Wie Sie Sprechblasen anpieksen
- Kategorie/n: Schlagfertigkeit
Standpunkte diskussionssicher vertreten
Sie kennen sie bestimmt – die scheinbar so Redegewandten, also die Menschen, die Sprache als Waffe einsetzen und andere dadurch ausgrenzen, nicht zu Wort kommen lassen oder übergehen.
Sie begegnen ihnen nicht nur in der Schule, im Beruf oder in der Freizeit; auch im Fernsehen scheinen z. B. die meisten Politiker nur noch wie auf Knopfdruck geschwollenes Zeug zu reden. Vielleicht hinterlassen Begegnungen oder Konflikte, die Sie mit solchen Phrasendreschern hatten, ein ungutes Gefühl bei Ihnen, und Sie fragen sich vielleicht: „Wie kommt man dagegen an?“
Gegen die folgenden Scheinargumente, die Sie in den kommenden Wahlkampfwochen sicher öfter hören werden, ist scheinbar kein Kraut gewachsen:
Ihr Vorschlag ist völlig unrealistisch! (1)
Wären Sie so lange wie ich in der Politik tätig, würden Sie wissen, dass ... (2)
Ich hege natürlich große Sympathie für Ihren Vorschlag, aber ich sehe einfach nicht, wie wir das durch den Ausschuss bekommen sollen! (3)
Ich sage Ihnen das ganz ehrlich, und Sie müssen auch sehen, dass ich in der Verantwortung, in der ich stehe, gar nicht anders kann, als ... (4)
Kommen Ihnen solche Aussagen bekannt vor? Sie hören sich zunächst undurchdringbar an, sind aber relativ einfach auszuhebeln, wenn Sie sich nicht von rhetorischen Nebelwerfern einschüchtern lassen:
Mit Killerphrasen wie dem ersten Satz (oder Formulierungen wie Das ist Quatsch! Sie haben doch keine Ahnung!) will man Sie als ernst zu nehmenden Gesprächspartner ablehnen. Warum sollten Sie das zulassen? Und warum versucht der Gesprächspartner, Sie so vehement loszuwerden? Eine sachliche Nachfrage, was an Ihrem Vorschlag von dem Gesprächspartner als schwer realisierbar angesehen wird, und Sie sind wieder im Boot.
Zum Ausspielen von Alter / Erfahrung / Wissen (diese Technik wird von älteren Vereins- und Parteivorsitzenden immer wieder gern eingesetzt) wie im zweiten Satz, gehört immer jemand, der sich klein und unerfahren machen lässt.
Doch Unerfahrenheit muss kein Nachteil sein, und ein Recht auf alleinige Entscheidungen der Erfahrenen gibt es dafür auch nicht. Mögliche Nachfrage Ihrerseits: „Was wäre denn mit Ihrer langjährigen Erfahrung Ihr Vorschlag, wie wir das Vorhaben umsetzen könnten?“ – Und schon haben Sie den Gesprächspartner im Boot.
Umarmungsstrategien wie in Beispiel drei hören sich erst einmal sehr positiv an, verschieben aber die Verantwortung an andere Stellen. Mit einer Nachfrage wie: „An welcher Stelle können Sie denn dann Ihren Einfluss auf unseren Vorschlag geltend machen?“, nehmen Sie den Gesprächspartner beim Wort und schaffen sich vielleicht einen wirklichen Verbündeten.
Kompliziert wird es eigentlich nur bei Vernebelungsstrategien wie im vierten Beispiel. Sie haben diesem Redner schon 15 Sekunden zugehört und immer noch keine Ahnung, worauf er mit seinem Satz hinaus will? Auf dieses Gefühl sollten Sie achten – und nicht etwa denken, dass es an Ihnen liegt, wenn das Gesagte unverständlich ist.
Diese Strategie können Sie mit einfachen Nachfragen kontern: „Ich habe Sie nicht verstanden. Können Sie mir noch einmal in einfachen Worten erklären, welches Ihr Standpunkt ist?“
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