Neujahrsrede Idee: Die vermutlich erfolgreichste Rede aller Zeiten
Der Amerikaner Russell Conwell war erst 18, als er im Jahre 1861 seine Rede „Acres of Diamonds“ (Diamantenfelder) zum ersten Mal hielt.
Als er 1925 starb, war er 82 und eine nationale Berühmtheit. Und er war so reich wie ein erfolgreicher Diamanthändler.
Das Erstaunliche: Er hatte in einer Zeit, in der es noch kein Radio und kein Fernsehen gab, mit seiner Rede ein Millionenpublikum begeistert und motiviert. Über 6.000-mal hat er seine Rede gehalten. Mehr als 8 Millionen Dollar hat diese eine Rede ihm an Vortragshonoraren und Tantiemen für Veröffentlichungen und Nachdrucke gebracht. Diese 8 Millionen Dollar entsprechen nach heutiger Kaufkraft etwa 102,5 Millionen Euro!
| Nun werden Sie vielleicht neugierig sein, wovon seine Rede berichtet und was die Menschen daran so fasziniert hat. Conwell erzählt die Geschichte des Bauern Al Hajed, der im alten Persien lebt. Eines Tages erfährt Al Hajed von einem greisen Schriftgelehrten zum ersten Mal in seinem Leben etwas über Edelsteine. „Sie sind sehr wertvoll“, sagt der Alte. „Ein einziger Diamant, nicht größer als dein Daumen, ist so viel wert wie zwölf Bauernhöfe.“ Mit einem Schlag ist Al Hafed ein armer Mann, „arm, weil er auf einmal unzufrieden war und“ – wie Conwell sagt – „unzufrieden, weil er dachte, dass er arm sei.“ Er verkauft Haus, Hof und Felder und begibt sich auf die Suche nach den geheimnisvollen Edelsteinen, nach den Diamanten. Zunächst schürft er im eigenen Land. Doch erfolglos. Dann zieht er weiter nach Palästina und Ägypten. Als er auch dort nichts findet, durchstreift er halb Europa, doch nirgendwo macht er sein Glück. Jahre um Jahre vergehen, bis er schließlich all seinen Besitz aufgebraucht hat und eines Tages, in Lumpen und dem Verhungern nahe, bettelarm an der spanischen Küste landet. Dort steht er nun zu Füßen der Säulen des Herakles, wie man die Felsen auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar nennt. Mit leeren Augen blickt er in die Wellen. Und als eine große Woge heranrollt, da stürzt er sich in einem verzweifelten Entschluss in die tosenden Wasser und versinkt für immer. Der Tod unseres glücklosen Helden ist traurig, aber nicht das Ende der Geschichte. Eines Tages nämlich führt der Mann, dem einst Al Hafed seinen Hof verkauft hatte, sein Kamel wieder einmal an die flache, halb ausgetrocknete Wasserstelle seines Gartens zur Tränke. Und weil in diesem Jahr die Trockenheit besonders groß ist, stupst und gräbt das Kamel mit der Nase im feuchten Sand, um besser an die Quelle heranzukommen. Da plötzlich sieht der Mann einen fantastischen Lichtblitz im Wasser. „Auf diese Weise“, sagt Russell Conwell, „wurden die wunderbaren Diamantfelder von Golconda entdeckt.“ Und er fährt fort: „Wäre Al Hafed zu Hause geblieben und hätte in seinem Garten geschürft, auf seinen eigenen Feldern, seinem eigenen Terrain, er hätte Diamanten gefunden, ein ganzes Diamantenfeld, die Acres of Diamonds.“ |
Neujahrsrede-Tipp
Hiermit muss die Neujahrsrede natürlich noch nicht zu Ende sein. Sie können die Geschichte im Rahmen Ihrer Neujahrsrede neu interpretieren.
Zum Beispiel so: Conwell meint, dass der Mensch, der sein Glück machen will, dazu nicht gleich in die Ferne schweifen muss. Sein Elan, sein Einsatz kann sich auch anders auszahlen. Warum nicht die Augen aufsperren, um die Chancen zu erspähen, die im eigenen Berufs- und Geschäftsfeld vorhanden sind, im eigenen Land, der eigenen Region oder Stadt, dem eigenen Betrieb, der eigenen Praxis, dem eigenen Verein – im eigenen Kopf oder den eigenen Händen?
Wie viele Talente schlummern zum Beispiel in den Menschen, für die Sie Verantwortung tragen: Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Ihren Studentinnen und Studenten, Ihren Auszubildenden, Ihren Mitbürgern? Und wie viele Möglichkeiten liegen – noch verborgen – vor Ihren eigenen Füßen? In Ihnen selbst?
Dies sind zeitlose Fragen – antworten aber muss jeder in seiner Zeit, seiner Lebenszeit. Jedes Individuum macht sich per se auf die Suche, nichts anderes ist ja unser Leben, aber wie und wo wir uns auf die Suche machen, darauf kommt es an.
Wenn wir unserer Geschichte glauben, die schon so viele Millionen Menschen gefesselt hat (warum nicht auch Ihre Zuhörer/innen?), dann sollte der (oder die) Einzelne das Naheliegende nicht vernachlässigen und nicht gering schätzen. Es könnte sonst sein, dass er (oder sie) die Diamanten vor den eigenen Füßen nicht sieht.
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Mai
19
Heute vor
103 Jahren
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