Anekdote zum Thema Vierzig
Ein Freund fragte den Mullah, nachdem er dessen begeisternde jugendliche Predigt gehört hatte: "Mullah, Verehrtester, wie alt bist du?" Der Mullah schaute den jüngeren Frager an: "Ich habe mehr Hemden als du in der Sonne getrocknet. Mein Alter ist kein Geheimnis, ich bin vierzig Jahre alt."
Etwa zwanzig Jahre später trafen sich die beiden wieder. Der Mullah hatte graue Haare, und sein Bart sah aus, als sei er mit Mehl bestäubt. "Mullah, mein Verehrtester", fragte der Freund, "lange habe ich dich nicht mehr gesehen, wie alt bist du jetzt?" Der Mullah antwortete: "Du Neugieriger, du willst wohl alles Wissen. Vierzig Jahre bin ich alt."
Erstaunt fragte der Freund: "Wie kommt das, als ich dich vor zwanzig Jahren gefragt hatte, hast du mir die gleiche Antwort gegeben, das geht doch nicht."
Zornig fuhr der Mullah auf: "Warum soll das nicht gehen? Was kümmern mich zwanzig Jahre? Damals sagte ich, ich bin vierzig Jahre, und das sage ich heute noch. Bei mir gilt: ein Mann - ein Wort."
Nossrat Pesechkian, pers. Arzt u. Psychotherapeut
Anekdote zum Thema Vision
Ein Management-Konzept liefert Antoine de Saint-Exupery: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." Der erfolgreiche Unternehmer des Jahres 2000 wird die Begabung aufweisen müssen, seinen Mitarbeitern Visionen aufzuzeigen, die sie wie die eigenen aufnehmen und umzusetzen versuchen.
F. Wilhelm Christians (*1922), dt. Topmanager, 1988-97 AR-Vors. Dt. Bank AG lt. "Chefsache", Franz Rudolph, Gabler Verlag, Wiesbaden, 1993
Anekdote zum Thema Volkswirtschaft
Als ich heute morgen aus dem Taxi gestiegen bin, hat mich ein Tippelbruder gefragt, ob ich ihm zehn Euro für eine Tasse Kaffee geben könnte. "Zehn Euro für eine Tasse? Das war früher aber billiger", habe ich ihm gesagt. "Na, bedenken Sie", hat er geantwortet, "die Geldentwertung hat zugenommen. Die Teuerungsrate liegt bei über vier Prozent, und der Lohnzuwachs hat sich bei elf Prozent eingependelt. Da wird es für uns immer schwieriger durchzukommen." - "Mein Gott", habe ich gesagt, "wenn Sie das alles so genau wissen, warum werden Sie nicht Volkswirt?" Wissen Sie, was er gesagt hat? "Mein Herr, ein bisschen Stolz ist mir doch noch geblieben!"
Anekdote zum Thema Volljährigkeit
Als ich so alt war wie Du, wurden die Jungen erst mit einundzwanzig Jahren erwachsen. Vor zweihundert oder dreihundert Jahren allerdings schon mit dreizehn oder vierzehn. Da bekamen die Jungen zur Volljährigkeit vom Vater ein Zehrgeld und von der Mutter einen Sack mit Wäsche und Lebensmitteln. Und dann gingen die Burschen auf Wanderschaft.
In noch früheren Zeiten - freilich nur in Adelsfamilien - ging das Erwachsenwerden sehr pompös zu. Der Bub kniete vor seinem Vater oder einem König nieder, der ihn durch Berühren seiner Schultern mit einem Schwert zum Ritter schlug.
Anekdote zum Thema Vorschuss
Ein Leser kann sich nicht vorstellen, was ein Vorschuss für einen Schriftsteller, der erst in seinen Anfängen steht, bedeutet. Er ist dann immer erst einmal gerettet. Dass er, nachdem der Vorschuss verbraucht ist, dem Verleger auch noch ein Manuskript liefern soll, für das er nichts mehr bekommt, empfindet er durchaus als Zumutung.
Peter Bamm (1897-1975), eigtl. Curt Emmrich, dt. Arzt u. Schriftsteller in "Eines Menschen Zeit", Droemer Knaur, Zürich, 1972
Anekdote zum Thema Vorsorge
Es ist besser, Deiche zu bauen, als darauf zu hoffen, dass die Flut allmählich Vernunft annimmt.
Hans Kasper (*1916), dt. Schriftsteller u. Hörspielautor
Anekdote zum Thema Vorstellung
Sie erwidern auf eine freundliche Einführung:) Das war eine sehr freundliche Einführung und dafür danke ich Ihnen. Es erinnert mich an eine Geschichte. Ein amerikanischer Einführungsredner, in den angelsächsischen Ländern nennt man ihn Toastmaster, stellte dem Publikum den US-Präsidentschaftskandidaten Adlai Stevenson vor.
Der Redner dachte, er hätte wirklich alles Lobenswerte vorgebracht und kein Kompliment ausgelassen. Um so überraschter war er, als Stevenson mit den Worten begann: "Herzlichen Dank, Sir, das ist die zweitfreundlichste Einführung, die mir je zuteil wurde."
Das wurmte den Toastmaster sehr. Er war sich sicher, mit seinen Bemerkungen so weit gegangen zu sein, wie man nur konnte, ohne rot zu werden.
Stevenson, der den Verdruss natürlich bemerkte, gab folgende Erklärung: "Bei früherer Gelegenheit ist einmal der Gastgeber so heiser gewesen, dass er unmöglich meine Begrüßung übernehmen konnte. Unter diesen Umständen habe ich mich halt selbst vorstellen müssen ..." Ich habe mich bisher noch nie selbst vorstellen dürfen, deshalb erlauben Sie mir zu sagen, ich habe noch nie eine schmeichelhaftere Einführung bekommen.
Sylvia Simmons, amerik. Redenschreiberin u. Publizistin in "How to be the Life of the Podium", American Management Association", New York, 1991/93 Übersetzung von FF
Anekdote zum Thema Vorstellungskraft
Der große französische Romancier Honore de Balzac hat in seiner Jugend, wenn er wieder einmal in seiner Mansarde nur trockenes Brot zu essen hatte, auf den nackten Tisch mit Kreide einen großen Teller gezeichnet. Darin, so wird berichtet, schrieb er die Namen seiner Lieblingsgerichte. So konnte er, dank der Kraft der Phantasie, bei jedem trockenem Bissen den Geschmack der köstlichen Speisen verspüren.
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Mai
23
Heute vor
63 Jahren
Verkündung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland. [weiterlesen] »
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