Trauerreden: Wie Sie die häufigsten Fettnäpfchen bei diesem schwierigen Anlass souverän und taktvoll meistern
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Niemand schreibt oder hält gerne eine Trauerrede. Dennoch ist dieser Anlass im Leben nicht zu vermeiden – und stellt Sie als Redner vor eine sehr schwierige Situation: Schließlich sollen Sie in Ihrer Rede angemessene Worte des Trostes und des Abschieds finden.
Und das in einem Augenblick, der voller Emotionen und Trauer ist. Gleichzeitig sollen Sie dabei alle Plattheiten vermeiden und mit Ihren Worten ein Bild des verstorbenen Menschen zeichnen, das versöhnlich stimmt und von Dankbarkeit geprägt ist.
Wer soll oder darf überhaupt reden?
Bevor Sie sich an das Formulieren einer Trauerrede machen, sollten Sie zunächst diese Frage klären: Soll oder darf ich überhaupt reden? Gerade bei Trauerfeiern außerhalb des Familienkreises gilt: Als Chef oder Vorgesetzte, als Vereins-Vorstand oder als enge Freundin ist es nicht selbstverständlich, wenn Sie plötzlich in der Trauerkapelle aufstehen und das Wort an alle richten!
Wenn mehrere Personen sprechen werden: Bei offiziellen Trauerfeiern im Betrieb oder Verein gibt es meist mehrere Rednerinnen und Redner. Die anwesenden Gäste werden durch Trauermusik eingestimmt. Die Reihenfolge der Reden wird von der Hierarchie bestimmt. Zwischen den verschiedenen Wortbeiträgen werden nach Möglichkeit Musikstücke gespielt. Ein Weiterreichen des Mikrofons oder gar eine Ankündigung der oder des nachfolgenden Redenden findet bei Traueranlässen nicht statt. Es wäre geschmacklos.
Wenn Sie die Hauptrede halten
Halten Sie die Hauptrede, ist sie acht bis zehn Minuten lang. Sprechen Sie über Persönliches. Sprechen Sie darüber, was die oder der Verstorbene in Ihrem Unternehmen / in Ihrem Verein bewirkt
hat. Sprechen Sie über die Nachhaltigkeit dieses Wirkens – ohne in die üblichen Floskeln zu verfallen. „Sie wird unvergesslich sein“ ... „Er wird niemals vergessen“ sind Allgemeinplätze, die nichts in Ihrer Rede zu suchen haben! Bei einer solchen Rede ist das Ablesen von einem Manuskript unter Umständen ratsam.
Besser wäre es natürlich, wenn Sie frei sprechen oder nur nach Stichwortkarten. Vor allem, wenn Sie über persönliche Erlebnisse sprechen, reden Sie bitte frei! Findet eine große Trauerfeier in der
Kirche statt, sprechen Sie wie alle anderen vom Altarraum aus. Stimmen Sie sich eng mit den Angehörigen ab –auch, was die Anzahl der Redenden betrifft (spontane Reden sind auch bei diesem Anlass absolut unpassend). Für die zentrale Rede gilt eine Redelänge von acht bis zehn Minuten als angemessen. Weitere Reden sollten auf etwa sechs bis acht Minuten beschränkt bleiben.
Findet die Trauerfeier in einer großen Friedhofskapelle statt, sprechen Sie vom Pult neben dem aufgebahrten und geschmückten Sarg. Ihre Rede dauert maximal drei bis vier Minuten. Sie sprechen nach Möglichkeit nicht nach Manuskript (unpassend!), sondern frei. Stichwortkarten sind eine mögliche Gedankenstütze.
Anders sieht das aus, wenn die Trauerfeier in der kleinen Friedhofskapelle stattfindet. Sie sprechen freistehend, ohne Manuskript oder Stichwortkarten. Beim Abgang verneigen Sie sich vor dem Sarg.
Am offenen Grab beginnen Sie dagegen mit der Verneigung vor dem Sarg. Dann wenden Sie sich an die Trauergemeinde und sprechen mit ruhiger Stimme– auch wenn die weiter hinten Ste-henden Sie dann möglicherweise schlecht verstehen. Sie sprechen frei. Ohne Stichwortzettel oder Manuskript.
Achtung: In offizieller Position reden Sie nicht am offenen Grab. Das ist ausschließlich den nächsten Angehörigen vorbehalten. Einzige Ausnahme: Dieser Wunsch wird durch die direkten Hinterbliebenen ausdrücklich an Sie herangetragen.
Wer bei einer betrieblichen Trauerfeier spricht
Die Hauptrede wird von der betriebshierarchisch ranghöchsten anwesenden Person gehalten. Und zwar noch vor möglichen anderen Redenden wie Betriebsratsmitgliedern, langjähriger
Kundschaft, Lieferanten oder Kolleginnen und Kollegen.
Wer bei einer Trauerfeier im Verein spricht
Zunächst spricht die oder der Vereinsvorsitzende. Gibt es weitere offizielle Reden, zum Beispiel von der Bürgermeisterin oder von einem Kommunalpolitiker, sprechen sie danach. Diese Rednerinnen oder Redner müssen in der Regel vom Vereinsvorstand eingeladen werden.
Wo Sie als Familienmitglied Ihre Rede halten
Für den Ort der Trauerrede haben Sie verschiedene Möglichkeiten: Sie können Ihre Ansprache in der Trauerkapelle halten, am offenen Grab – oder auch beim anschließenden „Leichenschmaus“.
Durch den familiäreren Rahmen besteht hier nach dem Begräbnis noch einmal die Möglichkeit, sehr persönlich Abschied zu nehmen.
Vor allem ältere Kinder der oder des Verstorbenen können bei diesem Anlass im engeren Freundes- und Familienkreis persönlich danken für die Unterstützung, für die Worte des Trostes und für die Kranz- und Blumengaben.
Ich habe es nicht oft erlebt, dass Familienmitglieder diese Möglichkeit genutzt haben. Aber wenn das jemand tat, war deutlich zu spüren, wie tröstend, wie wohltuend diese Worte von den anderen empfunden wurden. Denn fernab vom offizielleren Charakter der großen Trauerreden geht es hier um Familienzusammenhalt. Um das Signal: Ich bin (wir sind) da für dich/euch! Eine Botschaft, die sehr tröstend wirkt.
Kritik unbedingt vermeiden
Beschimpfungen, kritische Nachbemerkungen, „Ich hab’s ja schon immer gewusst-Statements“ haben bei einer Trauerfeier nichts, aber auch gar nichts verloren! Es geht ebenso wenig um Unehrlichkeit und Lobhudelei.
Die guten Umgangsformen verlangen von niemandem, zu lügen. Es geht –wenn man denn nichts Gutes oder Würdigendes zu sagen weiß – ums Schweigen!
So sammeln Sie diskret Information
Wenn Sie gebeten werden, eine Trauerrede zu halten, und Sie sind sich nicht ganz sicher, welche Besonderheiten Sie aus dem Leben der oder des Verstorbenen hervorheben sollen oder können, fragen Sie bei den direkten Angehörigen nach weiteren Rednerinnen oder Rednern. Mit diesen Personen können Sie sich dann vorher abstimmen.
Gibt es keine weiteren Reden, fragen Sie deshalb lieber andere Menschen, die zu der oder dem Toten in einem besonderen Verhältnis standen. Dies können Sie später in der Trauerrede verwenden – und zeigen damit den nächsten Angehörigen, wie geschätzt und respektiert dieser Mensch im Leben war.
Tipp: Sie sollten nicht den hinterbliebenen Partner oder die hinterbliebene Partnerin fragen („Was darf ich denn erwähnen? ... Was soll ich denn sagen? ...“). Auch die erwachsenen Kinder zu befragen, wäre unpassend. Schließlich ist es für die ganz nahen Verwandten ein Trost, herzliche Worte über den verstorbenen Menschen zu hören. Worte, die sie nicht selbst dem Redenden in den Mund legen mussten.
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