Packend anfangen, stark aufhören: Redebeginn und Redeschluss
- Kategorie/n: Rede-Vorbereitung und Rede-Aufbau
Der „Aufhänger“ und der Abgang
Eine Rede, die gut anfängt, erweckt Aufmerksamkeit. Wer dann auch noch einen guten Abgang findet, kann sich des Beifalls sicher sein. Der Anfang soll die Zuhörer zum Zuhören gewinnen, das heißt ihre Ohren öffnen. Der Redschluß soll auf dem Höhepunkt der Rede mit einem brillanten rhetorischen Salto enden. Das werden die Zuhörer mit einem Riesenapplaus belohnen. Der Abgang hat also die Funktion, Applaus zu bekommen – den stärksten, der möglich ist. Der größte Beifall, den ein/e Redner/ in bekommen kann, ist der Schlußbeifall. Er wird, wie der Name schon sagt, durch einen guten Redeschluß ausgelöst.
Pointiert gesagt: Den Schlußapplaus bekommt der Abgang, nicht die Rede!
Gerade routinierte Redner, die ohne Schwierigkeiten frei sprechen und aus dem „Stegreif“ reden können, „komponieren“ deshalb sorgfältig den Anfang und vor allem das Ende. Am Schluß spielt jede Nuance eine Rolle: Einzelne Wörter, eine treffende Formulierung, eine spritzige Pointe entscheiden am Ende der Rede über den Erfolg des Ganzen.
Das Erscheinungsbild des Redners / der Rednerin
Doch der Reihe nach: zunächst zum Auftritt. Was das Publikum vom Redner/von der Rednerin sieht, nämlich seine/ihre gesamte äußere Erscheinung, hat großen Einfluß auf die Wirkung des gesprochenen Wortes. Bereits der erste Eindruck ist wichtig. Bevor der Redner/die Rednerin den Mund überhaupt öffnet, haben viele Zuhörer schon eine ziemlich konkrete Einstellung zu seiner/ihrer Person gewonnen.
Der menschliche Körper strahlt nämlich permanent optische Signale aus: Mimik, Gestik, Körperhaltung; sie sind voller Sprache. Deshalb spricht man von „einem ansprechenden Äußeren“ bzw. von „einem nicht ansprechenden Äußeren“.
Wenn ein/e Redner/in im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, wenn alle Augen auf ihn/sie gerichtet sind, werden diese optischen Signale besonders stark aufgenommen. Dabei spielen auch die „künstlichen Signale“ wie Kleidung, Frisur, Make-up usw. eine wichtige Rolle. Der/die gute Redner/in wird sein/ihr Erscheinungsbild deshalb nicht dem Zufall überlassen.
Tipp: Kontrollieren Sie sich vor einem Spiegel, besser noch vor einer Video-Kamera, ehe Sie auftreten.
Die Anrede
Die allgemeine Anrede der Zuhörer lautet konventionell: „Meine sehr geehrten Damen und Herren!“ Rednerinnen drehen die Reihenfolge um: „Meine sehr geehrten Herren und Damen!“ Wollen Sie Ihr Verhältnis zu den Zuhörern persönlicher, also weniger förmlich gestalten, sprechen Sie nicht mehr von „Damen und Herren“ (denn die sollten immer „sehr geehrt“ sein).
Freunde, Schülerinnen und Schüler, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel dürfen Ihnen „lieb“ und „teuer“ sein, und die Anrede lautet dann etwa: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!“ Oder: „Liebe Freunde der Konzertmusik!“ Wollen Sie persönlich verbunden und doch betont höflich bleiben, sagen Sie beides: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!“
Die "verzögerte" Anrede
Virtuos wird Ihr Redeanfang, wenn Sie die Anrede verzögern, d. h. erst einige Sätze vorausschicken, ehe Sie die Zuhörer begrüßen. Starten Sie zum Beispiel mit einem Zitat:
„,Was du nichtwillst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu‘“, sagt ein altes Sprichwort.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, heute scheint das Sprichwort nicht mehr zu gelten. Im Gegenteil: Jeder, so lesen wir täglich in der Presse, sucht seinen eigenen Vorteil auf Kosten der anderen – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Moral, der Anstand, die Nächstenliebe– sind sie wirklich auf der Strecke geblieben?
Dies soll das Thema unseres heutigen Abends sein. Und damit heiße ich Sie herzlich willkommen zum fünften Vortrag in der Reihe ‚Reden über Deutschland‘.“
Sie können auch erst eine kurze, dramatische Handlung schildern, eine kleine Story, und danach die Zuhörer begrüßen. So erzielen Sie einen Effekt wie im Film: Mit einer „Action“- Szene beginnen und erst später den Titel- und Filmvorspann einblenden.
Der Anfang
Der Einstieg, der Auftakt, der Start der Rede ist entscheidend für die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Ist der Anfang originell, interessant, humorvoll, fesselnd, ja unerwartet, öffnet er die Ohren der Zuhörer.
Umgekehrt gilt: Wenn Sie mit dem beginnen, was Ihre Zuhörer sowieso schon wissen, wirken Sie keineswegs rhetorisch faszinierend! Also nicht: „Guten Tag, meine Damen und Herren, ich heiße Franz Müller und komme, um Ihnen etwas über den Umweltschutz zu erzählen.“ Das wußten bereits alle, deshalb sind sie ja gekommen.
Sondern so: „Alle reden von Umweltschutz. Na und? Wer hört
da noch hin? Und der Schutz der Ozonschicht? Was soll daran so wichtig sein?! Davon hat doch früher auch keiner geredet. Warum gerade jetzt? Weil die Weltbevölkerung dramatisch gewachsen ist. In
knapp 4 Jahrzehnten hat sie sich von 3 Milliarden auf 6 Milliarden verdoppelt.
Wenn in China die Fahrräder durch Autos ersetzt werden, ist das Ende der Menschheit gekommen, sagen die einen. Die anderen sagen: Unsinn. Und wenn schon! Dann wandern wir eben aus! Aber wohin? Es gibt keinen Fluchtweg. Es gibt außerhalb der Erde keinen Planeten, auf dem ein Überleben möglich wäre.
Allen anderen Planeten fehlt vor allem eins: diese schützende Hülle, die vor der tödlichen Strahlung aus dem Weltraum bewahrt. Darum gibt es kein wichtigeres, kein aktuelleres, aber auch kein bedrückenderes Thema als den Schutz unserer Erde. Es geht um das Überleben der Menschheit auf unserem Planeten.“
Der Anfang öffnet die Ohren, bildet die erste Meinung, erzeugt Stimmung.
Anregungen zum Rede-Anfang
Beginnen Sie Ihre Rede zum Beispiel mit:
- einer aktuellen Nachricht
- einer Geschichte/„Story“
- einem Zitat
- einem persönlichen Erlebnis
- einem historischen Rückblick
- einer Frage an das Publikum
- einem Gegenstand, den Sie mitbringen
- einer Abbildung, die Sie zeigen
- einer Schlagzeile („Es war Liebe auf den ersten Blick“)
Der Schluss
Der starke, punktgenaue Abgang ist noch wichtiger als eine starke Eröffnung. Denn die letzten
Worte nimmt der Zuhörer mit nach Hause. Der Schluß bleibt im Ohr und in der Erinnerung. Das Wichtigste am Schluß ist, die Rede deutlich zu beenden. Man erkennt ungeschickte Redner daran, daß sie ihre Zuhörer über den Schluß der Rede im Unklaren lassen. Ist er nun fertig, oder will er noch etwas sagen?
Statt einen Schlußpunkt zu setzen, klar und eindeutig, verläuft hier die Rede im Sand, bleibt ohne Kontur. Das macht den Zuhörer unsicher. Daher am Ende: klare Verhältnisse!
Anregungen zum Rede-Schluss
Beenden Sie Ihre Rede zum Beispiel mit:
- einem Wunsch
- einer Hoffnung
- einem Blick in die Zukunft
- einem Versprechen
- einem Mobilisierungs-Satz
- einer Aufforderung
- einem Zitat
- einer Anekdote
- einer erstaunlichen Begebenheit
- einer freudigen Überraschung („… wird in diesem Jahr die Weihnachtsprämie um … Prozent erhöht!“)
Spannen Sie mit Ihrer Rede ein Seil zwischen Anfang und Ende, verknüpfen Sie die beiden Pole miteinander. Das funktioniert einfach durch
- die Wiederholung eines Textes, mit dem Sie die Rede begonnen haben,
- einen Hinweis auf die Eröffnung,
- das Wiederaufgreifen des selben Zitats – jetzt mit neuem Kommentar.
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