Anekdoten zum Thema Antritt
Harry S. Truman wurde im Frühjahr 1945 Nachfolger des plötzlich verstorbenen US-Präsidenten Roosevelt. "Ist es nicht schwer, die Nachfolge eines so berühmten Mannes anzutreten, der zwölf Jahre Präsident war?" fragte ihn ein Reporter. "Das schon, aber Senator Hamilton Lewis hat mir einen Rat gegeben, als ich seinerzeit frisch in den Senat gewählt worden war." - "Und welcher Rat war das?" - "Er hat mich beiseite genommen und mir gesagt: 'Harry, in den ersten sechs Monaten werden Sie sich oft fragen, wie Sie hierhergekommen sind. Später werden Sie sich nur noch fragen, wie die anderen hierhergekommen sind...'"
"Geschichten von gestern - Geschichten von heute", Gottfried Heindl, Neff Verlag, Wien, 1965 (von FF bearb.)
Komme ich neulich ins Kasino, höre ich, wie der Personalchef am Nachbartisch dem neuen Vorstandsassistenten die Umgangsformen erklärt und sagt: "Der Chef macht manchmal Witze. Lautes Lachen hält er für plumpe Vertraulichkeit, leises Lächeln für Arroganz und Nichtlachen für ein Zeichen der Dummheit. - Also richten Sie sich danach!"
Dem großen Dirigenten der Wiener Hofoper, Hans Richter, erzählte ein Orchestermusiker, er habe kürzlich zum erstenmal Gelegenheit gehabt, ein Orchester zu dirigieren. "Wie ging's denn?" fragte Richter. "Ausgezeichnet", erwiderte er, "aber wissen's, Herr Hofkapellmeister", fügte er verwundert hinzu, "das Dirigieren ist ja ganz leicht!" Hans Richter flüsterte ihm hinter der vorgehaltenen Hand zu: "Bitte verraten Sie uns nicht!"
Bruno Walter (1876-1958), eigtl. Walter Schlesinger, dt. Dirigent in "Von der Musik und vom Musizieren"
Anekdoten zum Thema Anwalt
"Der Beste muss mitunter lügen", heißt es bei Wilhelm Busch, "zuweilen tut er's mit Vergnügen." Doch darf auch ein Advokat lügen? Er soll es nicht, aber er tut es, fasste neulich der Jülicher Rechtsanwalt Erwin Fuchs die öffentliche Meinung über die Wahrheitsliebe seines Berufsstandes zusammen. Der Vorwurf der Unmoral mache den Anwalt in den Augen seiner Mitmenschen freilich nicht ungeeignet für den täglichen Kampf ums Recht, schrieb Fuchs im deutschen "Anwaltsblatt", im Gegenteil: "Manche meinen, der Anwalt ist nur gut, wenn er schlecht ist. Und viele, die eine schlechte Sache haben, suchen einen guten
(Albert Schäffer in "FAZ-Magazin")
Sind manche Anwälte, wie seinerzeit Sonderermittler Kenneth Starr, nicht allzu bissig und kämpferisch? Wäre ein Anwalt ohne Moral und Augenmaß nicht gefährlicher als der Bandit an der Straßenecke, der einem bloß die Brieftasche mit 300 Mark und die Kreditkarten raubt? – Es gibt viele Urteile und Vorurteile über Anwälte. Da ich selbst zu dieser Zunft gehöre, möchte ich versuchen, einige Dinge klar zu rücken ...
Es sagte einmal eine Klientin, deren Verteidiger ihren Prozess gewonnen hatte: "Wie kann ich Ihnen Ihre Mühe nur vergelten, Herr Rechtsanwalt?" - "Aber ich bitte Sie", antwortete der Anwalt charmant, "seit die alten Phönizier das Geld erfunden haben, gibt es eine ganz einfache Antwort auf diese Frage!"
Wobei wir beim Thema Geld wären ... / Nicht immer sind Fragen so einfach zu beantworten ... / Mir scheint, auch wir vergessen manchmal die einfachsten Antworten auf die Fragen unserer Zeit.
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Anekdoten zum Thema Applaus
Und dies war der Tarif eines berühmten Pariser Claque-Chefs: gewöhnliche Applaus-Salve: 5 Franc; anschwellender Applaus: 15 Franc; doppelte Applaus-Salve: 20 Franc; drei Applaus-Salven: 25 Franc; einfacher Hervorruf: 25 Franc; nicht enden wollende Hervorrufe: 50 Franc; Ausruf des Schreckens: 5 Franc; "Tiefe Bewegung", welche anzeigt, dass man einfach keine Kraft hat zu applaudieren: 15 Franc; Applaudieren unter Widerspruch anderer, gefolgt von anschwellendem Applaus, als ob der gesunddenkende Teil des Publikums den Sieg über eine bösartige Clique davonträgt: 32 Franc. Langes Seufzen nach einer Schreckensszene, gefolgt von wütendem Applaudieren: 12,50 Franc. Grinsen: 5 Franc; Lachen: 8 Franc; befreiendes Lachen: 10 Franc; Ausrufe: "Großartig! Zum Schießen! Einfach toll!": 15 Franc. Ausrufe: "X ist großartig, zum Schießen, einfach toll!": 20 Franc.
Addieren Sie das mal! Ich denke, meine Damen und Herren, das wird manchen Theaterdirektor eine Menge Geld gekostet haben. Falls dem heute noch so ist, würde das erklären, warum die Karten so teuer sind!
Es gibt viele Geschichten von George Bernard Shaw - vielleicht zu viele, aber die beste bleibt noch zu erzählen. Ein Augenzeuge hat sie mir mitgeteilt. Es war bei der Premiere von "Zurück zu Methusalem". Das Theater tobt vor Begeisterung und ruft nach dem Autor. Doch in dem Moment, wo Shaw endlich vor dem Vorhang erscheint, mischt sich in den Applaus ein gellender Pfiff von der Galerie her. Da winkt Benard Shaw herzlich zur Galerie hin und ruft: "Mein Freund! Ich bin ja mit Ihnen völlig einer Meinung!- Aber was können wir beide gegen solch eine Majorität!"
"Das ABC des Lachens", Sigismund von Radecki, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg
In Paris entstand Anfang des 19. Jahrhunderts eine "Assurance de succ‘s dramatique". Wir würden das mit "Theatererfolgs-Versicherung" übersetzen. Sie sorgte gegen Bezahlung für Beifall (bei eigenen Stücken) oder Ablehnung (bei konkurrierenden Stücken) im Theater. Der Applaus der "Claqueurs" sollte zum Beifall animieren, "Rieurs" sollten zum Lachen anstecken, "Pleureurs" zum Weinen, "Bisseurs" zu "Da capo"-Rufen.
Ich habe eine solche Versicherung für den heutigen Abend nicht abgeschlossen. Um so mehr würde ich mich freuen, wenn es heute viele Klatscher, Lacher und „Da capo“-Rufer gäbe. Von Schluchzen und heftigem Weinen bitte ich abzusehen.
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Februar
07
Heute vor
4 Jahren
Mit dem chinesischen Neujahrsfest beginnt das Jahr der Ratte. [weiterlesen] »
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