Anekdote zum Thema Abstinenz
Ein Freund von mir war letzten Herbst auf Geschäftsreise in London. Eines Abends geht er in den nächstbesten Pub. Dort fällt ihm ein vornehm gekleideter Engländer auf. Mein Freund versucht, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Erster Versuch: "Darf ich sie vielleicht zu einem Drink einladen?" - "Nein", sagt der Brite trocken, "trinke nicht. Hab's mal probiert, war nichts für mich." Mein Freund läßt sich nicht entmutigen. Er bestellt seinen Drink und startet einen zweiten Versuch: "Darf ich Ihnen ein Zigarillo anbieten?" Darauf der Brite: "Nein. Rauche nicht. Hab's mal probiert, war nichts für mich." Mein Freund steckt seine Davidoff an und unternimmt den dritten Versuch: "Hätten Sie denn Lust auf eine Runde Karten?" Darauf der Brite: "Nein, Spiele nicht. Hab's mal probiert, war nichts für mich." Doch dann fügt er hinzu: "Aber mein Sohn kommt gleich. Vielleicht spielt der ja mit." Mein Freund lehnt sich zurück, sieht den Engländer lange an und sagt dann: "Lassen Sie mich raten, Sir: Ihr einziger Sohn..?!"
Anekdote zum Thema Achtzig
Gut ausgeruht, braun gebrannt, frisch und elastisch kehrt der 80jährige Regierungschef aus dem Schwarzwald nach Bonn zurück. "Wollen Se nich auch mal in Urlaub fahren, Herr von Brentano?" fragt er gut gelaunt seinen Außenminister. "Ich jedenfalls fühl' mich wieder so verjüngt, als wenn ich erst 79 wär'!"
"Anekdoten um Konrad Adenauer", Kemper Verlag, Heidelberg
Anekdote zum Thema After-Dinner Rede
Es war ein Löwe, der hatte einen Bullen gejagt und sich richtig sattgegessen. Er fühlte sich so wohl, daß er vor Wonne brüllte und brüllte. Das hörte ein Jäger und erlegte den Löwen mit einem Schuß. Darum sagen die Amerikaner: "When you are full of bull, shut your mouth!" (Mit vollem Magen soll man nichts sagen!)
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Anekdote zum Thema Aktie
Kurz nach seinem Antritt als Präsident zwang John F. Kennedy die US-Stahlkonzerne, den Stahlpreis zu senken. Dieser Eingriff in das Wirtschaftsleben führte in der amerikanischen Geschäftswelt zu tiefem Mißtrauen, das alle Anstrengungen seiner PR-Strategen nicht zerstreuen konnten. An der New Yorker Börse kursierte bald das Gerücht, der Präsident habe einem Geschäfts-mann ermunternd gesagt: "Wenn ich nicht Präsident wäre, würde ich jetzt Aktien kaufen!" Worauf der Mann konterte: "Wenn Sie nicht Präsident wären, täte ich es auch."
"Geschichten von gestern - Geschichten von heute", Gottfried Heindl, Neff Verlag, Wien, 1965 (von FF bearb.)
Anekdoten zum Thema Alter
Das hätte ein schönes Geschäft werden können. Vor dreißig Jahren warf André-François Raffray, Notar im provenzalischen Arles, ein Auge im Herzen der Altstadt. Darinnen wohnte eine alte Dame. Da sie schon neunzig war, schlug der Notar vor, er zahle ihr eine Leibrente von monatlich 2500 Franc (etwa 700 Mark) und werde im Gegenzug nach ihrem Tod Eigentümer der Wohnung. Monsieur Raffray hat sich jedoch gründlich verrechnet. Wie hätte er auch ahnen können, daß besagte Dame weiterleben und weiterleben würde. Pünktlich holte sie sich den ihr zustehenden Scheck ab, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt. Insgesamt hat der Notar für das Appartement, das längst zu einer Ruine verkommen und unbewohnbar ist, ein Vielfaches des Wertes bezahlt. Doch er muß sich nicht länger grämen. Er ist nämlich, 77jährig, an Weihnachten vorigen Jahres gestorben. Die alte Dame lebt immer noch. Sie hat mittlerweile 121 Lenze hinter sich. "Im Leben macht man auch mal schlechte Geschäfte", hat sie den Notar, als der noch lebte, getröstet.
"Zeit", 16.8.96 in einem Artikel über Jeanne Calment, die älteste Frau der Welt
Der junge Grieche fragt mich, was das Altsein bedeutet. Es bedeutet, sage ich ihm, daß ich das Leben vieler Menschen, die ich gekannt habe, übersehen kann. Es bedeutet, daß ich ihnen wie mir ein dreihundertjähriges Leben wünsche, um noch mehr zu übersehen, denn jede Spanne mehr, die man kennt, macht es staunenswerter, fragwürdiger, hoffnungsvoller, einsichtiger und unerklärlicher.
Elias Canetti (1905-94), östr. Schriftsteller span.-jüd. Herk., 1972 Georg-Büchner-Preis, 1981 Nobelpr. f. Lit.
Auf einer Geburtstagsfeier diskutieren vier ältere Herren über die kürzliche Heirat einer stadtbekannten Dame, deren Vorleben, zurückhaltend formuliert, etwas unübersichtlich war. "Sie hat eine gute Partie gemacht", resümiert der Erste, "obwohl sie ihrem Ehemann all ihre Affären gebeichtet haben soll." - "All ihre Affären? Welch eine Ehrlichkeit!" sagt der Zweite. "Welch ein Mut!" sagt der Dritte. Meint der Vierte: "Welch ein Gedächtnis!"
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Hans-Heinrich Schupper
Der alte Voltaire wird gefragt, welche seiner Tragödien ihm am besten gefalle. Er nennt die "Olympia". "Warum ausgerechnet Ihr letztes Werk?" "Aus eben dem Grunde", sagt der Dichter, "aus dem ein Fünfundsiebzigjähriger stolz ist, noch ein Kind gezeugt zu haben."
In jeder normalen Familie bestimmen die älteren Geschwister, was die jüngeren zu tun haben. So auch bei dem berühmtesten deutschen Show-Duo, den Kessler-Zwillingen. "Ellen, du hast dich nach meinen Anweisungen zu richten", so sagte die zehn Minuten früher geborene Alice zu ihrer Schwester. "Schließlich bin ich die Ältere." -"Das brauchst du nicht zu betonen", maulte die Zurechtgewiesene. "Das sieht man."
Bubec (*1938), dt. Kabarettist u. Karikaturist in "Lacher, Löcher, Lampenfieber", Rowohlt Verlag, Hamburg, 1990
Ziemlich hilflos hatte Ronald Reagan in der ersten Fernsehdebatte im Kampf um die amerikanische Präsidentschaft mit seinem demokratischen Rivalen Mondale gewirkt, als die Sprache auf sein doch schon recht hohes Alter kam. Nun war jeder gespannt, ob in der zweiten TV-Debatte das Thema "Alter" wieder eine zentrale Rolle spielen würde und ob Mondale den Republikaner Reagan damit erneut in Verlegenheit bringen könnte. Doch diesmal war Reagan bestens vorbereitet. Er machte es mit Humor und hatte alle Sympathien auf seiner Seite, als er trocken feststellte: "Dear Mr. Mondale, ich bin nicht bereit, das Thema Alter in diesem Wahlkampf eine Rolle spielen zu lassen. Ich werde die Jugend und Unerfahrenheit meines Gegners nicht zu politischen Zwecken mißbrauchen!"
Ein katholischer Priester ist mit den Jahren etwas schwerhörig geworden. Aber natürlich muß er jeden Samstag die Beichte anhören. Damit das richtig klappt, hat er eine Idee: Er bittet die Gemeindemitglieder, ihre Sünden aufzuschreiben anstatt aufzusagen. Diese Methode funktioniert. Voller Erfolg! Bis zu dem Tag, als der Beichtvater einen schwer atmenden alten Mann die andere Seite des Beichtsstuhls betreten hört. Erst fummelt der arme Sünder eine Weile herum, dann raschelt es und ein kleines, verknülltes Stückchen Papier erscheint unter dem Vorhang. Der alte Priester zieht es hervor und liest: "Bitte liefern Sie mir: Zwei Dosen Bohnen. Ein viertel Pfund Schinken. Eine Dose Cola. Vier Fischfilets. Sechs Brötchen. Drei Rollen Toilettenpapier. Ein halbes Pfund Kaffee. Eine Kernseife. Ein halbes Pfund Butter." Zwei Minuten brütet der verdutzte Pfarrer über dem Notizzettel, und gibt ihn dann schweigend zurück. Plötzlich kommt von der anderen Seite des Beichtstuhls ein gequältes Stöhnen: "Oh, Gott, mein Bestellzettel! Ich habe meine Sünden im Supermarkt abgegeben!"
Mit 20 wird geheiratet. Mit 30 sind die Kinder eingeplant, mit 40 ist der Karriereweg klar abgesteckt. Mit 50 ersetzt man den Partner eventuell durch ein jüngeres Exemplar. Mit 60 denkt man an die Rente und mit 70 ans Seniorenheim. Und mit 80 liest man sich dann fest an einem Artikel über umweltfreundliche Särge.
"Bunte", 15.4.93, in der Serie "Die fitten Alten"
Im Allgemeinen hat man zu der Zeit, da man w i r k l i c h wird, schon alle Haare verloren, weil man so viel gestreichelt worden ist. Die Augen fallen einem aus, die Gelenke werden locker, und man sieht sehr schäbig aus. Aber das macht alles gar nichts, weil man, einmal wirklich geworden, nicht mehr häßlich aussehen kann, außer für Leute, die ohnehin nichts verstehen.
Gail Sheehy nähere Autorenangaben nicht feststellbar in ihrem Buch über die Midlife-Krise
Verschieden ist der Menschen Art:/ Die einen, in der Jugend zart,/ Sind oft im Laufe weniger Jahre/ Schon zähe, morsche Exemplare./ Doch andre, ungenießbar jung,/ Gewinnen durch die Lagerung/ Und werden in des Lebens Kelter/ Wie Wein, je feuriger, je älter.
Eugen Roth (1895-1976), dt. Autor
Im Leben eines Mannes gibt es vier Altersstufen: Stufe eins: wenn du an den Weihnachtsmann glaubst. Stufe zwei: wenn du nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubst. Stufe drei: wenn du für deine Kinder der Weihnachtsmann bist. Stufe vier: wenn du aussiehst wie der Weihnachtsmann.
Eines Tages landete Lilli Palmer nach langer Zeit mal wieder in Berlin und bestieg ein Taxi, das sie zum "Kempi" bringen sollte. (Für Nichtberliner: Das "Kempi" ist die Koseform von "Hotel Kempinski".) Der Taxifahrer fuhr los, seinen Fahrgast immer wieder betrachtend, überlegend, woher er diesen kenne. Dann kam ihm wohl die Erleuchtung, er drehte sich zur Diva hin und fragte sie: "Sachen Se mal, Gnädigste, waren Sie nich mal Lilli Palmer?"
Bubec (*1938), dt. Kabarettist u. Karikaturist in "Lacher, Löcher, Lampenfieber", Rowohlt Verlag, Hamburg, 1990
Von Schwierigkeiten eigener Art weiß Lord Healey, unter seinem bürgerlichen Namen Denis Healey noch als Labour-Politiker bekannt, besonders anschaulich zu berichten. "Drei Dinge", so dozierte der mittlerweile sechsundsiebzigjährige Herr, "passieren jedem, der mein Alter erreicht. Zuerst schwindet das Gedächtnis. Die beiden anderen habe ich vergessen."
"FAZ-Magazin", 26.8.94
Ein Mann ging zu einer Wahrsagerin. "Ich sehe in meiner Kristallkugel nichts Gutes: Sie werden arm und unglücklich sein - bis zu Ihrem fünfundvierzigsten Geburtstag." - "Und dann, was passiert dann?" - "Dann wird Sie nichts mehr bedrücken - dann werden Sie sich daran gewöhnt haben."
Wenn man es richtig versteht, alt zu werden, so geschieht es keineswegs so, wie die meisten glauben. Es ist durchaus kein Schrumpfen, sondern ein Wachsen. Das Alter schenkt eine Klarheit, deren die Jugend völlig unfähig ist, und eine Heiterkeit, die der Leidenschaft bei weitem vorzuziehen ist.
Marcel Jouhandeau (1888-1979), eigtl. Marcel Provence, frz. Schriftsteller lt. "Stunden der Besinnung", Naumann & Göbel, Köln
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Mit dem chinesischen Neujahrsfest beginnt das Jahr der Ratte. [weiterlesen] »
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