Anekdote zum Thema Meinung
Sir Ralph Richardson, ein ehedem berühmter britischer Schauspieler, war bekannt dafür, daß er im Leben wie auf der Bühne aus seinem Herzen nie eine Mördergrube machte. Eines Tages hatte Sir Ralph in einem Theaterstück, von dem er nicht gerade begeistert war, eine Hauptrolle zu spielen. Während der Premiere unterbrach er plötzlich sein Spiel, blickte in das Publikum und fragte: "Ist ein Arzt im Haus?" Als ein Arzt im Publikum die Hand hob, fragte Richardson ihn: "Herr Doktor, ist das Stück nicht schrecklich?"
Anekdote zum Thema Memorieren
Winston Churchills Leidenschaft, durch Reden zu glänzen, war hart erarbeitet. Die meisten Reden entwarf er in der Badewanne. Einmal hört einer seiner Kammerdiener, wie er im Badezimmer laut vor sich hin spricht, steckt den Kopf durch die Tür und fragt: "Wünschen Sie etwas, Sir?" Darauf Churchill: "Ich habe Sie nicht gerufen, Norman. Ich spreche gerade vor dem Unterhaus!"
Anekdoten zum Thema Mensch
Der Mensch ist nur ein Schilfrohr, das schwächste der Natur, aber er ist ein denkendes Schilfrohr. Das ganze Weltall braucht sich nicht zu waffnen, um ihn zu zermalmen; ein Dampf, ein Wassertropfen genügen, um ihn zu töten. Doch wenn das Weltall ihn zermalmte, so wäre der Mensch nur noch viel edler als das, was ihn tötet, denn er weiß ja, daß er stirbt und welche Überlegenheit ihm gegenüber das Weltall hat. Das Weltall weiß davon nichts. Unsere ganze Würde besteht also im Denken. Daran müssen wir uns wieder aufrichten und nicht an Raum und Zeit, die wir nicht ausfüllen können. Bemühen wir uns also, gut zu denken: Das ist die Grundlage der Moral.
Blaise Pascal (1623-62), frz. Mathematiker u. Philosoph in "Gedanken", Fragment 200 (nach der Zählung von Louis Lafuma)
Gott hat den Menschen erschaffen, als er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet. (Disappointed by apes, God created man. He then forewent further experiments. Déçu par le singe Dieu créa l'homme. Ensuite il renonça à toute autre expérimentation.)
Mark Twain (1835-1910), eigtl. Samuel Langhorne Clemens, amerik. Schriftsteller
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Anekdoten zum Thema Mitarbeiter
Meine wertvollste Leistung für IBM war meine Fähigkeit, gute und intelligente Mitarbeiter auszuwählen, sie zusammenzuhalten durch Überzeugung, durch Höflichkeit, durch finanziellen Ansporn, durch Reden, durch Plaudern mit ihren Frauen, durch kleine Aufmerksamkeiten und indem ich alles einsetzte, was mir zur Verfügung stand, damit dieses Team mich für einen anständigen Menschen hielt.
Thomas J. Watson jun. (*1914), amerik. Topmanager, Konzernchef IBM a.D. u. Diplomat in "Fortune"
Ich zögerte nie, einen Mitarbeiter zu befördern, den ich nicht mochte. Der bequeme Assistent, der nette Kerl, mit dem man gern zum Angeln geht, kann einen den Kopf kosten. Ich suchte statt dessen rauhe, barsche, ja fast unhöfliche Leute aus, die die Dinge so sehen, wie sie wirklich sind, und sie auch beim Namen nennen. Wer viele solcher Leute um sich schart und sich die Mühe macht, sie auch anzuhören, kann es weiterbringen.
Thomas J. Watson jun. (*1914), amerik. Topmanager, Konzernchef IBM a.D. u. Diplomat lt. "Fortune"
Anekdote zum Thema Möglichkeit
Ein zum Tode Verurteilter wurde begnadigt unter der Voraussetzung, daß er dem Pferd des Königs innerhalb von einem Jahr das Fliegen beibringt. Innerhalb eines Jahres, erklärte der Mann später, kann der König sterben, kann ich sterben oder kann das Pferd sterben. Außerdem, wer weiß? In einem Jahr kann viel geschehen. Vielleicht lernt das Pferd das Fliegen wirklich. Ich bin wie dieser Mann - für alle Möglichkeiten offen.
Bernard Mannes Baruch (1870-1965), amerik. Politiker
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Anekdote zum Thema Moral
Manager sind ihr Geld nicht wert, wenn ihre Entscheidungen zu hohen Reibungsverlusten beispielsweise mit dem Staat oder der eigenen Belegschaft führen. So wie die Politik-Skandale den Politikern und ihrer Partei schaden können, so können auch Manager ihre Unternehmen mit moralischen Fehlentscheidungen Unsummen kosten.
Rupert Lay (*1929), dt. Theologe, Philosoph, Rhetorik- u. Hochschullehrer (1997 emeritiert) in "Wirtschaftswoche", 21.12.90
Anekdoten zum Thema Motivation
Beim traditionellen Neujahrsrudern verlor unsere Mannschaft haushoch gegen die Konkurrenz. Der Vorstand setzte eine Kommission ein, um die Gründe zu klären. Ergebnis nach neun Monaten: Wahrscheinlich lag es daran, daß im Boot acht Steuermänner saßen und nur ein Ruderer. Lösungsvorschlag des Vorstands: Den Ruderer besser motivieren.
In der freien Marktwirtschaft ist es wie auf der Straße: Die Schnelleren überholen die Langsamen. Auf die Überholspur kommt aber nur, wer dafür sorgt, daß sich seine Mitarbeiter sämtlich als Unternehmer fühlen und auch entsprechend handeln dürfen. Die beste Motivation ist immer noch, den Menschen Eigenverantwortung zuzugestehen.
Erich Sixt (*1944), dt. Unternehmer, Vorstandsvors. Sixt AG (Autovermietung) lt. "Chefsache", Franz Rudolph, Gabler Verlag, Wiesbaden, 1993
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Wenn ich meinen Leuten die Liebe zur Seefahrt mitteile, und so ein jeder den Drang dazu in sich verspürt, weil ihn ein Gewicht im Herzen zum Meere zieht, so wirst du bald sehen, wie sie sich verschiedene Tätigkeiten suchen, die ihren tausend besonderen Eigenschaften entsprechen. Der eine wird Segel weben, der andere im Walde den Baum mit dem Blitzstrahl seiner Axt fällen.
Wieder ein anderer wird Nägel schmieden, und irgendwo wird es Männer geben, die die Sterne beobachten, um das Steuern zu erlernen. Und doch werden sie alle eine Einheit bilden. Denn ein Schiff erschaffen, heißt nicht, die Segel hissen, die Nägel schmieden, die Sterne lesen, sondern die Freude am Meer wachrufen. (...) Ich brauche nicht jeden Nagel des Schiffes zu kennen. Ich muß aber den Menschen den Drang zum Meer vermitteln.
Antoine de Saint-Exupéry (1900-44), frz. Flieger u. Schriftsteller in "Die Stadt in der Wüste", Abschnitt 75, "Gesammelte Schriften", Bd. 2, dtv, München, 1978
Anekdote zum Thema Musik
Menuhin besuchte einmal eine alten Freund, den irischen Maler Derek Hill. Hill hatte das halbe Dorf zu einem Treffen mit Tanz, Gedichten und Musik eingeladen. Wie nicht anders zu erwarten: Irgendwann wurde auch der fremde Geiger um eine Kostprobe gebeten. Also griff er sich die Fiedel eines Dorfmusikers - und dann improvisierte er drauflos! Als gegen Morgen alles so allmählich aufbrach, zog einer der Musiker Derek Hill vertraulich beiseite und flüsterte ihm zu: "Also, ich weiß zwar nicht, wer das ist, dein Mac Meinugin - aber den solltest du dir warmhalten!"
Ein ehrgeiziger Musikschüler fragt Mozart, wie man eine Symphonie schreibt. Mozart antwortet: "Sie sind noch ein sehr junger Mann. Warum fangen Sie nicht mit einfachen Liedern an?" Der junge Musiker gibt nicht nach. "Aber Sie haben Symphonien bereits im Alter von zehn Jahren komponiert". "Das ist richtig," erwidert Mozart, "aber ich habe nicht nach dem 'wie' gefragt".
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Hans-Heinrich Schuppert
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