Anekdote zum Thema Rechtsanwalt
"Und Sie, mein Sohn, warum sind Sie hier?" wendet sich der Anstaltspfarrer an einen bejahrten Gefangenen. "Jugendliche Unerfahrenheit." -"Aber, aber! Schließlich sind Sie Mitte Sechzig, wenn ich nicht irre." -"Sie irren nicht. Ich rede von meinem Verteidiger."
Anekdote zum Thema Rechtschreibung
Mir, der ich selten selbst geschrieben, was ich zum Druck beförderte, und, weil ich diktierte, mich dazu verschiedener Hände bedienen mußte, war die konsequente Rechtschreibung immer ziemlich gleichgültig. Wie dieses oder jenes Wort geschrieben wird, darauf kommt es doch eigentlich nicht an; sondern darauf, daß die Leser verstehen, was man damit sagen wollte!
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dt. Dichter lt. FAZ, 23.11.96
Anekdote zum Thema Redeanfang
Es gibt eine Anekdote von einem Angelsachsen, der in Tokio einen etwas längeren Eingangsscherz vortrug, den der Dolmetscher mit zwei Worten übersetzte, worauf tosendes Gelächter anhub. Später fragte der Angelsachse einen Japaner, wie sein Scherz übersetzt worden sei. Sagte der: "Gar nicht. Der Übersetzer hat gesagt, alle sollen lachen, und das haben wir getan."
Fernando Wassner (*1946), dt. Journalist (FAZ) in FAZ
Die Rede hat immer einen Anfang und meistens einen Schluss. Was dazwischen liegt, ist nicht so wichtig. Der Anfang ist verhältnismäßig leicht. Der Redner kann sich beispielsweise dafür entschuldigen, dass er redet, um es dann doch zu tun. Er kann sagen, daß er von der Sache nichts versteht, und dies sogleich unter Beweis stellen. Er kann den Zuhörern auch sagen, warum sie da sind: Wir haben uns heute hier versammelt, um... Die Zuhörer freuen sich immer, wenn ihnen etwas mitgeteilt wird, was sie bereits wissen.
Manfred Rommel (*1928), dt. Politiker (CDU), 1974-96 Oberbürgermeister Stuttgart lt. "Wir verwirrten Deutschen", DVA, Stuttgart, 1986
Anekdote zum Thema Redeeinstieg
Ich will mit einer mittelalterlichen Geschichte beginnen - einem Drama, das davon berichtet, wie wichtig es ist, den Sinn für die richtige Richtung zu besitzen, in die man marschieren muss. Die Geschichte handelt von einem Ritter, der in der Abenddämmerung völlig aufgelöst in die Burg zurückkehrt. Der
Speer verbogen, der Helm vollkommen verbeult, die Haare zerrauft, Blutspuren im Gesicht, das Streitroß hinkt, und der Ritter kann sich gerade noch mit letzter Kraft an der Mähne des Pferdes festhalten. Ein Bild des Elends!
"Was ist Ihnen zugestoßen, Herr Ritter?" fragt besorgt der Burgherr. "O Herr," antwortet der Ritter, "ich war in Ihren Diensten unterwegs und habe bei Ihren Feinden im Westen geplündert, geraubt, und gebrandschatzt." - "Du hast was?" schrie der Burgherr. "Ich habe überhaupt keine Feinde im Westen!" - "Oh", sagte der Ritter, "ich glaube jetzt haben Sie welche."
Es gibt eine strenge Parallele zu diesem Vorfall in der jünsten Geschichte der ...(z.B. Wirtschaftspolitik, Auto-Industrie). Auch sie hat ihren Orientierungs-Sinn verloren...
Anekdote zum Thema Redefigur
Der Joker und Allround-Bursche in jeder Rede, immer einsetzbar, immer dramatisch wirkunsvoll, ob am Redebeginn, ob mittendrin, ob am Schluss, ist die Trias (oder Triade), eine rhetorische Figur. Muster: "Freunde, Römer, Landsleute" (Friends, Romans, Countryman). Dabei ist die kunstvolle Steigerung vom Schwächeren zum stärkeren Ausdruck (Klimax) besonders eindrucksvoll: "Meine Damen und Herren: Europa, das war, wie Konrad Adenauer einmal gesagt hat, zunächst nur ein Traum für wenige, später eine Hoffnung für für Viele, und ist heute eine Notwendigkeit für alle geworden." Weniger euphorisch klingt das so: "Meine Damen und Herren, eine gemeinsame europäische Agrarpolitik, das war zunächst ein Traum für wenige, später ein Traum für viele -und ist heute ein Alptraum für alle." Um es mit dem renommierten Wirtschafts-Journalisten Michael Jungbluth so sagen: "Ein Chaos, das sich Politik nennt..."
Friedhelm Franken (*1943), dt. Journalist u. Publizist
Anekdoten zum Thema Redelänge
Kaiser Friedrich Wilhelm hasst lange Reden, aber noch mehr, langen Reden zuhören zu müssen. Nach einer langen und ermüdenden Reise kommt er einmal in einer preußischen Kleinstadt an, wo die Einwohner schon seit Tagesanbruch auf den Beinen sind, um seine Ankunft nicht zu verpassen. Als die kaiserliche Kutsche in die Stadt einfährt, setzt die Musik ein, die Menschen jubeln, und in seinem neuen roten Umhang tritt der schwergewichtige Bürgermeister schwitzend vor die wartende Menge. Nach einer dramatischen Handbewegung eröffnet er seine Willkommensrede mit den Worten: "Hochverehrter, geliebter Kaiser, als Hannibal vor den Toren Karthagos stand ---" "Da war er bestimmt genauso hungrig wie ich jetzt bin", fällt ihm Friedrich Wilhelm ins Wort, legt seine Hand auf des Redners Schulter und sagt leise: "kommt, lieber Freund, lasst uns zusammen essen gehen."
Übersetzung aus dem Amerikansichen von Hans-Heinrich Schuppert
Was Fürst Pückler schon vor 150 Jahren beeindruckt hatte, hat jetzt auch den Herausgeber des "Guinness-Buch der Rekorde" überzeugt - großen Rednerleistungen widmet Guinnes ab 1994 eine eigene Kategorie. Rekordverdächtig ist unter anderem der südafrikanische Zulu-Führer Monosuthu Buthelesi. Er hat zwischen dem 12. und 29. März dieses Jahres elf Tage lang am Pult seines Stammesparlaments in KwaZulu gestanden und insgesamt 27,5 Stunden gesprochen. Wir alle wissen: Die Verhältnisse im Süden Afrikas sind hochexplosiv, und es ist um ein Vielfaches besser, zu reden als zu schießen. In jedem anderen Fall aber erfüllt ab einer bestimmten Länge eine Rede den Tatbestand der Freiheitsberaubung. Es gehört schon sehr viel Kunst dazu, ein Publikum zehn Minuten lang zu fesseln, geschweige denn eine ganze Stunde oder länger.
Friedhelm Franken (*1943), dt. Journalist u. Publizist
Die kürzeste Antrittsrede eines amerikanischen Präsidenten hielt George Washington - gerade 135 Worte. Die längste lieferte 1841 Henry Harrison - 9000 Worte, zwei Stunden lang bei eisigem Nordostwind. Am nächsten Tag hatte er eine Erkältung, und einen Monat später starb er an einer Lungenentzündung.
Henry Guy Carleton, Humorist, Journalist und Dramatiker, hatte einen Sprachfehler, über den er gelegentlich selbst Witze machte. Als er einen Freund trifft, fragt er ihn: "H-H-Hast du f-f-fünfzehn M-M-Minuten Z-Z-Zeit?" - "Aber klar doch", kam die Antwort, "was ist das Problem?" -"I-I-Ich m-m-möchte gerne f-f-fünf M-M-Minuten mit dir r-r-reden".
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Hans-Heinrich Schuppert
Seine Tischrede dauerte 60 Stunden und 25 Minuten. Mit dieser Leistung will sich der australische Rhetoriklehrer Jim Pearce im Guinness-Buch der Rekorde verewigt sehen. Der 52jährige hielt seine Rede, mit der er Mittel für einen wohltätigen Zweck aufbringen wollte, in einem Melbourner Hotel.
"General-Anzeiger", Bonn
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Mai
23
Heute vor
85 Jahren
Dieter Hildebrandt, deutscher Kabarettist, Schauspieler und Autor, erblickt in Bunzlau das Licht der Welt. Bekannt wird er als Mitbegründer der Münchner Lach- und Schießgesellschaft und durch die Fernsehsendungen „Notizen aus der Provinz“ und „Scheibenwischer“, die zu langjährigen Fernseherfolgen werden. [weiterlesen] »
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