So reagieren Sie souverän auf unfreundliche Zwischenrufer- und stellen sich selbst ins beste Licht
- Kategorie/n: Schlagfertigkeit
Stellen Sie sich folgende Situation einmal vor: Ihre Rede wird für alle vernehmlich durch den Kommentar „Weichei!“ unterbrochen. Und plötzlich interessiert sich Ihr Publikum nur noch für eine Frage: Wie reagiert er darauf? Sie haben verschiedene Möglichkeiten:
Nehmen Sie Blickkontakt zum Zwischenrufer auf, und antworten Sie: „Schön, Sie kennen zu lernen. Mein Name ist ...“ Nach diesem Konter brechen Sie den Blickkontakt sofort wieder ab, um den Zwischenrufer nicht weiter zu provozieren.
So kontern Sie Killerphrasen
Zurufe wie „Das hat es noch nie gegeben!“ oder „Darüber zu reden, hat überhaupt keinen Zweck!“ hat jeder erfahrene Präsentator oder Redner in seinem Leben bereits mehrfach hören müssen. Profis reagieren meist gelassen: Sie decken die Killerphrasen als das auf, was sie sind: Sprüche ohne inhaltliches Fundament. Machen Sie deshalb Folgendes und wenden Sie deshalb die Killerphrase ins Positive: „Dies erschien mir anfangs auch so. Dann habe ich mich intensiver mit der Sache beschäftigt.“ Der Vorteil dieser Antwort: Sie stellen den Zwischenrufer in ein denkbar schlechtes Licht. Plötzlich ist er es, der uninformiert erscheint. Mehr noch: Nun haben Sie die Möglichkeit, immer wieder auf diesem Zwischenruf herumzureiten und können ab und an süffisant den Kontakt zum Zwischenrufer herstellen: „Ich weiß, Herr XY, ich höre dann immer,... wenn ich das früher gewusst hätte ...‘ und darum ist es mir auch so wichtig, alle hier im Raum auf einen Kenntnisstand zu stellen.“
3 typische Störenfriede, die Sie ab sofort nie wieder aus der Ruhe bringen werden
I. Die Bulldogge
Bulldoggen wollen jede Auseinandersetzung für sich entscheiden. Sie treten aggressiv auf und verfolgen mit allen Mitteln ihr Ziel: das durchzusetzen, was ihrem Ego dient. Dabei bedienen sie sich einer simplen Methode: Sie häufen Fakten auf und attackieren damit ihre Opfer. Diese sind eingeschüchtert und lassen sich umso leichter manipulieren.
Die Anti-Bulldoggen-Taktik: Wenn Sie erkannt haben, dass Bulldoggen kein Problem mit Ihnen, sondern in erster Linie mit sich selbst haben, sind Sie auf dem richtigen Weg. Jetzt müssen Sie nur die richtigen Schritte tun:
1. Sagen Sie der Bulldogge, sie soll sich setzen. Im Sitzen sind alle Menschen weitaus friedlicher als im Stehen.
2. Fragen Sie die Person geradeheraus, was ihr Problem ist. Hören Sie aufmerksam zu. Machen Sie ihr keine Vorhaltungen wegen ihres schlechten Benehmens. Ziehen Sie sie in ein Gespräch hinein. So erreichen Sie, dass das einseitige Wortbombardement in einen vernünftigen und konstruktiven Dialog übergeht.
3. Halten Sie Augenkontakt; aber antworten Sie sachlich, nicht aggressiv. Wenn Sie unterbrochen werden – was Bulldoggen gerne tun – schneiden Sie ihr das Wort ab. Sagen Sie der Bulldogge, dass sie gleich an der Reihe ist, und reden Sie in Ruhe aus.
II. Der Vulkan
Bei menschlichen Vulkanen ist es wie bei natürlichen: Sie stehen ständig unter Spannung und brechen plötzlich ohne Vorwarnung aus. Menschliche Vulkane besitzen wenig Selbstwertgefühl und fühlen sich ständig bedroht. Deshalb machen sie andere für ihre eigenen Probleme verantwortlich und haben so einen Vorwand, um zu explodieren.
Die Anti-Vulkan-Taktik: Schauen Sie der Gefahr ins Auge! Widerstandsloses Nachgeben wird Ihnen nur als Feigheit ausgelegt werden. Warten Sie zunächst ab, und werden Sie dann selbst aktiv:
1. Geben Sie dem Vulkan Zeit, sich wieder abzukühlen. Hören Sie gut zu, vielleicht erkennen Sie bereits im Verlauf des Ausbruchs einen Ansatz zur Lösung des Problems.
2. Wenn Sie aus dem Vorgebrachten nicht schlau werden, haken Sie nach. Sie sollten herausfinden, was den Vulkan getroffen und verletzt hat. Fragen Sie aber nicht zu direkt; dies könnte ihn noch mehr explodieren lassen.
3. Trennen Sie die sachliche von der emotionalen Ebene. Registrieren Sie die Fakten, und setzen Sie dort an.
III. Der Heckenschütze
Heckenschützen operieren im Untergrund. Unter dem Deckmantel des Humors machen sie sich über andere und deren Schwächen lustig. Da sie sich hinter scheinbar harmlosen Witzen verbergen, findet das Publikum ihr Vorgehen nicht schlimm; im Gegenteil. Doch wie Bulldoggen zielen Heckenschützen darauf ab, das Selbstvertrauen ihrer Opfer zu zerstören.
Die Anti-Heckenschützen-Taktik: Bei Heckenschützen sollten Sie eine Zwei-Schritt-Taktik fahren. Dabei müssen Sie sich vor Publikum anders verhalten als unter vier Augen:
1. Geben Sie vor Publikum keinen Kommentar ab zu einer anonym aus der Masse kommenden Attacke. Sie wissen ja: Der Heckenschütze will Sie mit seinen Späßchen verunsichern, Sie dazu provozieren, Ihre Haltung zu verlieren. Tun Sie ihm diesen Gefallen nicht!
2. Stellen Sie den Heckenschützen unter vier Augen. Fragen Sie ihn, ob er etwas gegen Sie hat. Natürlich wird er erwidern: „Wieso? Können Sie keinen Spaß vertragen?“ Dann sollten Sie antworten: „Klar! Aber habe ich da nicht einige Sticheleien herausgehört? Was wollten Sie denn damit sagen?“ So haben Sie die Möglichkeit, herauszufinden, ob wirklich ein Problem dahintersteckt. Dies können Sie unter vier Augen besser beheben als vor Publikum.
Wie Sie (mögliche) Zwischenrufer schon im Vorfeld bändigen
Es gibt eine ganze Reihe von prominenten Experten-Irrtümern, die Sie als herrlichen Aufhänger für Ihre Reden verwenden können. Beispiele:
- Walt Disney wurde wegen chronischen Ideenmangels von seinem Arbeitgeber, einer Lokalzeitung, gefeuert.
- Ein Gesangslehrer versicherte Enrico Caruso, er habe überhaupt keine Stimme.
- Fred Astaire konnte bei Metro Goldwyn Meyer nicht landen, weil ein Filmdirektor zu erkennen glaubte, er könne weder schauspielern noch tanzen.
- Der späteren amerikanischen Football-Trainerlegende Vince Lombardi (mit unserem Franz Beckenbauer vergleichbar) wurde von einem Experten bescheinigt, nur minimale Ahnung von American Football zu besitzen.
- Sein erster Musiklehrer sprach Ludwig van Beethoven jedes Talent zum Komponieren ab.
- Im Alter von 32 Jahren machte Daniel Defoe Bankrott. Als 59-jähriger wurde er mit „Robinson Crusoe“ über Nacht berühmt. Der Roman gehört heute zu den meistgedruckten Büchern der Welt!
- Goethe sagte über Caspar David Friedrich: „Er malt so schlecht, dass es keinen Unterschied macht, wenn man seine Bilder verkehrt herum aufhängt.“
So nutzen Sie diese Expertenmeinungen, wenn Sie zu einem Thema sprechen, das kontrovers diskutiert wird:
Meine Damen und Herren,
ich weiß, dass nicht alles, was ich Ihnen heute Abend erzählen werde, auch wirklich auf Ihre Zustimmung trifft. Zu kontrovers wirddieses Thema diskutiert. Deshalb habe ich die Daten und Fakten, die ich Ihnen heute Abend präsentieren werde, wieder und wieder überprüfen lassen. Damit Sie der Expertenmeinung auch wirklich standhalten. Apropos Expertenmeinung: Ich weiß, dass einige Experten heute anwesend sind. Wussten Sie, dass Walt Disney wegen ... Oder dass ein Gesangslehrer ...
Der Vorteil dieser Methode: Sie zwingen diejenigen im Publikum, die gegen Sie argumentieren, zu einer besonders fundierten Argumentation. Denn das übrige Publikum hat Ihre Einstiegsworte in Erinnerung – und reagiert entsprechend skeptisch auf Zwischenrufe.
„Ich hätte da mal eine Frage …“:Wenn Fragen und Einwände zum Störfaktor werden
Zwischenfragen und Einwände sind eine „dankbare“ Art der Störung – Sie können sich nämlich sehr gut darauf vorbereiten. Tragen Sie einfach kurz vor der Präsentation in einem kleinen Brainstorming alle denkbaren Fragen und Einwände (berechtigter und unberechtigter Art) zusammen. Überlegen Sie im zweiten Schritt, welche Argumente Sie entgegensetzen können.
Mit diesem Argumentationspool gehen Sie gerüstet in Ihre Präsentation – und können den meisten Zwischenfragen und Einwänden überzeugend begegnen.
Die besten „Notausgänge“ für kritische Situationen
Werden Sie während Ihrer Präsentation oder Ihres Vortrags laufend gestört oder finden Sie in einer Diskussion keine Übereinstimmung, dann nutzen Sie einen der besten „Notausgänge“ um sich aus kritischen Situationen zu befreien:
- Machen Sie eine Zusammenfassung, um das bereits erreichte Ergebnis und den Weg bis zum Ziel darzustellen.
- Kündigen Sie eine Pause an.
- Notieren Sie Pro- und Kontra-Argumente auf Flipchart oder Tafel, um zu verhindern, dass stets dieselben Argumente wiederholt werden.
- Vertagen Sie einen offenen Punkt mit dem Hinweis, dass beim nächsten Termin ein zusätzlicher Experte eingeladen wird.
- Nennen Sie einen neuen Termin, und legen Sie fest, wer bis dahin was mit wem erledigen muss, um das Ziel zu erreichen.
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