aber etwas mehr als Alfred Hitchcock, der 1968 nicht mehr als „Danke“ sagte, darf es schon ein.
Überprüfen Sie bei Ihrer Redevorbereitung, ob Ihre Rede auch die folgenden zentralen Punkte enthält:
- Wofür bedanke ich mich?
- Bei wem bedanke ich mich?
- Was bedeutet der Moment bzw. die Anerkennung für mich?
- Wie werde ich mich in Zukunft dieser Anerkennung bzw. der veränderten Situation würdig erweisen?
Halten Sie keine Marathon-Rede! Bei einer Oscar-Verleihung setzt das Orchester ein, wenn der Preisträger sein Zeitlimit zu sehr überschreitet.
Lassen Sie es nicht so weit kommen, dass es Ihnen ähnlich ergeht und Ihr Publikum im Chor schnarcht.
Fesseln Sie Ihre Zuhörer vom ersten bis zum letzten Satz. Zeigen Sie sich mit einem ebenso kurzen wie packenden Redeauftritt von Ihrer besten Seite und der Anerkennung erneut würdig. Mit diesen Tipps ist das ganz einfach.
Ein Tipp zum Schluss, der immer funktioniert:
- Geben Sie nicht den Preis, sondern die Anerkennung in irgendeiner Form mit Ihren Worten an Ihr Publikum zurück. Denn selbst der unmotivierteste Zuhörer lässt sich gerne Bauchpinseln.
In diesem Sinn: Sie haben ihn sich verdient! Den tosenden Applaus am Ende Ihrer Rede.
Alexandra Sievers
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