Wahlkampfrhetorik: So entlarven Sie im Wahlkampf die Politschwätzer
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Mitten im Bundestagswahlkampf 2009 hören wir folgendes Politiker-Statement:
Wenn irgendwelche nicht näher zu erläuternden Umstände es erlauben, könnten wir versuchen, etliche Aspekte den gewünschten Gegebenheiten anzupassen.
Wissen Sie, fährt der Redner selbstsicher fort, wenn die Angelegenheit mit gesundem Menschenverstand angegangen wird und alle am gleichen Strang ziehen, ist dies gewiss der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich würde meinen: Es geht vorab darum, gemeinsam das Ziel anzustreben, getragen vom Willen, und anstatt zu diskutieren Hand anzulegen. Denn: Wer der Zukunft ins Auge blickt, stellt fest: Am Ende des Tunnels wird es immer wieder hell.
Wer solche Statements genauer analysiert, merkt rasch, was da herauskommt: Worthülsen, hohle Phrasen,
reines Blablabla. Konkreter? Kaum. Worte ohne Bedeutung, leerer Klang.
Leeres Gerede können Sie rasch entlarven, wenn Sie nachfragen. Ein paar Beispiele:
Nicht näher zu erläuternde Umstände: Welche Umstände sind dies? Einiges: Was heißt das genau? Der Ausdruck weist übrigens auf eine Mehrzahl hin, also müssten mindestens zwei konkrete Punkte genannt werden können.
Gesunder Menschenverstand: Was wird darunter verstanden? Der Verstand des Redenden?
Am gleichen Strang ziehen: Reißt jeder an einem Ende des Strangs und bekämpft den anderen, oder ziehen beide am selben Ende?
Der erste Schritt in die richtige Richtung: Wer macht den ersten Schritt? In welche Richtung? Wie groß ist dieser Schritt? Ziel: Was ist damit gemeint?
Hand anlegen: Wer macht konkret was?
Die Tricks der Strohdrescher Es gibt aber noch andere Tricks, um konkrete Aussagen zu vermeiden. Verbale Strohdrescher gebrauchen auch gerne Wörter, die einen Sachverhalt einschränken sollen, ihn aber gleichzeitig im Unbestimmten belassen. Wörter wie:
- eigentlich
- irgendwie
- vielleicht
- unter Umständen
- wahrscheinlich
- gewissermaßen
- grundsätzlich
- im Großen und Ganzen
Wer nebulös reden will, setzt diese Wörter auch dann ein, wenn etwas als gesichert gelten kann. Eine weitere Möglichkeit, sich vor konkreten Aussagen zu drücken, ist diese: Erklärende Satzteile werden weggelassen, Wichtiges wird also einfach verschwiegen.
Zwei Beispiele:
Ich freue mich. Statt: Ich freue mich über die Blumen. Das Wesentliche fehlt.
Einverstanden, das ist besser. Besser als was? Hier fehlt die Präzisierung.
Allgemein gültige Weisheiten und Sprüche müssen in der Regel von allen akzeptiert werden. Deshalb hört man sie auch immer wieder bei Diskussionen oder Referaten. Formulierungen wie:
Gemeinsam sind wir stark. Wir müssen lernen, den Wald und die Bäume zu sehen. Wir müssen vorwärts blicken in die Zukunft. Ein Autofahrer schaut auch nicht ständig in den Rückspiegel. Betrachten wir das doch mit gesundem Menschenverstand.
Sprichwörter sind ebenfalls eine wertvolle Fundgrube von Gedanken, die kaum jemand bestreiten kann. Außerdem gibt es ja auch noch die Konjunktivform, um mit einer Aussage möglichst unverbindlich zu bleiben:
Mögen die schweigen, die sonst schweigen. Keiner sage nachher, dies sei zu schwer gewesen. Wäre er gekommen, so könnten wir jetzt anfangen.
Ich würde meinen, dass wir jetzt eine Pause machen sollten.
Ich hätte dazu Folgendes zu sagen.
Selbsttest
Nachstehend können Sie selbst testen, ob Sie die wichtigsten Elemente des verbalen Strohdreschens durchschauen. Setzen Sie die verschleiernde Höflichkeitsform in die hautnahe Wirklichkeitsform um. Stellen Sie die richtigen Fragen, um Wörter und Phrasen zu hinterfragen.
Ich könnte Ihnen schon zustimmen. Sicherlich würden wir in der einen oder anderen Einzelfrage noch Meinungsverschiedenheiten haben, aber ich würde denken, dass wir die bereinigen könnten. Nur hätte ich gern noch kurz erläutern wollen, wie ich mir unseren Zeitplan diesbezüglich vorstellen würde: Ich möchte meinen, dass wir in den kommenden drei Monaten zunächst die vorliegenden Ergebnisse sichten sollten. Ich würde sogar behaupten, dass das
eine oder andere ohne große Abänderungen so übernommen werden könnte, ja es wäre sogar vorstellbar, dass wir dann in zwei weiteren Monaten fertig wären.
Allerdings würde ich dabei zu bedenken geben, dass nicht immer alles abgeschrieben werden dürfte. Sie verstehen mich bitte richtig – dies sollte nur als Vorschlag zu verstehen sein. Doch würde ich jetzt einmal sagen, dass es von allen anderen Vorschlägen durch seine überschaubare Zeitplanung hervorstechen könnte.
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