Etymologie
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Leistung
heute = eine Arbeit zustande bringen, ausführen, eine Verpflichtung erfüllen, gewähren, bieten früher (althochdeutsch/mittelhochdeutsch, ab 9. Jahrhundert) = ein Gebot befolgen, ausführen, einer Pflicht nachkommen. Gemeinsame Wurzeln haben: altsächsisch lestian = befolgen, ausführen, erfüllen, tun; mittelniederländisch lesten und altenglisch laestan = Gefolgschaft leisten; gotisch laistjan = nachstreben, (be)folgen. Alle diese Ableitungen gehören als so genannte jan-Verben zu Substantiven mit der ursprünglichen Bedeutung „Spur, Fußspur“, Ursprungsbedeutung aller eben angeführten germanischen Verbalbildungen ist also „einer Spur nachgehen, nachfolgen“. Verwandt sind leisten bzw. Leistung auch mit so entfernt scheinenden Wörtern wie „lehren, lernen, List“ und „Gleis“.
Wer etwas leistet, der hinterlässt Spuren. Spur, Fußspur, das war die ursprüngliche Bedeutung des germanischen Wortes, aus dem sich die deutsche Bezeichnung „Leistung“ entwickelt hat. Germanisch „laistjan“ bedeutete anfangs so viel wie „einer Spur nachgehen, eine Spur verfolgen“ und jemandem Gefolgschaft leisten. Sie, sehr geehrter Herr XY, haben mit Ihrer Leistung Ihrerseits Zeichen gesetzt und Spuren hinterlassen. So markante Spuren, dass es nicht einfach sein wird, Ihnen nachzufolgen, Ihr Nachfolger zu sein – das heißt in Ihre Fußstapfen zu treten und diese auch ausfüllen zu können.
Polemik (polemisieren)
Anfang des 18. Jh. übernommen von frz. „polémique“, Substantiv zu gleichlautendem Adjektiv = streitbar, aggressiv (in Schriftstücken); geht auf griech. polemikos = kriegerisch, feindlich gesinnt zurück, das wiederum von griech. polemos = Krieg, Kampf, Schlacht, Kriegsgetümmel herrührt.
Ihr Einwand ist polemisch, wie Sie selbst zugegeben haben. Ich gehe aber davon aus, dass Sie mir nicht den Krieg erklären wollten. Eine Antwort will ich Ihnen natürlich nicht schuldig bleiben ...
Oder:Wer polemisiert, sollte wissen, dass er – griechisch „polemos“ heißt „Krieg“ – dem Gegenüber gleichsam den Krieg erklärt!
Präsentation (präsentieren)
Mittelhochdeutsch: presentieren = (ein Geschenk) zur Annahme (ehrerbietig) darreichen; frühneuhochdeutsch auch = Speisen oder Getränke anbieten, sehen lassen, vorzeigen. Herkunft von altfrz. présenter = darbieten, zur Verfügung stellen, jemandem vorstellen; beruht seinerseits auf spätlateinisch praesentare = gegenwärtig machen, zeigen; vgl. lat. praesentia = Macht, (unmittelbare) Einwirkung; sprachliche Nähe zu „Präsent“ = Geschenk; „Präsens“ = Gegenwart; Präsenz = Gegenwärtigkeit
Der Schlüssel zum Erfolg bei Präsentationen steckt im Wort selbst: den Zuhörern und Zuschauern soll ein Produkt (Ergebnis/Vorschlag) wie ein Präsent, wie ein Geschenk dargeboten werden.
Problem
heute = schwer zu beantwortende Frage, schwierige ungelöste Aufgabe/Fragestellung, Schwierigkeit früher = das (von wem auch immer) vor einen Hingeworfene Übernommen von lateinisch problema, griechisch próblema = das Vorspringende, Vorsprung, Vorgebirge, Klippe; das Vorgehaltene, Schutzmittel, Verteidigungsmittel.
Im 16. Jahrhundert war ein problema:
a) Schutzwall, Bollwerk, Verschanzung
b) Schutzwaffe (Harnisch, Schild, auch Speer)
c) Vorwand (hinter dem sich jemand versteckt!)
d) Hindernis, Schwierigkeit, gestellte (wissenschaftliche) Aufgabe, vorgelegte Streitfrage
Das griechische Tätigkeitswort probállein = vor-, hinwerfen, (eine Aufgabe) vorlegen, zur Besprechung vortragen, ist abgeleitet von griech. bállein = werfen.
Da liegt ein ordentliches Problem vor uns: Dieser Ausdruck ist ganz wörtlich zu nehmen. Denn problema, der griechische Vorläufer unseres Worts, bedeutete so viel wie Hindernis, eine Schwierigkeit, die einem das Schicksal vor die Füße wirft. Unsere Aufgabe ist es, dieses Hindernis zu überwinden.
Oder: Es geht darum, sich nicht hinter einem Problem zu verstecken, buchstäblich zu verschanzen, wie man es hinter einem Schutzwall oder einer Verschanzung tut – und genau das bedeutete das griechische problema. Im Gegenteil sollte man das Problem als ein Bollwerk sehen, das es aktiv anzugehen, nämlich einzunehmen gilt. Ein Problem ist eine Herausforderung – zum Kampf!
Rede
Wurzelt in gotisch Rapjo = Abrechnung, Zahl, Rechenschaft; althochdeutsch reda (8. Jh.), redi (9. Jh.), mittelhochdeutsch rede = Rechenschaft, Vernunft, Verstand, Sprache, Gespräch, Erzählung; niederländisch Rede = Verstand, Bewusstsein, Rechenschaft, Argument, Rede; Alle gehen zurück auf das vielseitige lat. ratio = Rechnung, Rechenschaft, Aufschluss; Verzeichnis, Liste, Protokoll; Verhältnis, Beziehung, Rücksicht; Plan, Verfahren, Methode; Beschaffenheit, Art und Weise; Denken, bewusste Überlegung, Vernunft, Einsicht; Beweisführung, Argumentation; vgl. lat. reri = bei sich bestimmen, glauben, meinen. Verwandt mit litauisch ríeti = (Holz) schichten.
Die Werte und Maßstäbe, denen eine Rede gehorchen muss, um eine gute Rede zu sein, trägt sie gewissermaßen schon in sich. Denn das deutsche Wort „Rede“ ist mit dem lateinischen „ratio“ verwandt, was bedeutet: Bewusste Überlegungen sollten zugrunde liegen. Durch Verstand und Einsicht soll eine Rede sich auszeichnen. Aufschluss soll sie geben, gegebenenfalls Rechenschaft ablegen, und eine Tendenz und Richtung soll sie aufweisen, also eine klare Beweisführung enthalten.
Oder: Auch wenn das unserem „reden“ verwandte litauische Wort ríeti „Holz schichten“ bedeutet: Wir sollten aufhören, Süßholz zu raspeln. Es ist an der Zeit, die Probleme endlich offen anzusprechen!
Risiko
heute = Wagnis, Gefahr; gewagter Einsatz bei einer geschäftlichen Unternehmung In der zuletzt genannten Bedeutung im 16. Jahrhundert in die oberdeutsche Kaufmannssprache übernommen. Herleitung des Wortes ist umstritten: entweder über das (ältere) italienische risico, risco (heute: rischio) zurückgehend auf lateinisch resecum = Felsklippe, (übertragen) Gefahr (die zum Beispiel verschifften Waren droht) bzw. lateinisch resecare = abschneiden, hemmen, Einhalt tun oder über das vorromanische rixicare zurückgehend auf lateinisch rixari = streiten, widerstreben (mit Entwicklung der späteren Wortbedeutung durch den Gedanken an die unkalkulierbaren Folgen, die aus solchem Widerstand im Kampf resultieren).
Risiko – das kommt nicht von ungefähr – ist ein Begriff, der wahrscheinlich aus der Kaufmannssprache stammt und ursprünglich einfach „Felsklippe“ bedeutete: das Hindernis nämlich, an dem sich Wohl und Wehe vieler Handelsschiffe entschied, von dessen Umschiffung Erfolg oder Misserfolg einer Unternehmung abhing. Kam das Schiff, mit Waren schwer beladen, wohlbehalten in den Ausgangshafen zurück, dann waren bei den damaligen Handelsspannen unglaubliche Gewinne möglich; ging das Schiff aber unter, stand der Kaufmann unter Umständen vor dem Ruin.
Ein Risiko einzugehen, bedeutet, sich bewusst zu sein, dass auf dem eingeschlagenen Weg Felsklippen lauern. Man muss sie umschiffen, um nicht zu scheitern. Dazu braucht es Umsicht, Übersicht und etwas Glück. Meistern lassen sich die Risiken nur, wenn man einen guten Kapitän oder Steuermann an Bord hat.
Sprechen
Bedeutungen: (mittelniederdeutsch) spraken = Funken sprühen; (altnordisch, schwedisch) spraka = knistern, prasseln; (altindisch) sphurjati = donnert, grollt; (griechisch.) spharageisthai = knistern, zischen, strotzen, zum Platzen voll sein; (litauisch) sprógti = bersten, platzen; (slawisch) praziti = rösten, dörren; (russisch) prjázit = in Butter backen.
Sprechen, das ist nur scheinbar eine neutrale Tätigkeit. „Wir müssen miteinander sprechen“ – das kann sehr Verschiedenes bedeuten: Im Indischen bedeutete sphurjati, dass man einem anderen grollt und die Verärgerung mitteilen will; im Griechischen bedeutete spharageisthai, dass jemand zum Platzen voll ist und endlich seine Meinung loswerden muss; das schwedische „spraka“ meint, dass es knistert und die Funken sprühen, was ich mir durchaus bildlich vorstellen kann, wenn Menschen wie wir heute Morgen/Abend voll Spannung und Erwartung aufeinander treffen. Dass im Russischen „prjázit“, also sprechen, ursprünglich bedeutet „etwas in Butter zu backen“, lässt mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen!
Vision/Visionär
heute = Erscheinung, Trugbild, Traum. Abgeleitet vom lateinischen visio (Genitiv „visionis“): Sehen, Ansehen, Anblick, Erscheinung, geistige Vorstellung, Idee; vergleiche lateinisch videre (Partizip Perfekt Passiv: „visum“) = sehen, wahrnehmen, erkennen. Im 14. Jahrhundert von den deutschen Mystikern Meister Eckhart und Heinrich Seuse geprägter Begriff für eine „übernatürliche Erscheinung“, die sie als religiöse Erleuchtung empfanden. Verallgemeinert dann ab dem 16. Jahrhundert als: auf Einwirkung übernatürlicher Kräfte beruhende Erscheinung, Vorstellung, Ahnung. Heute so- wohl ein auf Sinnestäuschung beruhendes Trugbild, Halluzination, als auch eine Traumvorstellung. Der Ausdruck „visionär“ wurde Ende 18. Jahrhundert übernommen aus französisch visionnaire = seherisch, schwärmerisch, versponnen (1. Hälfte 18. Jahrhundert) abgeleitet von lateinisch visio = Sehen, Ansehen, Ausblick, Erscheinung, (geistige) Vorstellung, Idee. Eng verwandt ist Visum = Reiseerlaubnis, amtlicher Sichtvermerk im Pass!
(Negativ) Helmut Schmidt sagte einmal: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ – „Schon die etymologische Bedeutung des Begriffs ,Vision’ als eines auf Sinnestäuschungen beruhenden Trugbildes hat einen pathologischen Unterton“, hat der frühere deutsche Arbeits- und Sozialminister Walter Riester gesagt (Spiegel v. 3. 1. 2000).
Oder (positiv): Für einen Skeptiker ist ein Visionär ein Fantast: Jemand, der Halluzinationen hat, der etwas sieht, das gar nicht existiert. Ich behaupte dagegen: Ein Visionär sieht etwas, was noch nicht existiert, oder besser, was anfangs nur für ihn allein existiert. Seine Visionen sind durchaus etwas Reales. Wir brauchen Leute, die erkennen können, was noch nicht ist, aber bald sein wird. Was ist ein Erfinder denn anderes als ein Visionär, der zuerst mit seinem inneren, geistigen Auge sieht, was er dann erschafft? Freilich muss er seine Vorstellungen dann auch in die Wirklichkeit hinüberholen können – er muss die Skeptiker überzeugen, die nur glauben, was für jedermann sichtbar ist. Deren Credo lautet: „Fakten, Fakten, Fakten"
Wagnis
heute = Risiko, kühnes Unterfangen (seit 16. Jahrhundert) ursprünglich = Abwägung. Zuerst in der Kanzleisprache verwendet, erst nach 1800 auch im allgemeinen Sprachgebrauch. Verb wagen = kühn unternehmen, etwas auf gut Glück riskieren, aufs Spiel setzen; Herkunft von mittelhochdeutsch wägen = in die Waagschale legen, abgeleitet von althochdeutsch waga = Waage, Waagschale, Gewicht (8. Jahrhundert); mittelhochdeutsch wurde daraus wage = (öffentliche, städtische) Waage, Waagamt, Kippe; ungewisser Ausgang, Wagnis, Schwere, (ein bestimmtes) Gewicht.
Erst wägen, dann wagen – das ist kein bloßes Wortspiel, das durch eine zufällige Wortähnlichkeit möglich ist. Es trifft vielmehr den Kern der Sache beziehungsweise des Worts, nämlich dessen Ursprung! Wagnis, das leitet sich von der Waage her, die zu einer Seite kippt oder zu Boden saust, wenn die Gewichte in den Waagschalen sehr ungleich verteilt sind. Ein Wagnis einzugehen bedeutet, eine Entscheidung von Gewicht zu treffen – aber bitte nach reiflicher und vorheriger Abwägung des Für und Wider. Deshalb unser heutiges Zusammentreffen. Alle Argumente ob pro oder contra gehören auf den Tisch.
Zitat (zitieren)
1) = jemanden an einen bestimmten Ort beordern, vorladen
2) = eine Textstelle wörtlich wiedergeben
Von lat. citare (citatum) = in Bewegung setzen; ein-, vorladen; herbei-, an-, aufrufen; Wortbildung zu lat. ciere = rege machen, wecken; erregen, anregen; aufregen, erschüttern; anrufen, zu Hilfe rufen. Zunächst ein Begriff der Rechtssprache „vor Gericht laden“; seit dem 16. Jh. auch übertragen gebraucht, in der heute vorherrschenden Bedeutung „anführen, wörtlich wiedergeben“.
Lassen Sie mich mit einem Zitat beginnen, das Sie anregt, vielleicht sogar erregt und aufregt...
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Mai
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