Sagen Sie Nein zur Verneinung
- Kategorie/n: Sprachstil und Redefiguren
Das menschliche Gehirn ist auf das „Ja“ programmiert. Die Verneinung wird immer als Umweg verstanden: „Inge ist nicht groß“ ist komplizierter als „Inge ist klein“; „Matthias ist nicht krank“ ist umständlicher als „Matthias ist gesund“.
Vermeiden Sie deshalb Verneinungen in Ihrer Rede. Suchen Sie nach Möglichkeiten, komplizierte Verneinungen zu umgehen. Wenn die Verneinung unumgänglich ist, sagen Sie sie so kurz wie möglich: Statt „Es ist uns im vergangenen Jahr nicht gelungen, unsere Ziele zu erreichen“ formulieren Sie es einfacher: „Wir haben unsere Ziele im letzten Jahr nicht erreicht.“
Besonders problematisch werden doppelte Verneinungen. Sie stellen häufig die Logik auf den Kopf:
Wir haben der Arbeitslosigkeit nicht den Kampf angesagt, weil wir das ökonomisch nicht für sinnvoll halten, sondern weil wir es nicht erträglich finden, dass Menschen ohne Erwerbsarbeit einen Sinn in ihrem Leben nicht mehr finden.
Nach diesem Satz (er wurde tatsächlich so in einer Rede verwendet) meint zwar jeder zu wissen, was gemeint ist, aber er wird trotz intensiven Nachdenkens kaum verständlich werden.
| Mit mehrfachen Verneinungen machen Sie es Ihren Zuhörern schwer, bei der Sache zu bleiben. Außerdem können Sie sich dabei sehr leicht in Ihrer Rede verheddern. Wir haben uns nicht deshalb nicht entschieden, weil es weder gelungen ist, nennenswerte Ergebnisse vorzulegen noch signifikante Daten zu erheben. Ein solcher Satz mit dreifacher Verneinung eignet sich für nächtelange, aber ergebnisoffene Analysen. Er erinnert an den Kindermund, der da sagt: Ich mag am liebsten den Kuchen mit ohne Rosinen. |
Schlagwörter geraten durch die Verneinungen sogar in Gefahr, völlig missverständlich gebraucht zu werden:
Wir haben dem Gewaltverzicht abgeschworen.
(Hans Apel, ehemaliger Verteidigungsminister)
Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass wir Sozialpolitiker Ihnen nicht auch in Zukunft viel Arbeit machen werden.
(Bundesarbeitsminister Olaf Scholz)
Wir rügen ein mangelndes Demokratiedefizit.
(Informationsdienst Medien-Kritik)
Wir haben nach Jahren der Stagnation endlich die Arbeitslosigkeit steigern können.
(Michael Glos, Bundeswirtschaftsminister)
Fazit: Überprüfen Sie Ihren Redetext. Kommen Verneinungen vor? Können Sie sie auflösen? Sind sie unmissverständlich formuliert?
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