Anekdote zum Thema Wahlkampf
Der Wahlkampf an der Haustür ist in den USA entwickelt worden. John F. Kennedy hat ihn als erster Präsidentschafts-Kandidat erfolgreich angewandt. Er hat ihn nach seinem Wahlsieg genau beschrieben. Er war erfolgreich, wenn die Besuchten am Abend im Familienkreis sagen: "Ein sehr netter Kandidat! Toll, dass er sich hierher bemüht hat!"
Anekdoten zum Thema Wahrheit
Es gibt sogenannte Binsenwahrheiten, die im allgemeinen mit einer gewissen Verachtung zur Kenntnis genommen werden. Aber Wahrheiten sollte man niemals verachten, auch nicht Binsenwahrheiten. Denn Binsenwahrheiten sind solche, die jeder kennt, aber niemand beachtet. Eine Binsenwahrheit ist zum Beispiel, daß die Ausgaben sich nicht nur nach den Wünschen, sondern auch nach den Einnahmen richten müssen. Würden alle danach handeln, wäre das Vaterland gerettet. Da dies aber nicht der Fall ist, hilft nur das Gebet.
1983 schrieb Ronald Reagan einem Kritiker seiner Mittelamerika-Politik: "Wissen Sie, Castro und die Regierung in Nicaragua haben jahrelang gesagt, daß Kuba nur zweihundert Militärberater in Nicaragua unterhalte. Jetzt erklärten beide ohne weiteren Kommentar, daß tausend von diesen zweihundert nach Kuba zurückkehren würden. Das erinnert mich doch sehr an das Revuegirl, dessen Gehalt in der Woche fünfzig Dollar betrug, das aber regelmäßig zweihundert nach Hause schickte."
Bei einem chinesischen Henkerwettstreit in alter Zeit war einst der zweite Finalist in arger Verlegenheit. Sein Konkurrent hatte eine äußerst präzise Enthauptung durchgeführt, die es mit einem scharfen Schwertstreich zu überbieten galt. Aber der Kopf des Delinquenten saß nach dem Streich noch genau da, wo er immer zu sitzen pflegt. Und der Verurteilte sah ungläubig den Henker an. Worauf dieser ihn bat: "Nicken Sie mal!" - Mich interessiert, was dieser Kopf denkt, bevor er nickt. Dieser fragende Blick müßte doch etwas zu tun haben mit der Suche nach der Gewißheit!
Günter W. Tumm, Vorstand Dt. Bundespost Postdienst Rede zum Thema "Kommunikation - die Suche nach der Gewißheit", Berlin, 19.10.92
Die Wahrheit ist auf dem Wege, und nichts wird sie aufhalten. Wenn man die Wahrheit begräbt, ballt sie sich zusammen und gewinnt eine solche Sprenggewalt, daß sie an dem Tage, an welchem sie sich durchsetzt, alles mit sich in die Luft reißt. Man hüte sich, früher oder später diese fürchterlichste Katastrophe heraufzubeschwören.
Emile Zola (1840-1902), frz. Schriftsteller in "J'accuse"
Anekdote zum Thema Wandel
Ein Professor händigte die Unterlagen für das Abschlussexamen aus und verursachte einige Verwirrung bei den Studenten. Einer von ihnen sprang auf und rief aufgeregt: "Aber, Herr Professor, das sind ja die gleichen Fragen, die Sie uns bei der letzten Klausur gestellt haben!" -"Stimmt", sagte er, "aber die Antworten haben sich geändert."
Anekdote zum Thema Wandern
Der Schwäbische Albverein, den wir heute auszeichnen, ist mit einhundertsiebzehntausend Mitgliedern Deutschlands größter Wanderklub. Als Kind bin auch ich viel gewandert, mit meinem Vater. Sie wissen: Ein Mensch, der viel gewandert ist, ist nach unserer Sprache in vielen Dingen bewandert, also erfahren und sachkundig.
Auch die alten Griechen kannten diese segensreiche Wirkung des Wanderns. Die Schüler des Aristoteles, die Peripatetiker, wanderten ständig auf und ab, um zur Erkenntnis zu gelangen. Freilich gibt es auch Menschen, die können den ganzen Tag wandern, und trotzdem fällt ihnen nicht ein. Aber das sind die Ausnahmen - und die sind bestimmt nicht Mitglieder beim Schwäbischen Albverein.
Manfred Rommel (*1928), dt. Politiker (CDU), 1974-96 Oberbürgermeister Stuttgart
Anekdoten zum Thema Weihnachten
Wissen Sie, wie man dem Kollegen einmal eine ganz besondere Freude machen kann? Indem Sie das Weihnachtsgeld einmal nicht in Form von Bargeld, sondern in Form von Büchern vergüten. Für den Buchhalter empfiehlt sich dabei insbesondere das Werk "Der Millionendieb", während sich die Sekretärin über den Roman "Nackt unter Wölfen" freuen kann. Auch die ehemaligen Betriebsangehörigen werden nicht vergessen. Um ihnen den Ruhestand zu versüßen, erhalten Sie das Buch "Hunde, wollt ihr ewig leben
Trumann Capote, weltweit berühmter Autor, erinnert sich in einer hübschen Geschichte seiner Kindheit. Er schrieb sie zwei Jahre vor seinem Tod:
Als Scheidungswaise wächst der Junge in Alabama auf, in einem großen Haus auf dem Land. Mit Tanten und Onkeln, Vettern und Cousinen. Besonders lieb ist ihm eine ältere, weißhaarige Cousine, der ruhende Pol in seinem aufregenden Jungenleben: Fräulein Sook.
Fräulein Sook ist von einer tiefen, heiteren, urtümlichen Frömmigkeit, fast wie ein großes Kind. "Alles, was geschieht" - so ihre stehende Redewendung - "ist des Herrn Wille." Sook ist es auch, die dem Jungen vom Weihnachtsmann erzählt: "...von seinem wallenden Bart, seinem roten Mantel, seinem klingenden, mit Geschenken beladenen Schlitten."
Aus der vertrauten Kinderwelt wird er herausgerissen: Sein Vater wünscht, er solle Weihnachten bei ihm in New Orleans verbringen, über fünfhundert Meilen entfernt. Eine Schreckensnachricht. Denn der Vater ist ihm ganz fremd geblieben. Der Junge will nicht. Und dann die Weihnacht.
Da beobachtet der Kleine den Vater heimlich, wie er in der Nacht Päckchen unter dem Baum arrangiert - der Vater also! Das Ende des Traums. Der Abschied vom Vater ist kühl. Zu Hause in Alabama, beim Schlafengehen, im dunklen Zimmer erzählt er Sook alles. Sie tröstet ihn: Natürlich gibt es den Weihnachtsmann. Er ist nur sehr überlastet und deshalb hat der Herr die Aufgabe auf uns alle verteilt.
Truman Capote (1924-84), amerik. Schriftsteller
Was wir an Weihnachten feiern, ist alles andere als eine Idylle. Die Krippe, die wir längst in unsere warmen Stuben geholt haben, stand bekanntlich im Stall. Niemand war da, der der schwangeren Frau und dem jungen Mann aus Nazareth in Galiläa menschenwürdige Bleibe zu geben bereit war. Kaum war das Kind zur Welt gekommen, mußte die junge Familie fliehen, weil Herodes, der machtbesessene Herrscher, dem Kind Jesus nach dem Leben trachtete. Flüchtlinge waren sie, politisch Verfolgte, Asylsuchende.
Walter Kasper (*1933), dt. Bischof von Rottenburg-Stuttgart in FAZ, 24.12.92
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Mai
23
Heute vor
106 Jahren
Henrik Ibsen stirbt (*1828), norwegischer Dichter und Dramatiker, Werke u. a. [weiterlesen] »
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