Anekdote zum Thema Glück
Kürzlich habe ich mit einem amerikanischen Freund gesprochen, der schon seit drei Jahren im Ruhestand ist. 'Und was ist das für ein Gefühl?' habe ich ihn gefragt. Er hat einen Moment überlegt und dann breit gegrinst. 'Du wirst really lucky sein!' hat er gesagt. 'Und ich will dir auch erklären, wie ich das meine. - Weißt du, im Frühjahr habe ich bei uns in Indiana an einem Briefkasten einen Zettel gefunden, auf dem stand geschrieben: 'Hund entlaufen. Linkes Ohr fehlt, rechtes Vorderbein gebrochen, Stück vom Schwanz verloren, kürzlich kastriert. Hört auf den Namen 'Lucky'. - Weißt du jetzt, was es heißt, lucky zu sein?'
Hermann Hoffmann (*1931), dt. Topmanager
Gott, was ist Glück! Eine Griessuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen -das ist schon viel. Das Glück, wenn es mir recht ist, liegt in zweierlei: darin, daß man ganz da steht, wo man hingehört, und zum zweiten und besten in einem behaglichen Abwickeln des ganz Alltäglichen, also darin, daß man ausgeschlafen hat und daß einen die neuen Stiefel nicht drücken. Wenn einem die 720 Minuten eines zwölfstündigen Tages ohne besonderen Ärger vergehen, so läßt sich von einem Tage unter einem glücklichen Stern sprechen.
Theodor Fontane (1819-98), dt. Erzähler
Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, daß man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muß für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Daß Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, daß Glück das "Billigste" ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.
Erich Fromm (1900-80), amerik. Psychoanalytiker dt. Herkunft sein letztes Interview in "Stern", 1980
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Anekdote zum Thema Goldhochzeit
Ein älteres Ehepaar feierte nach langen Ehejahren das Fest der Goldenen Hochzeit. Beim gemeinsamen Frühstück dachte die Frau: "Seit fünfzig Jahren habe ich immer auf meinen Mann Rücksicht genommen und ihm immer das knusprige Oberteil des Brötchens gegeben. Heute will ich mir endlich diese Delikatesse gönnen." Sie schmierte sich das Oberteil des Brötchens und gab das andere Teil ihrem Mann. Entgegen ihrer Erwartung war dieser hocherfreut, küßte ihre Hand und sagte: "Mein Liebling, du bereitest mir die größte Freude des Tages. Über 50 Jahre habe ich das Brötchen-Unterteil nicht mehr gegessen, das ich vom Brötchen am allerliebsten mag. Ich dachte immer, du solltest es haben, weil es dir so gut schmeckt."
"Fünfzig Jahre Höflichkeit"
Anekdoten zum Thema Golf
Kreativen Gedanken gehe ich beim Golfspiel nach. Wenn du zu Hause arbeitest, denkt sich keiner etwas dabei, auf einen Kaffee vorbeizukommen. Aber niemand würde dich beim Golfspiel unterbrechen. (I do much of my creative thinking while golfing. If people know you are working at home they think nothing of walking in for a coffee. But they wouldn't dream of interrupting you on the golf course.)
Harper Lee (*1926), amerik. Schriftstellerin
Zwei Golfspieler berichten, eine nackte Frau, von einem Mann verfolgt, sei ihnen durch die Bahn gelaufen. "Die Frau", erklärt der Sekretär des Clubs, "hat unser Feld schon mehrfach überquert, meine Herren. Sie flieht von Zeit zu Zeit aus dem Heim drüben." - "Und der Mann?" - "Ist der Aufseher." Die Mitglieder scheinen befriedigt, wenden sich aber noch einmal: "Warum trug denn der Mann in jeder Hand einen schweren Eimer?" - "Das sind Eimer voll Sand. Wir sind ein Sportverein. Um der Unglücklichen eine Chance zu geben, haben wir dem Aufseher ein kleines Handicap auferlegt."
Ein Mann und seine Frau, beide leidenschaftliche Golfspieler, unterhalten sich eines Abends über die Zukunft. "Schatz", sagt die Frau, "wenn ich vor dir sterbe und du dich wieder verheiratest, würdet ihr dann in diesem Haus wohnen?" "Ich denke schon - es ist ja abbezahlt." "Und was ist mit den Golfschlägern? Würdest du sie ihr geben?" "Ganz bestimmt nicht", platzt ihr Mann heraus. "Sie ist Linkshänderin."
Schläger in den Bach werfen (bei Frust) wurde laut glaubhaften Berichten seriöser Golfzeitschriften besonders in englischen Adelskreisen zur Hochblüte entwickelt. Mit der Nachahmung zeigen Sie Sinn für echte Vornehmlichkeit sowie Ihre Neigung für britischen Lebensstil. Außerdem ist diese Methode gut dem jeweiligen Frustrationsgrad anzupassen, da vom billigsten Putter bis zum gesamten Set samt Tasche (mit Autoschlüssel und Plastikgeld) dosierbar.
K.J. Rabe, eigentl. Kurt Jerabek (*1929), östr. Schriftsteller; Lieblingsthema: Golf in "Golf international", FAZ-Verlagsbeilage, 23.8.93
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Der Rabbi kann es sich nicht verkneifen, am Jom Kippur zum Golfschläger zu greifen. Einmal nur. Er holt aus, trifft voll und erreicht das 300 Meter entfernte Loch. "Hast du das gesehen?" fragt Petrus den Herrn. "Freilich." -"Und? Willst du ihn nicht bestrafen?" -"Er ist bestraft. Wem kann er es erzählen?"
Anekdoten zum Thema Gott
Letzten Sommer war mein Freund in England auf Geschäftsreise. Hans hat furchtbare Angst vor dem Fliegen, also setzt er immer mit dem Schiff über - und wird seekrank. Bedrückt spazierte er über die Klippen von Dover und sah sich das feindliche Meer von hoch oben an: "Ob Fliegen nicht doch besser gewesen wäre?" fragte er sich und sah zum Himmel. Da passierte es. Er hatte einen Schritt zu viel gemacht und hing jetzt hundert Meter tiefer an einer krüppeligen Kiefer. "Hilfe, Hilfe!" Keine Antwort. Noch lauter: "Hilfe, hört mich denn niemand? Hallo, ist da oben jemand?" Und tatsächlich, eine Stimme antwortete: "Ich bin hier." Darauf Hans: "Wer ist da?" Die Stimme wieder: "Ich bin es, dein Gott. Hab Vertrauen." - "Ich bin ein gläubiger Mensch!" keuchte Hans. "Dann laß los!" sagte die Stimme. Hans zögerte: "Ist da oben vielleicht noch jemand anders?"
Chateauneuf, später Siegelbewahrer von Ludwig XII., ist noch im zarten Alter von neun Jahren, als ihm der Bischof zahlreiche Fragen stellt, auf die der Junge recht flotte Antworten weiß. Schließlich meint der Bischof: "Du bekommst eine Orange, wenn du mir sagst, wo Gott ist." - "Du lieber Himmel", gibt der Junge zurück, "Sie bekommen zwei Orangen, wenn Sie mir sagen, wo er nicht ist."
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Hans-Heinrich Schuppert
Anekdote zum Thema Gutes
(Tischrede anläßlich einer karitativen Stiftung oder Schenkung:) Kaiser Titus speiste gern mit seinen Beratern und Freunden zu Abend. Dieses Mal gab es gesottene Tauben in Weißwein, und es herrschte wie immer am römischen Kaiserhof eine prächtige Laune. Plötzlich aber hob der Imperator die rechte Hand zum Zeichen der Ruhe und sagte, so wie jemand spricht, dem plötzlich etwas Wichtiges einfällt: "Amici, diem perdidi! (Freunde, ich habe diesen Tag verloren.) Ich habe heute noch niemandem Gutes getan!" - Die Anekdote hat mich nachdenklich gestimmt. Es ist wahr: Wer die Macht hat, etwas Gutes tun zu können - oder sollte ich besser sagen, das Glück, die Gnade, das Privileg -, der hat auch die moralische Pflicht, sich nicht mit der bloßen Möglichkeit zufriedenzugeben...
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